Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt litt heute nicht nur unter der Schwäche vieler marktführender Technologiewerte sondern anscheinend auch schon unter ersten Entzugserscheinungen (nachfolgender Wall Street Bericht). Bis zum Xetra-Schluss verlor der DAX - im Schatten der nervösen US-Märkte - heute jedenfalls 0,68 Prozent auf 5.663 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche gab der Index 0,4 Prozent ab. Lang & Schwarz indizieren heute Nacht wenig Veränderung (5.679 Punkte).
Tagessieger wurde K+S. Der Agrarzulieferer zählt des öfteren zu den Lieblingen der Anleger, wegen seiner Nähe zum Rohstoffsektor. Dahinter folgten eher defensive Papiere wie Henkel und Beiersdorf. Waschmittel und Gesichtscremes werden auch in schwierigen Zeiten gebraucht.
Der Flop des Tages hieß Commerzbank. Der Bank-Titel ist wegen der kaum ausgestandenen Finanzkrise sehr spekulativ und taucht daher häufig in den Top- oder Flop-Positionen auf. Verkauft wurden auch Infineon. Bei einigen Banken kamen die gestrigen Q3-Zahlen nicht gut an. Deutsche Bank und UBS senkten jeweils ihre Kursziele. Außerdem belastete die Schwäche der Chipaktien an der Wall Street, wo auch Infineon gehandelt wird.
Wall Street: Weg von Geldspritze?
New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street pendelte heute mehr oder weniger knapp unter der Wasserlinie und schloss knapp darunter. Für die heutige (moderate) Schwäche sehen Bloomberg und andere Medien vor allem 2 Gründe:
1. Die Politiker denken laut darüber nach, die Maßnahmen zur Stimulierung der Weltwirtschaft allmählich auslaufen zu lassen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet verkündete heute jedenfalls, die Notenbanken wollen damit beginnen, ihre Liquiditätshilfen graduell zurückzuziehen. Die Erholung der Weltwirtschaft und die Rally an der Aktien- & Rohstoffmärkten wurden in den vergangenen Monaten vor allem von den Geldspritzen der Zentralbanken vorangetrieben. Anscheinend werden jetzt Entzugserscheinungen befürchtet.
Dell patzt
2. Dell, die Nr. 3 auf dem PC-Weltmarkt, patzte gestern Abend bei den Q3-Zahlen, sowohl beim Gewinn (minus 54%) als auch beim Umsatz. Darunter litt die Stimmung bei den Technologieaktien, die die Rally seit März angeführt hatte. Einige Beobachter sehen die Schwäche des PC-Direktverkäufers als schlechtes Omen für das Weihnachtsgeschäft bei der Konsumelektronik, anderer verwiesen aber darauf, dass die Texaner einfach nur Marktanteile verlieren (an Hewlett-Packard, die Asiaten und Apple).
Der Technologiesektor litt außerdem noch unter den Halbleiteraktien, die ihren gestrigen Rutsch fortsetzten, wenn auch verlangsamt. Bereits gestern hatte die Bank of America-Tochter Merrill Lynch eine massive Salve von Downgrades auf die Schwergewichte des Chip-Sektors abgegeben und damit dort einen Kurseinbruch ausgelöst, der die Stimmung des Gesamtmarktes verhagelte.
D.R. Horton auch
Heute kamen noch enttäuschende Q3-Ergebnisse des Eigenheimbauers D.R. Horton hinzu, die die Eigenheimbauer auf Talfahrt schickten, auch zu Lasten der Banken, die wegen ihrer Kredite eng damit verflochten sind.
Diese Mischung führte wieder dazu, dass der Risikoappetit gedämpft blieb. Riskantes wurde wieder in defensives getauscht. Also stiegen wieder Dollar & Anleihen, die als sichere Häfen angelaufen werden.Das drückte wiederum auf den Ölpreis.
Außerdem liefen heute Optionen mit der Fälligkeit November aus und führten bei den betroffenen Aktien zu Anpassungsreaktionen.
Konsequenz: Die Verlierer des Tages waren die Eigenheimbauer mit einem Tagesverlust von 2,6%. Der Ölsektor rutschte 2,2%. Die Chip-Titel gaben 0,8% ab.
Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, büßte 0,2% ein. Der konjunktursensible Transportsektor verlor 0,3%. Der Bankensektor verbilligte 0,3%.
Die - als defensiv geltenden - Versorger stiegen dagegen 0,3%.
