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Kommentar der Financial Times Deutschland zu SAP - vorab 9.2.2010

DJ Kommentar der Financial Times Deutschland zu SAP - vorab 9.2.2010

Drei sind zwei zuviel 
Eine Doppelspitze muss nicht unbedingt zu Konflikten führen. Doch sie kann es. Vor allem dann, wenn es sich - wie künftig im Fall SAP - um eine verkappte Dreierspitze handelt. Denn über dem neuen Führungsduo aus dem Amerikaner Bill McDermott und dem Dänen Jim Hagemann Snabe wird allgegenwärtig der SAP-Gründer und jetzige Aufsichtsratschef Hasso Plattner thronen. Und der, daran hat er während dieses überstürzten Führungswechsels keinen Zweifel gelassen, wird sich jetzt noch stärker ins Tagesgeschäft einmischen als zuvor. 
Auf den ersten Blick ist es für Investoren und Kunden zwar beruhigend, dass Plattner über das Unternehmen wacht. Denn die beiden neuen Chefs wurden durch den abrupten Rauswurf des bisherigen Chefs Léo Apotheker eher zufällig an die Spitze gespült. Bis vor zwei Tagen galten sie als fähige Manager, die sich aber erst noch bewähren müssen, bevor sie Spitzenposten übernehmen. 
Gerade diese Konstellation macht aber die neue Aufstellung bei SAP so unberechenbar. McDermott und Snabe müssen sich nun erst einmal als Führungsduo zusammenraufen. Das allein ist schon konfliktträchtig. Gleichzeitig müssen sie die gravierenden Probleme lösen, die Apotheker ihnen hinterlassen hat: die Kunden besänftigen, die sich gegen höhere Wartungsgebühren wehren, und die Mietsoftware für den Mittelstand auf den Markt bringen, die seit Jahren versprochen ist. 
Das wäre schon in einem eingespielten Team schwierig genug. Doch mit einem Übervater Plattner im Hintergrund, dessen Vorliebe für Alleingänge legendär ist, droht es unmöglich zu werden. 
Nach Maßstäben guter Unternehmensführung ist Plattners neue Rolle als Berater der Führungsspitze höchst problematisch: Sie beißt sich mit seiner Hauptfunktion als Aufsichtsratschef, der den Vorstand kontrollieren soll. Technologie und Produktentwicklung sind Kerngebiete des operativen Geschäfts. Hier hat sich ein Aufsichtsrat herauszuhalten, er beschneidet sonst de facto die unabhängige Entscheidungsfindung des Vorstands, der weisungsungebunden agieren sollte. 
Plattner muss sich schnell darüber Gedanken machen, wie er die SAP-Führung so aufstellt, dass sie unabhängig von ihm und dem Mythos der Gründerväter an der Zukunft des Konzerns arbeiten kann. Er muss also genau das tun, was ihm offenbar am schwersten fällt: seinen eigenen Rückzug vorbereiten. 
 
 
 
 
 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 08, 2010 13:13 ET (18:13 GMT)

© 2010 Dow Jones News
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