DJ EZB/Stark: Wachstum bleibt einige Quartale schwach - Presse
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Verwerfungen auf den Finanzmärkten werden nach Einschätzung von Jürgen Stark, Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB) wohl stärkere Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben als zunächst vermutet. "Es ist damit zu rechnen, dass wir zumindest über einen Zeitraum von mehreren Quartalen ein sehr schwaches Wachstum sehen werden", sagte Stark im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" (Freitagausgabe) laut Vorabmeldung.
Das nach wie vor robuste Wachstum in den Schwellenländern Asiens sei ein gewisser stabilisierender Faktor für die Weltwirtschaft. Auch die Staatsfonds aus Asien könnten nach seiner Einschätzung eine stabilisierende Aufgabe im Finanzsystem übernehmen.
"Es entwickelt sich eine neue internationale Finanzstruktur", sagte der EZB-Chefökonom. Die Staatsfonds würden darin eine Rolle spielen. "Es kann nicht darum gehen, dass nun die fortgeschrittenen Länder neue Handelsbarrieren errichten oder den Kapitalmarkt beschränken, da wir auf dieses Kapital auch angewiesen sind", warnte Stark.
Als wichtigste Konsequenz aus der Krise mahnt Stark die Bankmanager. Sie müssten ihrer Verantwortung stärker als bisher gerecht werden. "Es hat sich der Eindruck verfestigt, dass viele der Risiken, die in Kauf genommen wurden, entweder nicht beachtet oder nicht verstanden worden sind - hier muss angesetzt werden", forderte Stark.
Auf dem IWF-Herbstreffen an diesem Wochenende in Washington könne man die richtigen Weichen stellen. Die bereits vorliegenden Vorschläge für neue Regeln an den Finanzmärkten müssten angesichts der dramatischen Zuspitzung der Krise noch einmal überdacht und möglicherweise verschärft werden. Allerdings werde die Umsetzung der meisten Maßnahmen eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Man soll zwar rasch zu Entscheidungen kommen, dürfe aber nicht planlos agieren, nur um Handlungsfähigkeit zu beweisen, sagte Stark.
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October 09, 2008 08:20 ET (12:20 GMT)
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