New York (BoerseGo.de) – Nach den starken Kursanstiegen an den US-Börsen in der letzten Handelswoche kehrt an Wall Street Ernüchterung ein. Schlechte Konjunkturdaten, negative Kommentare zum Finanzsektor und die Ankündigung, dass die US-Wirtschaft offiziell in einer Rezession ist, schicken die US-Indizes auf Talfahrt.
Laut dem US-Forschernetzwerk National Bureau of Economic Research (NBER) hat die US-Wirtschaft ihren Höhepunkt im Dezember 2007 erreicht. Von da ab ist den Experten zufolge die US-Wirtschaft in die Rezession abgerutscht. Die Aufschwungphase, die im November 2001 begann, dauerte somit 73 Monate. Das US-Forschernetzwerk National Bureau of Economic Research (NBER), das ein Expertengremium zur Analyse der US-Konjunktur hat, berücksichtigt bei seiner Rezessionsdefinition nicht nur die nackten Daten zum Bruttoinlandsprodukt, sondern auch Faktoren wie Beschäftigung, Industrieproduktion, Realeinkommen oder Handelsumsätze. Wirtschaftsexperten sprechen gewöhnlich von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung, sprich das Bruttoinlandsprodukt (BIP), zwei Quartale in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorquartal sinkt.
Der vom Institute for Supply Management (ISM) für den Monat November ermittelte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fällt mit 36,2 Punkten auf das niedrigste Niveau seit 27 Jahren und notiert damit gleichzeitig weiter deutlich unter der magischen Marke von 50 Punkten. Ein Indexstand von über 50 Punkten weist auf Wachstum im verarbeitenden Gewerbe hin, während ein Wert von unter 50 eine Schrumpfung indiziert. Der Teilindex für Neuaufträge fällt mit 27,9 Punkten auf das niedrigste Niveau seit 1980, der Preis-Index sinkt auf 25,5 Zähler.
Die US-Bauausgaben sinken im Monat Oktober gegenüber dem Vormonat um 1,3 Prozent, was einen höheren Rückgang als der von den Ökonomen prognostizierten Abschwächung von 1,0 Prozent entspricht. Der Bericht über die US-Bauausgaben berücksichtigt sowohl den Wohnbausektor als auch die Bauaktivitäten für Gebäude, die nicht für Wohnzwecke bestimmt sind. Die Ausgaben für private Wohnbauten verringern sich gegenüber dem Vormonat um 2,0 Prozent, währende die Ausgaben für gewerbliche Gebäude um 0,7 Prozent anstiegen.
Im Rahmen eines Interviews mit dem US-Börsensender CNBC berichtet die viel beachtete Analystin Meredith Whitney vom Investmenthaus Oppenheimer, dass ihrer Einschätzung nach Kreditkartenfirmen in den kommenden achtzehn Monaten ihre Verfügungsrahmen um 2 Billionen Dollar oder 45 Prozent senken werden, was das Verbraucherverhalten der US-Konsumenten zusätzlich einschränken wird und für neuen Gegenwind für US-Finanzinstitute sorgen wird. Laut der Finanzexpertin sei diese Entwicklung in den Kursen aktuell noch nicht eingepreist und die aktuellen Prognosen der Analysten für US-Banken seien immer noch 30 bis 50 Prozent zu hoch angesetzt. Meredith Whitney teilt weiter mit, dass ganz oben auf ihrer Verkaufsliste die Aktie von Wells Fargo stünde, für die Aktien von J.P. Morgan Chase und Citigroup rechnet sie ebenfalls mit weiterem Abwärtspotential. Die Aktie von Wells Fargo verliert 18,97 Prozent auf 23,41 Dollar, J.P. Morgan Chase verbilligt sich um 17,50 Prozent auf 26,12 Dollar und das Papier der Citigroup gibt um 22,20 Prozent auf 6,45 Dollar nach. Zusätzlich äußern sich die Investmenthäuser Credit Suisse First Boston und Ladenburg Thalmann negativ zu US-Bankaktien und revidieren ihre Prognosen deutlich nach unten, was im Finanz-Sektor zu einem Tagesverlust von 17 Prozent führt.
