New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street war heute eine Rutschbahn, die zunehmend steiler wurde. Nach einem positiven Start drehten der Dow Jones und die anderen Indizes bald wieder Richtung Süden ab, getrieben von der Angst, die sich zur Panik steigerte und die Aktienkurse in den freien Fall schickte. Die Schlussglocke musste wieder retten. Der Grund für die massiven Verkäufen: Die Furcht, dass sich die Kreditkrise ausweitet und den Unternehmen die Zuflüsse liquider Mittel abschneidet; und dass das Ganze bald in eine Rezession mündet.
Keine Bank traut der anderen
Die Verschärfung der Kreditkrise manifestiert sich besonders im Zinssatz, zu dem sich die Banken gegenseitig beleihen. Dieser Interbankensatz (Libor) kletterte heute auf 4,75 Prozent (gestern 4,52 Prozent), das höchste Niveau seit vergangenem Dezember, trotz aller Zinssenkungen und anderer vertrauensbildenden Maßnahmen der Regierungen. Ein Zeichen dafür, dass derzeit keine Bank der anderen traut - und dem Rest der Wirtschaft ebenfalls kaum.
Zugpferde waren wieder die üblichen Verdächtigen, die Finanz-Titel, heute besonders die Versicherungen. In der gesamten Finanzbranche grassiert die Furcht, dass die aktuelle Kredit-Krise die Unternehmen dazu zwingt, frisches Kapital aufzunehmen. Genau das wird aber - wieder wegen der Kreditkrise - immer schwieriger und teurer. Ein Teufelskreis droht.
Das gilt auch für die heute besonders ausgebombten Autokonzerne. General Motors und Ford leiden jetzt nicht nur unter den Benzinpreisen, jetzt verdirbt anscheinend auch noch die Kreditkrise die Geschäfte, weil den potentiellen Kunden vielleicht die Mittel austrocknen. In der heutigen Panik übersah der Markt allerdings völlig, dass sich die Preissituation beim Benzin jetzt deutlich entspannt.
Die Jagdsaison ist wieder eröffnet
Verschärft wurde der Druck, weil seit heute Nacht die Leerverkäufe von zuvor geschützten Papieren wieder erlaubt sind. Kein Wunder, dass die gestern noch geschützten Papiere, vor allem die Finanz-Titel, aber auch General Motors, extrem unter Druck gerieten.
Bemerkenswert ist, dass heute die Panik auch auf Exxon Mobil und andere Energie-Titel überschwappte. Dahinter steht die Angst, dass die Kreditknappheit und die befürchtete Welt-Rezession die Nachfrage nach Energie noch stärker abschmelzen lässt als bisher. Bereits gestern war - wegen des schwindenden Absatzes - ein überraschend starker Anstieg der Ölvorräte in den USA gemeldet worden.
Angesichts der verschärften Turbulenzen dürften auch die Probleme der ohnehin schon angeschlagenen Hedgefonds zugenommen haben. Weitere Zwangsliquidierungen bei Beständen an Aktien und Rohstoffen sind die Folge. Der Goldman Sachs Hedge Fund VIP Index, der die von den Hedgefonds favorisierten Aktien erfasst, fiel heute sieben Prozent.
Fundamentale Daten spielen derzeit keine Rolle
Angesichts der Hysterie spielten die heutigen Konjunkturdaten nur eine Statistenrolle. Die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen verbesserten sich zwar auf 478.000 (Vorwoche: 498.000, Konsenserwartung: 475.000). Der Rückgang beruhte aber vorwiegend auf der abnehmenden Arbeitsmarktwirkung der Hurricanes Gustav und Ike, erklärte das Arbeitsministerium. In der Berichtsvorwoche wurden schätzungsweise 17.000 Arbeitslosenmeldungen durch die Spätfolgen der Wirbelstürme verursacht. In der Vorwoche waren es noch 45.000 gewesen.
Positive Meldungen wie die Fortsetzung der gestern eingeleiteten weltweiten Zinssenkungsrunde in Asien oder die Überlegung der US-Regierung, zur Vertrauensförderung direkt bei wichtigen Banken einzusteigen, also über den Ankauf derer Aktien, gingen in der allgemeinen Hysterie völlig unter. Fundamental Daten spielen derzeit keine Rolle.
