New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street stand heute wieder im Banne von Fannie Mae und Freddie Mac. Die ganze Woche schon fokusierte sich das allgemeine Interesse auf die beiden staatlich kontrollierten Hypothekenriesen. Heute schien sich das Drama zu verschlimmern.
Das Schlamassel begann schon am Wochenanfang. Da kam die Furcht auf, dass die Finanzgiganten wegen der Subprime-Krise und verschärften Bilanzvorschriften weitere Milliarden Dollar abschreiben müssen. Das bedeutete wiederum, dass die Washingtoner Finanzkonzerne frisches Geld aufnehmen und dazu neue Aktien (auf sich selbst) verkaufen müssten. Das ginge nur zu sehr niedrigen Kursen und würde damit den Wert der alten Aktien verwässern, hieß es. Gestern goss Ex-Notenbankmitglied William Poole (Ex-Federal Reserve Präsident von St. Louis) noch Benzin ins Feuer und mutmaßte, die beiden Finanzriesen seien insolvent und müssten von der US-Regierung übernommen werden. Weil die Aktionäre Angst bekamen, dass sie zu Schleuderpreisen (wie bei Bear Stearns) ausgekauft werden, ergriffen sie die Flucht.
Das heutige Dementi von US-Finanzminister Henry Paulson dämpfte die Panik nur wenig. Der Politiker erklärte, dass die amerikanische Regierung derzeit keine Übernahme der Finanzkonzerne beabsichtigt. Stattdessen wolle man Fannie Mae und Freddie Mac in der derzeit bestehenden Form unterstützen. Zeitweise goss die Meldung, die US-Notenbank halte ihr Diskontfenster, aus dem sie die Banken in der Krise mit Liquidität abstützt, Öl auf die Wogen und leitete eine kurze Erholung ein. Die Meldung wurde aber nicht bestätigt und die Kurse gerieten wieder ins Rutschen.
Trio Infernale
Wie bereits in den Vortagen schlossen sich Lehman Brothers dem Kursrutsch der Baufinanzierer an. Die angeschlagene Investmentbank gart schon seit Tagen in der Gerüchteküche. Heute belastete die Meldung, dass sich der Anteil der schwer zu bewertenden Vermögenswerte (also komplizierte und wegen der aktuellen Finanzkrise schlecht verkäuflicher Derivate) am Gesamtvermögen erhöht hat. Das Trio Infernal riss nicht nur die Aktienmärkte in die Tiefe, sondern löste auch eine Flucht aus dem Dollar aus.
Verschärft wurde das Schlamassel wieder einmal durch neue Rekordpreise beim Öl, die vor allem Transport- und Einzelhandelsaktien Richtung Süden schickten. Gute Nachrichten gingen im allgemeinen Pessimismus unter, etwa dass General Motors mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen traf und seinen Ausblick bestätigt.
Der Dow Jones Industrial Average verlor 1,14% auf 11.100 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 rutschte 1,11% auf 1.239 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index sank 0,83% auf 2.239 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow minus 1,6%
S&P 500 minus 1,75%
Nasdaq: minus 0,35%
Dow Jones Average: Der weite Weg zum Disneyland
Von den 30 Blue Chips des Dow retteten sich zum Schluss 9 in den grünen Bereich. Der Sieger des Tages war General Motors mit plus 2,37% auf 9,92 Dollar. Während der Sitzung war die Notiz allerdings zeitweise auf 9,14 Dollar gefallen, der niedrigste Kurs seit 1954. Anscheinend hat das wieder ein paar Schnäppchenjäger angelockt. Der Baumaschinenriese Caterpillar (der auch Anlagen für Rohstoffminen herstellt) gewann 2,03% auf 69,81 Dollar. Nachrichten gab es dafür keine. Vielleicht half die Dollarschwäche, da der Konzern einen großen Teil seines Umsatzes im Ausland einfährt und daher von dem sinkenden Greenback profitiert. American Express kletterte mit einem Tagesgewinn von 0,44% auf Dollar 39,21 ebenfalls noch aufs Siegertreppchen.
General Electric belegte mit einem anämischen Plus von 0,07% auf 27,66 Dollar den achten Platz. Die heutigen Quartalszahlen des Mischkonzern trafen - was Gewinn und Ausblick angeht - genau die Erwartungen, der Umsatz lag ein Tick darüber. Außerdem meldete das multinationale Konglomerat den Verkauf seines japanischen Verbraucherfianzierungs-Geschäfts.
Der Flop des Tages war ausgerechnet ein Energiekonzern: Chevron rutschte 4,16% auf 92,25 Dollar. Der Konzern kündigte Verluste aus der Ölweiterverarbeitung und Vermarktung (Down Stream Geschäft) an. Boeing gab 4,11% auf 63,28 Dollar ab. Dort klang die Begeisterung über die Neuausschreibung des Tankergeschäfts mit der US-Army wieder ab. JP Morgan leistete der anhaltenden Bankenkrise ihren Tribut und sank 3,91% auf 33,16 Dollar.