So erging es den großen Barometern: Der Dow Jones Industrial Average bröckelte 0,14 Prozent auf 10.318 Punkten, dort stützen einige defensive Schwergewichte.
Der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 verlor 0,32 Prozent auf 1.091 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index büßte 0,5 Prozent ein und schloss auf 2.146 Punkte. Dort drückten Dell und die Chipaktien.
Im Vergleich zur Vorwoche waren die Veränderungen durchwachsen:
Dow Jones plus 0,5 Prozent
S&P 500 minus 0,2 Prozent
Nasdaq minus 1 Prozent
Dow Jones Average: Süß & fettig
Tops:
9 der 30 Blue Chips schlossen im grünen Bereich.
Gefragt waren die sicheren Häfen, also die defensiven Riesen. Gekauft wurden daher:
Big Pharma:
Merck & Co, heute der Top des Dow, mit plus 3,2 Prozent auf 36,46 Dollar.
Pfizer (Viagra) plus 1,4 Prozent auf 18,36 Dollar.
Süß & fettig:
Coca Cola plus 1,1 Prozent auf 57,48 Dollar.
McDonald´s plus 0,9% Prozent auf 63,97 Dollar.
Kraft Foods (Milka, Jacobs, Miracoli, Philadelphia) plus 0,7 Prozent auf 27,17 Dollar.
Flops:
Verkauft wurden Zykliker und Technologie:
Der Flop hieß Caterpillar. Der Baumaschinengigant verlor 1,1 Prozent auf 57,95 Dollar.
General Electric gab 1,1 Prozent auf 15,59 Dollar.
Cisco verlor 0,9 Prozent auf 23,46 Dollar. Der Netzwerkausrüster-Riese (Internet-Infrastruktur) wurde für Dell & Chipwerte in Sippenhaft genommen.
S&P 500: Konfitüre & Erdnussbutter
Tops:
J.M. Smucker gewann 5,4 Prozent auf 56,35 Dollar. Süßigkeiten scheinen über den Konjunkturfrust hinwegzutrösten. Jedenfalls erfreute das Unternehmen, das Konfitüre, Erdnussbutter und dergleichen herstellt, heute seine Aktionäre mit der Meldung, man habe den Gewinn mehr als verdoppelt. Dazu trug auch die Übernahme von Folgers Coffee bei. Außerdem kämen die Marken und Produktinnovationen bei den Verbrauchern gut an, hieß es. Verdient wurden in Q3 je Aktie $1,18, der Konsens hatte nur $1,04 erwartet.
Gap stieg 0,4 Prozent auf 21,95 Dollar. Der Fashionhändler meldete gestern Abend etwas mehr Umsatz als erwartet, anscheinend kam auch der Ausblick gut an.
Gamestop gewann 4 Prozent auf 25,49 Dollar. (Gestern plus 1,7 Prozent). Der Händler von Videospielen und -konsolen meldete bereits gestern einen Gewinnanstieg in Q3 um 11,8%, mehr als erwartet. Das wurde heute nochmals gefeiert.
Die Elektronikkette Best Buy setzte ebenfalls den gestrigen Kursanstieg fort, heute mit plus 0,8 Prozent auf 43,30 Dollar. Dafür gibt es anscheinend 3 Gründe:
Die guten Zahlen des Rivale Gamestop.
Die Credit Suisse erwartet bessere Brutto-Gewinnmargen im Sektor Konsumelektronik und erwähnte dabei Best Buy lobend.
Der CEO des Discounters erklärte, die Ladenkette generiere in diesem Jahr einen Gesamtumsatz von beinahe 50 Mrd. Dollar. Der Konsens ging nur von 48,5 Mrd. Dollar aus.
Dillard's sprang 9,7 Prozent auf 15,66 Dollar. Der Kaufhausbetreiber mit den Schwerpunkten Bekleidung und Wohnungsausrichter bekam eines der heute seltenen Upgrades. Die Deutsche Bank beförderte den Konsum-Titel heute von Hold auf Buy und katapultierte das Kursziel gleich von $13.50 auf $28. Gründe dafür wurden zwar nicht bekannt. Aber nicht alle Analysten schließen sich der pessimistischen Weltanschauung von Merrill Lynch (massives Downgrade des Sektors Chips) an. Einige sind anscheinend in der Lage, die Erholung zu erkennen und zu würdigen.