Der siebte Kursverlust in Folge
Der Konsequenz: Der Volatilitätsindex, ein Maß für die Turbulenzen und damit Angst, sprang über 60, das höchste Niveau seit der Index berechnet wird. Der Dow Jones Industrial Average stürzte 7,33 Prozent auf 8.579 Punkte, das tiefste Niveau seit mehr fünf Jahren. Vor genau einem Jahr hatte der Blue Chip Index sein vorläufiges Rekordhoch -Schlusshoch von 14.198 Punkten erreicht und seither 39 Prozent verloren. Der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 taumelte 7,62 Prozent auf 909 Punkte. Gegen über dem im vergangen Jahr erreichten Rekordhoch ein Verlust von 42 Prozent. Der technologielastige Nasdaq Composite Index, der sich lange im grünen Bereich geschlagen hatte, geriet zum Schluss auch in den Strudel und verlor 5,47 Prozent auf 1.645 Punkte.
Dow Jones Average: Zum Abschuss freigegeben
Der Dow Jones kannte heute nur Verlierer.
Tops:
Relativer Sieger war IBM. Das Minus von 1,7% auf 89,00 Dollar war noch der geringste Verlust im Dow. „Big Blue“ hatte bereits gestern nach Wall Street Schluss einen Ausblick auf die Ergebnisse des vergangene Woche abgeschlossenen Quartals abgegeben. Danach verdiente der Technologiepionier je Aktie mindestens 4 Cents mehr als die Analysten erwartet hatten. Außerdem bestätigte der Dow-Konzern seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr. Der Wermutstropfen: Der Umsatz lag im Berichtsquartal um eine Milliarde unter den Erwartungen.
Der 2. Platz ging an den als defensiv geltenden Fast-Food-Riesen McDonald`s, der 2,5% billiger wurde und auf 52,08 Dollar schloss.
Flops:
Der Mega-Flop des Dow war General Motors. Der angeschlagene Auto-Titel implodierte 31% auf 4,76 Dollar, das tiefste Niveau seit 1950. Beobachter fragen sich jetzt, ob die Tage des altehrwürdigen Industriepapiers im Dowe Jones gezählt sind. Gestern noch war das angeschlagene Autopapier vor Leerverkäufen geschützt, heute war es wieder zum Abschuss freigegeben. Heute berichtete der Autokonzern, der schon lange über eine dahin schmelzende US-Nachfrage klagt, dass seine Verkäufe in Europa in en ersten neun Monaten des Jahres um 1,9% gefallen sind. Die Ratingagentur S&P setzte die Verbindlichkeiten von General Motors außerdem auf ihre „Negative Beobachtungslinie“ und droht damit eine baldige Senkung des Kreditratings an.
Alcoa taumelte 15,3% auf 12,36 Dollar. Bereits am Dienstag hatte der Aluminiumriese die Ertagssaison im Dow mit einem Fehlstart eingeleitet, weil er die Erwartungen der Analysten verpasste. Der Rohstoffkonzern leidet schon seit längerem unter dem Preisverfall beim leichten Metall.
Bemerkenswert ist, dass es heute auch die Energieriesen erwischte. Der fallende Ölpreis und die Angst vor einer weiter schrumpfenden Energienachfrage zeigten Wirkung. Chevron war der drittgrößte Verlierer mit minus 12,5% auf 64,00 Dollar und Exxon Mobil der viertgrößte mit minus 11,7% auf 68,00 Dollar.
S&P 500: Putzige Reaktion
Der breiter gefasste S&P hatte wenigstens ein paar Lichtblicke
Tops:
Metlife gewann 3,7% auf 28,00 Dollar. Der Versicherungs-Titel wurde von Übernahmefantasie beschwingt.
Corning, ein Spezialist für Flachbildschirme, gewann nachrichtenlos 6,2% auf 12,30 Dollar.
Deere, ein Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen, verbesserte sich 2,7% auf 39,00 Dollar. Vielleicht half es, dass einige Agrar-Rohstoffe, etwa Mais oder Sojabohnen, heute ihren Kursverfall unterbrachen.
Der Stromerzeuger Dynegy avancierte 2,4% auf 2,52 Dollar. Das ist wirklich putzig, weil der Energieversorger heute bei der UBS von „Kaufen“ auf „Neutral“ gekappt wurde. Die Schweizer schraubten außerdem das Kursziel von 8 Dollar auf 2,50 Dollar herunter.