Opfer des Ölpreisanstiegs wurden Wal-Mart mit minus 1,61 auf 56,29 und die Baumarktkette Home Depot mit minus 1,33% auf 21,58 Dollar. Deren Kunden geben immer mehr Geld an der Tankstelle aus. Walt Disney verlor 1,35% auf 29,20 Dollar. Die steigenden Spritpreise dürften die Fahrt zum Disneyland vermiesen.
S&P 500: Et tu Lehman Brothers?
Fannie Mae implodierte 22,35% auf 10,25 Dollar. Glimpflicher kam Freddie Mac mit minus 3,12% auf 7,75 Dollar davon. Dort half wohl der Hinweis der Citigroup, man habe heute früh mit dem Management von Freddie Mac gesprochen. Dort habe man versichert, dass sich die finanziellen Verhältnisse während des 2. Quartals nicht verändert haben. Der Kursrutsch sei eine Kaufgelegenheit.
Lehman Brothers setzten ihre steile Talfahrt fort und rutschten heute 16,59% auf 14,43 Dollar. Der Kursverlauf hat eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem Schicksal der verblichenen Bearn Stearns. Allein schon diese Tatsache treib die Investoren in die Flucht. Der Markt ignorierte den Broker Keefe, Bruyette & Woods, der an seinem Urteil „Market Perform“ und dem Kursziel 33 Dollar festhält, und erklärte aber, dass Lehman derzeit über flüssige Mittel im Volumen von insgesamt rund 45 Milliarden Dollar verfügt, 11 Milliarden Dollar mehr als im ersten Quartal. Goldman Sachs verlor 4,51% auf 162,48 Dollar.
Wie üblich zeigten sich bei den Airlines die Kollateralschäden der Ölpreisspirale. Continental Airlines trudelte 12,39% auf 7,28 Dollar und AMR, die Mutter der American Airlines, gab 2,86% auf 4,75 Dollar ab.
Dennoch gab es wieder zahlreiche Lichtblicke. Hercules sprang 25,75% auf 20,95 Dollar. Der Spezialchemiekonzern wird von dem Rivalen Ashland übernommen, dessen Kurs prompt um 13,31% auf 41,10 Dollar einbrach. Wie das so üblich ist, stiegen viele Investoren beim Aufkäufer aus. Der Grunde: Sie befürchten zu hohe Kosten der Firmenehe und trauen den angestrebten Synergieeffekten nicht.
Wynn Resorts kletterte 11,72% auf 78,14 Dollar. Der Casinobetreiber hatte bereits gestern nach Börsenschluss mit seinen Quartalszahlen angenehm überrascht. Vor allem freuten sich die Aktionäre darüber, dass der Las Vegas Konzern von seiner Filiale in Macau scharf höhere Gewinne erwartet. Außerdem weitet der Glücksspielbetreiber sein Aktienrückkaufprogramm aus. Der Broker Jefferies & Co. bekräftigte Kaufempfehlung und Kursziel 138 Dollar. Die gestrigen Zahlen hätten sein Vertrauen in den Dienstleister bestätigt, zumal die Ausblicke für Las Vegas und Macau über seinen Erwartungen lagen, hieß es. Aber nicht alle waren begeistert. Der Broker Oppenheimer bekräftigte sein Urteil „Perform“ (etwa: „Neutral“). Er verwies auf die - konjunkturell bedingten - Unsicherheiten beim Standort Las Vegas. Der Broker Susquehanna Financial, Urteil „Positive“, dampfte sein Kursziel von 143 Dollar auf 95 Dollar ein. Der Broker KeyBanc Capital Markets („Untergewichen“) kappte das Kursziel von 70 Dollar auf 63 Dollar.
Anheuser-Busch stieg 8,64% auf 66,50 Dollar. Die Brauerei (Budweiser) wehrte sich bislang gegen ein unfreundliches Übernahmeangebot der belgisch-brasilianischen Bier-Holding InBev (Becks). Jetzt haben die Brüsseler ihr Übernahmeangebot angeblich um 5 Dollar auf 70 Dollar aufgestockt. Außerdem haben die beiden Kontrahenten jetzt Gespräche über eine mögliche Übernahme der Amerikaner aufgenommen. Sollte das tatsächlich zu einer Fusion führen, entstünde der größte Brauereikonzern der Welt. Die wahrscheinliche Brauerhochzeit beflügelte auch die Fantasie für die Brauerei Molson Coors, die um 2,71% auf 54,25 Dollar aufschäumte.
Ford gewann 6,11% auf 4,86 Dollar. Der kriselnde Autobauer hat angeblich zu viel Steuern gezahlt. Die Detroier verklagten die US-Steuerbehörde und wollen eine Erstattung in Höhe von 445,3 Millionen Dollar. Jacobs Engineering Group legte 4,40% auf 78,08 Dollarzu. Der Broker Friedman, Billings, Ramsey beförderte den Bau- und Ingenieurs-Dienstleister von „Market Perform“ auf „Outperform“. Die Aktie sei billig, hieß es dort. Laut AP nahm ein weiterer Broker (der aber nicht genannt wurde) den Ingenieurswert in seine Top-Pick-Liste auf.
Yum Brands avancierte 2,29% auf 35,68 Dollar. Die Restaurantkette (KFC, Pizza Hut, Taco Bell) wurde von der Bank of America mit Kaufen gestartet
In der Nasdaq standen vor allem die Schwergewichte unter Druck. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,56% auf 1.810. Anscheinend führte die heutige Verunsicherung dazu, sich besonders von den Lieblinge von gestern zu trennen.
