DJ UPDATE: ISM-Index für US-Industrie auf 26-Jahrestief
(NEU: Stimmen von Volkswirten)
WASHINGTON (Dow Jones)--Die Lage in der US-Industrie hat sich im November weiter verschlechtert. Wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag mitteilte, fiel der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf 36,2 Punkte und erreichte damit das tiefste Niveau seit Mai 1982. Nach Einschätzung von Ökonomen deutet dies auf eine tiefe Rezession in der größten Volkswirtschaft der Welt hin. Im Oktober war für den Indikator ein Stand von 38,9 gemeldet worden. Die Aktienmärkte in den USA und Europa reagierten mit starken Kursverlusten auf die ISM-Daten; der Dow-Jones-Index notierte am späten Nachmittag mehr als 4% im Minus.
Der ISM-Index für den Auftragseingang fiel den Angaben zufolge im November auf 27,9 (Vormonat: 32,2) und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Juni 1980. Der Subindex für die Produktion wurde mit 31,5 (34,1) angegeben. Die Komponente für die Beschäftigung sank auf 34,2 (34,6), für die Auslieferungen wurden 48,4 (49,2) gemeldet und der Index für die Lagerbestände wies einen Stand von 39,1 (44,3) auf. Der Index der Exportaufträge blieb stabil bei 41,0 Zählern. Für ISM-Preisindex wurde ein Wert von 25,5 (37,0) genannt, das niedrigste Niveau seit Mai 1949.
Ein Stand des ISM-Index von über 50 signalisiert eine Expansion des verarbeitenden Gewerbes in den USA, ein Niveau unterhalb dieser Marke weist auf eine Kontraktion hin. Das ISM betont allerdings regelmäßig, dass ein Indexstand von mehr als 41,1 Punkten über einen längeren Zeitraum hinweg immer noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts signalisiert.
Postbank-Volkswirtin Fabienne Riefer sagte, dass vor allem die produktionsnahen Komponenten nochmals deutlich nachgegeben hätten und sich weit im rezessiven Bereich bewegten. Die Beschäftigungskomponente habe zudem auf einen deutlichen Stellenabbau im verarbeitenden Gewerbe hingewiesen. "Alles in allem unterstreicht dieser Bericht einmal mehr, dass die Talfahrt der US-Wirtschaft anhält und ein Ende derzeit nicht absehbar ist", meinte die Volkswirtin.
Etwas alarmierter zeigte sich Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil: Der ISM-Index liege mittlerweile deutlich unter den Tiefs der beiden vergangenen Rezessionen in den Jahren 2001 bzw. 1990/1991, daher drohe "eine schwere Rezession wie Anfang der 1980er Jahre". Der Index sei von seinem Allzeittief, das im Mai 1980 mit 39,4 Punkten erreicht wurde, nicht mehr weit entfernt.
Daher rechnet Weil für Dezember mit einer Zinssenkung der US-Notenbank um 50 Basispunkte auf 0,50%. Da die Möglichkeiten der Fed zur Konjunkturstützung dann fast ausgeschöpft seien, dürfte sie "weiter auf unkonventionelle Maßnahmen setzen", erklärte der Commerzbank-Experte.
Auch die Ökonomen der NordLB betonten: "Alles spricht für eine weitere Leitzinssenkung der US-Notenbank". Ob dabei ein Tiefpunkt von 0,50% oder gar darunter erreicht werde, bleibe letztendlich eine "kosmetische" Frage, weil die konjunkturellen und psychologischen Auswirkungen dieser letzten Zinssenkungsschritte im Lockerungszyklus nur gering sein dürften. Die US-Notenbank hat seit dem Beginn der Finanzkrise im vergangenen Jahr ihren Leitzins um 425 Basispunkte auf zuletzt 1,00% gesenkt.
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December 01, 2008 11:29 ET (16:29 GMT)
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