Zu den Lichtblicken zählten auch die Airlines, die vom fallenden Ölpreis beflügelt wurden: AMR, die Mutter der American Airlines, kletterte % auf Dollar. Delta Airlines gewann 0,4% auf 5,66 Dollar. Southwest Airlines stieg 1,4% auf 11,75 Dollar. . Continental Airlines % auf Dollar. JP Morgan hatte bereits gestern die Flugtransporter als krass unterbewertet bezeichnet. „Wir haben noch nie ein derartiges Missverhältnis zwischen Fundamentalfaktoren und Aktien erlebt“, hieß es.
Flops:
In der Legion der Verlierer fielen vor allem die Versicherer auf: XL Capital, ein auf den Bermudas residierender Assekuranzriese, implodierte 54% auf 4,01 Dollar und Prudential Financial, der zweitgrößte Lebensversicherer in den USA, stürzte 23,2% auf 33,27 Dollar. Die Versicherungskonzerne benötigen angeblich - wegen der Kreditkrise - frisches Kapital, das aber - wieder wegen der Kreditkrise - immer schwerer zu beschaffen ist.
Die Ex-Investmentbank Morgan Stanley trudelte 25,9% auf 12,45 Dollar. Zum Börsenstart war der Kurssturz noch ausgeprägter. Zeitweise belastete das Gerücht, die geplante (teilweise) Beteiligung der Mitsubishi UFJ Financial Group sei geplatzt. Dann stabilisierte wieder ein neues Gerücht, nämlich Mitsubishi wolle den gesamten Bankkonzern kaufen. Das Management erklärte dazu, die geplante (teilweise) Beteiligung der Mitsubishi UFJ Financial Group käme voran und sei bis Dienstag unter Dach und Fach. Der Rivale Goldman Sachs zeigte sich solidarisch und verlor 10,3% auf 101,35 Dollar.
Ford brach 22% auf 2,08 Dollar an. Wie sein Rivale Genral Motors leidet der Autokonzern unter schrumpfenden Verkäufen. Die Ratingagentur S&P setzte die Verbindlichkeiten von Ford - wie die seines Rivalen General Motors - auf die „Negative Beobachtungslinie“ und drohte damit eine baldige Senkung des Kreditratings an.
Abercrombie & Fitch verbilligte sich 15% auf 27,69 Dollar. Der Fashionhändler meldete einen scharfen Einbruch seiner Verkaufszahlen im September
Nasdaq: Mehr depressiv, als manisch
Die in der Nasdaq notierten Schwergewichte der Technologie konnten dem massiven Verkaufsdruck nur in der ersten Börsenhälfte widerstehen. Zum Start gab es noch eine gute Stimmung, dank des angehobenen Gewinnausblicks von IBM, die aber schnell verpuffte. Zu den wenigen Lichtblicken zählt Micron Technology mit einem plus von 0,3% auf 3,88 Dollar. Der Speicherchiphersteller kürzt Jobs um Geld zu sparen, das kommt an der Wall Street immer gut an. Der Halbleiterausrüster Applied Materials gewann nachrichtenlos 2,7% auf 12,80 Dollar. Intel, lange Zeit noch eines der Top-Papiere an der Nasdaq, verlor zum Schluss 4% auf 15,60 Dollar. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, gab 3% auf 248 Punkte ab.
Der Softwarebereich blieb nicht verschont: Microsoft minus 3% auf 22,30 Dollar. Oracle minus 4% auf 16,21 Dollar. Da half es wenig, dass die Societe den SAP-Rivalen von „Verkaufen“ auf „Halten“ anhob.
Apple schlug sich mit minus 1,2% auf 88,74 Dollar recht tapfer. Die Kalifornier kündigten für den Dienstag 14. Oktober ein Event an. Die Betonung liege dabei auf dem Bereich Notebooks, hieß es. Jetzt wird anscheinend darauf spekuliert, dass neue Versionen der Macbook und Macbook Pro-Rechner für jeweils unter 1.000 Dollar vorgestellt werden.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, gewann sogar 2,5% auf 59,03 Dollar. Die Kanadier präsentierten bereits gestern „Storm“, ihr erstes Touch-Screen-Gerät.
