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11.01.2010 | 14:06
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Deutsche Börse verschärft mit Tradegate Kampf um Privatanleger

Die Deutsche Börse verschärft mit dem Kauf der Berliner Börse Tradegate Exchange den bereits intensiven Wettbewerb um die Privatanleger. Immerhin bemühen sich allein in Deutschland insgesamt sieben Regionalbörsen um diese Klientel. Die 2001 als außerbörsliche Handelsplattform gegründete und zu Jahresanfang 2010 zu einer Börse umgewandelte Tradegate mischt dabei äußerst erfolgreich mit. "In Deutschland haben wir bereits eine sehr gute Marktabdeckung, wollen aber noch weitere Teilnehmer gewinnen und so unseren Marktanteil weiter ausbauen", sagte Thorsten Commichau, einer der beiden Geschäftsführer von Tradegate, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag.

Die Deutsche Börse hatte die 75-prozentige Übernahme der Tradegate Exchange bereits Ende des Jahres angekündigt und am Freitag, 8. Januar, abgeschlossen. Zudem hat sie sich mit fünf Prozent am Börsenmakler Tradegate AG Wertpapierhandelsbank beteiligt, mit der Option, diesen Anteil auf maximal 20 Prozent aufzustocken.

Laut Commichau belegt Tradegate mit rund 2,4 Millionen Aktien-Trades im vergangenen Jahr mittlerweile den zweiten Platz unter den Regionalbörsen, direkt nach der Frankfurter Parkettbörse. Während Frankfurt unter den insgesamt sieben deutschen Regionalbörsen einen Marktanteil von knapp unter 50 Prozent auf sich vereine, habe der von Tradegate im Dezember bei rund 28 Prozent gelegen, "und in den Monaten davor sogar eher bei 30 Prozent". Am ersten Börsentag 2010 seien sogar rund 5.000 Trades mehr abgeschlossen worden als im Tagesdurchschnitt im Dezember und "im Laufe der ersten Börsenwoche ging es mit der Anzahl der Geschäfte weiter aufwärts", ergänzte Commichau.

LANGE ÖFFNUNGSZEITEN

Dieser Anteil soll weiter steigen, ist erklärtes Ziel der Tradegate-Geschäftsführer. Vor allem die Privatanleger der Sparkassen, Volksbanken oder Raiffeisenbanken würden Commichau und Jochen Thiel, zweiter Geschäftsführer von Tradegate Exchange, gern für die in erster Linie auf den Aktienhandel spezialisierte Börse gewinnen. Bislang haben sie nämlich noch keine Möglichkeit, ihre Wertpapiergeschäfte über die Tradegate Exchange zu handeln. "Wir sprechen daher die Kopfinstitute des Genossenschafts- und Sparkassensektors an, da diese den Börsenzugang für ihre Kunden, das heißt für die Sparkassen beziehungsweise Volks- und Raiffeisenbanken ermöglichen", ergänzte Thiel, der zugleich Executive Director bei der Deutschen Börse ist.

Warum der Handel an der Berliner Tradegate für Privatanleger besondere Vorteile haben soll, umreißt Commichau so: "Tradegate ist ausschließlich auf Privatanleger fokussiert und garantiert nicht nur eine auf den Preis bezogene verbindliche und sofortige elektronische Ausführung der Handelsaufträge, sondern verzichtet zugleich auf jegliche Gebühren. So etwas gibt es nirgendwo sonst in ganz Europa." Zudem haben die Anleger laut Commichau die Möglichkeit, von 8.00 bis 22.00 Uhr zu handeln. "Damit sind wir in ganz Europa die erste Börse, die morgens öffnet, und die letzte, die abends schließt. Das ist ein erheblicher Vorteil, da die Anleger beispielsweise direkt auf aktuelle Meldungen aus den USA reagieren können."

ANLEGER IN GANZ EUROPA IM VISIER

Dass Tradegate damit einen Verdrängungswettbewerb einleiten könnte, weist Commichau allerdings zurück. "Den sehe ich nicht, aber ich weiß auch nicht, ob wir in Deutschland wirklich sieben oder acht Regionalbörsen brauchen. So etwas gibt es ja in anderen Ländern auch nicht." Mit Blick auf den Frankfurter Handel sei Tradegate zugleich eine Ergänzung, fügte Thiel an. "Sowohl der Frankfurter Parketthandel mit seinen privaten und institutionellen Anlegern als auch die rein auf Privatanleger ausgerichtete Tradegate Exchange sollen nebeneinander bestehen. Sie bedienen unterschiedliche Kundenbedürfnisse und haben daher beide ihre Existenzberechtigung."

Darüber hinaus will die Tradegate Exchange Privatanleger in ganz Europa für sich gewinnen. Durch das Netzwerk der Deutschen Börse erhielten noch mehr Anleger Zugang und könnten somit von den Vorteilen dieser Börse profitieren, sagte Geschäftsführer Thiel und verwies darauf, dass 250 Banken in 19 Ländern Europas an die Netzwerk- und Abwicklungsinfrastruktur der Deutschen Börse angeschlossen seien. "Auf dieser breiten Teilnehmerbasis können also mehr Privatanleger angesprochen werden."

Commichau ergänzte, dass insbesondere in Frankreich, wo Tradegate Exchange bereits aktiv sei, die Aktivitäten weiter ausgebaut werden. "Die Erschließung weiterer europäischer Länder steht und fällt mit der kosteneffizienten Abwicklung der Börsengeschäfte." Wenn die inzwischen eingeleitete europäische Harmonisierung weiter voranschreite und grenzüberschreitend die vereinfachte Abwicklung ermögliche, sollen "zügig" andere Länder hinzugenommen werden. Tradegate-Kunden dagegen sollen bald die Gelegenheit bekommen, ihre Geschäfte auch über das Xetra-System der Deutschen Börse abzuwickeln. "Das wird unser nächster unmittelbarer Schritt sein, der den Kunden eine zusätzliche Alternative in der Handelsabwicklung bietet", sagte Jochen Thiel./ck/wiz/zb/tw

--- Gespräch: Claudia Kahlmeier, dpa-AFX---

ISIN DE0005810055

AXC0104 2010-01-11/14:06


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