Carmike Cinemas verteuerte 4,6 Prozent auf 5,93 Dollar. In trüben Zeiten flüchten viele ins Kino. Der Broker Caris & Company korrigierte sein Rating von Average auf Above Average und das Kursziel von $11 auf $7.50. Gründe dafür wurden nicht bekannt.
Hess gewann 2,2 Prozent auf 58,84 Dollar. Morgan Stanley lupfte das Rating für den in New York angesiedelten Öldienstleister (Exploration, Marketing etc.) von equal-weight auf overweight und das Kursziel von $65 auf $75. Die Bank rechnet mit besseren Einnahmen im Explorationsgeschäft.
Flops:
D.R. Horton plumpste 15,4 Prozent auf 10,37 Dollar. Der texanische Eigenheimbauer konnte seinen Quartalsverlust zwar deutlich eindämmen, der Umsatz fiel aber stärker als erwartet. Das Management meldete zwar steigende Aufträge, das interessiert heute aber wenig.
Goldman Sachs verlor 1,6 Prozent auf 170,01 Dollar. Das Wall Street Journal berichtete, dass sich große Aktionäre über die hohen Bonuszahlungen beklagen und stattdessen höhere Ausschüttungen an die Investoren fordern.
Nasdaq: Downgrade-Syndrom
Die technologielastige Computerbörse litt noch unter den Chipwerten. Heute kam noch Dell hinzu.
Dell brach um 9,96 Prozent auf 14,29 Dollar ein. Gestern Abend verpatzte die Nr. 3 auf dem weltweiten PC-Markt (hinter Hewlett-Packard und den Taiwanesen Acer) wieder einmal ihre Quartalszahlen. Bloomberg verwies darauf, dass der PC-Hersteller weitere Marktanteile verlor. Außerdem hätten höhere Komponentenkosten (Chips und dergleichen) die Gewinne beschnitten.
Einige Analysten zeigen Geduld und glauben an einer allgemeine IT-Erholung in 2010, die auch das Boot Dell wieder anheben sollte, andere zeigen weniger Geduld.
Goldman Sachs bestätigte das Buy-Rating. Das Kursziel beträgt $17.50.
Credit Suisse hält an ihrem Neutral-Rating fest, korrigierte aber das Kursziel von $16 auf $14.
Barclays lässt das Equal Weight-Rating und Kursziel $16 unverändert.
Die Halbleiteraktien setzen ihren gestrigen Kursrutsch fort. Bereits gestern gab die Bank of America-Tochter Merrill Lynch eine Salve von Downgrades auf die Schwergewichte des Chip-Sektors abgab.
Wenig Beachtung fanden andere Broker die positive Kommentar zum Chipsektor abgeben.
Der Broker BMO Capital Markets startete heute Intel, Marvell und Texas Instruments jeweils mit Outperform. Egal.
Intel minus 0,3 Prozent auf 19,24 Dollar.
Texas Instruments minus 0,6 Prozent auf 24,74 Dollar.
Broadcom minus 1,4 Prozent auf 28,76 Dollar.
Marvell allerdings plus anämische 0,07 Prozent auf 15,28 Dollar.
Novellus avancierte 0,3 Prozent auf 20,96 Dollar. Das verdankte der Halbleiterausrüster dem Broker Davidson, der das Papier von Neutral auf Buy aufwertete , aber an Kursziel $25 festhält. Der Broker sieht stärkere Nachfrage seitens der Speicherhersteller. Außerdem könnten die Kalifornier die Konkurrenz dank ihrer Technologie überflügeln.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verlor 0,8 Prozent auf 307 Punkte. Gestern minus 3,4 Prozent.
Microsoft verbilligte 0,5 Prozent auf 29,62 Dollar. CEO steve Ballmer rührt zwar schwer die Werbetrommel für Windows 7 (angeblich "riesen Erfolg"), heute aber mit geringem Erfolg.
Die Smartphone-Familie entwickelte sich durchwachsen.
Apple bröckelte 0,3 Prozent auf 199,92 Dollar. Die Aktie gewann seit Jahresanfang 134%.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, gewann dagegen 1,5 Prozent auf 59,72 Dollar.
Die Aktie hatte in den vergangenen Monaten allerdings schwer underperformed, sowohl den Gesamtmarkt als auch den Rivalen Apple. Der Grund war die Furcht vor wachsendem Wettbewerb (iPHone, Google Betriebssystem Android).
