(neu: Job-Abbau in Dresden und München, Sozialplan, "Welt"-Bericht)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der schwer angeschlagene
Speicherchip-Hersteller Qimonda
BEDINGUNGEN FÜR MÜNCHEN UND DRESDEN
Am späten Nachmittag einigte sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat auf einen Sozialplan und Interessenausgleich für den Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland. In Dresden will Qimonda 950 und in München 600 Arbeitsplätze streichen, sagte ein Sprecher auf Nachfrage und bestätigte damit im Grundsatz einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstag). Dem Bericht zufolge befinden sich unter den 950 Beschäftigten in Dresden 200 Leiharbeiter. Diese würden bereits nach und nach freigestellt, schreibt das Blatt. Der Sozialplan sei für die Beschäftigten schlechter als beim vorigen Jobabbau. So biete Qimonda den Beschäftigten nur noch eine Abfindung in Höhe von 0,85 Monatsgehältern pro Jahr Betriebszugehörigkeit. Beim letzten Sozialplan habe der Faktor noch bei 1,0 gelegen. Für den Standort München gälten dieselben Bedingungen. Auch hier habe man mit den Arbeitnehmervertretern bereits einen Interessenausgleich geschlossen, hieß es im "Welt"-Bericht. Zu den Details des Sozialplans wollte der Qimonda-Sprecher nicht Stellung beziehen.
Die Qimonda-Aktie legte im Tagesverlauf um 5,26 Prozent auf 0,20 Dollar zu. Infineon-Papiere brachen um 8,38 Prozent auf 1,695 Euro ein.
Qimonda schreibt seit mehreren Quartalen tiefrote Zahlen, sind doch die Preise für Speicherchips wegen eines Überangebots im Keller. Infineon will sich angesichts der dramatischen Lage schon lange von der Tochter trennen, hat bisher aber keinen Käufer gefunden. Infineon-Chef Peter Bauer hatte Ende Oktober von zwei bis vier Interessenten gesprochen und zuletzt berichtet, es gebe "gute Chancen, die Verhandlungen abzuschließen". Eine Finanzspritze schloss Bauer angesichts eigener Probleme vehement aus. Infineon hält noch 77,5 Prozent an Qimonda, will diesen Anteil bis zum Frühjahr aber notfalls durch Verschenken an die Aktionäre auf unter 50 Prozent senken.
MEHR VERLUST BEI QIMONDA
Auch im Ende September abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal hat Qimonda wieder hohe Verluste angehäuft und zwar über die 401 Millionen Euro des Vorquartals hinaus, wie das Unternehmen wissen ließ. Grund für die Verschlechterung war demnach aber nicht das operative Geschäft, sondern der Buchverlust aus dem Verkauf des Drittelanteils am Wettbewerber Inotera, Kosten für den laufenden Stellenabbau sowie die Teilschließung des US-Werks in Richemond. Der Umsatz stieg dagegen nach vorläufigen Zahlen wegen der Umstellung auf eine neue Speicherchip-Technologie um fast ein Viertel auf 476 Millionen Euro.
Die endgültige Bilanz will Qimonda angesichts der laufenden Gespräche über eine Partnerschaft erst Mitte Dezember präsentieren. Infineon hält dagegen nach Angaben eines Sprechers an der eigenen Zahlenvorlage am Mittwoch fest. Welche Daten dann genau preisgegeben werden, konnte er aber nicht sagen. Neben dem Verlust der Tochter dürfte eine abermalige Abwertung der Qimonda-Aktien Infineon kräftig belasten. In den Büchern steht das einzelne Papier nach letzten Stand noch bei 2,80 Dollar, der Börsenkurs liegt bei gerade noch bei 0,19 Dollar.
SACHSEN WILL QIMONDA HELFEN
Qimonda versucht, sich mit dem Abbau von 3.000 seiner 13.000 Arbeitsplätze finanziell Luft zu verschaffen. Zudem konzentriert sich Unternehmen auf die margenträchtigeren Speicherchips für Grafikanwendungen. "Unser Plan zur Neupositionierung kommt gut voran und wir haben eine grundsätzliche Einigung mit den Arbeitnehmervertretern hier in Deutschland erzielt", sagte Unternehmenschef Kin Wah Loh.
Parallel mühen sich Qimonda und Infineon beim Staat um Hilfe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa geht es um eine Bürgschaft von 500 Millionen Euro. Das Land Sachsen - in Dresden liegt das Vorzeigewerk - hat bereits seinen Beistand angekündigt, ohne allerdings konkret zu werden./das/stw/gr
ISIN DE0006231004 US7469041013
AXC0202 2008-12-01/18:45
