FRANKFURT (Dow Jones)--Auslaufende Patentrechte für zahlreiche umsatzstarke Medikamente setzen Pharmakonzerne zunehmend unter Druck. Im Vorteil sind laut der Ratingagentur Fitch diejenigen, die ihre Geschäfte rechtzeitig diversifiziert haben, und die neben dem Verkauf von Medikamenten auch auf andere Geschäftsfelder setzen. Fitch hebt vor allem Bayer und Johnson & Johnson positiv hervor.
Der deutsche DAX-Konzern, momentan mit der Bonitätsnote "A-" und einem stabilen Ausblick bewertet, und der US-Medikamentenhersteller, mit dem Rating "AAA" und ebenfalls mit einem stabilen Ausblick versehen, hätten durch ihr breiter aufgestelltes Geschäft einen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern. Die Gewinne von Unternehmen wie AstraZeneca, Bristol Myers Squibb Company (BMS) und Eli Lilly dürften hingegen künftig stark unter Druck geraten, erwartet Fitch.
"Wegen der schwankenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der anhaltenden Sparbemühungen der Regierungen dürfte der Druck auf reine Medikamentenhersteller hoch bleiben," sagte Britta Holt, Direktorin bei Fitch in London.
Ohne die Erschließung weiterer bedeutender Umsatzquellen dürften die Erlöse und Gewinne der Pharmakonzerne künftig stark sinken. Bei den beiden US-Unternehmen Eli Lilly und BMS sieht Fitch Einbußen von mehr als einem Drittel ihrer US-Umsätze. Dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca dürfte wegen seiner auslaufenden US-Patente rund ein Fünftel seines Geschäfts jenseits des Atlantiks wegbrechen, so Fitch.
Allein 2012 werden laut Fitch vier der zehn meist verkauften US-Medikamente ihren Patentschutz verlieren. Die größten Verluste müssen dabei BMS and Sanofi hinnehmen. Ihr exklusives Verkaufsrecht auf den Blutverdünner Plavix - Nummer drei in der amerikanischen Absatz-Rangliste - läuft im Mai aus. Der US-Pharmariese Merck & Co muss ab August auf den Verkaufsschutz für sein Asthmamittel Singulair verzichten. Ebenfalls ab August müssen die beiden Hersteller Takeda und Eli Lilly ohne den Patentschutz für ihr Diabetesmedikament Actos auskommen. Bereits im November verlor Pfizer für das weltweit absatzstärkste Medikament, den Cholesterinsenker Lipitor, sein exklusives Verkaufsrecht.
Außerdem dürften in den USA die Absätze rezeptpflichtiger Medikamente und der Verkauf verschreibungsfreier Markenprodukte im laufenden Jahr unter Druck geraten. Zusätzlich dürften höhere Abgaben und anhaltend hohe Rabatte für gewisse Markenprodukte die Gewinnmargen der Hersteller drücken, erwartet die Ratingagentur.
In Europa sieht es für die Konzerne nicht besser aus. Auch hier dürften Sparprogramme und Beschränkungen bei der Verschreibung von Medikamenten die Geschäfte der Hersteller auch weiterhin beeinträchtigen.
Die Regierungen in Europa und den USA schielen immer stärker darauf, die Kosten für Medikamente zu kürzen und sind deshalb nicht mehr bereit, für Medikamente mit unsicherem Nutzen zu zahlen. Pharmakonzerne dürften auf die Sparbemühungen zunehmend mit Preisnachlässen reagieren. Diese Strategie sichere ihnen zwar Marktanteile, führe aber gleichzeitig zu sinkenden Gewinnmargen, analysiert Fitch.
DJG/hhb/mgo
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April 30, 2012 08:18 ET (12:18 GMT)
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