Vielleicht kam der Broker FTN Capital heute zu spät mit dem downgrade von Buy auf Neutral. Der Broker glaubt, dass die Kanadier in den USA Marktanteile bei den Smartphones verlieren.
Palm avancierte 1 Prozent auf 11,74 Dollar.
Internet: Verhinderte Rivalen
Das Online-Kaufhaus Amazon.com avancierte 0,5 Prozent auf 129,66 Dollar. Die Aktie kostet etwa das 4-fache des Tiefs vom vergangenen November ($34,68). Das Papier stieg seit Jahresanfang 152% und bewegt sich dicht unter dem Allzeithoch ($134,95).Diese Woche schraubte der Broker Piper Jaffray sein Kursziel auf $163 hoch.
Heute halfen wohl auch noch Berichte über Engpässe bei Rivalen im Zukunftsmarkt E-Book-Reader. Der New Yorker Buchhändler Barnes & Noble meldete, sein kürzlich gestarteter E-Book-Reader Nook sei ausverkauft, weil die Nachfrage höher als erwartet ist. Bestellungen würden erst wieder ab dem 4. Januar bedient, also nach dem Weihnachtsgeschäft. Laut dem Infodienst The Street.com hat auch Sony bei seinem E-Book-Reader wegen hoher Nachfrage Lieferschwierigkeiten und könne daher rechtzeitige Bedienung zum Weihnachtsgeschäft nicht garantieren.
Das sei ein Vorteil für Amazon.com glaubt The Street.com. Bei Amazons E-Book-Reader Kindle, anscheinend der Marktführer, gebe es keine Anzeichen für Lieferschwierigkeiten. Das Gerät war im vergangenen Weihnachtsgeschäft ausverkauft gewesen, inzwischen wurde dort das Angebot hochgefahren.
Der Rivale Ebay sank 1,7 Prozent auf 22,79 Dollar. Die Nachricht, dass der Verkauf der ungeliebten Tochter Skype (Internet-Telefonie) endlich abgeschlossen ist, begeisterte wenig.
Die Online-Videothek Netflix verbilligte 0,5 Prozent auf 59,07 Dollar.
Google verlor 0,5 Prozent auf 569,94 Dollar. Noch fehlt der Glaube an eine zügige Erholung des Werbegeschäfts.
Yahoo verlor 1,5 Prozent auf 15,38 Dollar. Die eh nur geringe Begeisterung über den Suchmaschinen-Deal mit Microsoft ist anscheinend abgeklungen, zumal der Portalbetreiber weiterhin Marktanteile bei der Internetsuche verliert. Außerdem scheinen ihm jetzt auch noch Dienste wie Twitter das Wasser abzugraben. Der Info-Vermittlungsdienst meldete heute, man erziele im Jahr mehr als 4 Mrd. Dollar Umsätze und wolle bald ein erfolgreiches Werbegeschäft auf die Bein stellen. Für Yahoo ein Rivale mehr.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, bröckelte lediglich 0,1 Prozent auf 427,59 Dollar. Die Aktie stieg seit Jahresanfang 227% und bewegt sich dicht unter dem Allzeithoch ($442,86). Weiterhin sorgt die Chinafantasie für Käufer.
Rohstoffe: Getrennte Wege
Öl: Gegenkurs zum Dollar
Der Ölpreis setze seinen Gegenkurs zum Dollar fort. Der Greenback gewann wieder etwas Boden. Der Dezember-Kontrakt für Crude verbilligte an der New York Mercantile Exchange um 63 Cents und schloss auf 76,83 Dollar.
Gold: Trend fortgesetzt
Das Gold setzte seinen Aufwärtstrend fort. Der Gold-Kontrakt für Dezember stieg heute an der New York Mercantile Exchange um 6,50 Dollar und schloss auf 1.148,40 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 1.50,65 Dollar.
Ausblick: Das Weihnachtsgeschäft beginnt (hoffentlich)
Montag:
16:00 Uhr Verkauf bestehender Eigenheime Oktober
Quartalszahlen: Hewlett-Packard (Weltmarktführer PCs & Drucker)
Dienstag:
14:30 Uhr Wirtschaftswachstum Q3, 1. Revision.
Mittwoch: Geballte Ladung
14:30 Uhr Einkommen und Ausgaben der privaten Haushalte (Konsum) Oktober plus Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche sowie Auftragseingänge langlebiger Güter Oktober, 16:00 Uhr Verkauf neuer Eigenheime Oktober 16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
Feiertag (Thanksgiving) US-Börsen geschlossen.
