In der Reihe der Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft im Zuge der weltweiten Konjunkturflaute gibt es immerhin eine gute Nachricht für die Verbraucher: Die Ölpreis sind mit der Sorge vor einer geringeren Nachfrage massiv eingebrochen. Alle Verbraucher, die mit der Heizöl-Bestellung gewartet haben, dürfen sich über die Talfahrt der Preise für Rohöl freuen. Mittlerweile sprechen Experten zwar von einer durch Spekulanten verursachten starken Übertreibung bei den Ölpreisen. Dennoch: Ein Ende der aktuellen Talfahrt ist kurzfristig nicht in Sicht.
Seit die großen institutionellen Investoren wie Banken oder Fondsgesellschaften das Rohöl als ganz normale Anlageform entdeckten, gingen die Verbraucher durch ein Wechselbad der Gefühle. In der ersten Jahreshälfte lief die Weltwirtschaft noch auf Hochtouren. Immer mehr Investoren spekulierten auf steigende Kurse und trieben die Ölpreise im Sommer auf ein Rekordhoch knapp unter der Marke von 150 Dollar je Barrel. Dann brachte eine dramatische Zuspitzung der Finanzkrise und ein unerwartet schneller und starker Einbruch der Konjunktur in den führenden Industriestaaten die plötzliche Wende an den Ölmärkten.
STABILISIERUNG FRÜHESTENS ANFANG 2009
Seit Juli fallen die Ölpreise und es sieht fast so aus, dass sie gar nicht mehr aufhören wollen zu fallen. Mittlerweile haben sich die Preise für die wichtigsten Ölsorten unter der Marke von 50 Dollar festgesetzt. Der Preis für Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) lag zuletzt bei 49,62 US-Dollar. In London kostete ein Fass Rohöl der Nordsee-Sorte Brent 49,20 Dollar. Die Rohstoffexperten sahen sich zuletzt durch zahlreiche Alarm-Meldungen aus der Wirtschaft gezwungen, den Zeitpunkt für eine zu erwartende kräftige Erholung der Ölpreise immer weiter nach hinten zu schieben.
Der Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank geht mittlerweile davon aus, dass sich die Ölpreise erst im Lauf der ersten drei Monate des kommenden Jahres über der Marke von 50 Dollar stabilisieren werden. "Ab dem Frühjahr 2009 rechnen wir dann wieder mit anziehenden Notierungen", sagte Weinberg. Ähnlich wie im vergangenen Frühjahr herrsche an den Ölmärkten wieder eine "spekulative Übertreibung, die mit fundamentalen Faktoren alleine nicht mehr zu erklären ist". Nur diesmal verläuft die Marktübertreibung nicht nach oben, sondern nach unten.
SPEKULANTEN WETTEN AUF FALLENDE ÖLPREISE
Der Grund für den massiven Einbruch der Ölpreise sei "bei dem extremen Pessimismus der Finanzinvestoren zu suchen", so Weinberg. Auch die Rohstoffexpertin Dora Borbély von der DekaBank erkannte zuletzt einen "stark zunehmenden Pessimismus" bei den Spekulanten an den Ölmärkten. Seit drei Jahren habe es nicht mehr "eine so ausgeprägte Mehrheit" gegeben, die auf fallende Ölpreise wettet. Die Zahl der sogenannten Leerverkäufe, also der Verkauf von Rohöl ohne es eigentlich zu besitzen, habe zuletzt ein historisches Rekordhoch erreicht.
Bei der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) wird die Entwicklung der Ölpreise mit großer Sorge verfolgt. Seit einigen Tagen verdichten sich die Hinweise, dass die Mitgliedsstaaten erneut reagieren werden. Die Ölminister des Kartells werden noch im November zu einem zweiten Sondertreffen innerhalb von drei Monaten zusammenkommen. Für die Expertin Borbély scheint dann eine offizielle Drosselung der Förderquote um insgesamt zwei Millionen Barrel bis zum Jahresende "durchaus realistisch". Aber selbst ein sinkendes Angebot der OPEC wird nach Einschätzung der befragten Experten erst in den kommenden Monaten für eine Stabilisierung beim Ölpreis sorgen./jkr/jha/
--- Von Jürgen Krämer, dpa-AFX --- AXC0080 2008-11-21/11:50
