In der Krise beim Autobauer Opel
müssen Mitarbeiter und Manager mit Einschnitten und möglicherweise
einer deutlichen Kürzung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich rechnen.
Die Tochter des angeschlagenen US-Konzerns General Motors (GM)
Die Folge dürfte eine Verkürzung der Arbeitszeit sein. "Diskutiert wird eine 30-Stunden-Woche in allen unseren europäischen Werken mit Ausnahme von Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia anläuft", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der "FAZ". Denn statt 1,7 Millionen Autos dürfte Opel künftig nur noch um die 1,5 Millionen Wagen herstellen. Während die gerade begonnene Produktion des Mittelklassemodells Insignia derzeit eine gute Auslastung des Stammwerks in Rüsselsheim garantiere, seien in Betrieben wie Bochum, Eisenach, Antwerpen und Saragossa Unterauslastungen zu erwarten, schreibt die Zeitung. Franz kündigte an, er wolle Gespräche über Teillohnausgleich und Kurzarbeitergeld aufnehmen: "Wir werden die geplante Volumenreduzierung ohne Personalabbau bewältigen."
WENIGER GELD FÜR MANAGER
Laut "Bild"-Zeitung (Mittwoch) müssen auch die Opel-Führungskräfte ab sofort auf größere Teile ihres Einkommens verzichten. Forster habe für die kommenden 14 Monate konzernweit alle vertraglich zugesicherten Bonuszahlungen, Prämien und sonstigen Sondervergütungen gestrichen. Die Regelung gelte für die oberen Management-Ebenen an allen europäischen Standorten. Gesamtbetriebsratschef Franz nannte dies einen "richtigen Schritt und ein deutliches Zeichen".
Opel bemüht sich um eine Bürgschaft von Bund und Ländern, um für den Fall gewappnet zu sein, dass im Falle einer Insolvenz der amerikanischen Konzernmutter die Geldströme abreißen. Opel macht etwa drei Viertel des GM-Europageschäfts aus und beschäftigt in Deutschland knapp 25.700 Mitarbeiter. Im dritten Quartal war das Europageschäft mit einem operativen Verlust von rund einer Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) ins Minus gestürzt. GM machte insgesamt unterm Strich rund 2,5 Milliarden Dollar Verlust.
BÜRGSCHAFT BENÖTIGT
Nach "FAZ"-Informationen braucht Opel im "schlimmsten anzunehmenden Fall" eine Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro. Dabei gehe es um 1,3 Milliarden Euro für 2009 und weitere 500 Millionen für 2010. GM-Europachef Carl-Peter Forster hatte das erbetene Bürgschaftsvolumen am Montagabend auf "etwas mehr als eine Milliarde Euro" beziffert. Die Bundesregierung will bis Weihnachten über die Gewährung einer Bürgschaft entscheiden. Der hessische Landtag wollte am Mittwoch auf seiner letzten Sitzung noch vorsorglich den Rahmen für Industriebürgschaften des Landes um 500 Millionen Euro aufstocken, um Opel gegebenenfalls helfen zu können.
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hält Staatshilfen für Opel für denkbar. "Ich glaube, man muss sich das durch den Kopf gehen lassen", sagte Wiedeking am Dienstagabend in Markgröningen bei Stuttgart. Opel sei aber unter den deutschen Autobauern als Tochterunternehmen des krisengeschüttelten US-Konzerns GM ein Sonderfall. Ein Subventions- Wettlauf der Autobauer sei deshalb nicht zu befürchten./jb/DP/stw
ISIN US3704421052
AXC0108 2008-11-19/12:34