Internet: Vom Abwärtsstrudel mitgerissen
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets wurden vom Abwärtsstrudel mitgerissen. Google kam mit minus 2,7% auf 328,87 Dollar vergleichsweise glimpflich davon. Der Broker Soleil kappte den Internet-Titel von „Kaufen“ auf „Halten“ und dampfte sein Kurziel auf 350 Dollar ein (vorher: 580 Dollar). Der Broker verweist auf die schwachen Ausgaben der Verbraucher. Man befürchte, dass Google aber nicht bereit sei, seine Ausgaben, vor allem für Personal, an die befürchtete Einnahmeschwäche anzupassen. Soleil stört sich daran, dass Google seinen Mitarbeitern einen Tag je Arbeitswoche frei gibt, die die Mitarbeiter für Lieblingsprojekte verwenden können. Außerdem wird beklagt, dass der Onlineriese 10 Prozent seiner Einnahmen für wohltätige Zwecke spendet, berichtet AP. Soleil glaubt zudem, dass die Investoren das Risiko der Aktiengesellschaften - wie etwa bei Google - neu bewerten und daher weniger für Aktien zahlen.
Yahoo trudelte 8% auf 12,65 Dollar. Das tiefste Niveau seit mehr als fünf Jahren. Die aktuelle Konjunkturschwäche steigert die Zweifel an den Werbeeinnahmen des Portalbetreibers. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, sank 3,3% auf 206,18 Dollar. China ist zwar weit weg, da aber die Weltwirtschaft verflochten ist ..............
Besonders hart traf es den E-Commerce. Die stets volatilen Papiere von Amazon.com taumelten 8,2% auf 56,60 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus schraubte heute sein Kursziel für die E-Commerce-Aktie von 99 Dollar auf 76 Dollar herunter, bleibt aber bei seiner Kaufempfehlung. Als Gründe werden das schwache wirtschaftliche Umfeld und die gefallenen Kurse von Euro, Pfund Sterling & Co. genannt, die die Auslandseinnahmen in Dollar umgerechnet mindern. Im 2. Quartal habe sich der Onlinehändler zwar weitgehend immun gegen die Abkühlung der Verbrauchernachfrage gezeigt. Der Broker befürchtet aber, dass die Schwierigkeiten auch in den Bereich der Hochqualitäts-Händler einsickern. Der Broker kürzte seine Umsatzschätzung für das Gesamtjahr auf 19,8 Milliarden Dollar (vorher: 20,1 Milliarden Dollar, Konsens: 19,8 Milliarden Dollar) und für 2009 auf 24,6 Milliarden Dollar (vorher: 25,7 Milliarden Dollar, Konsens: 24,5 Milliarden Dollar).
Der Rivale Ebay rutschte 6,2% auf 15,96 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus kürzte heute Kursziel und Gewinnschätzung für den virtuellen Auktionator. Das Gewinnziel ging von 25 Dollar auf 22 Dollar zurück. Als Gründe nannte der Broker die Konjunkturschwäche, die - wegen der Dollarstärke - gedämpften Auslandseinnahmen und kürzlich erfolgte Firmenzukäufe. Ebay hatte vor ein paar Tagen der Online-Zahlungsvermittler „Pay me Later“ und andere Internetfirmen erworben. Da Ebay die Zukäufe mit eigenen Aktien bezahlten, hat sich die Zahl der umlaufenden Anteilschein erhöht. Der Gewinn muss daher jetzt auf eine größere Anzahl verteilt werden. Stifel glaubt, dass dadurch der Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2009 zusätzlich gemindert wird. Der Broker kürzte sein Gewinnschätzung für 2008 auf 1,72 Dollar je Aktie (vorher: 1,76 Dollar, Konsens: 1,75) und für 2009 auf 1,86 Dollar (vorher: 1,97 Dollar, Konsens: 1.92 Dollar).
Öl: Wer ist schon die OPEC?
Die OPEC kündigte heute für den 18. November eine Notfall-Sitzung an - wegen des fallenden Ölpreises. Eine Produktionskürzung sei wahrscheinlich, erklärte deren Präsident. Die Reaktion: Der Crude-Kontrakt für November fiel heute an der New York Mercantile Exchange 2,36 Dollar auf 86,59 Dollar, der tiefste Stand in den vergangenen 52 Wochen berichtet MarketWatch. Erst ist September hatte die OPEC eine Produktionskürzung beschlossen. Seit damals ist der Energieträger um rund 20 Dollar billiger geworden. Volkswirte verweisen auf die zunehmende Angst vor einer Rezession, die die Nachfrage noch stärker drückt als bisher.
