DJ FOKUS: Chemiebranche kämpft mit Nachfrageeinbruch
Von Bob Sechler DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die neuerliche Gewinnwarnung und die überraschenden Produktionskürzungen des weltweit größten Chemiekonzerns BASF SE haben den Märkten einen Schock versetzt. Ob die Wettbewerber dem Beispiel von BASF folgen und ähnlich drastische Maßnahmen ankündigen werden, ist zwar noch ungewiss. Sicher ist aber, dass sich der Sektor in einer schwierigen Lage befindet, da die Kreditkrise und die Konjunktureintrübung zu einem dramatischen Nachfrageeinbruch geführt haben.
Die Ludwigshafener BASF hatte am Mittwoch infolge eines massiven Nachfragerückgangs eine erneute Gewinnwarnung für das Gesamtjahr abgeben müssen. BASF rechnet nun nicht mehr damit, 2008 das sehr gute EBIT vor Sondereinflüssen des Vorjahres zu erreichen. Bei Vorlage der Neunmonatszahlen Ende Oktober hatte der DAX-Konzern noch erklärt, BASF werde alles daran setzen, das gute Vorjahresergebnis wieder zu erreichen. Zuvor hatte BASF noch ein Plus erwartet.
Wegen des deutlichen Nachfragerückgangs hatte BASF außerdem die vorübergehende Stilllegung von rund 80 Anlagen sowie die Drosselung der Produktion in gut 100 weiteren Anlagen angekündigt. Der Output soll zeitweise um bis zu 25% zurückgefahren werden. Vor allem Kunden aus der Automobilindustrie hätten Aufträge "kurzfristig storniert". Auch der verstärkte Abbau von Vorräten bei den Kunden und die zu geringe Kreditverfügbarkeit bei den Abnehmern belasteten den Absatz. Es gehe vor allem um Betriebe, die für die Abnehmerbranchen Automobil, Bau und Textil produzierten.
Dow Chemical und sein US-Wettbewerber DuPont de Nemours & Co hatten im Oktober ebenfalls bereits von einer möglicherweise anstehenden weltweiten Rezession für 2009 gesprochen. Diese Woche erklärten die Branchenriesen, die Bedingungen hätten sich weiter verschlechtert.
"Wir erwarten eine weitere Schwäche in der Automobil- und Bauwirtschaft sowie eine Konjunktureintrübung in den USA und Westeuropa", sagte ein DuPont-Sprecher in Reaktion auf die BASF-Mitteilung. Über mögliche ähnliche Produktionskürzungen infolge des jüngsten Nachfragerückgangs wollte er sich noch nicht äußern.
Der Sprecher von Dow Chemical, Bob Plishka, sagte, in der gesamten Industrie sei die Nachfrage seit Oktober um 10% bis 20% gesunken. Die Nachfrage für Produkte des Konzerns sei entsprechend dem Branchentrend zurückgegangen.
Die überraschende Ankündigung von BASF führen Branchenkenner teilweise auch darauf zurück, dass der Konzern seine Produktion zuletzt im Jahr 2001 gekürzt hat. Einige Wettbewerber hingegen haben ihren Output in der Zwischenzeit bereits kontinuierlich verringert. Der weltweit zweitgrößte Chemiekonzern Dow Chemical Co hat in den vergangenen zwei Jahren 43 Anlagen geschlossen und für 2008 bereits eine Kürzung der Kapitalausgaben um 100 Mio auf 2,1 Mrd USD angekündigt.
Der CEO von Dow Chemical, Andrew Liveris, hatte unlängst aber weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Laut Liveris könnte es zu verstärkten branchenweiten Rationalisierungen hinsichtlich der Kapazitäten kommen, da die Nachfrage einbreche. Dow Chemical sei darauf vorbereitet, Maßnahmen einzuleiten. Bislang sei die Produktion aber nicht wegen der jüngsten Nachfrageschwäche weiter gedrosselt worden.
Das US-Spezialchemieunternehmen Rohm & Haas Co, das Dow Chemical übernehmen will, hatte seine Kapazitäten schon im Sommer um 30% gekürzt, um die Produktion vor allem in den Bereichen Farben und Beschichtungen zu senken. Weitere Pläne zur Kürzung des Outputs gibt es nach Angaben des Unternehmens bislang nicht. "Das Wachstum unserer Branche hat sich seit einiger Zeit verlangsamt", sagte die Sprecherin von Rohm & Haas, Emily Riley. In Reaktion darauf plane das Unternehmen aber keine ähnlichen Schritte wie BASF.
Deutsche Bank Analyst David Begleiter sprach mit Blick auf BASF von einer bislang beispiellosen Ankündigung für die Chemiebranche. Dem Sektor stehe ein extrem schwieriges viertes Quartal bevor. Sein Kollege Mark Gulley von Soleil Securities pflichtete bei: "Wir erwarten weitere Gewinnwarnungen, da die weltweite Produktion dramatisch sinkt." Kein Unternehmen könne sich diesem Trend entziehen. Die Branche sei zudem auch noch international extrem miteinander verflochten.
- Von Bob Sechler, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 108, unternehmen.de@dowjones.com DJG/DJN/pal/jhe
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November 21, 2008 04:32 ET (09:32 GMT)
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