DJ US-Autokonzerne werben vor Kongress erneut um Rettungshilfen
NEW YORK (Dow Jones)--Die um ihr Überleben kämpfenden US-Automobilhersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler werden dem US-Kongress am Dienstag in einem zweiten Anlauf detailliertere Pläne zur Verwendung der von ihnen beanspruchten Staatshilfen vorstellen. Beim ersten Anlauf Ende November hatten die Spitzenmanager den Kongress noch nicht überzeugen können.
Unter anderem dringen die Abgeordneten darauf, dass die Detoiter Konzerne ihre Überlebensfähigkeit nachweisen, bevor sie neuerliche 25 Mrd USD Kredite freigeben. Bis zum 2. Dezember hatten sie GM, Ford und Chrysler eine Frist für konkrete Sanierungspläne gesetzt. GM allein fordert 12 Mrd USD Steuergeld, um den sich abzeichnenden Konkurs abzuwenden.
Bedingung für etwaige Hilfen sind ein strikter Sparkurs und das Versprechen, dass keine US-Steuergelder ins Ausland fließen. Erwartet wird ferner, dass die Konzerne Pläne zum Rückbau ihrer Aktivitäten und für verbrauchsgünstige Fahrzeuge vorlegen werden.
Dabei setzen sie auf die Demokraten, die im November ein zweites Rettungspaket über 25 Mrd USD für die schwer angeschlagene Branche beantragten. Dagegen sperrt sich allerdings der noch bis zum Januar amtierende Präsident George W. Bush gegen weitere Hilfen.
Die Republikaner verweisen auf ein erstes Kreditpaket für die Autobranche über 25 Mrd USD, mit dem die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge gefördert werden sollte. Um aktuell weitere Hilfen im Kongress durchzusetzen, bräuchten die Demokraten die Unterstützung von mindestens zehn Republikanern.
Erst im Januar verfügen die Demokraten die bei den Wahlen Anfang November errungene Mehrheit. Doch die Zeit drängt: So warnen die Hersteller, nach der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Brack Obama könnte es bereits zu spät sein. Ohne weitere Finanzhilfen könnte GM schon bald gezwungen sein, Gläubigerschutz zu beantragen. Das würde die ohnehin kriselnde US-Wirtschaft in weitere Turbulenzen stürzen.
Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Dienstag will Ford vor den Parlamentarieren die Umweltkarte ziehen. CEO Alan Mulally werde dem Kongress erläutern, dass Ford die Entwicklung von Fahrzeugen mit hybriden und elektrischen Antrieben deutlich voran bringe. Schon am Montag in einem Interview hatte Mulally gesagt, Ford wolle bis 2011 einige neue Hybrid- und Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen, darunter einen batteriebetriebenen Transporter für gewerbliche Zwecke und ein Kompaktfahrzeug.
Ab 2012 soll ein Ford-Elektroauto folgen, das an haushaltsüblichen Steckdosen aufgeladen werden kann. Chairman William Ford Jr. verspricht laut Zeitung sogar, Ford zu einem globalen grünen High-Tech-Konzern umzubauen. Sollte Ford Staatshilfen bekommen, wäre Mulally bereit, für einen symbolischen Dollar Gehalt im Jahr zu arbeiten, schreibt das WSJ. 2007 verdiente der Manager dem Bericht zufolge 21,67 Mio USD. Bei der ersten Kongressanhörung hatte er sein bisheriges Gehalt noch als angemessen verteidigt.
GM will sich nach WSJ-Informationen auf den Schuldenabbau konzentrieren und mindestens eine ihrer acht Marken verkaufen. Am Wahrscheinlichsten sei der Verkauf der schwedischen Marke Saab. Mit ihrem chinesischen Partner Shanghai Automotive Industry Corp (SAIC) soll GM außerdem über einen Teilverkauf von Buick gesprochen haben.
In der vergangenen Woche hieß es bereits in der Presse, GM prüfe den Verkauf der Marken Saturn, Saab und Pontiac. Für den spritschluckenden Geländewagen Hummer sucht der Konzern bereits seit Juni nach einem Käufer. Zu GM gehören in den USA außerdem noch die Marken Buick, Cadillac, Chevrolet und GMC.
Auch GM-CEO Rick Wagoner sei zu einem Gehaltsverzicht bereit. Sollte Wagoner vor dem Kongress keinen Erfolg haben, sei sein Posten bei GM in Gefahr, zitiert das Blatt informierte Kreise.
Chrysler werde versuchen, den Kongress von seinem Kapitalbedarf zu überzeugen,schreibt das "Wall Street Journal". Unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt das Blatt außerdem, Chrysler wolle eine Allianz mit einem oder mehreren ausländischen Automobilherstellern eingehen.
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December 02, 2008 05:25 ET (10:25 GMT)
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