Von Sharon Terlep und Carlos Tejada THE WALL STREET JOURNAL
PEKING (Dow Jones)--Der Wettbewerb auf dem lukrativen chinesischen Markt für Luxuslimousinen wird härter. Marken wie Cadillac, Jaguar und Infiniti rüsten sich für einen Wettstreit, in dem sie etablierten Größen wie Audi und BMW Marktanteile abluchsen wollen. Dabei wird das China-Geschäft derzeit ohnehin schwieriger: Zeichen für eine Abkühlung auf dem weltgrößten Automarkt zeichnen sich ab.
Der US-Autobauer General Motors will trotz des schwächeren Umfelds bis 2016 mit 5 bis 10 neuen Cadillac-Modellen in China an den Start gehen. Zudem soll zumindest ein Werk eröffnet werden, in dem ausschließlich Cadillacs gefertigt werden. Der Schachzug ist Teil eines Plans, die in den USA angeschlagene Marke insgesamt profitabler zu machen. "Jeder erfolgreiche Autobauer braucht eine Luxusmarke, die rund um den Globus im Wettbewerb bestehen kann", sagte GM-Chef Dan Akerson auf der Pekinger Automesse, als er den Schleier über den neuen Cadillac-Modellen lüftete.
GM drängt nicht alleine auf den chinesischen Markt. So zeigt etwa Nissan eine neue Version seines mittelgroßen Luxusautos Infiniti M35 hybrid mit erweitertem Achsabstand. Die Limousine soll für wohlhabende Chinesen, die von Fahrern chauffiert werden, mehr Platz auf dem Rücksitz schaffen.
Andere Luxuswagen, darunter Jaguar, Land Rover und der Lamborghini von Volkswagen, intensivieren ebenfalls ihre Anstrengungen. Ferrari will seinen 12-Zylinder F12 Berlinetta auf den Markt im Reich der Mitte bringen. Außerdem zeigen die Italiener eine Konzeptausführung ihres sportlichen Geländewagens (SUV) Urus.
"Man kann nicht fett und faul sein, da es zunehmend hart wird", sagte Bob Grace, China-Chef des Herstellers Jaguar Land Rover, der zur indischen Tata Motors Ltd gehört. Jaguar zeigt eine Version seiner XJ Limousine. Das Luxusgefährt verfügt über Extras wie eingebaute iPads sowie versteckte Sektgläser und einen Sektkühler.
Luxusmarken wie Cadillac und Jaguar haben einen langen Marsch vor sich, um den beiden Platzhirschen Audi und BMW das Feld streitig zu machen. Audi verkaufte in China im vergangenen Jahr rund 330.000 Fahrzeuge, BMW kam auf rund 225.000. Cadillac rangierte unter ferner liefen mit 28.000 abgesetzten Autos.
Trotz des leicht ins Stottern geratenen chinesischen Konjunkturmotors profitiert das Auto-Luxussegment von der steigenden Zahl an Millionären im Reich der Mitte. Im vergangenen Jahr schossen die Umsätze mit Nobelkarossen um 32 Prozent in die Höhe. Dagegen wies der chinesische Autogesamtmarkt ein mageres Plus von 2,5 Prozent auf, eine markante Talfahrt im Vergleich zu früheren Zuwachsraten im zweistelligen Bereich. Damit bleibt das High-End-Segment der große Hoffnungsträger, gerade für Luxusmarken aus der zweiten Reihe. Einige Branchenbeobachter warnen jedoch: Eine Abkühlung sei unvermeidlich und das bei immer mehr Wettbewerbern.
"Der Premium-Markt für Autos wird leicht ins Schlingern geraten in den kommenden Quartalen, das zweistellige Wachstum wird aber anhalten", sagte Ian Robertson, Vertriebschef bei BMW. Der deutsche Autobauer will mittelfristig seine Binnenproduktion in China auf 200.000 Stück verdoppeln. Dazu soll ein zweites Werk eröffnet werden. "Wir haben das Potenzial die Produktion auf 300.000 Stück zu beschleunigen, aber das wird erst der Fall sein, wenn wir sicher sind, dass der Markt diese auch aufnimmt", ergänzte Robertson.
Andere Autobosse sehen im chinesischen Luxussegment noch viel Spielraum nach oben. Laut Peter Schwarzenbauer, Vorstandsmitglied bei Audi, wird China bis 2015 die derzeitige Nummer 1 USA als Markt für Luxuskarossen abgelöst haben. Die Expansion von Luxusautoverkaufsräumen und die Besetzung von Nischen, etwa mit Einsteigermodellen für Nobelwagen, werde diesen Trend befeuern. Im Jahr 2009 hatte China bereits die USA als weltgrößter Automarkt abgelöst.
Cadillac setzt nicht ohne Grund die eigenen Hoffnungen auf China. Im Heimatmarkt bedienten die Amerikaner vergangenes Jahr lediglich noch 1,2 Prozent des Marktes für Luxusautos, nach 1,4 Prozent im Jahr 2005. General-Motors-Chef Akerson erwartet, dass Cadillac bis zur Mitte dieses Jahrzehnts in China ähnliche Verkaufsvolumina wie in den USA erzielen wird. Noch führt Cadillac in China mit 3 Prozent Marktanteil bei Premiumwagen eher ein Schattendasein. Der Cadillac XTS soll im Reich der Mitte bis zum Ende dieses Jahres in die Verkaufsräume kommen.
Wenn sich auch die Luxuswagenhersteller in China tummeln, bleibt ein Spieler außen vor. Die Ford Motor Co will sich mit seiner chinesischen Produktionsoffensive ganz auf Niedrig- und Mittelklassewagen beschränken. Die Luxusmarke Lincoln soll auch in Zukunft allein in den USA vertrieben werden.
-Von Sharon Terlep und Carlos Tejada, The Wall Street Journal; +49 (0)69 29725 130, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/axw/jhe
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April 24, 2012 05:54 ET (09:54 GMT)
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