New York (BoerseGo.de) – Die volatilen Kursausschläge an Wall Street setzen sich auch heute fort. Händler haben sich bereits daran gewöhnt, dass der Dow mindestens im dreistelligen Punktebereich verliert oder zulegt. Heute war nach vier Verlusttagen das Letztere der Fall, am Ende verbuchte der Dow einen Gewinn von 1,8 Prozent auf 8424 Punkte.
Für positive Stimmung bei den Börsianern sorgten vorgezogene Quartalszahlen des PC-Weltmarktführers Hewlett-Packard. Der Computerriese prognostiziert für das vierte Quartal einen Gewinn von 1,03 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 33,6 Milliarden Dollar und übertrifft damit die Erwartungen von Wall Street. Ein Großteil des Umsatzwachstums von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal geht auf das Konto des übernommenen Dienstleisters EDS. Im Gegensatz zu anderen Technologieschwergewichten wie Wettbewerber Dell oder Intel blickt das Unternehmen positiv in die Zukunft. Die Gewinnprognose des Managements für das kommende Geschäftsjahr 2009 von 3,88 bis 4,03 Dollar pro Aktie liegt ebenfalls über den Erwartungen von Wall Street. Die positiven Zahlen reichten jedoch nicht aus, dem Technologie-Sektor nachhaltig auf die Sprünge zu helfen. Experten sind sich einig, dass Hewlett-Packard eine Sonderstellung genieße und nur aufgrund strikter Kosteneinsparungsmaßnahmen und durch stetigen Ausbau seiner Marktführerschaft der Konjunkturkrise erfolgreich den Rücken kehrt. Die Aktie gewinnt 14,49 Prozent auf 33,59 Dollar.
Auch die leidgeplagten Yahoo-Aktionäre hatten Grund zur Freude, das Papier macht einen Kurssprung von 8,65 Prozent auf 11,55 Dollar. Grund für den Kursanstieg sind personelle Veränderungen, der Chef und Mitbegründer des Internet-Konzerns, Jerry Yang, räumt seinen Sessel. Viele Marktteilnehmer spekulieren, ob nach dem Rücktritt von CEO Yang nun die Türen für eine mögliche Übernahme durch den Softwareriesen Microsoft wieder offen stehen. Vom Einzelhandel kommen unterschiedliche Signale, der US-Luxus-Warenhauskonzern Saks Incorporated weitet seine Verlust aus und verfehlt die Erwartungen von Wall Street. CEO Stephen Sadove berichtet, dass sein Unternehmen die Konjunkturflaute und die damit verbundene Zurückhaltung der Konsumenten deutlich zu spüren bekommt, die Aktie bricht um 14,55 Prozent auf 3,29 Dollar ein. Besser machte es Home Depot, die Baumarktkette könnte die Prognosen der Analysten schlagen und verbucht einen Gewinn von 3,55 Prozent auf 20,71 Dollar.
Die Aktien der beiden US-Automobilherstellern General Motors und Ford Motors markieren neue Tiefstände, nachdem das Schicksal der beiden Autobauer weiter ungewiss ist. Im Rahmen der Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats appellieren die Firmenchefs von General Motors, Ford Motors und Chrysler an die Dringlichkeit einer raschen zusätzlichen Kapitalspritze für die US-Autoindustrie. CEO Rick Wagoner von General Motors warnt im Falle eines Bankrotts vor katastrophalen Folgen für die US-Wirtschaft. Die Firmenchefs rechnen dem Kongress vor, dass eine staatliche Kapitalspritze die weitaus billigere Lösung sei als einen Zusammenbruch der Automobilindustrie zu riskieren. Aktuell zeigt sich noch keine Annäherung der Parteien, die Demokraten plädieren weiter für eine weitere Kapitalspritze in Höhe von 25 Milliarden Dollar aus dem Rettungspaket für die US-Automobilhersteller, die Republikaner sprechen sich nach der bereits gewährten Milliardenhilfe für US-Autobauer in Höhe von 25 Milliarden Dollar gegen weitere Unterstützungsmaßnahmen des Staates aus.