US-Notenbankchef Ben Bernanke teilt im Rahmen einer Rede in Austin (Texas) zum Thema „ Die Politik der Federal Reserve und die Finanzkrise“ mit, dass die US-Wirtschaft aktuell unter deutlichem Stress stehe, die wirtschaftlichen Aktivitäten haben sich in jüngster Zeit weiter abgeschwächt. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich im November weiter verschlechtert, die Krise am Immobilienmarkt hält unverändert an, nachdem die Häuserpreise weiter fallen und die Zahl der neuen Eigenheime weiter abnimmt. Zusätzlich ist infolge der Konjunktureintrübung das Verbraucherverhalten der US-Konsumenten wie auch von Unternehmen weiter rückläufig. Bernanke geht davon aus, dass die Spannungen an den Finanz- und Kreditmärkten noch für eine Zeit lang anhalten werden. US-Notenbankchef Bernanke stellt für das kommende Jahr ein Hilspaket für den US-Häusermarkt in Höhe von 500 Milliarden Dollar in Aussicht. Obwohl der Spielraum für weitere Zinssenkungen bei dem aktuellen Leitzinsniveau von 1,00 Prozent schwindet, verfügt die Notenbank laut Bernanke über genügend alternative Finanzinstrumente zur Stabilisierung des Finanzsystems an.
Zum Start der Weihnachtsgeschäftssaison in den USA wurden trotz der aktuellen Konjunkturkrise die Läden der Einzelhändler teilweise gestürmt. Der sogenannte “Black Friday” ist über den Erwartungen verlaufen, der Umsatz lag am vergangenen Freitag drei Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zu den begehrtesten Produkten im Bereich der Unterhaltungselektronik zählten die Spielekonsole Wii sowie das iPhone und der iPod Touch. Händler bezweifeln jedoch, ob der positive Auftakt des Weihnachtsgeschäfts, der hauptsächlich durch starke Discountpreise angekurbelt wurde, nachhaltig ist.
Frischer Wind kommt erneut in die Übernahmebemühungen Microsofts für das Suchmaschinengeschäft von Yahoo. Laut der britischen Zeitung "Sunday Times" will der Softwareriese für das Suchmaschinengeschäft des Internetkonzerns zwanzig Milliarden Dollar hinblättern. Die Aktie von Yahoo verliert 6,69 Prozent auf 10,74 Dollar, das Papier von Microsoft gibt um 7,96 Prozent auf 18,61 Dollar nach.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 4,23 Dollar auf einen Schlusstand von 50,20 Dollar. Händler führen den Preisabschlag für das schwarze Gold auf weltweit schwache Konjunkturdaten und auf die Tatsache zurück, dass sich das Ölkartell OPEC im Rahmen eines am Wochenende in Kairo stattgefundenen Treffens für keine weitere Drosselung der Förderquoten ausgesprochen hat. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 42,20 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 776,80 Dollar. Händler führen den höchsten Kursrückgang des Edelmetalls in acht Monaten auf die aktuelle Dollarstärke und den weiter sinkenden Ölpreis zurück.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 7,70 Prozent auf 8149 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 8,93 Prozent auf 816 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt um 8,95 Prozent auf 2353 Punkte nach. Sieger im Dow und bei den Techs sucht man heute vergebens. An der New York Stock Exchange wechselten 1,63 Milliarden Aktien den Besitzer. 356 Werte legten zu, 2809 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 1,95 Milliarden Aktien 416 Gewinner und 2353 Verlierer.
Weltweite Chipumsätze verzeichnen Rückgänge
Laut dem Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA) sind die weltweiten Chipumsätze im Oktober gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 4,2 Prozent auf 23,03 Milliarden Dollar gesunken. Im Vergleich zum Vormonat ergibt sich ein Minus von 2,1 Prozent. Gemäß SIA-President George Scalise ist wegen der Finanzkrise mit einer Beeinträchtigung der Nachfrage bis ins nächste Jahr zu rechnen. Er stellt für 2009 zu PC-Auslieferungen einen Rückgang von 5 Prozent in Aussicht. Bei Mobiltelefonen ist mit einem Rückgang von 9 Prozent zu rechnen. Computer und Mobiltelefone steuern rund 60 Prozent zur gesamten Halbleiter-Nachfrage bei.
