Der Schutzwall des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Kampf gegen die Schuldenkrise wird nach Ansicht des Finanzökonomen und Regierungsberaters Clemens Fuest überschätzt. "Einerseits ist es zwar sinnvoll, einem Land zu helfen, wenn die Märkte verrücktspielen und die Zinsen für Staatsanleihen irrational ansteigen", sagte Fuest der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). "Andererseits hat Europa die EZB, und genau, deshalb ist die große Panik um Spanien bislang ausgeblieben." Die Märkte wüssten, dass die Europäische Zentralbank eingreifen würde.
Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hatten sich am Freitag darauf verständigt, die Finanzmittel für mögliche IWF-Notkredite an Krisenländer weltweit um mehr als 430 Milliarden Dollar zu erhöhen. Damit wird neben dem höheren Schutzwall um die Euro-Länder ein weiterer Rettungsschirm im Umfang von einer Billion US-Dollar für kriselnde Länder global aufgespannt.
Derweil warnte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erneut vor dauerhaften Hilfen der EZB für südeuropäische Schuldenstaaten. "Die großzügige Liquiditätsversorgung durch das Eurosystem darf nicht dazu führen, dass Banken oder Regierungen notwendige Anpassungen aufschieben", sagte Weidmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Für Banken wie Staaten solle der Anpassungsdruck nicht verringert werden. "Die Banken Europas müssen ihre Bilanzen gründlich bereinigen und ihr Eigenkapital stärken", forderte der Bundesbank-Präsident. Sollten einige Länder Europas in diesem Anpassungsprozess Überbrückungshilfe benötigen, sei das "Aufgabe der Rettungsschirme, nicht der Notenbanken", so Weidmann weiter./rad/DP/zb
AXC0009 2012-04-21/13:05
