Internet, beste Lage Wenn die Kommerzialisierung des Internets wie ein riesiges Monopoly-Spiel ist, dann hat sich jetzt einer der mächtigsten Spieler das begehrteste Grundstück an der Schlossallee gesichert, in Toplage also: Die Suchmaschine Google erkauft sich das Recht, die Suchfunktion auf der Web-2.0-Plattform Myspace zu betreiben - auf einer der meistbesuchten Internetseiten überhaupt. Zudem darf Google künftig auch auf Schlüsselbegriffe abgestimmte Anzeigen auf den Seiten der Myspace-Nutzer platzieren. Einzig sicherer Gewinner dieses Deals ist Rupert Murdoch. Der Medientycoon hatte den Trend zu Web-2.0-Angeboten, bei denen Nutzer eigene Inhalte online stellen, schnell erkannt und Myspace über seinen Konzern News Corp. für 580 Mio. $ gekauft. Indem er nun Google gegen Zahlung von stolzen 900 Mio. $ zur exklusiven Suchmaschine auf Myspace und den übrigen News-Corp.-Seiten macht, hat er seinen Einsatz schon wieder locker eingespielt. Für Google dagegen ist das Geschäft ein großes Wagnis. Dieser Deal muss zeigen, ob der große Trend Web 2.0, das Internet zum Selbermachen, tatsächlich kommerziell und in großem Stil nutzbar ist. Google muss erst beweisen, dass es mit dem Grundstück an der Schlossallee richtig umzugehen weiß. Es ist völlig unklar, wie die Millionen Myspace-Nutzer reagieren werden, wenn ihre Seiten systematisch mit Werbung bestückt werden. Sie wollen Online-Kontakte knüpfen, sich mit Freunden vernetzen, sich und ihre Arbeit vorstellen. Ob sie möchten, dass all die persönlichen Informationen, die sie preisgeben, für maßgeschneiderte Werbung genutzt wird, ist dagegen fraglich. Zumal, wenn der Profiteur Google ist, das in der globalen Internet-Community das positive Image eines etwas größeren Start-ups zweier sympathischer Stanford-Studenten längst verloren hat. Das Internet als Ganzes ist eine große Geldmaschine, bei Google weiß man das so gut wie bei kaum einem anderen Onlinekonzern. Allerdings gibt es auch Geschäftsmodelle im World Wide Web, die nach anfänglichem Erfolg gefloppt sind - zum Beispiel der Versuch, E-mail-Konten oder Zeitungsartikel relativ teuer online zu verkaufen. Die Risiken, die Google mit dem Einstieg bei Myspace eingeht, erklären die gelassene Reaktion des größten Rivalen Yahoo auf den Deal: Die Konkurrenz, die sich selbst schon wichtige Web-2.0-Seiten gesichert, aber sie noch kaum kommerziell genutzt hat, ist skeptisch. Wenn allerdings das Geschäftsmodell mit der Suchmaschine auf Myspace funktioniert, dann ist Web 2.0 eine Goldgrube - und Google allen anderen im großen Internet-Monopoly weit enteilt. Dann dominiert Google nicht nur die Schlossallee, sondern das ganze Spiel.
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Ines Zöttl - 030/22074169
Leo Klimm - 040/31990311
Christian Schütte - 030/22074169
Dies ist eine Pressestimme der Financial Times Deutschland. Für Text und Inhalt ist ausschließlich die Financial Times Deutschland verantwortlich. Die geäußerten Ansichten reflektieren auch nicht die Ansichten von Dow Jones Newswires oder der Dow Jones and Company Inc.
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