Freitag:
Inoffizieller Start des Weihnachtsgeschäfts (Black Friday). US-Aktienmärkte schliessen vorzeitig um 19:00 Uhr.
Tagessieger wurde K+S. Der Agrarzulieferer zählt des öfteren zu den Lieblingen der Anleger, wegen seiner Nähe zum Rohstoffsektor. Dahinter folgten eher defensive Papiere wie Henkel und Beiersdorf. Waschmittel und Gesichtscremes werden auch in schwierigen Zeiten gebraucht.
Der Flop des Tages hieß Commerzbank. Der Bank-Titel ist wegen der kaum ausgestandenen Finanzkrise sehr spekulativ und taucht daher häufig in den Top- oder Flop-Positionen auf. Verkauft wurden auch Infineon. Bei einigen Banken kamen die gestrigen Q3-Zahlen nicht gut an. Deutsche Bank und UBS senkten jeweils ihre Kursziele. Außerdem belastete die Schwäche der Chipaktien an der Wall Street, wo auch Infineon gehandelt wird.
Wall Street: Weg von Geldspritze?
New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street pendelte heute mehr oder weniger knapp unter der Wasserlinie und schloss knapp darunter. Für die heutige (moderate) Schwäche sehen Bloomberg und andere Medien vor allem 2 Gründe:
1. Die Politiker denken laut darüber nach, die Maßnahmen zur Stimulierung der Weltwirtschaft allmählich auslaufen zu lassen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet verkündete heute jedenfalls, die Notenbanken wollen damit beginnen, ihre Liquiditätshilfen graduell zurückzuziehen. Die Erholung der Weltwirtschaft und die Rally an der Aktien- & Rohstoffmärkten wurden in den vergangenen Monaten vor allem von den Geldspritzen der Zentralbanken vorangetrieben. Anscheinend werden jetzt Entzugserscheinungen befürchtet.
Dell patzt
2. Dell, die Nr. 3 auf dem PC-Weltmarkt, patzte gestern Abend bei den Q3-Zahlen, sowohl beim Gewinn (minus 54%) als auch beim Umsatz. Darunter litt die Stimmung bei den Technologieaktien, die die Rally seit März angeführt hatte. Einige Beobachter sehen die Schwäche des PC-Direktverkäufers als schlechtes Omen für das Weihnachtsgeschäft bei der Konsumelektronik, anderer verwiesen aber darauf, dass die Texaner einfach nur Marktanteile verlieren (an Hewlett-Packard, die Asiaten und Apple).
Der Technologiesektor litt außerdem noch unter den Halbleiteraktien, die ihren gestrigen Rutsch fortsetzten, wenn auch verlangsamt. Bereits gestern hatte die Bank of America-Tochter Merrill Lynch eine massive Salve von Downgrades auf die Schwergewichte des Chip-Sektors abgegeben und damit dort einen Kurseinbruch ausgelöst, der die Stimmung des Gesamtmarktes verhagelte.
D.R. Horton auch
Heute kamen noch enttäuschende Q3-Ergebnisse des Eigenheimbauers D.R. Horton hinzu, die die Eigenheimbauer auf Talfahrt schickten, auch zu Lasten der Banken, die wegen ihrer Kredite eng damit verflochten sind.
Diese Mischung führte wieder dazu, dass der Risikoappetit gedämpft blieb. Riskantes wurde wieder in defensives getauscht. Also stiegen wieder Dollar & Anleihen, die als sichere Häfen angelaufen werden.Das drückte wiederum auf den Ölpreis.
Außerdem liefen heute Optionen mit der Fälligkeit November aus und führten bei den betroffenen Aktien zu Anpassungsreaktionen.
Konsequenz: Die Verlierer des Tages waren die Eigenheimbauer mit einem Tagesverlust von 2,6%. Der Ölsektor rutschte 2,2%. Die Chip-Titel gaben 0,8% ab.
Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, büßte 0,2% ein. Der konjunktursensible Transportsektor verlor 0,3%. Der Bankensektor verbilligte 0,3%.
Die - als defensiv geltenden - Versorger stiegen dagegen 0,3%.
So erging es den großen Barometern: Der Dow Jones Industrial Average bröckelte 0,14 Prozent auf 10.318 Punkten, dort stützen einige defensive Schwergewichte.
