New York (BoerseGo.de) – Die Talfahrt an Wall Street setzt sich fort, alleine in den letzten beiden Handelstagen hat der US-Leinindex über 875 Punkte verloren. Trotz aller Hilfsmaßnahmen der US-Notenbank Fed geht der Ausverkauf an den US-Börsen unvermindert weiter. Marktteilnehmer sprechen von einem Käuferstreik und einem von Emotionen geprägtem Markt.
Der vorgezogene Quartalsbericht der US-Großbank Bank of America sorgte für zusätzliche Nervosität bei den Börsianern, nachdem das zweitgrößte US-Finanzinstitut im dritten Quartal mit einem Gewinneinbruch von 70 Prozent die Erwartungen von Wall Street deutlich verfehlte. Zusätzlich verkündet das Management eine Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Dollar und eine Kürzung der Dividende um 50 Prozent auf 32 Cents pro Aktie. Diese Änderung ist deshalb sehr bemerkenswert, weil CEO Ken Lewis immer beteuerte, dass eine Kürzung der Dividende nie zur Diskussion stünde. Die Aktie von Bank of America stürzt um 26,23 Prozent auf 23,77 Dollar ab.
Auch die Aktie des US-Finanzinstituts Morgan Stanley stand unter hohem Verkaufsdruck, nachdem Gerüchte kursieren, dass die Kapitalspritze in Höhe von neun Milliarden Dollar durch den japanischen Finanzkonzern Mitsubishi UFJ scheitern könnte. Im Gegenzug sollte der japanische Bankenmulti eine 21 prozentige Beteiligung an Morgan Stanley erhalten. Morgan Stanley dementiert die Gerüchte und bestätigt grünes Licht seitens der Fed und anderen weltweiten Regulierungsbehörden für den Deal. Die Aktie von Morgan Stanley verliert 24,89 Prozent auf 17,65 Dollar.
Bereits vor Börseneröffnung verkündete die US-Notenbank Fed eine drastische Maßnahme zur Linderung der Finanzkrise. Die US-Notenbank plant die Vergabe unbesicherter Kredite an US-Geschäftsbanken. Hierbei akzeptiert die US-Notenbank unbesicherte Schuldverschreibungen, sogenannte Commercial Papers, die für ihr hohes Ausfallrisiko bekannt sind. Normalerweise gewähren Zentralbanken Geschäftsbanken Kredite nur gegen erstklassige Sicherheiten wie zum Beispiel Staatspiere. Die Fed schreitet somit direkt als Käufer ein, um den Kreditmärkten wieder Leben einzuhauchen. Die Ankündigung dieser Maßnahme verhalf den US-Börsen zu Handelsbeginn zu Gewinnen, die jedoch nicht von langer Dauer waren.
Im Rahmen einer Rede vor der renommierten National Association for Business Economics (NABE) hält US-Notenbankchef Ben Bernanke vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft ein Überdenken der neutralen geldpolitischen Haltung der US-Notenbank für notwendig. Bernanke betont, dass die Finanzkrise die US-Wirtschaft auch noch im kommenden Jahr in Mitleidenschaft ziehen könnte. Laut Bernanke haben sich die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft verschlechtert, während sich die Inflationstendenzen abgeschwächt haben. Als Folge dieser Entwicklung stellt sich die Frage, ob die aktuelle Zinspolitik der Fed noch angemessen ist. Marktteilnehmer deuten die Aussagen des Notenbank-Chefs dahingehend, dass Bernanke seine seit April dieses Jahres befolgte neutrale Geldpolitik aufgibt und eine Zinssenkung wahrscheinlich ist.
Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, beziffert den weltweiten Verlust für Finanzinstitute aufgrund von Abschreibungen in Zusammenhang mit zweitklassigen Hypothekenkrediten auf insgesamt 1,4 Billionen Dollar. Nach Ansicht des Währungsfonds-Chefs wird sich die Finanzkrise weiter zuspitzen und stellt eine ernsthafte Gefahr für die Weltwirtschaft dar. Strauss-Kahn appelliert an die führenden Wirtschaftmächte, bei der Bekämpfung der Finanzkrise gemeinschaftlich zu handeln und keine Einzelwege zu gehen.
