DJ BMWi: Ausblick für deutsche Wirtschaft merklich eingetrübt
BERLIN (Dow Jones)--Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) sieht angesichts der globalen Abschwächung einen deutlich verschlechterten Ausblick für die deutsche Wirtschaft und erwartet keine Umkehrung dieses Trends in den kommenden Monaten. Insgesamt zeichne sich für die Weltkonjunktur "eine spürbare Abwärtsbewegung ab", erklärte das Ministerium am Donnerstag in Berlin in seinem jüngsten Monatsbericht. "Damit haben sich auch die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft weiter merklich eingetrübt", konstatierte das BMWi. "In den kommenden Monaten deutet sich nach den vorliegenden Konjunkturindikatoren keine grundlegende Trendwende an", betonte das Ministerium.
Die Entwicklung im produzierenden Gewerbe werde vor allem durch die anhaltende internationale, aber auch nationale Nachfrageschwäche beeinträchtigt. Entlastend wirke vor diesem Hintergrund der in den letzten Monaten zu verzeichnende spürbare Rückgang der Preise für Energieträger und sonstige Rohstoffe. Hierdurch würden einerseits die Produktionskosten gesenkt und damit Anreize für Investitionen gesetzt, andererseits würden die Kaufkraft der Verbraucher gestärkt und Impulse für den privaten Konsum freigesetzt.
Das Preisklima in Deutschland habe sich im Oktober weiter entspannt, und auch in den kommenden Monaten sei "angesichts des deutlich beruhigten Preisauftriebs an den internationalen Rohstoffmärkten mit weiterer Entspannung zu rechnen", hob das Wirtschaftsministerium hervor. Auch der rückläufige Eurowechselkurs korrigiere die zuvor starke Aufwertung und trage "zur Erhaltung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit bei". Andererseits führten fallende Rohstoffpreise zu sinkenden Einnahmen in den Exportländern und schwächten so die Nachfrage nach deutschen Produkten, insbesondere nach solchen des Maschinen- und Anlagenbaus.
Die Auswirkungen der Finanzkrise sowie die zunehmende globale Abschwächung setzten die Wirtschaftsentwicklung weltweit einer doppelten und sich verstärkenden Belastung aus. Neben den USA befänden sich inzwischen eine Reihe von anderen Ländern, darunter wichtige deutsche Handelspartner in der EU sowie Japan, am Rande oder bereits in einer Rezession. Darüber hinaus habe sich auch das bisher kräftige Wachstum in wichtigen großen Schwellenländern zum Teil deutlich abgeschwächt.
In Deutschland mache sich die schwächere weltwirtschaftliche Dynamik vor allem in der besonders stark vom Export abhängigen Industrie bemerkbar. Dies sei ein maßgeblicher Faktor für die im dritten Quartal insgesamt rückläufige Entwicklung im produzierenden Gewerbe gewesen. "Die anhaltende Schwäche der Bestelltätigkeit sowohl in der Industrie als auch im Bauhauptgewerbe signalisiert für die kommenden Monate eine Fortsetzung der schwachen Entwicklungen", betonte das BMWi. Auf eine anhaltend schwache Entwicklung in der Industrie und im Bauhauptgewerbe deute auch die zuletzt weiter eingetrübte Stimmung in diesen Wirtschaftsbereichen hin.
Die privaten Konsumausgaben hätten sich im dritten Quartal dagegen leicht belebt. Vor allem das ruhigere Preisklima in Deutschland und die stärkere Entwicklung der Tariflöhne- und -gehälter dürften derzeit den privaten Konsum stützen. Allerdings sei "wohl nur mit einer allenfalls moderaten Belebung des privaten Konsums in näherer Zukunft zu rechnen". Vom Außenhandel dürften nach Einschätzung des BMWi angesichts der weiter eingetrübten konjunkturellen Perspektiven der Weltwirtschaft auch absehbar keine nennenswerten Wachstumsimpulse für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ausgehen.
-Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4118, andreas.kissler@dowjones.com DJG/ank/apo
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November 20, 2008 05:46 ET (10:46 GMT)
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