Überdurchschnittlich litten auch die Chipwerte. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, sank 1,00% auf 345,69 Punkte. Der Marktführer Intel konnte sich allerdings mit plus 0,10% auf 20,64Dollar gut behaupten. Dennoch enttäuschend. Immerhin hatte gestern Paul Otellini, der CEO des Chipriesens, erklärt, er sehe keine Auswirkungen der Konjunkturabkühlung in den USA. Außerdem bleibe das globale Geschäft sehr stark. Das gelte für alle Bereiche also Endverbraucher, Einzelhandel und Unternehmen, Server und Infrastruktur. Heute ist das bereits wieder verpufft. Advanced Micro Devices (AMD) sank 2,42% auf 4,84 Dollar. Der Intel-Rivale musste im Bereich Handy- und Digital-TV-Chips 880 Millionen Dollar abschreiben.
Applied Materials verlor 2,34% auf 17,91 Dollar. Der Halbleiterausrüster wurde bei der Citigroup von „Kaufen“ auf „Halten“ gekappt. Das Kursziel ging auf 20 Dollar zurück (vorher: 25 Dollar). Man beobachte, dass die Nachfrage der Chiphersteller im laufenden Quartal um 5 bis 10% gegenüber dem Vorquartal zurück ging, hieß es. Vor allem der Kunde Samsung bestelle deutlich weniger. In einer Art Rundumschlag kürzte auch die Kursziele anderer Chipzulieferer: KLA-Tencor von 56 Dollar auf 50 Dollar (heutige Kursreaktion: minus 2,45% auf 37,79 Dollar), Novellus Systems von 24 Dollar auf 21 Dollar (Kursreaktion: minus 4,44% auf 19,16 Dollar), Lam Research von 47 Dollar auf 36 Dollar (Kursreaktion: minus 4,64% auf 32,50 Dollar), bei Advanced Energy Industries blieb es bei 14 Dollar (Kursreaktion: minus 10,15% auf 12,93Dollar).
Goldman Sachs rührte ebenfalls kräftig um. Die sehr einflussreiche Investmentbank strich den Netzwerkausrüster Cisco Systems von ihrer „Überzeugungs-Kaufliste“ und nahm dort stattdessen den Chiphersteller Qualcomm auf. Die Konsequenz: Cisco Systems fiel 1,40% auf 21,82 Dollar und Qualcomm gewann 0,33% auf 48,33Dollar.
Software ist in stürmischen Zeiten stark gefragt, glaubt die Credit Suisse. Die Schweizer starteten heute die offizielle Beobachtung des gesamten Software-Bereichs und raten „Übergewichten“. Die aktuellen Konjunktur- und Energieprobleme regten die Unternehme zu einer Neuorientierung ihrer IT-Strategie an. Dabei liege der Fokus auf Kostensparen und verbesserter Effizienz. Software spielt eine wichtige Rolle bei der Senkung der Kosten und der Steigerung der Produktivität, heißt es. Bis zum Jahr 2012 sollte daher die Software-Nachfrage um jährlich 7,8% klettern. Die Schweizer starteten in diesem Zusammenhang Microsoft (Kursziel 35 Dollar) und Adobe (Kursziel 49 Dollar) jeweils mit „Outperform“. Oracle (Kursziel 24 Dollar) und Salesforce.com (Kursziel 71 Dollar) wurden dagegen nur mit „Neutral“ begonnen.
Die Konsequenz: Microsoft verliert 0,79% auf 25,25 Dollar, Adobe gibt 0,93% auf 39,24 Dollar ab, Oracle fällt 1,55% auf 20,96 Dollar und Salesforce.com rutscht 2,50% auf 63,28 Dollar.
Apple verlor 2,29% auf 172,58 Dollar Der heiß erwartete Verkaufsstart des neuen iPhones führte zu einem technischen Schlamassel. Die Apple-Server zum Aktivieren der neuen Handys in den Shops stürzten - vermutlich wegen der riesigen Belastung -ab und die Kunden wurden mit unaktivierten Geräten wieder nach Hause geschickt. Sie sollte dort via dem Apple-Online-Portal iTunes aktivieren, hieß es. Der Smartphone-Rivale Research in Motion brach 6,27% auf 109,79 Dollar ein. Der Hersteller des BlackBerry, stand dennoch heute etwas im Schatten von Apple. Die Rückendeckung des Brokers American Technology wurde ignoriert. Der Broker riet „aggressiv kaufen“. Man glaube nicht, dass der Konkurrenzdruck durch Apple zu groß wird, betonte das Researchhaus. Beide Handy-Anbieter seien gut positioniert, hätten aber unterschiedliche Kompetenzen, hieß es. Der BlackBerry der Kanadier sei die bessere Kommunikations-Plattform. Research In Motion sei daher nur wenige Wochen von dem Start eines „enormen Wachstumszyklus“ entfernt.