Wie aus den Protokollen der letzten September-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed hervorgeht, haben sich einige Mitglieder des Offenmarktausschusses für die Möglichkeit einer Zinssenkung in den kommenden Monaten ausgesprochen, falls sich die Finanzkrise weiter zuspitzt. Jedoch votierte kein Mitglied des geldpolitischen Entscheidungsgremiums für eine Zinssenkung bereits im September. Einige Mitglieder teilten immer noch die Befürchtung, dass sich die Inflationsrisiken in den kommenden Monaten nicht abschwächen würden oder sogar ansteigen könnten, falls sich die US-Konjunktur im nächsten Jahr wieder erholt. Die Notenbanker waren insgesamt pessimistischer, was die Wachstumsaussichten der US-Konjunktur in 2009 angeht. Jedoch geht die Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktausschusses für das kommende Jahr immer noch von einer leichten Erholung der US-Wirtschaft aus.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) steigt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 2,44 Dollar auf einen Schlusstand von 90,25 Dollar. Händler begründen den Preisanstieg des schwarzen Goldes mit Spekulationen, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Ölförderung aufgrund der fallenden Rohstoffpreise drosseln werde. Der Preis für die Feinunze Gold steigt um 17,80 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 884,00 Dollar. Händler führen den Preisanstieg des Edelmetalls auf die Erwartung der Marktteilnehmer auf eine Zinssenkung der US-Notenbank zurück. Die Kontrakte an den US-Terminmärkten signalisieren aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent, dass die Federal Reserve im Rahmen der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses am 29.Oktober den US-Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,50 Prozent senken wird.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 5,11 Prozent auf 9447 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 5,74 Prozent auf 996 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 5,80 Prozent auf 1754 Punkte nach. Sieger im Dow und bei den Techs sind am heutigen Tage Fehlanzeige. An der New York Stock Exchange wechselten 1,73 Milliarden Aktien den Besitzer. 386 Werte legten zu, 2815 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 2,82 Milliarden Aktien 434 Gewinner und 2370 Verlierer.
AMD lagert Produktion in Joint-Venture aus
Der Chiphersteller Advanced Micro Devices Inc. (AMD) bestätigte am Dienstag Gerüchte über eine Auslagerung von Fertigungsaktivitäten in ein neues Joint-Venture. Das künftige Gemeinschaftsunternehmen wird mit der Investmentgesellschaft Abu Dhabi betrieben. Daran wird AMD 44,4 Prozent der Anteile halten. Auf die zu Abu Dhabi gehörende Advanced Technology Investment Co. (ATIC) sollen 55,6 Prozent übergehen. AMD will in das mit Foundry Co. bezeichnete Joint-Venture seine Fertigungsstätten einschließlich zweier Fabriken in Dresden und Vermögenswerte sowie Lizenzrechte einbringen. Die Aktie steigt 8,51 Prozent auf 4,59 Dollar.
US-Lebensmittelhändler steigt nach Zahlen
Der US-Lebensmittel- und Medikamenteneinzelhändler Safeway verfehlt im dritten Quartal mit einem Gewinn von 0,46 Dollar pro Aktie die Erwartungen von Wall Street um 1 Cent. Der Umsatz steigt gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 3,9 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar, was im Rahmen der Erwartungen der Analysten liegt. Für das Geschäftsjahr 2008 bestätigt das Management seine Gewinnprognose von 2,25 bis 2,35 Dollar pro Aktie, die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten gehen für 2009 von einem Gewinn von 2,26 Dollar pro Aktie aus. Die Aktie gewinnt 4,96 Prozent auf 22,85 Dollar.
Google: Neues Kursziel
Das Investmenthaus Stifel reduziert für die Aktie des Suchmaschinengiganten Google seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2009 von 23,83 Dollar auf 23,51 Dollar pro Aktie. Die Umsatzprognose für 2009 wird von 20,27 Milliarden auf 19,34 Milliarden Dollar nach unten revidiert. Das Analystenhaus begründet seine Neueinschätzung mit der weltweiten Konjunkturkrise, die zu sinkenden Investitionsausgaben der Unternehmen und einer Konsumeintrübung führen wird. Die Finanzexperten senken ihr Kursziel für Google von 600 Dollar auf 525 Dollar. Die Aktie verliert 6,79 Prozent auf 346,01 Dollar.
US-Glasfaserausrüster mit Ausblick
Der Glasfaserausrüster Corning bestätigt für das dritte Quartal seine Gewinnprognose von 0,43 bis 0,45 Dollar pro Aktie. Die aktuellen Konsensschätzungen gehen für das dritte Quartal von einem Gewinn von 0,44 Dollar pro Aktie aus. Jedoch spricht CFO James Flaws infolge der Finanzkrise von großen Unsicherheiten für das kommende Jahr. Für das kommende Jahr hat das Unternehmen laut CFO James Flaws sein Investitionsbudget bereits um 100 bis 200 Millionen Dollar auf 1,6 bis 1,7 Milliarden Dollar gekürzt. Das Unternehmen prognostiziert für das weltweite LCD-Glas-Geschäft Wachstumsraten von 15 bis 25 Prozent. Die Aktie verliert 8,89 Prozent auf 12,71 Dollar.
Salesforce.com unter Druck
Analyst Ross MacMillan vom Investmenthaus Jefferies & Co. stuft die Aktie des Anbieters von Customer-Relationship-Management-Lösungen (CRM), Salesforce.com, von Buy auf Underperform ab. Das Kursziel wird von 75 Dollar auf 36 Dollar gesenkt. Trotz des Kursverfalls der letzten Wochen rechnet der Finanzexperte mit weiterem Abwärtsrisiko für die Aktie. Sinkende IT-Ausgaben der Unternehmen und zunehmender Preisdruck wirken sich negativ auf die Gewinn- und Umsatzerwartung des Unternehmens aus. Die Aktie verliert 11,04 Prozent auf 35,94 Dollar.