Der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 verlor 0,32 Prozent auf 1.091 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index büßte 0,5 Prozent ein und schloss auf 2.146 Punkte. Dort drückten Dell und die Chipaktien.
Im Vergleich zur Vorwoche waren die Veränderungen durchwachsen:
Dow Jones plus 0,5 Prozent
S&P 500 minus 0,2 Prozent
Nasdaq minus 1 Prozent
Dow Jones Average: Süß & fettig
Tops:
9 der 30 Blue Chips schlossen im grünen Bereich.
Gefragt waren die sicheren Häfen, also die defensiven Riesen. Gekauft wurden daher:
Big Pharma:
Merck & Co, heute der Top des Dow, mit plus 3,2 Prozent auf 36,46 Dollar.
Pfizer (Viagra) plus 1,4 Prozent auf 18,36 Dollar.
Süß & fettig:
Coca Cola plus 1,1 Prozent auf 57,48 Dollar.
McDonald´s plus 0,9% Prozent auf 63,97 Dollar.
Kraft Foods (Milka, Jacobs, Miracoli, Philadelphia) plus 0,7 Prozent auf 27,17 Dollar.
Flops:
Verkauft wurden Zykliker und Technologie:
Der Flop hieß Caterpillar. Der Baumaschinengigant verlor 1,1 Prozent auf 57,95 Dollar.
General Electric gab 1,1 Prozent auf 15,59 Dollar.
Cisco verlor 0,9 Prozent auf 23,46 Dollar. Der Netzwerkausrüster-Riese (Internet-Infrastruktur) wurde für Dell & Chipwerte in Sippenhaft genommen.
S&P 500: Konfitüre & Erdnussbutter
Tops:
J.M. Smucker gewann 5,4 Prozent auf 56,35 Dollar. Süßigkeiten scheinen über den Konjunkturfrust hinwegzutrösten. Jedenfalls erfreute das Unternehmen, das Konfitüre, Erdnussbutter und dergleichen herstellt, heute seine Aktionäre mit der Meldung, man habe den Gewinn mehr als verdoppelt. Dazu trug auch die Übernahme von Folgers Coffee bei. Außerdem kämen die Marken und Produktinnovationen bei den Verbrauchern gut an, hieß es. Verdient wurden in Q3 je Aktie $1,18, der Konsens hatte nur $1,04 erwartet.
Gap stieg 0,4 Prozent auf 21,95 Dollar. Der Fashionhändler meldete gestern Abend etwas mehr Umsatz als erwartet, anscheinend kam auch der Ausblick gut an.
Gamestop gewann 4 Prozent auf 25,49 Dollar. (Gestern plus 1,7 Prozent). Der Händler von Videospielen und -konsolen meldete bereits gestern einen Gewinnanstieg in Q3 um 11,8%, mehr als erwartet. Das wurde heute nochmals gefeiert.
Die Elektronikkette Best Buy setzte ebenfalls den gestrigen Kursanstieg fort, heute mit plus 0,8 Prozent auf 43,30 Dollar. Dafür gibt es anscheinend 3 Gründe:
Die guten Zahlen des Rivale Gamestop.
Die Credit Suisse erwartet bessere Brutto-Gewinnmargen im Sektor Konsumelektronik und erwähnte dabei Best Buy lobend.
Der CEO des Discounters erklärte, die Ladenkette generiere in diesem Jahr einen Gesamtumsatz von beinahe 50 Mrd. Dollar. Der Konsens ging nur von 48,5 Mrd. Dollar aus.
Dillard's sprang 9,7 Prozent auf 15,66 Dollar. Der Kaufhausbetreiber mit den Schwerpunkten Bekleidung und Wohnungsausrichter bekam eines der heute seltenen Upgrades. Die Deutsche Bank beförderte den Konsum-Titel heute von Hold auf Buy und katapultierte das Kursziel gleich von $13.50 auf $28. Gründe dafür wurden zwar nicht bekannt. Aber nicht alle Analysten schließen sich der pessimistischen Weltanschauung von Merrill Lynch (massives Downgrade des Sektors Chips) an. Einige sind anscheinend in der Lage, die Erholung zu erkennen und zu würdigen.
Carmike Cinemas verteuerte 4,6 Prozent auf 5,93 Dollar. In trüben Zeiten flüchten viele ins Kino. Der Broker Caris & Company korrigierte sein Rating von Average auf Above Average und das Kursziel von $11 auf $7.50. Gründe dafür wurden nicht bekannt.