Mit Spannung warteten Börsianer auf die Anhörung von US-Notenbankchef Ben Bernanke und US-Finanzminister Henry Paulson vor dem Finanzmarktausschuss. Beide verteidigten ihr bisheriges Vorgehen und die Implementierung des 700 Milliarden schweren Bankenrettungspakets. Paulson führt an, dass es keine strikten Richtlinien für die Verteilung der Staatshilfen gegeben habe, so dass bei Veränderungen der Rahmenbedingungen alternatives und schnelles Handeln von Nöten sei. Der US-Finanzminister ist in die Kritik geraten, da er auf den ursprünglich geplanten Ankauf toxischer Papiere aus den Bankenbilanzen verzichtet hat und dafür das Geld für direkte Investitionen in Banken verwendet hat. Laut Paulson würden die Finanzmärkte ohne die Verabschiedung des Rettungspaketes deutlich schlechter dastehen. Bernanke spricht von erkennbaren Verbesserungen auf den Kreditmärkten, jedoch sei man von der Normalität noch weit entfernt. Weiter ist Paulson davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, Teilbeträge des Rettungspakets nicht für in Schwierigkeiten geratene Hausbesitzer zu nutzen. Seiner Ansicht ist die wichtigste Voraussetzung für eine rasche Hilfe ein unbeschwerterer Zugang für Hausbesitzer zu günstigen Hypothekenkrediten.
Nur eine Nebenrolle spielten die heute veröffentlichten Konjunkturdaten. In den USA ist laut dem US-Arbeitsministerium der Erzeugerpreis-Index im Oktober gegenüber dem Vormonat um 2,8 Prozent eingebrochen, was den größten Rückgang seit dem Beginn entsprechender Erhebungen im Jahr 1947 darstellt. Der kräftige Rückgang geht vor allem auf das Konto der stark gesunkenen Preise für Energie. Die Preise für energiebezogene Produkte fielen im Oktober um insgesamt 12,8 Prozent. Gleichzeitig brachen die Preise für Benzin mit dem Rekordtempo von 24,9 Prozent ein. Die Preise für Lebensmittel fielen um 0,2 Prozent. Abzüglich der volatilen Preise für Nahrung und Energie stellte sich in der Kernrate ein Zuwachs von 0,4 Prozent ein, die Markterwartungen lagen hier bei einem Plus von 0,1 Prozent.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 70 Cents auf einen Schlusstand von 54,25 Dollar. Händler begründen den Kursrückgang des schwarzen Goldes unter die Marke von 55,00 Dollar mit Prognosen von Energie-Experten, wonach die Öllagerbestände infolge der sich weiter abschwächenden Nachfrage die achte Woche in Folge angestiegen sind. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 10,00 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 732,00 Dollar. Der Preis für das Edelmetall fällt den zweiten Tag in Folge, nachdem Anleger davon ausgehen, dass aufgrund der weltweiten Konjunkturkrisen die Nachfrage nach Rohstoffen deutlich abnehmen wird und Gold seine Anziehung als sicherer Hafen gegen Inflation verlieren wird.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Plus von 1,83 Prozent auf 8424 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewinnt 0,98 Prozent auf 859 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legt um 0,98 Prozent auf 1483 Punkte zu. Sieger im Dow ist die Aktie von Hewlett-Packard mit einem Plus von 14,49 Prozent auf 33,59 Dollar. Bei den Techs überzeugt Research In Motion mit einem Plus von 12,09 Prozent auf 47,39 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,60 Milliarden Aktien den Besitzer. 1153 Werte legten zu, 1975 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 2,41 Milliarden Aktien 1088 Gewinner und 1719 Verlierer.
