New York (BoerseGo.de) – Der Dow Jones-Index konnte am heutigen Handelstag etwa vierzig Prozent des gestrigen massiven Ausverkaufs von 8,9 Prozent wiedergutmachen, nachdem der Ausblick des US-Mischkonzerns General Electric und die Rettungsvorschläge der US-Autobauer für etwas Erleichterung bei den Anlegern gesorgt haben.
Der Mischkonzernriese General Electric hat seine Prognose zum vierten Quartal konkretisiert und rechnet nun mit einem Gewinn von 0,50 bis 0,52 Dollar pro Aktie, was dem unteren Ende der ursprünglich in Aussicht gestellten Gewinnspanne von 0,50 bis 0,56 Dollar pro Aktie entspricht. Die Unternehmungsführung hält weiter an dem Plan fest, im Jahr 2009 eine Dividende von 1,24 Dollar je Aktie zu zahlen. Investoren, von denen viele ein schlechteres Quartalsergebnis befürchtet haben, reagieren erleichtert und bescheren der Aktie ein Plus von 13,61 Prozent auf 17,61 Dollar.
Ansonsten standen die US-Autobauer im Mittelpunkt der heutigen Handelssitzung. Die US-Absätze im November fielen teilweise sogar noch deutlich schlechter aus als von den Analysten erwartet. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum berichtet General Motors einen Absatzeinbruch von 41 Prozent, Ford Motors hat 31 Prozent weniger Autos verkauft und Toyota beklagt einen Umsatzrückgang von 34 Prozent.
Nachdem den US-Autobauern bei ihrer ersten Anhörung vor dem Kongress infolge eines nicht vorhandenen überzeugenden Plans staatliche Hilfe versagt worden war, bestand heute für die Unternehmen die letzte Chance, den Kongress mit einer erfolgsversprechenden Zukunftsstrategie von der Notwendigkeit einer erneuten staatlichen Finanzhilfe zu überzeugen. Ford Motors plant die Rückkehr zur Profitabilität im Jahre 2011 in der Hoffnung, sich auf einen Überbrückungskredit in Höhe von 9 Milliarden stützen zu können. Der Automobilhersteller erklärte seine Erwartung, die notwendige Restrukturierung durchführen zu können, ohne auf die Gelder zurückgreifen zu müssen. Das Unternehmen sieht sich im Jahr 2009 in keinen Liquiditätsengpässen, jedoch würde eine weitere Verschlechterung der US-Wirtschaft oder das Kollabieren eines heimischen Konkurrenten die Lage verschärfen und damit eine Hilfe notwendig machen. Das Unternehmen plant 14 Milliarden Dollar in die Entwicklung von kleineren, umweltfreundlicheren und benzinsparenden Autos zu investieren. Für das Jahr 2010 plant das Unternehmen den Verkaufsstart von batteriebetriebenen Nutzfahrzeugen. Die Aktie steigt 5,88 Prozent auf 2,70 Dollar.
General Motors hat dem Kongress einen Plan unterbreitet, mit Hilfe eines staatlichen Überbrückungskredits in Höhe von 18 Milliarden Dollar ein Unternehmen auf den Weg zu bringen, dass langfristig profitabel und eigenständig agiert. Der US-Autobauer benötige eine Kapitalspritze in Höhe von 12 Milliarden Dollar, um bis zum 31.12.2009 ausreichend Liquidität zu garantieren. General Motors erwartet die erste Inanspruchnahme von vier Milliarden Dollar im Dezember 2008. Zusätzlich bemüht sich das Unternehmen um eine Kreditlinie in Höhe von sechs Milliarden Dollar für den Fall, dass ein ernsthafter Marktabschwung anhält, wobei das Unternehmen die Rückzahlung der Gelder bis 2011 beabsichtigt. Der Plan des angeschlagenen US-Autoherstellers beinhaltet die vermehrte Produktion von spritsparenden Fahrzeugen und energieeffizienten Technologien. Weiter sieht der Plan Gehaltskürzungen, eine Änderung der Kapitalstruktur und der Herstellungsverfahren vor. Die Unternehmungsführung bekräftigt, dass die Gesellschaft in der Lage sei, den dem Kongress unterbreiteten Plan zum Erfolg zu führen. Die Aktie gewinnt 5,66 Prozent auf 4,85 Dollar.
Obwohl der Finanz-Sektor heute mit einem Plus von 7,9 Prozent deutlich zulegen konnte, beendete die Aktie der einstigen Investmentbank Goldman Sachs den Handel mit einem Minus von 1,16 Prozent auf 65,00 Dollar. Schuld daran ist ein Bericht im Wall Street Journal, wonach dem US-Finanzinstitut im vierten Quartal ein Verlust bis zu 5,00 Dollar pro Aktie blühen könnte. Würde die US-Bank tatsächlich in die roten Zahlen rutschen, wäre das der erste Verlust seit dem Börsengang vor knapp zehn Jahren. Die Mehrzahl der Analysten rechnet aktuell für das vierte Quartal mit einem Verlust von 0,62 Dollar pro Aktie.