Der Börsenbetreiber Nasdaq OMX gewann 2,66% auf 24,33 Dollar. Der Broker Raymond James wertete den Dienstleister von „Market Perform“ auf „Outperform“ auf. Man glaube, dass die virtuelle Plattform davon profitiert, dass immer mehr Aktien elektronisch gehandelt werden, hieß es. Als Wachstumstreiber sieht das in Florida ansässige Wertappierhaus auch die laufende Einführung neue Exchange Traded Funds (ETFs) und den für September geplanten Start des paneuropäischen Marktes.
Internet: Schade, dass Yahoo kein Bier braut
Wie an solchen Tagen üblich wurde das Gros der wenig defensiven Internetwerte verkauft. Yahoo verbesserte sich allerdings 0,30% auf 23,57 Dollar. Der Kurs wird seit Woche von Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch Microsoft geprägt. Der Portalbetreiber wird wohl voller Neid auf Anheuser-Busch schielen. Der Brauerei gelang es anscheinend, die belgisch-brasilianischen Bier-Holding InBev zu einem deutlich höheren Übernahmeangebot zu überreden. Bei Yahoo hat es eher den Anschein, dass die Seilschaft Ballmer-Icahn das ehemalige Angebot eher herunterschrauben will. Google verlor 1,25% auf 533,80 Dollar In dem allgemeinen Katzenjammer ging unter, dass die Deutsche Bank heute die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung wieder aufnahm. Kursziel: 635 Dollar. Der Suchmaschinenführer habe eine dominante Stellung in dem Schlachtfeld um die Online-Werbung, hieß es. Das ermögliche den Kaliforniern laufend in neue Dienste und Anwendungen zu investieren. Das wiederum steigere die Nutzung durch die Internetsurfer und schaffe Möglichkeiten für zusätzliche Einnahmen. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, rutschte nachrichtenlos 7,36% auf 305,08 Dollar.
Der E-Commerce schien besonders unter dem Ölpreisanstieg zu leiden, weil dadurch noch mehr Kaufkraft der Verbraucher abgeschöpft wird. Amazon.com schloss nach heftigen Schwankungen mit minus 2,96% auf 68,54 Dollar Zeitweise knickte der E-Commerce-Titel um rund 5% ab. Vermutlich kursiert das Gerücht, der Onlinehändler gebe vor seinen Quartalszahlen am 23. Juli eine Gewinnwarnung ab. Ein Spiel das spekulativen Werten gerne getrieben wird. Dazu trug diese Woche auch die Citigroup bei, die ihre Umsatzschätzung für das 2. Quartal auf 3,95 Milliarden Dollar kürzte (vorher: 3,97 Milliarden Dollar, Konsens: 3,96 Milliarden Dollar). Der Grund: Der Anstieg von Euro & Pfund Sterling & Co. gegenüber dem Dollar, der die Auslandumsätze ausweitet, sei schwächer ausgefallen als zunächst geschätzt. Die Citigroup geht je Aktie von 25 Cents Gewinn aus (Konsens 26 Cents). Der Rivale Ebay gab 0,60% auf 28,01 Dollar ab.
Öl: Gerüchteküche schraubt Preis in die Höhe
Die Ölspekulation lebt von Gerüchten. Heute half das Gerücht, Israel probe einen Militärschlag gegen den Iran, den ohnehin schon überhöhten Preis des strategischen Energieträgers weiter aufzublähen. Israel und Pentagon dementierten zwar schnell, das half aber wenig. Hilfreich war auch der flaue Dollar. Der Crude-Kontrakt für August sprang heute 3,43 Dollar auf 145,08 Dollar. Im volatilen Handel wurden zwischenzeitlich 147,27 Dollar erreicht, ein neuer Rekord.
Gold: Bankendrama beflügelt Edelmetallpreis
Das Gold profitierte heute wieder von einer Kettenreaktion. Das Drama um die Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac löste auch eine Flucht aus dem Dollar aus. Wie gewohnt landete ein Teil der Gelder bei dem Schmuckmetall. Der Gold-Kontrakt für August stieg heute 18,60 Dollar auf 960,60 Dollar.
Ausblick: Die Tsunami der Quartalszahlen rollt an
Montag:
Quartalszahlen: Genentech (Biotech), Novellus Systems (Halbleiter)
Dienstag:
14:30 Uhr Erzeugerpreise vom Juni plus Einzelhandelsumsätze ebenfalls vom Juni plus New York Empire State Index (Industrieentwicklung im Ballungsgebiet) vom Juli. 16:00 Uhr Lagerbestände der US-Wirtschaft vom Mai
Quartalszahlen: Intel, Johnson & Johnson (Pharma, Dow-Komponente), Seagate (PV-Laufwerke)
Mittwoch:
14:30 Uhr Verbraucherpreise vom Juni. 15:15 Uhr Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung vom Juni, 16:30 Uhr Ölvorräte der Vorwoche. 20:00 Protokoll der vergangenen Notenbanksitzung
Quartalszahlen: Ebay, Yum Brands (Restaurants: Pizza Hut, Taco Bell)
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche plus Baugenehmigungen und Baubeginne (jeweils Eigenheime) vom Juni, 16:00 Uhr Index der Philadelphia Fed (Industrieentwicklung im Ballungsgebiet) vom Juli
Quartalszahlen: Advanced Micro Devices (AMD, Halbleiter), Coca Cola, Google, JP Morgan, Microsoft
Freitag:
Quartalszahlen: Citigroup
Das Schlamassel begann schon am Wochenanfang. Da kam die Furcht auf, dass die Finanzgiganten wegen der Subprime-Krise und verschärften Bilanzvorschriften weitere Milliarden Dollar abschreiben müssen. Das bedeutete wiederum, dass die Washingtoner Finanzkonzerne frisches Geld aufnehmen und dazu neue Aktien (auf sich selbst) verkaufen müssten. Das ginge nur zu sehr niedrigen Kursen und würde damit den Wert der alten Aktien verwässern, hieß es. Gestern goss Ex-Notenbankmitglied William Poole (Ex-Federal Reserve Präsident von St. Louis) noch Benzin ins Feuer und mutmaßte, die beiden Finanzriesen seien insolvent und müssten von der US-Regierung übernommen werden. Weil die Aktionäre Angst bekamen, dass sie zu Schleuderpreisen (wie bei Bear Stearns) ausgekauft werden, ergriffen sie die Flucht.