Gold: Heute keine Ausnahme
Das Gold konnte heute wenig von der anhaltenden Panik der Investoren profitieren. Der Gold-Kontrakt für Dezember verlor heute 20 Dollar auf 886,50 Dollar, berichtet MarketWatch.
Keine Bank traut der anderen
Die Verschärfung der Kreditkrise manifestiert sich besonders im Zinssatz, zu dem sich die Banken gegenseitig beleihen. Dieser Interbankensatz (Libor) kletterte heute auf 4,75 Prozent (gestern 4,52 Prozent), das höchste Niveau seit vergangenem Dezember, trotz aller Zinssenkungen und anderer vertrauensbildenden Maßnahmen der Regierungen. Ein Zeichen dafür, dass derzeit keine Bank der anderen traut - und dem Rest der Wirtschaft ebenfalls kaum.
Zugpferde waren wieder die üblichen Verdächtigen, die Finanz-Titel, heute besonders die Versicherungen. In der gesamten Finanzbranche grassiert die Furcht, dass die aktuelle Kredit-Krise die Unternehmen dazu zwingt, frisches Kapital aufzunehmen. Genau das wird aber - wieder wegen der Kreditkrise - immer schwieriger und teurer. Ein Teufelskreis droht.
Das gilt auch für die heute besonders ausgebombten Autokonzerne. General Motors und Ford leiden jetzt nicht nur unter den Benzinpreisen, jetzt verdirbt anscheinend auch noch die Kreditkrise die Geschäfte, weil den potentiellen Kunden vielleicht die Mittel austrocknen. In der heutigen Panik übersah der Markt allerdings völlig, dass sich die Preissituation beim Benzin jetzt deutlich entspannt.
Die Jagdsaison ist wieder eröffnet
Verschärft wurde der Druck, weil seit heute Nacht die Leerverkäufe von zuvor geschützten Papieren wieder erlaubt sind. Kein Wunder, dass die gestern noch geschützten Papiere, vor allem die Finanz-Titel, aber auch General Motors, extrem unter Druck gerieten.
Bemerkenswert ist, dass heute die Panik auch auf Exxon Mobil und andere Energie-Titel überschwappte. Dahinter steht die Angst, dass die Kreditknappheit und die befürchtete Welt-Rezession die Nachfrage nach Energie noch stärker abschmelzen lässt als bisher. Bereits gestern war - wegen des schwindenden Absatzes - ein überraschend starker Anstieg der Ölvorräte in den USA gemeldet worden.
Angesichts der verschärften Turbulenzen dürften auch die Probleme der ohnehin schon angeschlagenen Hedgefonds zugenommen haben. Weitere Zwangsliquidierungen bei Beständen an Aktien und Rohstoffen sind die Folge. Der Goldman Sachs Hedge Fund VIP Index, der die von den Hedgefonds favorisierten Aktien erfasst, fiel heute sieben Prozent.
Fundamentale Daten spielen derzeit keine Rolle
Angesichts der Hysterie spielten die heutigen Konjunkturdaten nur eine Statistenrolle. Die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen verbesserten sich zwar auf 478.000 (Vorwoche: 498.000, Konsenserwartung: 475.000). Der Rückgang beruhte aber vorwiegend auf der abnehmenden Arbeitsmarktwirkung der Hurricanes Gustav und Ike, erklärte das Arbeitsministerium. In der Berichtsvorwoche wurden schätzungsweise 17.000 Arbeitslosenmeldungen durch die Spätfolgen der Wirbelstürme verursacht. In der Vorwoche waren es noch 45.000 gewesen.
Positive Meldungen wie die Fortsetzung der gestern eingeleiteten weltweiten Zinssenkungsrunde in Asien oder die Überlegung der US-Regierung, zur Vertrauensförderung direkt bei wichtigen Banken einzusteigen, also über den Ankauf derer Aktien, gingen in der allgemeinen Hysterie völlig unter. Fundamental Daten spielen derzeit keine Rolle.