Hess gewann 2,2 Prozent auf 58,84 Dollar. Morgan Stanley lupfte das Rating für den in New York angesiedelten Öldienstleister (Exploration, Marketing etc.) von equal-weight auf overweight und das Kursziel von $65 auf $75. Die Bank rechnet mit besseren Einnahmen im Explorationsgeschäft.
Flops:
D.R. Horton plumpste 15,4 Prozent auf 10,37 Dollar. Der texanische Eigenheimbauer konnte seinen Quartalsverlust zwar deutlich eindämmen, der Umsatz fiel aber stärker als erwartet. Das Management meldete zwar steigende Aufträge, das interessiert heute aber wenig.
Goldman Sachs verlor 1,6 Prozent auf 170,01 Dollar. Das Wall Street Journal berichtete, dass sich große Aktionäre über die hohen Bonuszahlungen beklagen und stattdessen höhere Ausschüttungen an die Investoren fordern.
Nasdaq: Downgrade-Syndrom
Die technologielastige Computerbörse litt noch unter den Chipwerten. Heute kam noch Dell hinzu.
Dell brach um 9,96 Prozent auf 14,29 Dollar ein. Gestern Abend verpatzte die Nr. 3 auf dem weltweiten PC-Markt (hinter Hewlett-Packard und den Taiwanesen Acer) wieder einmal ihre Quartalszahlen. Bloomberg verwies darauf, dass der PC-Hersteller weitere Marktanteile verlor. Außerdem hätten höhere Komponentenkosten (Chips und dergleichen) die Gewinne beschnitten.
Einige Analysten zeigen Geduld und glauben an einer allgemeine IT-Erholung in 2010, die auch das Boot Dell wieder anheben sollte, andere zeigen weniger Geduld.
Goldman Sachs bestätigte das Buy-Rating. Das Kursziel beträgt $17.50.
Credit Suisse hält an ihrem Neutral-Rating fest, korrigierte aber das Kursziel von $16 auf $14.
Barclays lässt das Equal Weight-Rating und Kursziel $16 unverändert.
Die Halbleiteraktien setzen ihren gestrigen Kursrutsch fort. Bereits gestern gab die Bank of America-Tochter Merrill Lynch eine Salve von Downgrades auf die Schwergewichte des Chip-Sektors abgab.
Wenig Beachtung fanden andere Broker die positive Kommentar zum Chipsektor abgeben.
Der Broker BMO Capital Markets startete heute Intel, Marvell und Texas Instruments jeweils mit Outperform. Egal.
Intel minus 0,3 Prozent auf 19,24 Dollar.
Texas Instruments minus 0,6 Prozent auf 24,74 Dollar.
Broadcom minus 1,4 Prozent auf 28,76 Dollar.
Marvell allerdings plus anämische 0,07 Prozent auf 15,28 Dollar.
Novellus avancierte 0,3 Prozent auf 20,96 Dollar. Das verdankte der Halbleiterausrüster dem Broker Davidson, der das Papier von Neutral auf Buy aufwertete , aber an Kursziel $25 festhält. Der Broker sieht stärkere Nachfrage seitens der Speicherhersteller. Außerdem könnten die Kalifornier die Konkurrenz dank ihrer Technologie überflügeln.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verlor 0,8 Prozent auf 307 Punkte. Gestern minus 3,4 Prozent.
Microsoft verbilligte 0,5 Prozent auf 29,62 Dollar. CEO steve Ballmer rührt zwar schwer die Werbetrommel für Windows 7 (angeblich "riesen Erfolg"), heute aber mit geringem Erfolg.
Die Smartphone-Familie entwickelte sich durchwachsen.
Apple bröckelte 0,3 Prozent auf 199,92 Dollar. Die Aktie gewann seit Jahresanfang 134%.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, gewann dagegen 1,5 Prozent auf 59,72 Dollar.
Die Aktie hatte in den vergangenen Monaten allerdings schwer underperformed, sowohl den Gesamtmarkt als auch den Rivalen Apple. Der Grund war die Furcht vor wachsendem Wettbewerb (iPHone, Google Betriebssystem Android).
Vielleicht kam der Broker FTN Capital heute zu spät mit dem downgrade von Buy auf Neutral. Der Broker glaubt, dass die Kanadier in den USA Marktanteile bei den Smartphones verlieren.
Palm avancierte 1 Prozent auf 11,74 Dollar.
