FRANKFURT (Dow Jones)--Die Situation am deutschen Arbeitsmarkt dürfte sich im Juni etwas aufgehellt haben. Von Dow Jones Newswires befragte Bankvolkswirte erwarten, dass die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Mai saisonbereinigt um 30.000 gefallen ist, was unter anderem auf eine temporär günstigere Beschäftigungslage aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft zurückzuführen sein sollte. Damit würde die Arbeitslosenquote bei 11,0% verharren.
Im Mai war die Zahl der Arbeitslosen mit gut 90.000 überraschend kräftig gefallen. Allerdings glauben viele Beobachter, dass diese Entwicklung nicht unbedingt wegen einer stärkeren Konjunktur oder aufgrund von arbeitsmarktpolitischen Erfolgen zustande gekommen ist, sondern Folge statistischer Änderungen war.
So hatte auch "Der Spiegel" berichtet, dass die einfachere Erfassung von Arbeitsmarktunfähigkeiten bei Krankheit zum günstigen Verlauf im Mai beitragen habe. Entsprechend seien kranke Arbeitslose erstmals flächendeckend und korrekt registriert worden und deshalb aus der Arbeitslosenstatistik gefallen, da sie für die Dauer ihrer Krankheit nur noch als "arbeitssuchend", nicht jedoch als "arbeitslos" galten. Vor dem Hintergrund dieser Erfassungsänderung war die Zahl der Arbeitslosen auf der Basis von Ursprungsdaten im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 350.000 auf insgesamt 4,54 Millionen gefallen.
Auch Bankvolkswirte sehen dies als einen der wesentlichen Gründe für die scheinbar gute Mai-Entwicklung. So verweisen die Ökonomen der Commerzbank darauf, dass die Dynamik der deutschen Wirtschaft zurzeit nur für einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit ausreicht. Allerdings könnten im Juni temporäre Beschäftigungsverhältnisse während der Fußball-WM für etwas günstigere Zahlen gesorgt haben, "als dies allein aufgrund der konjunkturellen Lage zu erwarten wäre". Die Commerzbank-Experten sehen deshalb ein Minus bei der Zahl der Arbeitslosen von 30.000, bei einer unveränderten Arbeitslosenquote von 11,0%.
Die Volkswirte der HVB sehen die Aussagekraft der aktuellen Zahlen ebenfalls beeinträchtigt, auch weil hinter den jüngsten Verbesserungen eine Ausweitung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse steht. Dieser Trend werde sich im Juni fortgesetzt haben. Ferner rechnen sie wie ihre Commerzbank-Kollegen mit zusätzlichen temporären Einstellungen zur WM. Die Prognosen der HVB decken sich mit dem Konsens, nicht saisonbereinigt wird zudem ein Rückgang der Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 90.000 vorhergesagt. Die Bundesagentur für die Arbeit (BA) wird die Juni-Daten zum Arbeitsmarkt am Donnerstag (9.55 Uhr) vorlegen.
DJG/ptt/chv
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Im Mai war die Zahl der Arbeitslosen mit gut 90.000 überraschend kräftig gefallen. Allerdings glauben viele Beobachter, dass diese Entwicklung nicht unbedingt wegen einer stärkeren Konjunktur oder aufgrund von arbeitsmarktpolitischen Erfolgen zustande gekommen ist, sondern Folge statistischer Änderungen war.
So hatte auch "Der Spiegel" berichtet, dass die einfachere Erfassung von Arbeitsmarktunfähigkeiten bei Krankheit zum günstigen Verlauf im Mai beitragen habe. Entsprechend seien kranke Arbeitslose erstmals flächendeckend und korrekt registriert worden und deshalb aus der Arbeitslosenstatistik gefallen, da sie für die Dauer ihrer Krankheit nur noch als "arbeitssuchend", nicht jedoch als "arbeitslos" galten. Vor dem Hintergrund dieser Erfassungsänderung war die Zahl der Arbeitslosen auf der Basis von Ursprungsdaten im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 350.000 auf insgesamt 4,54 Millionen gefallen.
Auch Bankvolkswirte sehen dies als einen der wesentlichen Gründe für die scheinbar gute Mai-Entwicklung. So verweisen die Ökonomen der Commerzbank darauf, dass die Dynamik der deutschen Wirtschaft zurzeit nur für einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit ausreicht. Allerdings könnten im Juni temporäre Beschäftigungsverhältnisse während der Fußball-WM für etwas günstigere Zahlen gesorgt haben, "als dies allein aufgrund der konjunkturellen Lage zu erwarten wäre". Die Commerzbank-Experten sehen deshalb ein Minus bei der Zahl der Arbeitslosen von 30.000, bei einer unveränderten Arbeitslosenquote von 11,0%.
Die Volkswirte der HVB sehen die Aussagekraft der aktuellen Zahlen ebenfalls beeinträchtigt, auch weil hinter den jüngsten Verbesserungen eine Ausweitung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse steht. Dieser Trend werde sich im Juni fortgesetzt haben. Ferner rechnen sie wie ihre Commerzbank-Kollegen mit zusätzlichen temporären Einstellungen zur WM. Die Prognosen der HVB decken sich mit dem Konsens, nicht saisonbereinigt wird zudem ein Rückgang der Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 90.000 vorhergesagt. Die Bundesagentur für die Arbeit (BA) wird die Juni-Daten zum Arbeitsmarkt am Donnerstag (9.55 Uhr) vorlegen.
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