Von Christian Grimm
Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hat die defensive Linien von Bundesbankpräsident Jens Weidmann in der Euro-Rettung verteidigt. "Wenn ein Bekenntnis zu Geldwertstabilität als ideologisch gilt, muss man sagen, dass ist die Ideologie, auf der die EZB aufgebaut ist", sagte Issing nach der Vorstellung seines neuesten Buches zur Krise der Gemeinschaftswährung. Die Treue zu Verträgen und Verfassung habe keine Minderheitenposition verdient.
Issing wies im Gespräch mit Dow Jones Newswires die Forderung aus anderen Euroländern zurück, dass Deutschland wegen seiner Geschichte die Pflicht habe, anderen Ländern unbedingt aus der Patsche zu helfen. "Aus historischer Sicht ist Deutschland in einer besonderen Situation. Aber ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kann es nicht darum gehen, Deutschland mit seiner Vergangenheit zu erpressen."
Den von den Finanzmärkten immer wieder geforderten und von EZB-Chef Mario Draghi angekündigten Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbank lehnte der frühere Währungshüter ab. "Das ist nicht vernünftig, weil es die Probleme nicht löst und es ist nicht legitim, weil es gegen die Verträge verstößt."
Nach Issings Einschätzung droht den beiden Euro-Schwergewichten Spanien und Italien auch nicht der unmittelbare Kollaps. "Ein Anstieg der Renditen auf 6 oder 7 Prozent ist schmerzhaft, aber es bringt ein Land nicht um". Die Probleme des Euroraums müssen laut Issing dort gelöst werden, wo sie herrühren und sprach sich deshalb für tiefgreifende Reformen in den strauchelnden Mitgliedsstaaten aus.
Issing gehörte der Europäischen Zentralbank als Chefvolkswirt von 1998 bis 2006 an. Heute leitet er das "Center for Financial Studies" an der Universität Frankfurt. Sein neues Buch trägt den Titel "Wie wir den Euro retten und Europa stärken".
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August 09, 2012 11:41 ET (15:41 GMT)
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