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09.03.2012 | 23:16
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Karlsruhe (ots) - Philosophisch gesehen ist auf Technik wenig Verlass. Die alten Griechen hielten sie für eine zweitrangige Form des Seins. Erst mit dem Beginn der Neuzeit hat sich die Sichtweise geändert. Durch den Siegeszug der Naturwissenschaften bekam die Technik einen Glorienschein, der die Menschen immer wieder blendet.Beispiel Atomtechnik: Was hat man sich nicht alles von ihr erhofft? Energie ohne Ende, ein alter Menschheitstraum schien in Erfüllung zu gehen: das Perpetuum mobile. Doch die Entzauberungsschläge kamen: zunächst Harrisburg, dann Tschernobyl, schließlich Fukushima. Der Atomunfall in Amerika säte die ersten Zweifel. Tschernobyl riss die Menschen aus ihren Träumen. Fukushima ließ sie in den Abgrund blicken. All das, was von der Atomkraft bis dahin erwartet wurde, ist nun als Trugbild entlarvt. Aber nur die Deutschen und die Schweizer entschlossen sich zu einer radikalen Kehrtwende. Alle anderen Atomstaaten tun so, als ob nichts gewesen wäre. Ja, Finnland, Polen und die USA bauen sogar neue Atomkraftwerke. Für die einen ist das Wahnsinn, für die anderen nur eine logische Konsequenz. Denn sie vertrauen darauf, dass jede Technik beherrschbar ist, wenn man aus Fehlern lernt. So gesehen kann die Atomtechnik im Spiel bleiben. Sie ist entzaubert, erfüllt aber noch einen rationalen Zweck.Wer liegt nun richtig? Gibt Fukushima wirklich das Recht zur radikalen Atomwen de? Oder folgten die Deutschen nur einem übertriebenen Angstimpuls? Keiner kann diese Fragen endgültig beantworten. Fast jede vielversprechende Technik ist im Laufe der Zeit entzaubert worden. Hätten aber die Menschen deshalb den Mut sinken lassen und ganz auf sie verzichtet, hätte es überhaupt keinen technischen Fortschritt gegeben. Gewiss, die Atomtechnik ist besonders gefährlich, was einen absoluten Verzicht rechtfertigen möge. Was ist aber mit der Er forschung des Genoms? Drohen hier nicht auch unkalkulierbare Gefahren, die ein Verbot notwendig machen müssten? Man sieht, wie gefangen der Mensch in der Technik ist. Sie ist zu einer absoluten Instanz geworden, ohne dass sie Heilserwartungen erfüllen könnte.

Originaltext: Badische Neueste Nachrichten Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/104277 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_104277.rss2

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