Enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten haben
am Freitag den Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt noch deutlich
beschleunigt. Der Dax , der bereits davor von schwachen
Wirtschaftsdaten aus China und Europa belastet worden war, sackte am
Nachmittag um 3,64 Prozent auf 6.036,05 Punkte ab. Damit zeigte sich
der Leitindex so schwach wie seit fast fünf Monaten nicht mehr.
Nachdem er schon am Vortag wegen schwacher US-Daten leichter
geschlossen und damit im Mai insgesamt mehr als sieben Prozent
eingebüßt hatte, droht nun die Marke von 6.000 Punkten zu reißen.
Der MDax verlor am Freitag 3,35 Prozent auf 9.808,32
Punkte und der TecDax gab um 2,94 Prozent auf 728,96
Punkte nach.
In den USA sind im Mai viel weniger Jobs geschaffen worden als
erwartet. Zudem wurde der Stellenaufbau für die beiden Vormonate
deutlich schwächer ausgewiesen als bislang. Nach dem Handelsstart an
der Wall Street könnten noch US-Daten zum Immobilienmarkt sowie der
ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe für Impulse sorgen.
VW KREMPELT FÜHRUNG UM: MAN AN DAX-SPITZE
Dass Volkswagen (VW) Medienberichten
zufolge die Führung des Konzerns grundlegend umkrempelt, bescherte
den MAN-Titeln als einzigem Dax-Gewinner ein Kursplus von
2,71 Prozent auf 79,48 Euro. VW-Chef Martin Winterkorn will damit
gleich mehrere Baustellen bei Europas größtem Autobauer schließen.
Vor allem solle damit die bisher eher zäh laufende Lastwagen-Allianz
zwischen den beiden Töchtern Scania und MAN von
Wolfsburg aus vorangetrieben werden. Händler spekulieren nun auf
weitere MAN-Aktienkäufe durch die Wolfsburger. Die VW-Vorzüge
verloren indes 4,45 Prozent. Beim Düngemittelhersteller K+S
ließ eine Kurszielsenkung der japanischen Bank Nomura die
Aktien um 5,22 Prozent absacken.
Den Aktien der Munich Re reichte ein Minus von 2,64
Prozent noch für das obere Tabellendrittel im Dax. Börsianer
begründeten dies mit einer Kaufempfehlung der UBS mit einem Kursziel
von 122 Euro. Analystin Kathy Fear signalisiert damit ein Potenzial
von über 20 Prozent. Ihre positive Einschätzung begründet sie mit
der Bewertung, nachdem die Papiere des Rückversicherers "zu weit
gefallen" seien. Aus dem Erdbeben in Italien rechnet der Konzern
nicht mit einer hohen Belastung.
ABSTUFUNG BELASTET GAGFAH - PAULSON-EINSTIEG STÜTZT RHÖN
Für die Papiere des Immobilienunternehmens Gagfah revidierte die US-Bank JPMorgan ihr Anlageurteil nach unten und
empfiehlt nun eine Untergewichtung, was zu Kursverlusten von 4,23
Prozent führte. Damit gehörten die Papiere zu den schwächeren Werten
im MDax.
Die Papiere von Rhön-Klinikum gewannen nach dem
Einstieg eines Investors dagegen 0,14 Prozent, womit sie den ersten
Platz im Index belegten. Der US-Hedgefonds-Investor John Paulson hat
sich im Übernahmekampf um den privaten Klinikbetreiber positioniert
und hielt zuletzt 3,65 Prozent der Stimmrechte. Der Medizinkonzern
Fresenius hatte am 18. Mai ein Übernahmeangebot für
Rhön-Klinikum veröffentlicht, das bis zum 27. Juni läuft - dessen
Aktien verloren 2,91 Prozent. Einem Händler zufolge könnte Paulsons
Einstieg etwas Fantasie auf eine Erhöhung des Angebotes bringen, die
der Investor fordern könnte. Dagegen sagte eine mit der Transaktion
vertraute Person, der US-Investor "sollte sich keine großen
Hoffnungen machen". Über weitere Zukäufe riskiere er das Scheitern
der Übernahme. Dann würde der Aktienkurs nach Einschätzung von
Analysten deutlich einbrechen./gl/ajx
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008 DE0007203275 DE0008467416
AXC0168 2012-06-01/15:00