Das heutige Dementi von US-Finanzminister Henry Paulson dämpfte die Panik nur wenig. Der Politiker erklärte, dass die amerikanische Regierung derzeit keine Übernahme der Finanzkonzerne beabsichtigt. Stattdessen wolle man Fannie Mae und Freddie Mac in der derzeit bestehenden Form unterstützen. Zeitweise goss die Meldung, die US-Notenbank halte ihr Diskontfenster, aus dem sie die Banken in der Krise mit Liquidität abstützt, Öl auf die Wogen und leitete eine kurze Erholung ein. Die Meldung wurde aber nicht bestätigt und die Kurse gerieten wieder ins Rutschen.
Trio Infernale
Wie bereits in den Vortagen schlossen sich Lehman Brothers dem Kursrutsch der Baufinanzierer an. Die angeschlagene Investmentbank gart schon seit Tagen in der Gerüchteküche. Heute belastete die Meldung, dass sich der Anteil der schwer zu bewertenden Vermögenswerte (also komplizierte und wegen der aktuellen Finanzkrise schlecht verkäuflicher Derivate) am Gesamtvermögen erhöht hat. Das Trio Infernal riss nicht nur die Aktienmärkte in die Tiefe, sondern löste auch eine Flucht aus dem Dollar aus.
Verschärft wurde das Schlamassel wieder einmal durch neue Rekordpreise beim Öl, die vor allem Transport- und Einzelhandelsaktien Richtung Süden schickten. Gute Nachrichten gingen im allgemeinen Pessimismus unter, etwa dass General Motors mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen traf und seinen Ausblick bestätigt.
Der Dow Jones Industrial Average verlor 1,14% auf 11.100 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 rutschte 1,11% auf 1.239 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index sank 0,83% auf 2.239 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche:
Dow minus 1,6%
S&P 500 minus 1,75%
Nasdaq: minus 0,35%
Dow Jones Average: Der weite Weg zum Disneyland
Von den 30 Blue Chips des Dow retteten sich zum Schluss 9 in den grünen Bereich. Der Sieger des Tages war General Motors mit plus 2,37% auf 9,92 Dollar. Während der Sitzung war die Notiz allerdings zeitweise auf 9,14 Dollar gefallen, der niedrigste Kurs seit 1954. Anscheinend hat das wieder ein paar Schnäppchenjäger angelockt. Der Baumaschinenriese Caterpillar (der auch Anlagen für Rohstoffminen herstellt) gewann 2,03% auf 69,81 Dollar. Nachrichten gab es dafür keine. Vielleicht half die Dollarschwäche, da der Konzern einen großen Teil seines Umsatzes im Ausland einfährt und daher von dem sinkenden Greenback profitiert. American Express kletterte mit einem Tagesgewinn von 0,44% auf Dollar 39,21 ebenfalls noch aufs Siegertreppchen.
General Electric belegte mit einem anämischen Plus von 0,07% auf 27,66 Dollar den achten Platz. Die heutigen Quartalszahlen des Mischkonzern trafen - was Gewinn und Ausblick angeht - genau die Erwartungen, der Umsatz lag ein Tick darüber. Außerdem meldete das multinationale Konglomerat den Verkauf seines japanischen Verbraucherfianzierungs-Geschäfts.
Der Flop des Tages war ausgerechnet ein Energiekonzern: Chevron rutschte 4,16% auf 92,25 Dollar. Der Konzern kündigte Verluste aus der Ölweiterverarbeitung und Vermarktung (Down Stream Geschäft) an. Boeing gab 4,11% auf 63,28 Dollar ab. Dort klang die Begeisterung über die Neuausschreibung des Tankergeschäfts mit der US-Army wieder ab. JP Morgan leistete der anhaltenden Bankenkrise ihren Tribut und sank 3,91% auf 33,16 Dollar.
Opfer des Ölpreisanstiegs wurden Wal-Mart mit minus 1,61 auf 56,29 und die Baumarktkette Home Depot mit minus 1,33% auf 21,58 Dollar. Deren Kunden geben immer mehr Geld an der Tankstelle aus. Walt Disney verlor 1,35% auf 29,20 Dollar. Die steigenden Spritpreise dürften die Fahrt zum Disneyland vermiesen.