Der siebte Kursverlust in Folge
Der Konsequenz: Der Volatilitätsindex, ein Maß für die Turbulenzen und damit Angst, sprang über 60, das höchste Niveau seit der Index berechnet wird. Der Dow Jones Industrial Average stürzte 7,33 Prozent auf 8.579 Punkte, das tiefste Niveau seit mehr fünf Jahren. Vor genau einem Jahr hatte der Blue Chip Index sein vorläufiges Rekordhoch -Schlusshoch von 14.198 Punkten erreicht und seither 39 Prozent verloren. Der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 taumelte 7,62 Prozent auf 909 Punkte. Gegen über dem im vergangen Jahr erreichten Rekordhoch ein Verlust von 42 Prozent. Der technologielastige Nasdaq Composite Index, der sich lange im grünen Bereich geschlagen hatte, geriet zum Schluss auch in den Strudel und verlor 5,47 Prozent auf 1.645 Punkte.
Dow Jones Average: Zum Abschuss freigegeben
Der Dow Jones kannte heute nur Verlierer.
Tops:
Relativer Sieger war IBM. Das Minus von 1,7% auf 89,00 Dollar war noch der geringste Verlust im Dow. „Big Blue“ hatte bereits gestern nach Wall Street Schluss einen Ausblick auf die Ergebnisse des vergangene Woche abgeschlossenen Quartals abgegeben. Danach verdiente der Technologiepionier je Aktie mindestens 4 Cents mehr als die Analysten erwartet hatten. Außerdem bestätigte der Dow-Konzern seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr. Der Wermutstropfen: Der Umsatz lag im Berichtsquartal um eine Milliarde unter den Erwartungen.
Der 2. Platz ging an den als defensiv geltenden Fast-Food-Riesen McDonald`s, der 2,5% billiger wurde und auf 52,08 Dollar schloss.
Flops:
Der Mega-Flop des Dow war General Motors. Der angeschlagene Auto-Titel implodierte 31% auf 4,76 Dollar, das tiefste Niveau seit 1950. Beobachter fragen sich jetzt, ob die Tage des altehrwürdigen Industriepapiers im Dowe Jones gezählt sind. Gestern noch war das angeschlagene Autopapier vor Leerverkäufen geschützt, heute war es wieder zum Abschuss freigegeben. Heute berichtete der Autokonzern, der schon lange über eine dahin schmelzende US-Nachfrage klagt, dass seine Verkäufe in Europa in en ersten neun Monaten des Jahres um 1,9% gefallen sind. Die Ratingagentur S&P setzte die Verbindlichkeiten von General Motors außerdem auf ihre „Negative Beobachtungslinie“ und droht damit eine baldige Senkung des Kreditratings an.
Alcoa taumelte 15,3% auf 12,36 Dollar. Bereits am Dienstag hatte der Aluminiumriese die Ertagssaison im Dow mit einem Fehlstart eingeleitet, weil er die Erwartungen der Analysten verpasste. Der Rohstoffkonzern leidet schon seit längerem unter dem Preisverfall beim leichten Metall.
Bemerkenswert ist, dass es heute auch die Energieriesen erwischte. Der fallende Ölpreis und die Angst vor einer weiter schrumpfenden Energienachfrage zeigten Wirkung. Chevron war der drittgrößte Verlierer mit minus 12,5% auf 64,00 Dollar und Exxon Mobil der viertgrößte mit minus 11,7% auf 68,00 Dollar.
S&P 500: Putzige Reaktion
Der breiter gefasste S&P hatte wenigstens ein paar Lichtblicke
Tops:
Metlife gewann 3,7% auf 28,00 Dollar. Der Versicherungs-Titel wurde von Übernahmefantasie beschwingt.
Corning, ein Spezialist für Flachbildschirme, gewann nachrichtenlos 6,2% auf 12,30 Dollar.
Deere, ein Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen, verbesserte sich 2,7% auf 39,00 Dollar. Vielleicht half es, dass einige Agrar-Rohstoffe, etwa Mais oder Sojabohnen, heute ihren Kursverfall unterbrachen.
Der Stromerzeuger Dynegy avancierte 2,4% auf 2,52 Dollar. Das ist wirklich putzig, weil der Energieversorger heute bei der UBS von „Kaufen“ auf „Neutral“ gekappt wurde. Die Schweizer schraubten außerdem das Kursziel von 8 Dollar auf 2,50 Dollar herunter.
Zu den Lichtblicken zählten auch die Airlines, die vom fallenden Ölpreis beflügelt wurden: AMR, die Mutter der American Airlines, kletterte % auf Dollar. Delta Airlines gewann 0,4% auf 5,66 Dollar. Southwest Airlines stieg 1,4% auf 11,75 Dollar. . Continental Airlines % auf Dollar. JP Morgan hatte bereits gestern die Flugtransporter als krass unterbewertet bezeichnet. „Wir haben noch nie ein derartiges Missverhältnis zwischen Fundamentalfaktoren und Aktien erlebt“, hieß es.
