Führende Wall-Street-Banken und die
US-Regierung haben am Wochenende fieberhaft um eine Rettung der
schwer angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers
Bei den Lehman-Gesprächen sei immer klarer geworden, dass der ursprünglich geplante Verkauf der gesamten Bank an einen Konkurrenten kaum zu erzielen sei, berichtete das "Wall Street Journal" am Sonntag in der Online-Ausgabe. Knackpunkt seien vom Ausfall bedrohte Kreditpapiere bei Lehman, die niemand im Alleingang oder ohne Unterstützung der US-Regierung übernehmen wolle. Finanzminister Henry Paulson hatte aber kategorisch klargemacht, dass von Washington diesmal keine finanziellen Hilfen zu erwarten seien. Lehman habe bereits provisorisch eine Anwaltskanzlei mit der Vorbereitung eines Insolvenzantrages beauftragt, schrieb die Zeitung.
WEITERE KRISENHERDE
Zudem brechen in der US-Finanzbranche immer neue Krisenherde
auf. Die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch
Der am Sonntag favorisierte Rettungsplan sah vor, dass Lehman
Brothers in zwei Teile aufgespalten wird, wie es in
übereinstimmenden Medienberichten hieß. Es wären eine "gute Bank",
in der die sicheren Vermögenswerte gebündelt werden, und eine
"schlechte Bank", in die vom Ausfall bedrohte Papiere vor allem aus
dem Immobiliensektor kommen. Ein Käufer wie die Bank of America
AUFSPALTUNGSPLAN FÜR LEHMAN TRIFFT AUF ZAHLREICHE HINDERNISSE
Allerdings traf dieser Plan auf zahlreiche Hindernisse. So liege das Gesamtvolumen der von Ausfall bedrohten Lehman-Papiere deutlich höher bei 85 Milliarden Dollar, schrieb das "Wall Street Journal". Außerdem fanden es einige Banken unfair, wenn ein Käufer zum Schnäppchenpreis den gesunden Teil von Lehman Brothers bekommt und sich nicht an den Verlusten aus dem notleidenden Geschäft beteiligt, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Teilnehmer. Andere forderten weiterhin Regierungsgarantien.
Bei den Beratungen in der New Yorker Notenbank spielte ein Team am Wochenende auch Folgen eines Lehman-Zusammenbruchs für die Finanzmärkte durch, hieß es. Eine Pleite von Lehman Brothers könnte eine Kette von Zahlungsausfällen nach sich ziehen, die die weltweit verwobenen Märkte erschüttern und die Finanzbranche im schlimmsten Fall in eine Abwärtsspirale drücken könnte. Es werde an verschiedenen Lösungen gearbeitet, wie man die Schäden möglichst gering halten könne, hieß es.
STEINBRÜCK RECHNET MIT SCHNELLER ENTSCHEIDUNG
Die Rettungsgespräche begannen am Freitag mit einem Krisengipfel
in der New Yorker Notenbank mit Finanzminister Paulson. Das Treffen
war mit den Chefs unter anderem von Goldman Sachs
Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück rechnete mit einer schnellen Entscheidung über die Zukunft von Lehman. "Wir erwarten eine Lösung vor Öffnung der asiatischen Märkte am Montag", sagte er am Samstag in Nizza. "Die Nachrichten aus den USA sind sehr schlecht", warnte Steinbrück bei dem EU-Finanzministertreffen. Deutschland stehe in unmittelbarem Kontakt mit den US-Behörden, um über die Entwicklung auf dem Laufenden zu sein. Bundesbankpräsident Axel Weber sprach von einer "neuen Runde von Anspannungen und Unsicherheiten"./so/DP/he
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