Karl-Friedrich Stracke legt in naher Zukunft seinen neuen Sanierungsplan vor. Der Opel-Chef über Fehler des Unternehmens und die Tatsache, dass man nun wieder nach vorne schauen muss.
Handelsblatt: Opel hat gerade erst eine zweijährige, erfolglose Restrukturierung hinter sich. Sparen allein ist aber kein Konzept. Saniert sich das Unternehmen nicht zu Tode?
Karl-Friedrich Stracke: Dass Sparen allein kein Konzept ist, da gebe ich Ihnen völlig recht. Deshalb wird unser Revitalisierungsplan, den wir am 28. Juni dem Aufsichtsrat vorstellen, auch ein umfassender und offensiver Wachstumsplan sein, mit Milliarden-Investitionen in 30 neue Modelle bis 2014, in sparsame Motoren, eine profiliertere Marke oder etwa eine Qualitäts- und Kundenzufriedenheitsoffensive.
Was passiert in Ihren Werken?
Wir werden die Komplexität in unserer Fertigung senken und streben für unsere Werke eine Vollauslastung im Dreischichtbetrieb an. Wir haben wie fast alle Volumenhersteller in Europa Überkapazitäten. Wir schreiben wie fast alle unsere Wettbewerber in Europa Verluste - und müssen das schleunigst ändern. Opel muss so bald wie möglich wieder profitabel arbeiten.
Opel ist auf den stagnierenden europäischen Markt angewiesen. Wo ist da die Perspektive für die Marke?
Es macht uns das Leben in der Tat nicht einfacher, dass der europäische Markt jetzt im fünften Jahr in Folge rückläufig ist. Wir sehen den europäischen Markt momentan bei etwa 19 Millionen Fahrzeugen und damit rund 800 000 Einheiten unter dem Vorjahr. Die Überkapazitäten aller Autohersteller in Europa liegen nach unserer Einschätzung bei zusammen fast drei Millionen Wagen. In Griechenland, Spanien, Italien und Portugal ist die Nachfrage von Privatkunden fast zum Erliegen gekommen, die Märkte sind um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Das spüren wir besonders stark. Zuwächse auf anderen Märkten können das nicht kompensieren. Wir wollen und können nicht auf den Rückenwind des Marktes warten. Trotzdem sehen wir die Chance, auch in Europa zu wachsen.
Wie?
Beispielsweise mit nagelneuen Modellen in Segmenten, in denen wir bisher nicht vertreten waren - wie dem Mokka bei den kleinen SUVs, dem Adam bei den kleinen, stilvollen City-Autos und einem Cabrio oberhalb des Astra, dessen Namen ich heute noch nicht verraten kann. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch außerhalb von Europa wachsen und sind intensiv dabei, neue Märkte zu erschließen.
Mitte der 70er-Jahre hatte Opel noch einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent in Deutschland. Heute liegt er bei sieben Prozent. Was ist da schiefgelaufen?
Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Es gibt eine sehr viel größere Zahl der Konkurrenten, die sich auf dem Markt tummeln - zum Beispiel aus Asien. Zudem drücken die Premiumhersteller immer stärker in unsere traditionellen Segmente im Klein- und Kompaktwagenbereich. Aber natürlich hat ...
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