Von Vanessa Mock, Maarten van Tartwijk und Thomas Rossmann
Die Niederländer haben sich bei den Parlamentswahlen mehrheitlich für europafreundliche Parteien ausgesprochen. Die konservativ-liberale Volkspartei von Ministerpräsident Mark Rutte erhielt die meisten Stimmen und dürfte mit der sozialdemokratischen Arbeitspartei eine Große Koalition formen. Die Partei für die Freiheit des Rechtspopulisten Geert Wilders bekam überraschend wenig Stimmen.
Ruttes Partei schnitt überraschend stark ab und errang nach Auszählung von 92 Prozent der Wahlbezirke 41 Sitze im 150 Köpfe zählenden Parlament. Die Arbeitspartei unter ihrem Spitzenkandidaten Diederik Samsom kommt auf 39 Abgeordnete. Noch am Abend gestand Samsom seine Niederlage ein.
Beobachter rechnen mit einer schnellen Regierungsbildung, bei der - anders als erwartet - kein dritter Koalitionspartner erforderlich wäre.
"Das wahrscheinlichste Ergebnis" sei eine Große Koalition aus den beiden gemäßigten Parteien, sagt Kay van de Linde, ein bekannter holländischer Kommentator und Politstratege. "Das wäre eine positive Entwicklung für die Niederlande und für Europa. Wir werden zwei Mainstream-Parteien haben, die sich über Lösungen zur Krise wohl weniger uneinig sein werden."
Der Rechtspopulist Geert Wilders musste massive Verluste hinnehmen: Seine extrem europakritische Partei PVV verliert demnach 11 Sitze im 150 Sitze zählenden Parlament und kommt letztlich noch auf 13 Mandate.
Wilders hatte im Wahlkampf heftig gegen Brüssel gewettert und gefordert, dass die Niederlanden die EU und den Euro fallen lassen sollte. "Wir haben verloren, da führt kein Weg dran vorbei", sagte er am Abend vor Anhängern in Den Haag. "Momentan feiert Brüssel, aber vor uns liegen düstere Wochen."
Der andere lautstarke Euroskeptiker, Emile Roemer von der Sozialistischen Partei (SP), hatte während des Wahlkampfs zwischenzeitlich in den Umfragen sogar geführt. Laut Hochrechnung bleibt die Zahl der Mandate für seine Partei mit 15 jedoch konstant.
Am Donnerstag sollen die Koalitionsgespräche in Den Haag offiziell beginnen. Aber sie dürften überschattet werden von der schwelenden Unzufriedenheit vieler Bürger über die Finanzhilfen an südeuropäische Staaten, welche den Wahlkampf dominierte. Auch die neue Regierung wird sich den Sorgen des Volks nicht entziehen können. Damit wären die Niederlande auch weiterhin ein schwieriger Partner für die Eurozone.
Als einer der reichsten Mitgliedstaaten der Währungsgemeinschaft haben die Niederlande einen großen Teil der Rettungspakete für Griechenland und Portugal getragen. Parteien am linken wie am rechten Rand haben diese Tatsache aber genutzt, um Unmut in der Bevölkerung zu schüren. Sie warfen Rutte vor, er sei zu sanft mit den Griechen umgegangen und habe Blankoschecks verteilt, während zu Hause die Ausgaben gekürzt würden. Als Reaktion hat der Ministerpräsident zuletzt einen schärferen Ton in der Frage weiterer Hilfen angeschlagen. In der vergangenen Woche kündigte er an, Athen keine weiteren Gelder geben zu wollen.
"Die Deutschen haben die gleiche Philosophie wie wir: Niedrige Schulden, niedrige Steuern und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Frankreich ist ein Land hoher Steuern, hoher Verschuldung und niedrigen Wachstums", sagte Rutte einem der letzten Wahlkampfauftritte in Den Haag. "Deutschland ist das Land, mit dem wir zusammenarbeiten sollten, wenn wir aus der Krise kommen wollen."
Die Wahl wurde auch als Abstimmung über Ruttes Kurs der Kürzung der öffentlichen Ausgaben verstanden. Seine Minderheitsregierung war im April am Streit über Einschnitte in Milliardenhöhe gescheitert. Samsom hatte das Sparpaket nicht unterstützt. Darin waren unter anderem Steuererhöhungen, ein Einfrieren der Gehälter im öffentlichen Sektor und eine Anhebung des Rentenalters vorgesehen. Der Sozialdemokrat verlangte mehr Zeit zur Erfüllung der Haushaltsziele.
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September 13, 2012 02:03 ET (06:03 GMT)
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