Frankreich schlägt in der Schuldenfrage die Stunde der Wahrheit: Statt mit 1.100 Milliarden ist der Staat laut Presseberichten mit 2.000 Milliarden Euro verschuldet. Die Gesamtverschuldung beträgt damit nicht 65,8 Prozent, sondern 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, also das Doppelte dessen, was der EU-Stabilitätspakt zulässt. Bisher lassen die offiziellen Zahlen außerbilanzliche Verpflichtungen zum Beispiel für Pensionen und Schulden von Staatsfirmen unberücksichtigen. Finanzminister Thierry Breton wolle jetzt aber die Öffentlichkeit auf die Wahrheit vorbereiten, berichtet der Pariser "Figaro" am Dienstag.
Bereits vergangene Woche hatte "Le Canard Enchainé" die horrenden neuen Schuldenzahlen gemeldet. Das Enthüllungsblatt stützte sich dabei auf den im Auftrage Bretons erarbeiteten Bericht einer Kommission unter der Leitung des Bankiers Michel Pébereau. Der Aufsichtsratschef der BNP Paribas sollte die wahren Schulden anhand der international üblichen Kriterien ermitteln und Vorschläge zur Sanierung der Finanzen erarbeiten.
Die Franzosen müssten jeder für sich "die Schulden annehmen", um die Notwendigkeit zum Handeln zu begreifen, sagte Breton dem "Figaro" zufolge. Der ehemalige France-Télécom-Chef hat den Schuldenabbau zu seinem "persönlichen Ziel" erklärt. Er will die Staatsausgaben begrenzen, "das Wachstum mit allen Mitteln stimulieren" und "nicht strategische Beteiligungen" an Unternehmen verkaufen./hn/DP/zb
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