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Commerzbank-Aktie stürzt nach Spekulationen über Kapitalbedarf ab

-- Commerzbank-Aktie fällt auf Allzeit-Tief

-- Kapitallücke von rund 5 Mrd EUR befürchtet

-- Berechnungen des Kapitalbedarfs durch EBA noch nicht abgeschlossen

Von Laura Stevens, Alexandra Edinger und Eyk Henning 
DOW JONES NEWSWIRES 

FRANKFURT (Dow Jones)--Kein schöner Tag für die Commerzbank: Die Aktie des Instituts sackte am Dienstag auf ein Allzeittief von 1,12 EUR. Ursache dafür waren Spekulationen über einen deutlich höheren Kapitalbedarf der Frankfurter Großbank. Nach unbestätigten Berichten benötigt Deutschlands zweitgrößte Privatbank fast doppelt soviel frisches Kapital wie bislang angenommen, um die von europäischen Bankaufsehern geforderte Kapitaldecke aufzuweisen. Eine Sprecherin der Bank wollte die Spekulationen am Dienstag nicht kommentieren.

Ins Trudeln geraten war die Aktie nach einem unbestätigten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach der Commerzbank rund 5 Mrd EUR fehlen, um die von der Europäischen Bankenaufsicht im nächsten Jahr geforderte Kapitaldecke von 9% zu erreichen. Damit wäre die Kapitallücke fast doppelt so hoch wie noch im Oktober von der Bank selbst eingeräumt. Damals hatte die Commerzbank den Bedarf auf rund 2,94 Mrd EUR beziffert. Die Aktie schloss am Dienstag 15% schwächer bei 1,15 EUR.

Experten aus Banken- und Aufsichtskreisen verwiesen am Dienstag darauf, dass die Berechnungen des Kapitalbedarfs durch die EBA vermutlich erst Ende der Woche abgeschlossen würden. "Keiner weiß, was am Ende bei der Bewertung herauskommt", sagte eine dieser Personen. Klar sei allerdings, dass "wir keine Bank haben werden, die sich durch die neue Bewertung verbessert". Eine der informierten Personen bestätigte allerdings, dass intern bei der Commerzbank ein Szenario existiere, das von einem Kapitalbedarf von 5 Mrd EUR ausgehe.

Analysten befürchten, dass der erhöhte Kapitalbedarf die Commerzbank zwingen könnte, sich weiteres Geld beim Staat zu besorgen. Der Staat ist mit einem 25%-Anteil bereits größter Einzelaktionär des Instituts, seit die Bank im Gefolge der Finanzkrise von 2008 auf Staatshilfe angewiesen war. Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, forderte im "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe) vorsorglich schon einmal die Zerschlagung der Bank. Die Bank "entwickele sich zu einem Fass ohne Boden" für den Bund, so Schäffler gegenüber der Zeitung. Commerzbank-Chef Martin Blessing hat den Gang zum Staat in der Vergangenenheit schon mehrfach abgelehnt. Statt dessen will er die Bilanzrisiken reduzieren und das Kreditneugeschäft außerhalb von Deutschland und Polen einstellen. Die Commerzbank-Tochter Eurohypo darf vorerst sogar gar kein Neugeschäft machen.

Doch allein mit dem Abschmelzen von Risiken wird die Bank im schlimmsten Falle nicht davon kommen. Statt dessen könnte sie sich gezwungen sehen, ihre profitable Online-Tochter Comdirect Bank oder die polnische BRE Bank verkaufen und damit frisches Eigenkapital zu gewinnen, vermutet Kepler Aktienanalyst Dirk Becker. "Das wäre strategisch gesehen eine schlechte Entscheidung, aber es könnte die einzige Chance sein, die der Bank bleibt, um die EBA-Anforderungen zu erfüllen", so Becker, der die Aktie der Commerzbank mit "Halten" bewertet. Die Bank hat einen Verkauf dieser Beteiligungen in der Vergangenheit stets abgelehnt.

Die EBA ermittelt derzeit einen aktualisierten Kapitalbedarf, mit dem Europas Banken krisenfest gemacht werden sollen. Bereits am Freitag hatte ein hochrangiges Notenbankmitglied gegenüber Dow Jones bestätigt, dass die Kapitallücke bei europäischen Banken auf Grund härterer Kapitalanforderungen der EBA vermutlich höher ausfallen werden als bisher erwartet.

Nach Angaben aus Finanzkreisen hat die EBA die Konditionen für die Kapitalermittlung nochmals verändert. Bei der vorherigen Auswertung war es den Banken beispielsweise erlaubt gewesen, Kurserholungen bei Staatsanleihen mit Kursverlusten zu verrechnen. Im neuen Szenario soll diese Möglichkeit eingeschränkt worden sein, sagte eine mit der Materie vertraute Person. Ungeklärt sei zudem noch die genaue Definition für das von der EBA akzeptierte "harte" Kernkapital.

Mit den erhöhten Eigenkapitalanforderungen will die EBA die Banken in Europa krisenfester machen. Bis Mitte 2012 sollen alle Banken eine harte Kernkapitalquote von 9% erfüllen. Am vergangenen Dienstag sagte EBA-Chef Andrea Enria, dass die finalen Zahlen offiziell Ende November vorgelegt würden. Sie werden derzeit von der Bankenaufsicht auf Basis der aktuellen Quartalszahlen errechnet. Im dritten Quartal hatte die Commerzbank einen Verlust von 687 Mio EUR erlitten und ihr Gewinnziel für 2012 einkassiert.

Bei der Kapitalanalyse im Oktober hatte die EBA einen Bedarf von 106,4 Mrd EUR bei den 70 Großbanken in den 27 EU-Ländern erkannt. In Deutschland hatten neben der Commerzbank auch die Deutsche Bank sowie die Landesbank Baden-Würtemberg und die Nord/LB eine Kapitallücke. Nach den vorläufigen Zahlen der EBA summierte sich der Kapitalbedarf für deutsche Banken auf 5,2 Mrd EUR.

-Von Laura Stevens, Alexandra Edinger und Eyk Henning, Dow Jones Newswires; 
+49 69 29 725 112, alexandra.edinger@dowjones.com 
DJG/aed/kgb/kla 
 

(END) Dow Jones Newswires

November 22, 2011 12:53 ET (17:53 GMT)

Copyright (c) 2011 Dow Jones & Company, Inc.

© 2011 Dow Jones News
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