Die erwartete Zinserhöhung in den USA und ihre Erläuterung haben die US-Börsen am Dienstagabend unter Druck gesetzt. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC) hat den Leitzins wie erwartet zum 15. Mal in Folge auf nun 4,75 Prozent erhöht. Die Begründung des Schritts blieb im Wesentlichen unverändert und lässt weitere Anhebungen erwarten. Das vom Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen in den USA hatte sich unterdessen im März auf 107,2 Punkte überraschend deutlich aufgehellt. Negativ wirke unterdessen auch der deutlich erhöhte Ölpreis, sagten Händler.
Der Dow Jones Industrial Average <INDU.IND>, der sich vor der Entscheidung gut behauptete, endete mit minus 0,85 Prozent auf 11.154,54 Punkte. Im Verlauf schwankte der US-Leitindex zwischen 11.282 und 11.145 Zählern. Der marktbreite S&P-500-Index <INX.IND> gab 0,64 Prozent auf 1.293,23 Punkte ab. Die technologielastige NASDAQ-Börse tendierte ebenfalls schwächer. Der NASDAQ 100 <NDX.X.IND> verlor 0,45 Prozent auf 1.673,03 Punkte, der alle Werte umfassende Composite-Index <COMPX.IND> fiel um 0,48 Prozent auf 2.304,46 Zähler.
Home Depot <HD.NYS> <HDI.FSE>, die unverändert bei 42,99 Dollar schlossen, endeten als einziger der dreißig Dow-Werte nicht im Minus. Der Hausbauer Lennar <LEN.NYS> hatte im ersten Quartal 33,6 Prozent mehr verdient und mit einem Gewinn von 1,58 Dollar je Aktie die Erwartungen der Analysten von 1,55 Dollar übertroffen. Auch der Umsatz lag über den Prognosen - Lennar-Aktien gingen mit plus 1,18 Prozent bei 61,03 Dollar aus dem Handel.
Tagesverlierer im Dow Jones waren Hewlett-Packard <HPQ.NYS> <HWP.FSE> mit einem Abschlag von 3,14 Prozent auf 32,07 Dollar. Händler verwiesen auf einen Bericht im "Wall Street Journal", demzufolge sich das Wachstum des PC-Marktes abschwächen dürfte. Nach dem deutlichen Anstieg der Hewlett-Packard-Aktien seit Mitte August von unter 24 auf über 34 Dollar habe dies auch Gewinnmitnahmen ausgelöst, sagten Händler.
Finanzwerte zeigten sich in Reaktion auf die Zinsentscheidung der Fed ebenfalls schwach. American International Group <AIG.NYS> <AIN.ETR> gaben als zweitschwächster Dow-Wert 1,67 Prozent auf 66,03 Dollar ab, American Express <AXP.NYS> <AEC1.FSE> verloren 1,48 Prozent auf 52,57 Dollar und JPMorgan Chase <JPM.NYS> <CMC.ETR> verbilligten sich um 1,31 Prozent auf 41,56 Dollar ab.
Energietitel hielten sich im Kielwasser steigender Ölpreise besser als der Gesamtmarkt: Exxon Mobil <XOM.NYS> gaben 0,55 Prozent auf 60,95 Dollar ab, ChevronTexaco <CVX.NYS> <CHV.FSE> verloren 0,60 Prozent auf 57,86 Dollar. Rohöl-Futures waren erstmals seit Anfang Februar wieder über 66 Dollar je Fass gestiegen. Versorgungsängste angesichts der anhaltenden Spannungen in wichtigen Förderländern wie Nigeria oder Iran sowie einer Verzögerung bei Reperaturen in einer Raffinerie stützten den Ölpreis.
Telekomwerte zählten auch zu den Favoriten: Level 3 <LVLT.NAS> sprangen an der Spitze des NASDAQ-100 um 15,88 Prozent auf 5,18 Dollar nach oben. Dank einer Verbesserung bei Kommunikationsdienstleistungen werden die eigenen Quartalsprognosen "getroffen oder übertroffen", teilte der Netzbetreiber mit. Die jüngste Akquisition von WilTel Communications wirke hierbei positiv. Ciena <CIEN.NAS>, die laut Händlern als möglicher Übernahmekandidat gehandelt werden, gewannen 3,44 Prozent auf 5,41 Dollar./fat/hi
AXC0188 2006-03-28/23:41