DJ UPDATE: Sorge über Anstieg der US-Kernerzeugerpreise
(NEU: Stimmen von Bankvolkswirten, Hintergrund) Von Hans Bentzien DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Inflationsdruck auf Erzeugerebene hat in den USA im Juli unerwartet deutlich zugenommen. Wie das US-Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte, stiegen die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat um 1,2%. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um nur 0,4% gerechnet. Im Jahresabstand ergab sich mit 9,8% der stärkste Anstieg seit 1981.
In der Kernrate - ohne die volatilen Preise von Nahrungsmitteln und Energie - erhöhten sich die Erzeugerpreise verglichen mit dem Vormonat um 0,7%. Hier hatten Ökonomen einen Anstieg von nur 0,2% prognostiziert. Auf Jahressicht stiegen die Kernerzeugerpreise um 3,5% und verzeichneten damit das stärkste Plus seit 17 Jahren.
An den Finanzmärkten weckten die Erzeugerpreisdaten offenbar die Furcht vor einer baldigen US-Zinserhöhung. Der DAX drehte am Nachmittag ins Minus, US-Treasurys notierten schwächer, der Dollar unterbrach - wenn auch nur kurzzeitig - seine Aufwärtsbewegung.
Die Nahrungsmittelpreise, die 22% des Gesamtindex abbilden, stiegen im Juli auf Monatssicht um 0,3%. Die Preise von Energie (14% des Gesamtindex) kletterten um 3,1% (Vormonat: plus 6,0%). Benzin verzeichnete ein Minus von 0,2% und verbilligte sich damit erstmals seit April. Die Erzeugerpreise von Vorleistungsgütern erhöhten sich um 2,7% und in der Kernrate um 2,0%, die Erzeugerpreise von Rohmaterialien stiegen um 4,2% (Kernrate: plus 3,4%).
Nach Einschätzung von Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer deutet der starke Anstieg der Kernrate darauf hin, dass sich die massiven Impulse, die von den Energie- und Nahrungsmittelpreisen ausgegangen sind, immer stärker durch die Preiskette arbeiten. "Sollte sich diese Entwicklung zu einem Trend auswachsen, geriete die US-Notenbank trotz der Moderierung der Ölpreise immer stärker unter Druck, ihren Leitzins über kurz oder lang zu erhöhen, analysierte Bayer.
Auch aus Sicht von Mathias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg stellt der Anstieg der Kernerzeugerpreise das eigentliche Problem dar. Die Gesamtrate dürfte im Zuge der rückläufigen Ölpreise im August wieder zurückkommen, aber der scharfe Anstieg der Kernrate stelle ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Kernrate des Verbraucherpreisindex dar, erläuterte Huth. Es bleibe abzuwarten, wie sich hier die Lage im August weiter darstelle.
In einem separaten Bericht hatte das Handelsministerium am Nachmittag berichtet, dass die Zahl der Baubeginne im Juli auf Monatssicht um 11,0% auf annualisiert 965.000 zurückgegangen ist. Dies war der niedrigste Stand seit März 1991, als 921.000 Baubeginne registriert worden waren. Ökonomen hatten einen Rückgang um 10,9% prognostiziert. Der zunächst für den Vormonat gemeldete Anstieg von 9,1% wurde auf plus 10,4% nach oben revidiert.
Volkswirte verwiesen darauf, dass der deutliche Rückgang im Wesentlichen eine Gegenreaktion auf den starken Anstieg im Vormonat darstelle, der seinerseits Ergebnis einer geänderten Baugesetzgebung für Mehrfamilienhäuser gewesen sei. Die nicht verzerrten Zahlen für Einfamilienhäuser deuteten aber auf eine anhaltend rückläufige Aktivität im Bausektor hin. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen reduzierte sich um 17,7% auf eine Jahresrate von 937.000. Hier hatte die Prognose auf ein Minus von 13,8% gelautet.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 297 25 313, Hans.Bentzien@dowjones.com DJG/hab/kth
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August 19, 2008 10:08 ET (14:08 GMT)
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