FRANKFURT (Dow Jones)--Schwarzer Freitag an den weltweiten Börsenplätzen: Nach einem sehr schwachen Arbeitsmarktbericht aus den USA brachen die internationalen Aktienplätze regelrecht ein. Auch der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe blieb unter den Prognosen. Am Morgen hatten bereits enttäuschende Konjunkturdaten aus China und Europa die Stimmung der Anleger vermiest. Der Euro-Stoxx rauschte 2,4 Prozent auf 2.069 Punkte in die Tiefe, den DAX erwischte es mit Abgaben von 3,4 Prozent auf 6.050 sogar noch schlimmer.
Außerhalb der Landwirtschaft wurden in den USA im Mai nur 69.000 neue Stellen geschaffen, erwartet wurde aber ein Plus von 155.000. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 8,2 Prozent. Prognostiziert wurde ein unveränderter Wert von 8,1 Prozent. Ein Händler sprach von einer "Katastrophe". Schockierend sei auch die Revision aus dem Vormonat.
Fed könnte schon bald die Notenpresse wieder anwerfen
Dass sich die Iren mit einer deutlichen Mehrheit für den Fiskalpakt ausgesprochen haben, spielte an den Märkten keine Rolle. Im Blickpunkt stehen ohnehin Spanien mit der Gefahr eines insolventen Bankensektors und Griechenland mit den anstehenden Neuwahlen. "Zu der Schuldenkrise in der Eurozone gesellen sich nun auch noch Konjunkturängste", fasste ein Händler die Stimmung zusammen.
Im Handel stiegen nach den Daten die Spekulationen, dass die US-Notenbank schon bald eine neue Runde quantitativer Lockerung einleiten wird. "Die Diskussion über Quantitative Easing (QE) innerhalb der Fed wird sich nach diesen Daten intensivieren", sagte Thomas Amend, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Das Wachstum sei deutlich geringer als das, was die USA bräuchten. Zugleich machten die Abwärtsrevisionen der Vormonate klar, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt geringer sei als bislang geglaubt.
Amend hält es indes für unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank bereits auf ihrer Juni-Sitzung QE einläuten wird, wahrscheinlicher erscheint dem Analysten die September-Sitzung. Verbale Hinweise durch Ben Bernanke seien jedoch denkbar.
Gold springt mit QE-Fantasie über die Marke von 1.600 Dollar
Gold reagierte mit einem Kurssprung von mehr als 50 Dollar auf die gestiegene Gelddruck-Fantasie. Selbst der Euro konnte gegen den Greenback zulegen, was ungewöhnlich ist in einem von Risikoaversion geprägten Umfeld. Eine neue Runde quantitativer Lockerung würde den Dollar verwässern und somit den Wert des Greenback mindern. Die Societe Generale hatte bereits vor Veröffentlichung der Daten auf eine neue Runde quantitativer Lockerung mit einem Volumen von 600 Milliarden Dollar spekuliert.
Nicht nur Edelmetalle profitierten von den schwachen Daten. Sowohl die Notierungen für Treasurys als auch Bundesanleihen stiegen auf neue Rekordhochs. Dass die Aktienmärkte kaum auf die QE-Fantasie reagierten, dürfte vor allem daran liegen, dass die Börsen von Bilanzausweitungen der Zentralbanken hauptsächlich dann profitieren, solange die Wirtschaft nicht gleichzeitig abschwächt. Ein geringeres Wachstum bedeutet geringere Unternehmensgewinne, und das sind keine guten Nachrichten für Aktien.
Einzelaktien werden wahllos abverkauft
Bei den Einzelwerten im DAX zeigte sich ein tiefrotes Bild: Quer durch alle Branchen verloren Aktien massiv an Wert. Im Handel war von wahllosen Verkäufen die Rede. Größte Verlierer waren Infineon und Deutsche Bank mit Abgaben von 5,7 Prozent bzw 6,7 Prozent. Für Adidas ging es 5 Prozent nach unten, Daimler verloren 5,1 Prozent. Insgesamt hatten Zykliker einen schweren Stand, was angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten kein Wunder ist.
Als einziger DAX-Wert konnte sich MAN dem Abwärtstrend entziehen. Die Aktien stiegen 2,2 Prozent. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge VW einen umfangreichen Konzernumbau plant, um die angestrebte Allianz zwischen den Lkw-Töchtern MAN und Scania in Schwung zu bringen. "Damit würden für beide Seiten die Synergien bei Einkauf und Produktentwicklung für die nächste Truck-Generation näher rücken", sagte LBBW-Analyst Frank Biller. In Stockholm zogen Scania um fast 3 Prozent an.
In Mailand gewannen Generali 3,4 Prozent. "Der Markt setzt auf einen neuen CEO und eine bessere Performance als zuletzt", sagte ein Händler. Er bezog sich darauf, dass auf Drängen des Hauptaktionärs Mediobanca am Samstag der Verwaltungsrat von Generali tagt. Dann solle der Generali-CEO Perissinotto zum Rücktritt bewegt werden. "Mit einem Abgang Perissinottos sind Erwartungen verbunden, dass sich Generali wieder auf das Kerngeschäft konzentriert und die zuletzt miserablen Ergebnisse sich verbessern", hieß es.
Europäische Schlussbörsen vom Freitag, 1. Juni .=== . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2068,66 -50,28 -2,4% -10,7 . Stoxx-50 2221,58 -35,60 -1,6% -6,2 . Stoxx-600 235,09 -4,64 -1,9% -3,9 Frankfurt XETRA-DAX 6050,29 -214,09 -3,4% 2,6 London FTSE-100 5260,19 -60,67 -1,1% -5,5 Paris CAC-40 2950,47 -66,54 -2,2% -6,6 Amsterdam AEX 283,77 -6,32 -2,2% -9,2 Athen ATHEX-20 179,03 -9,81 -5,2% -32,4 Brüssel BEL-20 2054,02 -39,54 -1,9% -1,4 Budapest BUX 16383,93 284,11 +1,8% -3,5 Helsinki OMXH-25 1785,97 -50,34 -2,7% -8,0 Istanbul NAT30 66852,16 580,35 +0,9% 8,4 Kopenhagen OMXC-20 419,65 -12,61 -2,9% 7,6 Lissabon PSI 20 4513,38 -60,37 -1,3% -19,0 Madrid IBEX-35 6089,80 -24,80 -0,4% -29,2 Mailand FTSE-MIB 12739,98 -133,86 -1,0% -15,6 Moskau RTS 1214,35 -49,95 -4,0% -12,1 Oslo OBX 346,99 -6,20 -1,8% -3,0 Prag PX 859,20 -6,40 -0,7% -5,7 Stockholm OMXS-30 956,70 -19,28 -2,0% -3,1 Warschau WIG-20 2071,54 -24,81 -1,2% -3,4 Wien ATX 1862,22 -34,82 -1,8% -1,6 Zürich SMI 5777,47 -72,71 -1,2% -2,7 DEVISEN zuletzt '+/- % Fr, 8.08 Uhr Do, 17.50 Uhr EUR/USD 1,2408 0,41% 1,2358 1,2357 EUR/JPY 96,8978 -0,06% 96,9577 96,6511 EUR/CHF 1,2010 -0,01% 1,2011 1,2010 USD/JPY 78,0930 -0,46% 78,4530 78,2400 GBP/USD 1,5371 -0,07% 1,5382 1,5391 .=== DJG/mpt/raz
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June 01, 2012 12:27 ET (16:27 GMT)
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