General Motors - Insolvenz soll mit Umwandlungsmöglichkeit für Gläubiger verhindert werden
Bei General Motors versuchen die führenden Köpfe laut einem Bericht im Wall Street Journal eine Gläubigerschutzanmeldung abzuwenden. Im Rahmen der Bemühungen werde an einem Plan gearbeitet, wonach dessen Gläubiger die Möglichkeit der Umwandlung von Verbindlichkeiten in Anteile an dem Automobilriesen erhalten sollen. Bis kommenden Dienstag muss CEO Rick Wagoner dem Kongress einen Rettungsplan für seinen Konzern vorlegen. General Motors argumentiere dahingehend, dass ein kurzfristiger staatlicher Hilfskredit und eine Übereinkunft mit den Kreditgebern und den Gewerkschaften mit einer Überlebensfähigkeit für den Konzern verbunden ist. General Motors sitze auf einen Schuldenberg von 43,3 Milliarden Dollar und müsse dafür jedes Jahr 2,9 Milliarden Dollar an Zinsen zahlen, heißt es weiter in dem Bericht. Die Aktie verliert 12,40 Prozent auf 4,59 Dollar.
Broadcom mit Kauf-Empfehlung
Das Investmenthaus Lazard Capital erhöht sein Rating für die Aktie des Spezialisten für Mobilfunk-Chips, Broadcom Corporation, von Hold auf Buy mit Kursziel 20 Dollar. Die Analysten gehen davon aus, dass unter Berücksichtigung des aktuellen Kursniveaus die Chancen die Risiken deutlich überwiegen. Nach Einschätzung der Finanzexperten ist eine mögliche Reduzierung der Gewinnprognose in der Höhe von etwas fünf Prozent für das erste Quartal des kommenden Jahres bereits in dem aktuellen Kurs eingepreist. Die Kollegen von Friedman Billings haben gerade ihr Outperform Rating für die Aktie mit Kursziel 22 Dollar bestätigt. Die Aktie verliert 7,77 Prozent auf 14,12 Dollar.
Credit Suisse: Wachstumsprognose für Handy-Markt gesenkt
Das Investmenthaus Credit Suisse First Boston reduziert für das Jahr 2008 seine Wachstumsprognose für den weltweiten Handy-Markt von 10 Prozent auf 8 Prozent. Für das kommende Jahr 2009 korrigieren die Finanzexperten ihre Prognose für den Handy-Markt von einem Zuwachs von 6 Prozent auf nunmehr einen Wachstumsrückgang von 6 Prozent nach unten. Die Experten gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Neukunden in den Schwellenländern infolge der Konjunkturabkühlung abschwächen wird und weltweit viele Handybenutzer die Umstellung auf neue Geräte zurückstellen werden. Credit Suisse First Boston reduziert seine Gewinnprognose für Research In Motion für das Geschäftsjahr 2009 um 5 Prozent auf 3,45 Dollar pro Aktie und für 2010 um 16 Prozent auf 3,86 Dollar pro Aktie. Das Kursziel wird von 80 Dollar auf 47 Dollar gesenkt. Qualcomm bleibt der Top Pick der Analysten aus diesem Segment, jedoch wird auch hier die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2009 um 2 Prozent auf 2,08 Dollar und für 2010 um 3 Prozent auf 2,54 Dollar pro Aktie nach unten revidiert. Für Motorola wird das Kursziel von 6,50 Dollar auf 5,00 Dollar reduziert. Research In Motion verliert 6,29 Prozent auf 39,80 Dollar, Qualcomm verbilligt sich um 10,75 Prozent auf 29,96 Dollar und die Aktie von Motorola gibt 4,64 Prozent auf 4,11 Dollar nach.
eBay: Prognosen für 2009 korrigiert
Das Investmenthaus Stifel Nicolaus reduziert seine Gewinnprognose für die Aktie des Online-Auktionshauses eBay für das Geschäftsjahr 2009 von 1,78 Dollar auf 1,69 Dollar pro Aktie und seine Umsatzschätzung von 9,0 Milliarden auf 8,8 Milliarden Dollar. Die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten gehen für das Geschäftsjahr 2009 von einem Gewinn von 1,67 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 8,8 Milliarden Dollar aus. Die Finanzexperten, die ihr Kursziel für eBay von 20 Dollar auf 17 Dollar kürzen, gehen infolge der Zurückhaltung der US-Konsumenten von niedrigeren Einnahmen für das Online-Auktionshaus aus. Die Aktie verliert 6,85 Prozent auf 12,23 Dollar.