Flops:
In der Legion der Verlierer fielen vor allem die Versicherer auf: XL Capital, ein auf den Bermudas residierender Assekuranzriese, implodierte 54% auf 4,01 Dollar und Prudential Financial, der zweitgrößte Lebensversicherer in den USA, stürzte 23,2% auf 33,27 Dollar. Die Versicherungskonzerne benötigen angeblich - wegen der Kreditkrise - frisches Kapital, das aber - wieder wegen der Kreditkrise - immer schwerer zu beschaffen ist.
Die Ex-Investmentbank Morgan Stanley trudelte 25,9% auf 12,45 Dollar. Zum Börsenstart war der Kurssturz noch ausgeprägter. Zeitweise belastete das Gerücht, die geplante (teilweise) Beteiligung der Mitsubishi UFJ Financial Group sei geplatzt. Dann stabilisierte wieder ein neues Gerücht, nämlich Mitsubishi wolle den gesamten Bankkonzern kaufen. Das Management erklärte dazu, die geplante (teilweise) Beteiligung der Mitsubishi UFJ Financial Group käme voran und sei bis Dienstag unter Dach und Fach. Der Rivale Goldman Sachs zeigte sich solidarisch und verlor 10,3% auf 101,35 Dollar.
Ford brach 22% auf 2,08 Dollar an. Wie sein Rivale Genral Motors leidet der Autokonzern unter schrumpfenden Verkäufen. Die Ratingagentur S&P setzte die Verbindlichkeiten von Ford - wie die seines Rivalen General Motors - auf die „Negative Beobachtungslinie“ und drohte damit eine baldige Senkung des Kreditratings an.
Abercrombie & Fitch verbilligte sich 15% auf 27,69 Dollar. Der Fashionhändler meldete einen scharfen Einbruch seiner Verkaufszahlen im September
Nasdaq: Mehr depressiv, als manisch
Die in der Nasdaq notierten Schwergewichte der Technologie konnten dem massiven Verkaufsdruck nur in der ersten Börsenhälfte widerstehen. Zum Start gab es noch eine gute Stimmung, dank des angehobenen Gewinnausblicks von IBM, die aber schnell verpuffte. Zu den wenigen Lichtblicken zählt Micron Technology mit einem plus von 0,3% auf 3,88 Dollar. Der Speicherchiphersteller kürzt Jobs um Geld zu sparen, das kommt an der Wall Street immer gut an. Der Halbleiterausrüster Applied Materials gewann nachrichtenlos 2,7% auf 12,80 Dollar. Intel, lange Zeit noch eines der Top-Papiere an der Nasdaq, verlor zum Schluss 4% auf 15,60 Dollar. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, gab 3% auf 248 Punkte ab.
Der Softwarebereich blieb nicht verschont: Microsoft minus 3% auf 22,30 Dollar. Oracle minus 4% auf 16,21 Dollar. Da half es wenig, dass die Societe den SAP-Rivalen von „Verkaufen“ auf „Halten“ anhob.
Apple schlug sich mit minus 1,2% auf 88,74 Dollar recht tapfer. Die Kalifornier kündigten für den Dienstag 14. Oktober ein Event an. Die Betonung liege dabei auf dem Bereich Notebooks, hieß es. Jetzt wird anscheinend darauf spekuliert, dass neue Versionen der Macbook und Macbook Pro-Rechner für jeweils unter 1.000 Dollar vorgestellt werden.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, gewann sogar 2,5% auf 59,03 Dollar. Die Kanadier präsentierten bereits gestern „Storm“, ihr erstes Touch-Screen-Gerät.