Neue Übernahmespekulationen beflügelten die Aktie von Yahoo. Gemäß einem Bericht im Wall Street Journal ist der ehemalige Firmenchef von AOL, Jonathan Miller, auf der Suche nach Investoren, um einen Teil oder sogar den ganzen Internetkonzern Yahoo zu übernehmen. Jonathan Miller visiert einen Übernahmepreis von 28 bis 30 Milliarden Dollar an, was einem Aktienkurs von 20 bis 22 Dollar entspricht. Die Aktie von Yahoo legt um 7,08 Prozent auf 11,50 Dollar zu.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 2,43 Dollar auf einen Schlusstand von 46,85 Dollar. Händler führen den Kursrückgang des schwarzen Goldes auf das niedrigste Kursniveau in mehr als drei Jahren auf Befürchtungen zurück, dass sich der weltweit größte Energieverbraucher USA in der größten Konjunkturkrise seit dem Zweiten Weltkrieg befindet und damit die Nachfrage nach Öl deutlich schwindet. Der Preis für die Feinunze Gold steigt um 7,20 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 784,00 Dollar. Der Preis für das Edelmetall verzeichnet nach dem gestrigen, höchsten Tagesverlust in acht Monaten eine leichte Kurserholung, nachdem der US-Dollar heute wieder schwächer notierte.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Plus von 3,31 Prozent auf 8419 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewinnt 3,99 Prozent auf 848 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legt um 3,70 Prozent auf 1449 Punkte zu. Sieger im Dow ist die Aktie der General Electric mit einem Plus von 13,61 Prozent auf 17,61 Dollar. Bei den Techs überzeugt Citrix Systems mit einem Plus von 9,03 Prozent auf 25,34 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,61 Milliarden Aktien den Besitzer. 2398 Werte legten zu, 749 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 2,11 Milliarden Aktien 1972 Gewinner und 776 Verlierer.
Delta Airlines profitiert von niedrigen Kerosinpreisen
Die Fluggesellschaft Delta Air Lines kündigt für 2009 infolge der weltweiten Eintrübung des konjunkturellen Umfeldes die Kürzung seiner Kapazitäten um 6 bis 8 Prozent an. Zusätzlich teilt Firmenchef Ed Bastian mit, dass sein Unternehmen im Jahr 2009 bei einem Ölpreis von etwa 50 Dollar je Barrel bis zu fünf Milliarden Dollar einsparen würde. Laut Bastian hat die starke Korrektur der Kerosinpreise die sinkenden Passagierzahlen mehr als kompensiert. Die Passagierzahlen müssten um mehr als 20 Prozent zurückgehen, damit der positive Effekt der niedrigeren Kerosinpreise im Bereich von 50 Dollar je Barrel aufgezehrt würde. Die Aktie gewinnt 6,41 Prozent auf 8,47 Dollar.
Analysten zu Palm
Das Investmenthaus Global Crown Capital bestätigt nach der Umsatzwarnung des Smartphone-Herstellers Palm sein Underweight Rating und senkt sein Kursziel von 1,50 Dollar auf 1,00 Dollar. Der Hersteller von Smartphones und Taschencomputern hat seine Umsatzprognose für das zweite Quartal aufgrund einer deutlich abgeschwächten Nachfrage nach seinen Produkten von 349,6 Millionen auf 190 bis 195 Millionen Dollar nach unten revidiert. Zusätzlich kündigt CEO Ed Colligan eine Reduzierung seiner Belegschaft an. Die Kollegen von Merrill Lynch senken ihre Einschätzung aktuell von Buy auf Neutral. Die Aktie gewinnt 7,45 Prozent auf 2,02 Dollar.
J.P. Morgan Chase plant massive Entlassungen
Die US-Bank J.P. Morgan Chase beabsichtigt die Entlassung von 9200 Mitarbeitern bei der übernommen Sparkasse Washington Mutual. Damit würde jeder fünfte Angestellte bei Washington Mutual seinen Arbeitsplatz verlieren. J.P. Morgan Chase hat die Sparkasse, die unter der Last von problembehafteten Finanzderivaten in Höhe von fast 180 Milliarden Dollar zusammenbrach, im Herbst für etwa 1,9 Milliarden Dollar übernommen. Das Investmenthaus Credit Suisse First Boston stuft die Aktie aktuell mit Outperform Rating und Kursziel 47,50 Dollar ein. Die Aktie gewinnt 9,23 Prozent auf 28,53 Dollar.
Fed-Plosser erwartet 2009 Erholung der US-Konjunktur
Der Notenbank-Präsident von Philadelphia, Charles Plosser, geht davon aus, dass sich die US-Wirtschaft im kommenden Jahr 2009 von der Rezession erholen wird und in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder auf Wachstumskurs zurückkehren wird. Der Finanzexperte prognostiziert jedoch ein insgesamt schwaches Wirtschaftswachstum mit Zuwachsraten für das vierte Quartal in 2009 mit weniger als zwei Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Plosser erwartet, dass die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr bei etwas 7 Prozent ihren Höhepunkt erreichen wird und der US-Häusermarkt endgültig in 2009 seinen Boden finden wird. Der Notenbanker, der in der Vergangenheit zu einem der größten Inflationswarner zählte, sieht kurzfristig keine Gefahr von steigenden Preisen und die momentane Deflationsbefürchtung für überzogen.
Morgan Stanley vorsichtig für US-Kreditkartenanbieter
Das Investmenthaus Morgan Stanley stuft die Aktie des Kreditkartenanbieters Visa mit Equal-Weight Rating und Kursziel 85 Dollar ein. Die Analysten gehen davon aus, dass die hohen Plastikgeldschulden der US-Konsumenten dazu führen, dass viele US-Finanzinstitute auf den Schulden ihren Kreditkartenkunden sitzen bleiben. In erster Linie sind hier an die Kreditkarten angeschlossene Banken betroffen. Visa verleiht nicht selbst Geld, sondern ist nur Vermittler. Allerdings erwarten den Kreditkartenanbieter laut den Analysten Gewinneinbußen, falls US-Banken – wie von vielen Analysten prognostiziert – ihre Verfügungsrahmen für Kreditkunden deutlich senken würden. Die Aktie gewinnt 3,39 Prozent auf 49,68 Dollar.