S&P 500: Et tu Lehman Brothers?
Fannie Mae implodierte 22,35% auf 10,25 Dollar. Glimpflicher kam Freddie Mac mit minus 3,12% auf 7,75 Dollar davon. Dort half wohl der Hinweis der Citigroup, man habe heute früh mit dem Management von Freddie Mac gesprochen. Dort habe man versichert, dass sich die finanziellen Verhältnisse während des 2. Quartals nicht verändert haben. Der Kursrutsch sei eine Kaufgelegenheit.
Lehman Brothers setzten ihre steile Talfahrt fort und rutschten heute 16,59% auf 14,43 Dollar. Der Kursverlauf hat eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem Schicksal der verblichenen Bearn Stearns. Allein schon diese Tatsache treib die Investoren in die Flucht. Der Markt ignorierte den Broker Keefe, Bruyette & Woods, der an seinem Urteil „Market Perform“ und dem Kursziel 33 Dollar festhält, und erklärte aber, dass Lehman derzeit über flüssige Mittel im Volumen von insgesamt rund 45 Milliarden Dollar verfügt, 11 Milliarden Dollar mehr als im ersten Quartal. Goldman Sachs verlor 4,51% auf 162,48 Dollar.
Wie üblich zeigten sich bei den Airlines die Kollateralschäden der Ölpreisspirale. Continental Airlines trudelte 12,39% auf 7,28 Dollar und AMR, die Mutter der American Airlines, gab 2,86% auf 4,75 Dollar ab.
Dennoch gab es wieder zahlreiche Lichtblicke. Hercules sprang 25,75% auf 20,95 Dollar. Der Spezialchemiekonzern wird von dem Rivalen Ashland übernommen, dessen Kurs prompt um 13,31% auf 41,10 Dollar einbrach. Wie das so üblich ist, stiegen viele Investoren beim Aufkäufer aus. Der Grunde: Sie befürchten zu hohe Kosten der Firmenehe und trauen den angestrebten Synergieeffekten nicht.
Wynn Resorts kletterte 11,72% auf 78,14 Dollar. Der Casinobetreiber hatte bereits gestern nach Börsenschluss mit seinen Quartalszahlen angenehm überrascht. Vor allem freuten sich die Aktionäre darüber, dass der Las Vegas Konzern von seiner Filiale in Macau scharf höhere Gewinne erwartet. Außerdem weitet der Glücksspielbetreiber sein Aktienrückkaufprogramm aus. Der Broker Jefferies & Co. bekräftigte Kaufempfehlung und Kursziel 138 Dollar. Die gestrigen Zahlen hätten sein Vertrauen in den Dienstleister bestätigt, zumal die Ausblicke für Las Vegas und Macau über seinen Erwartungen lagen, hieß es. Aber nicht alle waren begeistert. Der Broker Oppenheimer bekräftigte sein Urteil „Perform“ (etwa: „Neutral“). Er verwies auf die - konjunkturell bedingten - Unsicherheiten beim Standort Las Vegas. Der Broker Susquehanna Financial, Urteil „Positive“, dampfte sein Kursziel von 143 Dollar auf 95 Dollar ein. Der Broker KeyBanc Capital Markets („Untergewichen“) kappte das Kursziel von 70 Dollar auf 63 Dollar.
Anheuser-Busch stieg 8,64% auf 66,50 Dollar. Die Brauerei (Budweiser) wehrte sich bislang gegen ein unfreundliches Übernahmeangebot der belgisch-brasilianischen Bier-Holding InBev (Becks). Jetzt haben die Brüsseler ihr Übernahmeangebot angeblich um 5 Dollar auf 70 Dollar aufgestockt. Außerdem haben die beiden Kontrahenten jetzt Gespräche über eine mögliche Übernahme der Amerikaner aufgenommen. Sollte das tatsächlich zu einer Fusion führen, entstünde der größte Brauereikonzern der Welt. Die wahrscheinliche Brauerhochzeit beflügelte auch die Fantasie für die Brauerei Molson Coors, die um 2,71% auf 54,25 Dollar aufschäumte.
Ford gewann 6,11% auf 4,86 Dollar. Der kriselnde Autobauer hat angeblich zu viel Steuern gezahlt. Die Detroier verklagten die US-Steuerbehörde und wollen eine Erstattung in Höhe von 445,3 Millionen Dollar. Jacobs Engineering Group legte 4,40% auf 78,08 Dollarzu. Der Broker Friedman, Billings, Ramsey beförderte den Bau- und Ingenieurs-Dienstleister von „Market Perform“ auf „Outperform“. Die Aktie sei billig, hieß es dort. Laut AP nahm ein weiterer Broker (der aber nicht genannt wurde) den Ingenieurswert in seine Top-Pick-Liste auf.
Yum Brands avancierte 2,29% auf 35,68 Dollar. Die Restaurantkette (KFC, Pizza Hut, Taco Bell) wurde von der Bank of America mit Kaufen gestartet
In der Nasdaq standen vor allem die Schwergewichte unter Druck. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,56% auf 1.810. Anscheinend führte die heutige Verunsicherung dazu, sich besonders von den Lieblinge von gestern zu trennen.