Amazon.com unter Verkaufsdruck
Die Aktie des weltgrößten Online-Einzelhändler Amazon.com schließt mit einem Verlust von 3,15 Prozent unter dem 52-Wochentief von 38,48 Dollar, nachdem das Investmenthaus Barclays seine Gewinn- und Umsatzprognose für das vierte Quartal und auch für das Geschäftsjahr deutlich unter die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten nach unten korrigieren. Die Analysten beziehen ihre Neueinschätzung auf die vorsichtigen Prognosen einiger Einzelhändler wie Best Buy und Target oder Technologieschwergewichte wie Intel oder Nokia. Zusätzlich wirkt sich laut Barclays der Anstieg des US-Dollars negativ auf das Geschäft von Amazon aus.
S&P 500-Index: Drastischer Gewinneinbruch
Gemäß der Ratingagentur Standard & Poor’s sind im dritten Quartal die Gewinne der im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 21,6 Prozent gesunken. Am besten haben Energie-Unternehmen abgeschnitten, die zu 40,4 Prozent den S&P 500-Index abbilden und deren Gewinne im Vergleich zum Vorjahr im Durschnitt um 16,2 Prozent zulegen konnten. Ohne den Energie-Sektor wären die Gewinne auf ein Allzeittief gefallen. Schlusslichter im dritten Quartal waren erneut der Finanz-Sektor, der bereits das vierte Quartal in Folge Verluste auswies.
US-Banken erhalten Frist für Antrag auf staatliche Finanzspritzen
Das US-Finanzministerium hat den privaten Geschäftsbanken für die Beantragung von staatlichen Hilfen aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für den Finanzsektor eine bis 8. Dezember laufende Frist gestellt. Die Inanspruchnahme einer Finanzspritze geht mit der Auflage einher, wonach den Instituten in den ersten drei Jahren nach Gewährung keine Dividendenanhebungen gestattet sind. Danach sind die Konzerne zu Dividendenanhebungen im Ausmaß von lediglich 3 Prozent pro Jahr berechtigt. Es werden von staatlicher Seite jedoch keine Vorzugsaktien von kleinen genossenschaftlichen Instituten nachgefragt. Ebenso erhalten Depotbanken keinen Zugang zur Regierungshilfe.
Speicher-Aktie mit Kurssprung
Die Aktie des Speicher-Spezialisten NetApp Inc. gehört mit einem Plus von 4,68 Prozent auf 12,74 Dollarl zu den großen Gewinnern im Nasdaq 100-Index, nachdem das Investmenthaus ThinkEquity die Aktie mit einem Kursziel von 15 Dollar zum Kauf empfiehlt. Der Speicher-Spezialist hat im gerade abgelaufenen zweiten Quartal die Gewinn- und Umsatzprognosen der Analysten übertroffen. Trotz der unsicheren Konjunkturlage und der Senkung von IT-Investitionen rechnet Firmenchef Dan Warmenhoven für das dritte Quartal mit einem leichten Wachstum, im schlimmsten Fall soll das Umsatzniveau des Vorquartals erreicht werden. Die Kollegen von Needham und Argus stufen die Aktie aktuell ebenfalls mit einem Buy Rating ein.
US-Aktienmarkt mit schwächster Jahresperformance seit 67 Jahren
Nachdem die New Yorker-Indizes vergangenen Montag den zweiten Tag in Folge stark verloren haben blickt der Aktienmarkt in den USA auf seinen bislang schwächsten Jahresverlauf seit 1931 zurück. Seit Januar hat der S&P 500 wegen der negativen Auswirkungen durch die internationale Finanzkrise mit Abschreibungen bei weltweiten Finanzkonzernen von rund 960 Milliarden Dollar bereits 42 Prozent eingebüßt. Zu Wochenbeginn wurden große Rezessionsängste wegen der Ankündigung geplanter Massenentlassungen bei der Citigroup und eines Rekordtiefs beim New Yorker-Geschäftsklima-Index zum verarbeitenden Sektor erneut verstärkt.
