DJ Deutsche Bank sieht Eurozone vor Beginn einer Rezession
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Bank erwartet für die kommenden sechs bis zwölf Monate eine Rezession in der Eurozone. Dafür sprächen die sich abschwächende Exportnachfrage, eine sinkende Kreditvergabe der Banken, die hohen Rohstoffpreise und die anhaltende Krise auf einigen Häusermärkten, wie die Deutsche-Bank-Ökonomen Thomas Mayer und Mark Wall in einer am Freitag veröffentlichten Studie schreiben. Vor diesem Hintergrund nahm die Deutsche Bank die Wachstumsprognose für den Währungsraum für 2008 und 2009 deutlich zurück. Zugleich werden ab dem kommenden Jahr Zinssenkungen der Europäische Zentralbank (EZB) erwartet.
Das National Bureau of Economic Research (NBER) definiert eine Rezession als einen wesentlichen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität, der über einen längeren Zeitraum anhält. Dabei berücksichtigt das NBER-Rezessionskonzept neben der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auch "signifikante Rückgange" bei Beschäftigung, Einkommen, Absatz und Produktion. Genau hiervon ist nach Einschätzung von Mayer und Wall für die Eurozone auszugehen.
Die beiden Ökonomen prognostizieren demnach für 2008 einen Anstieg des BIP von 1,2% (zuvor: plus 1,7%), für 2009 wird sogar nur noch ein Wachstum von 0,1% (plus 0,8%) vorhergesagt. Diese starke Konjunkturverlangsamung sei unter anderem auf die niedrigere Exportnachfrage im Zuge der schwächeren Weltwirtschaft zurückzuführen, schreiben Mayer und Wall. Auch werde der Euro wohl weiterhin die Exportdynamik belasten: "Der jüngste nominale Kursrückgang dürfte nicht zu einer spürbaren realen Abwertung führen, da steigende Löhne und ein sinkender Produktivitätszuwachs die Lohnstückkosten in die Höhe treiben dürften", erklären die Deutsche-Bank-Experten.
Zudem wirke sich der Versuch der Banken, infolge der Kreditkrise die Ausleihungen zurückzufahren, negativ auf die Bau- und Unternehmensinvestitionen aus. Letztere dürften nach Aussage der Ökonomen ab dem dritten Jahresviertel mehrere Quartale in Folge schrumpfen. Unterdessen werde der Konsum erst von den Rohstoffpreisen und später von einem sich abschwächenden Arbeitsmarkt belastet. Der anhaltende Abschwung am Häusermarkt führe zudem zu einer sinkenden Bautätigkeit.
Die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession in der Eurozone - zwei aufeinander folgende Quartale mit sinkendem BIP - beziffern Mayer und Wall auf über 50%. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft der Eurozone um 0,2% gegenüber dem Vorquartal geschrumpft und für das dritte Quartal wiesen verschiedenen Umfragen auf eine weitere Verschlechterung der konjunkturellen Dynamik, erklären die Volkswirte.
Die sich mehrenden Anzeichen für eine Rezession werden nach Einschätzung von Mayer und Wall die EZB ab dem ersten Quartal 2009 zu einer Lockerung ihrer Geldpolitik veranlassen. Die Volkswirte sehen den wichtigsten EZB-Leitzins bis Ende des kommenden Jahres um 100 Basispunkte niedriger bei 3,25%. Vorerst halte allerdings die Sorge über die Gefahren für die mittelfristige Preisstabilität die Notenbank noch von einer Lockerung der Geldpolitik ab.
Webseite: http://www.deutsche-bank.de DJG/kth/ptt
(END) Dow Jones Newswires
August 15, 2008 06:59 ET (10:59 GMT)
Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.