Überdurchschnittlich litten auch die Chipwerte. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, sank 1,00% auf 345,69 Punkte. Der Marktführer Intel konnte sich allerdings mit plus 0,10% auf 20,64Dollar gut behaupten. Dennoch enttäuschend. Immerhin hatte gestern Paul Otellini, der CEO des Chipriesens, erklärt, er sehe keine Auswirkungen der Konjunkturabkühlung in den USA. Außerdem bleibe das globale Geschäft sehr stark. Das gelte für alle Bereiche also Endverbraucher, Einzelhandel und Unternehmen, Server und Infrastruktur. Heute ist das bereits wieder verpufft. Advanced Micro Devices (AMD) sank 2,42% auf 4,84 Dollar. Der Intel-Rivale musste im Bereich Handy- und Digital-TV-Chips 880 Millionen Dollar abschreiben.
Applied Materials verlor 2,34% auf 17,91 Dollar. Der Halbleiterausrüster wurde bei der Citigroup von „Kaufen“ auf „Halten“ gekappt. Das Kursziel ging auf 20 Dollar zurück (vorher: 25 Dollar). Man beobachte, dass die Nachfrage der Chiphersteller im laufenden Quartal um 5 bis 10% gegenüber dem Vorquartal zurück ging, hieß es. Vor allem der Kunde Samsung bestelle deutlich weniger. In einer Art Rundumschlag kürzte auch die Kursziele anderer Chipzulieferer: KLA-Tencor von 56 Dollar auf 50 Dollar (heutige Kursreaktion: minus 2,45% auf 37,79 Dollar), Novellus Systems von 24 Dollar auf 21 Dollar (Kursreaktion: minus 4,44% auf 19,16 Dollar), Lam Research von 47 Dollar auf 36 Dollar (Kursreaktion: minus 4,64% auf 32,50 Dollar), bei Advanced Energy Industries blieb es bei 14 Dollar (Kursreaktion: minus 10,15% auf 12,93Dollar).
Goldman Sachs rührte ebenfalls kräftig um. Die sehr einflussreiche Investmentbank strich den Netzwerkausrüster Cisco Systems von ihrer „Überzeugungs-Kaufliste“ und nahm dort stattdessen den Chiphersteller Qualcomm auf. Die Konsequenz: Cisco Systems fiel 1,40% auf 21,82 Dollar und Qualcomm gewann 0,33% auf 48,33Dollar.
Software ist in stürmischen Zeiten stark gefragt, glaubt die Credit Suisse. Die Schweizer starteten heute die offizielle Beobachtung des gesamten Software-Bereichs und raten „Übergewichten“. Die aktuellen Konjunktur- und Energieprobleme regten die Unternehme zu einer Neuorientierung ihrer IT-Strategie an. Dabei liege der Fokus auf Kostensparen und verbesserter Effizienz. Software spielt eine wichtige Rolle bei der Senkung der Kosten und der Steigerung der Produktivität, heißt es. Bis zum Jahr 2012 sollte daher die Software-Nachfrage um jährlich 7,8% klettern. Die Schweizer starteten in diesem Zusammenhang Microsoft (Kursziel 35 Dollar) und Adobe (Kursziel 49 Dollar) jeweils mit „Outperform“. Oracle (Kursziel 24 Dollar) und Salesforce.com (Kursziel 71 Dollar) wurden dagegen nur mit „Neutral“ begonnen.
Die Konsequenz: Microsoft verliert 0,79% auf 25,25 Dollar, Adobe gibt 0,93% auf 39,24 Dollar ab, Oracle fällt 1,55% auf 20,96 Dollar und Salesforce.com rutscht 2,50% auf 63,28 Dollar.
Apple verlor 2,29% auf 172,58 Dollar Der heiß erwartete Verkaufsstart des neuen iPhones führte zu einem technischen Schlamassel. Die Apple-Server zum Aktivieren der neuen Handys in den Shops stürzten - vermutlich wegen der riesigen Belastung -ab und die Kunden wurden mit unaktivierten Geräten wieder nach Hause geschickt. Sie sollte dort via dem Apple-Online-Portal iTunes aktivieren, hieß es. Der Smartphone-Rivale Research in Motion brach 6,27% auf 109,79 Dollar ein. Der Hersteller des BlackBerry, stand dennoch heute etwas im Schatten von Apple. Die Rückendeckung des Brokers American Technology wurde ignoriert. Der Broker riet „aggressiv kaufen“. Man glaube nicht, dass der Konkurrenzdruck durch Apple zu groß wird, betonte das Researchhaus. Beide Handy-Anbieter seien gut positioniert, hätten aber unterschiedliche Kompetenzen, hieß es. Der BlackBerry der Kanadier sei die bessere Kommunikations-Plattform. Research In Motion sei daher nur wenige Wochen von dem Start eines „enormen Wachstumszyklus“ entfernt.
Der Börsenbetreiber Nasdaq OMX gewann 2,66% auf 24,33 Dollar. Der Broker Raymond James wertete den Dienstleister von „Market Perform“ auf „Outperform“ auf. Man glaube, dass die virtuelle Plattform davon profitiert, dass immer mehr Aktien elektronisch gehandelt werden, hieß es. Als Wachstumstreiber sieht das in Florida ansässige Wertappierhaus auch die laufende Einführung neue Exchange Traded Funds (ETFs) und den für September geplanten Start des paneuropäischen Marktes.
