DJ UPDATE: Trotz hoher US-Teuerung keine Zinserhöhungsängste
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WASHINGTON (Dow Jones)--Die Verbraucherpreise in den USA sind im Juli weitaus kräftiger gestiegen als erwartet, so dass die Jahresteuerung auf den höchsten Stand seit Januar 1991 schoss. Bankvolkswirte gehen trotz des zunehmenden Preisdrucks aber nicht davon aus, dass US-Notenbank ihren Leitzins in den kommenden Monaten erhöhen wird. So wie die Federal Reserve wohl auch hegen die Ökonomen die Hoffnung, dass der rückläufige Ölpreis und der stärkere Dollar ab dem kommenden Monat für eine allmähliche Entspannung an der Preisfront sorgen werden.
Wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte, legten die Verbraucherpreise im Juli um 0,8% gegenüber dem Vormonat zu. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem nur halb so hohen Anstieg von 0,4% gerechnet. Die für den Vormonat gemeldete Preisentwicklung wurde mit plus 1,1% bestätigt - der höchsten Monatsrate seit September 2005.
Für die um die häufig volatilen Bestandteile Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kernrate wurde für Juli - wie bereits im Juni - ein Anstieg um 0,3% gegenüber dem Vormonat gemeldet. Hier hatten Volkswirte eine Zunahme um 0,2% erwartet.
Getrieben wurde die Teuerung auf Monatssicht erneut von den Preisen für Energie (plus 4,0%) sowie für Getränke und Nahrungsmittel (plus 0,9%). Aber auch in Kategorien, die in die Berechnung der Kernrate fließen, erhöhte sich der Inflationsdruck. So verteuerten sich ebenfalls Bekleidung (plus 1,2%), Transport (plus 1,7%) und Unterkunft (plus 0,6%).
Im Jahresvergleich lagen die Verbraucherpreise in der "Headline"-Berechnung den Angaben zufolge um 5,6% höher, womit der stärkste Preisdruck seit rund siebzehn Jahren verzeichnet wurde. Dabei zogen die Energiepreise auf Jahressicht um 29,3% und die Transportpreise um 13,4% an, Nahrungsmittel und Getränke verteuerten gegenüber Juli 2007 um 5,8%.
In der Kernrate ergab sich im Juli ein jährlicher Zuwachs von 2,5% nach 2,4% im Vormonat. Dies ist die höchste Rate seit Februar 2007. Der anpeilte Zielbereich der US-Notenbank für die Jahreskernteuerung liegt zwischen 1% und 2%.
Der Anstieg der Jahreskernteuerung könne die Sorge verstärken, dass der Inflationsdruck in den USA immer breiter basiert sei, erklärt Dimitry Fleming von ING. Dennoch rechne er nicht mit einer geldpolitischen Reaktion der Fed auf die Daten, weil der Ölpreis seit Mitte Juli deutlich gesunken sei und auch der Lohndruck moderat bleibe. "Zusammen mit den sinkenden Rohstoffpreisen dürfte dies - wenn es anhält - zu einer deutlich niedrigeren Inflation in den kommenden Quartalen beitragen", sagt der Ökonom.
Matthias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg weist darauf hin, dass der seit Mitte Juli zu verzeichnende Rückgang der Öl- und Benzinpreise erst in den Daten für August erfasst wird. Allerdings werde der Benzinpreisrückgang nicht in der Kernrate abgebildet, was dem Landesbanker Sorge bereitet. Hier bleibe zu hoffen, dass der festere Dollar im August den Importpreisanstieg ex Treibstoffe spürbar dämpfe und die Kerninflation wieder moderater ausfalle. "Insofern ist ein großes Augenmerk auf die August-Daten zu legen", resümiert der Ökonom.
Auch nach Einschätzung des Postbank-Ökonomen Brian Mandt dürfte der Druck auf die Verbraucherpreise allmählich abnehmen, sofern der Rückgang des Ölpreises kein vorübergehendes Phänomen ist. Auch die wirtschaftliche Abkühlung in den USA dürfte ihren Beitrag dazu leisten. Daher sollte "die US-Inflation ihren Gipfel bald erreicht haben". Die Juli-Preisdaten demonstrierten aber auch, dass die Gefahren einer stärkeren Inflation noch nicht abgeklungen seien. "Die Inflation wird damit auf absehbare Zeit das Sorgenkind bleiben", meint daher Mandt.
Die US-Notenbank hatte in der vergangenen Woche das Niveau ihrer Leitzinsen erwartungsgemäß bestätigt, dabei aber ihre anhaltende Besorgnis wegen der Inflationsentwicklung unterstrichen. Der Zielsatz für die Fed Funds Rate verharrte bereits das zweite Mal in Folge bei 2,00%.
Die meisten professionellen Fed-Beobachter erwarten derzeit, dass die Notenbank ihre Zinsen auch in den kommenden Monaten stabil halten wird. Zwischen September 2007 und April 2008 hatte die Fed ihren geldpolitischen Schlüsselsatz angesichts der Finanzkrise und einer drohenden Rezession um insgesamt 325 Basispunkte gesenkt.
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August 14, 2008 10:32 ET (14:32 GMT)
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