Internet: Verhinderte Rivalen
Das Online-Kaufhaus Amazon.com avancierte 0,5 Prozent auf 129,66 Dollar. Die Aktie kostet etwa das 4-fache des Tiefs vom vergangenen November ($34,68). Das Papier stieg seit Jahresanfang 152% und bewegt sich dicht unter dem Allzeithoch ($134,95).Diese Woche schraubte der Broker Piper Jaffray sein Kursziel auf $163 hoch.
Heute halfen wohl auch noch Berichte über Engpässe bei Rivalen im Zukunftsmarkt E-Book-Reader. Der New Yorker Buchhändler Barnes & Noble meldete, sein kürzlich gestarteter E-Book-Reader Nook sei ausverkauft, weil die Nachfrage höher als erwartet ist. Bestellungen würden erst wieder ab dem 4. Januar bedient, also nach dem Weihnachtsgeschäft. Laut dem Infodienst The Street.com hat auch Sony bei seinem E-Book-Reader wegen hoher Nachfrage Lieferschwierigkeiten und könne daher rechtzeitige Bedienung zum Weihnachtsgeschäft nicht garantieren.
Das sei ein Vorteil für Amazon.com glaubt The Street.com. Bei Amazons E-Book-Reader Kindle, anscheinend der Marktführer, gebe es keine Anzeichen für Lieferschwierigkeiten. Das Gerät war im vergangenen Weihnachtsgeschäft ausverkauft gewesen, inzwischen wurde dort das Angebot hochgefahren.
Der Rivale Ebay sank 1,7 Prozent auf 22,79 Dollar. Die Nachricht, dass der Verkauf der ungeliebten Tochter Skype (Internet-Telefonie) endlich abgeschlossen ist, begeisterte wenig.
Die Online-Videothek Netflix verbilligte 0,5 Prozent auf 59,07 Dollar.
Google verlor 0,5 Prozent auf 569,94 Dollar. Noch fehlt der Glaube an eine zügige Erholung des Werbegeschäfts.
Yahoo verlor 1,5 Prozent auf 15,38 Dollar. Die eh nur geringe Begeisterung über den Suchmaschinen-Deal mit Microsoft ist anscheinend abgeklungen, zumal der Portalbetreiber weiterhin Marktanteile bei der Internetsuche verliert. Außerdem scheinen ihm jetzt auch noch Dienste wie Twitter das Wasser abzugraben. Der Info-Vermittlungsdienst meldete heute, man erziele im Jahr mehr als 4 Mrd. Dollar Umsätze und wolle bald ein erfolgreiches Werbegeschäft auf die Bein stellen. Für Yahoo ein Rivale mehr.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, bröckelte lediglich 0,1 Prozent auf 427,59 Dollar. Die Aktie stieg seit Jahresanfang 227% und bewegt sich dicht unter dem Allzeithoch ($442,86). Weiterhin sorgt die Chinafantasie für Käufer.
Rohstoffe: Getrennte Wege
Öl: Gegenkurs zum Dollar
Der Ölpreis setze seinen Gegenkurs zum Dollar fort. Der Greenback gewann wieder etwas Boden. Der Dezember-Kontrakt für Crude verbilligte an der New York Mercantile Exchange um 63 Cents und schloss auf 76,83 Dollar.
Gold: Trend fortgesetzt
Das Gold setzte seinen Aufwärtstrend fort. Der Gold-Kontrakt für Dezember stieg heute an der New York Mercantile Exchange um 6,50 Dollar und schloss auf 1.148,40 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 1.50,65 Dollar.
Ausblick: Das Weihnachtsgeschäft beginnt (hoffentlich)
Montag:
16:00 Uhr Verkauf bestehender Eigenheime Oktober
Quartalszahlen: Hewlett-Packard (Weltmarktführer PCs & Drucker)
Dienstag:
14:30 Uhr Wirtschaftswachstum Q3, 1. Revision.
Mittwoch: Geballte Ladung
14:30 Uhr Einkommen und Ausgaben der privaten Haushalte (Konsum) Oktober plus Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche sowie Auftragseingänge langlebiger Güter Oktober, 16:00 Uhr Verkauf neuer Eigenheime Oktober 16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
Feiertag (Thanksgiving) US-Börsen geschlossen.
Freitag:
Inoffizieller Start des Weihnachtsgeschäfts (Black Friday). US-Aktienmärkte schliessen vorzeitig um 19:00 Uhr.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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