Internet: Vom Abwärtsstrudel mitgerissen
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets wurden vom Abwärtsstrudel mitgerissen. Google kam mit minus 2,7% auf 328,87 Dollar vergleichsweise glimpflich davon. Der Broker Soleil kappte den Internet-Titel von „Kaufen“ auf „Halten“ und dampfte sein Kurziel auf 350 Dollar ein (vorher: 580 Dollar). Der Broker verweist auf die schwachen Ausgaben der Verbraucher. Man befürchte, dass Google aber nicht bereit sei, seine Ausgaben, vor allem für Personal, an die befürchtete Einnahmeschwäche anzupassen. Soleil stört sich daran, dass Google seinen Mitarbeitern einen Tag je Arbeitswoche frei gibt, die die Mitarbeiter für Lieblingsprojekte verwenden können. Außerdem wird beklagt, dass der Onlineriese 10 Prozent seiner Einnahmen für wohltätige Zwecke spendet, berichtet AP. Soleil glaubt zudem, dass die Investoren das Risiko der Aktiengesellschaften - wie etwa bei Google - neu bewerten und daher weniger für Aktien zahlen.
Yahoo trudelte 8% auf 12,65 Dollar. Das tiefste Niveau seit mehr als fünf Jahren. Die aktuelle Konjunkturschwäche steigert die Zweifel an den Werbeeinnahmen des Portalbetreibers. Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, sank 3,3% auf 206,18 Dollar. China ist zwar weit weg, da aber die Weltwirtschaft verflochten ist ..............
Besonders hart traf es den E-Commerce. Die stets volatilen Papiere von Amazon.com taumelten 8,2% auf 56,60 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus schraubte heute sein Kursziel für die E-Commerce-Aktie von 99 Dollar auf 76 Dollar herunter, bleibt aber bei seiner Kaufempfehlung. Als Gründe werden das schwache wirtschaftliche Umfeld und die gefallenen Kurse von Euro, Pfund Sterling & Co. genannt, die die Auslandseinnahmen in Dollar umgerechnet mindern. Im 2. Quartal habe sich der Onlinehändler zwar weitgehend immun gegen die Abkühlung der Verbrauchernachfrage gezeigt. Der Broker befürchtet aber, dass die Schwierigkeiten auch in den Bereich der Hochqualitäts-Händler einsickern. Der Broker kürzte seine Umsatzschätzung für das Gesamtjahr auf 19,8 Milliarden Dollar (vorher: 20,1 Milliarden Dollar, Konsens: 19,8 Milliarden Dollar) und für 2009 auf 24,6 Milliarden Dollar (vorher: 25,7 Milliarden Dollar, Konsens: 24,5 Milliarden Dollar).
Der Rivale Ebay rutschte 6,2% auf 15,96 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus kürzte heute Kursziel und Gewinnschätzung für den virtuellen Auktionator. Das Gewinnziel ging von 25 Dollar auf 22 Dollar zurück. Als Gründe nannte der Broker die Konjunkturschwäche, die - wegen der Dollarstärke - gedämpften Auslandseinnahmen und kürzlich erfolgte Firmenzukäufe. Ebay hatte vor ein paar Tagen der Online-Zahlungsvermittler „Pay me Later“ und andere Internetfirmen erworben. Da Ebay die Zukäufe mit eigenen Aktien bezahlten, hat sich die Zahl der umlaufenden Anteilschein erhöht. Der Gewinn muss daher jetzt auf eine größere Anzahl verteilt werden. Stifel glaubt, dass dadurch der Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2009 zusätzlich gemindert wird. Der Broker kürzte sein Gewinnschätzung für 2008 auf 1,72 Dollar je Aktie (vorher: 1,76 Dollar, Konsens: 1,75) und für 2009 auf 1,86 Dollar (vorher: 1,97 Dollar, Konsens: 1.92 Dollar).
Öl: Wer ist schon die OPEC?
Die OPEC kündigte heute für den 18. November eine Notfall-Sitzung an - wegen des fallenden Ölpreises. Eine Produktionskürzung sei wahrscheinlich, erklärte deren Präsident. Die Reaktion: Der Crude-Kontrakt für November fiel heute an der New York Mercantile Exchange 2,36 Dollar auf 86,59 Dollar, der tiefste Stand in den vergangenen 52 Wochen berichtet MarketWatch. Erst ist September hatte die OPEC eine Produktionskürzung beschlossen. Seit damals ist der Energieträger um rund 20 Dollar billiger geworden. Volkswirte verweisen auf die zunehmende Angst vor einer Rezession, die die Nachfrage noch stärker drückt als bisher.
Gold: Heute keine Ausnahme
Das Gold konnte heute wenig von der anhaltenden Panik der Investoren profitieren. Der Gold-Kontrakt für Dezember verlor heute 20 Dollar auf 886,50 Dollar, berichtet MarketWatch.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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