Internet: Schade, dass Yahoo kein Bier braut
Wie an solchen Tagen üblich wurde das Gros der wenig defensiven Internetwerte verkauft. Yahoo verbesserte sich allerdings 0,30% auf 23,57 Dollar. Der Kurs wird seit Woche von Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch Microsoft geprägt. Der Portalbetreiber wird wohl voller Neid auf Anheuser-Busch schielen. Der Brauerei gelang es anscheinend, die belgisch-brasilianischen Bier-Holding InBev zu einem deutlich höheren Übernahmeangebot zu überreden. Bei Yahoo hat es eher den Anschein, dass die Seilschaft Ballmer-Icahn das ehemalige Angebot eher herunterschrauben will. Google verlor 1,25% auf 533,80 Dollar In dem allgemeinen Katzenjammer ging unter, dass die Deutsche Bank heute die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung wieder aufnahm. Kursziel: 635 Dollar. Der Suchmaschinenführer habe eine dominante Stellung in dem Schlachtfeld um die Online-Werbung, hieß es. Das ermögliche den Kaliforniern laufend in neue Dienste und Anwendungen zu investieren. Das wiederum steigere die Nutzung durch die Internetsurfer und schaffe Möglichkeiten für zusätzliche Einnahmen. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, rutschte nachrichtenlos 7,36% auf 305,08 Dollar.
Der E-Commerce schien besonders unter dem Ölpreisanstieg zu leiden, weil dadurch noch mehr Kaufkraft der Verbraucher abgeschöpft wird. Amazon.com schloss nach heftigen Schwankungen mit minus 2,96% auf 68,54 Dollar Zeitweise knickte der E-Commerce-Titel um rund 5% ab. Vermutlich kursiert das Gerücht, der Onlinehändler gebe vor seinen Quartalszahlen am 23. Juli eine Gewinnwarnung ab. Ein Spiel das spekulativen Werten gerne getrieben wird. Dazu trug diese Woche auch die Citigroup bei, die ihre Umsatzschätzung für das 2. Quartal auf 3,95 Milliarden Dollar kürzte (vorher: 3,97 Milliarden Dollar, Konsens: 3,96 Milliarden Dollar). Der Grund: Der Anstieg von Euro & Pfund Sterling & Co. gegenüber dem Dollar, der die Auslandumsätze ausweitet, sei schwächer ausgefallen als zunächst geschätzt. Die Citigroup geht je Aktie von 25 Cents Gewinn aus (Konsens 26 Cents). Der Rivale Ebay gab 0,60% auf 28,01 Dollar ab.
Öl: Gerüchteküche schraubt Preis in die Höhe
Die Ölspekulation lebt von Gerüchten. Heute half das Gerücht, Israel probe einen Militärschlag gegen den Iran, den ohnehin schon überhöhten Preis des strategischen Energieträgers weiter aufzublähen. Israel und Pentagon dementierten zwar schnell, das half aber wenig. Hilfreich war auch der flaue Dollar. Der Crude-Kontrakt für August sprang heute 3,43 Dollar auf 145,08 Dollar. Im volatilen Handel wurden zwischenzeitlich 147,27 Dollar erreicht, ein neuer Rekord.
Gold: Bankendrama beflügelt Edelmetallpreis
Das Gold profitierte heute wieder von einer Kettenreaktion. Das Drama um die Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac löste auch eine Flucht aus dem Dollar aus. Wie gewohnt landete ein Teil der Gelder bei dem Schmuckmetall. Der Gold-Kontrakt für August stieg heute 18,60 Dollar auf 960,60 Dollar.
Ausblick: Die Tsunami der Quartalszahlen rollt an
Montag:
Quartalszahlen: Genentech (Biotech), Novellus Systems (Halbleiter)
Dienstag:
14:30 Uhr Erzeugerpreise vom Juni plus Einzelhandelsumsätze ebenfalls vom Juni plus New York Empire State Index (Industrieentwicklung im Ballungsgebiet) vom Juli. 16:00 Uhr Lagerbestände der US-Wirtschaft vom Mai
Quartalszahlen: Intel, Johnson & Johnson (Pharma, Dow-Komponente), Seagate (PV-Laufwerke)
Mittwoch:
14:30 Uhr Verbraucherpreise vom Juni. 15:15 Uhr Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung vom Juni, 16:30 Uhr Ölvorräte der Vorwoche. 20:00 Protokoll der vergangenen Notenbanksitzung
Quartalszahlen: Ebay, Yum Brands (Restaurants: Pizza Hut, Taco Bell)
Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche plus Baugenehmigungen und Baubeginne (jeweils Eigenheime) vom Juni, 16:00 Uhr Index der Philadelphia Fed (Industrieentwicklung im Ballungsgebiet) vom Juli
Quartalszahlen: Advanced Micro Devices (AMD, Halbleiter), Coca Cola, Google, JP Morgan, Microsoft
Freitag:
Quartalszahlen: Citigroup
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)


