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UPDATE: US-Autohersteller bitten in Washington erneut um Hilfe

DJ UPDATE: US-Autohersteller bitten in Washington erneut um Hilfe

(NEU: Einzelheiten) 
 
   Von Christine Benders-Rüger 
   DOW JONES NEWSWIRES 
 

WASHINGTON (Dow Jones)--Die um ihr Überleben kämpfenden US-Automobilhersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler haben in einem zweiten Anlauf beim US-Kongress staatliche Hilfen von diesmal 34 Mrd USD beantragt. Dies ist deutlich mehr als die noch im November vom Kongress erbetenen 25 Mrd USD. GM und Chrysler erklärten am Dienstagabend in ihren Präsentationen, ihnen drohe ohne staatliche Hilfe bis zum Jahresende der finanzielle Kollaps.

Die drei Unternehmen vom Kongress eine Frist bis Dienstag bekommen, detaillierte und überzeugende Pläne zur Verwendung der von ihnen beanspruchten Staatshilfen vorzustellen. Auf dieser Grundlage wollen die Parlamentarier dann über die Finanzspritzen entscheiden. Bedingungen für mögliche Hilfen sind ein strikter Sparkurs und das Versprechen, dass keine US-Steuergelder ins Ausland fließen.

Bei GM, der Muttergesellschaft von Opel, hat sich die Lage mittlerweile drastisch zugespitzt. GM beantragte jetzt Finanzhilfen von 18 Mrd USD, das sind 6 Mrd USD mehr als noch bei der ersten Kongressanhörung vor zwei Wochen. Dabei handelt es sich um Kredite über 12 Mrd USD und Kreditlinien über 6 Mrd USD. Die ersten mindestens 4 Mrd USD benötigt der Konzern schon bis Ende des Monats, sonst drohe das Aus, sagte Fritz Henderson, Chief Operating Officer von GM, während einer Telefonkonferenz.

"Es gibt keinen Plan B. Ohne die Unterstützung kann das Unternehmen das operative Geschäft nicht mehr finanzieren", so Fritz Henderson weiter. Er fügte hinzu, GM sehe eine Insolvenz nicht als eine Option an. Man konzentriere sich nun "voll und ganz" auf die Regierungshilfe. Der Plan von GM sieht vor, bis zum Jahr 2012 zusätzlich 31.500 Arbeitsplätze in den USA zu streichen. Zudem soll eine Reihe von GM-Marken auf den Prüfstand gestellt werden.

Erwogen werde ein Verkauf der Marken Saab und Saturn, hieß es von GM. In den USA will sich der Konzern aus Detroit künftig auf die 4 zentralen Marken Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC konzentrieren.

Ford erbat am Dienstag vom US-Kongress 9 Mrd USD. Die Mittel brauche das Unternehmen nicht sofort, sie sollten aber in einer schwierigen Phase bei einer tiefer als erwarteten Rezession als Sicherheit dienen. Es besteht laut Ford die Hoffnung, dass die Mittel nicht in Anspruch genommen werden müssen. Ford will seine Produktpalette komplett überarbeiten und dafür in den kommenden 7 Jahren an die 14 Mrd USD investieren.

Ab 2010 will Ford neu entwickelte Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen und bis 2011 wieder in die Gewinnzone gelangen. Zudem erklärte Ford, das Unternehmen verhandele mit der Automobilgewerkschaft über Einsparungen bei den Personalkosten.

Ford-CEO Alan Mulally deutete während einer Telefonkonferenz an, die Gewerkschaft werde wohl zu Zugeständnissen bereit sein. Die Kostenkluft zwischen Ford und den ausländischen Wettbewerbern müsse geschlossen werden. Daneben beantragt Ford ein Darlehen von 5 Mrd USD im Rahmen des Kreditprogramms des Department of Energy zur Entwicklung von benzineffizienten Fahrzeugen.

Alan Mullaly, der im vergangenen Jahr 28 Mio USD verdiente, erklärte sich bereit, ein Jahresgehalt von 1 USD zu akzeptieren, sollte sein Konzern die geforderten Darlehen bekommen. Auch GM-CEO Rick Wagoner gab ein entsprechendes Versprechen ab. Chrysler-CEO Robert Nardelli hatte dies bereits im November bei der ersten Kongress-Anhörung zugesagt.

Chrysler, die von der Private-Equity-Gesellschaft Cerberus Capital Management kontrolliert wird, ersuchte den Kongress um einen Überbrückungskredit von 7 Mrd USD. Ohne die Hilfe, könne das Unternehmen die Kosten im ersten Quartal nicht mehr decken, hieß es in der Präsentation von Chrysler. Die Barreserven dürften in dem Zeitraum auf 2,5 Mrd USD schmelzen, dem stehen dann Kosten für Personal und Automobilteile von 11,6 Mrd USD gegenüber. Auch Chrysler dringt darauf, dass die Finanzspritze bis zum Jahresende zur Verfügung stehen muss.

"Chrysler ist der Ansicht, die Regierungshilfe wird unsere Zulieferer, Kunden und Angestellten beruhigen, dass es der Konzern durch die außerordentlich schwere Zeit schafft, sagte Chrysler-CEO Bob Nardelli am Telefon. Zudem bittet Chrysler um 6 Mrd USD aus dem Kreditprogramm des Department of Energy.

Chrysler sucht weiter nach Kooperationen, Allianzen oder will sich zur Übernahme anbieten. Zuletzt soll Chrysler mit GM Verhandlungen über einen Zusammenschluss geführt haben. Zudem kündigte Chrysler nun an, bis 2010 ein mit Elektromotor betriebenes Fahrzeug auf den Markt zu bringen.

Die US-Regierung bekräftigte unterdessen ihre Position, die Unternehmen müssten für die Staatshilfe überzeugende Pläne präsentieren. "Wir wollen eine klare Zukunftsverpflichtung mit neuen Geschäftsplänen sehen", sagte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. In den USA wird befürchtet, dass die Konzerne ohne einen neuen Restrukturierungsplan die Staatshilfen innerhalb weniger Monate aufbrauchen, ohne sich wirklich zu sanieren. Anschließend müsse der Staat dann erneut einspringen.

Nancy Pelosi erklärte weiter, eine Insolvenz sei keine Option für diese Unternehmen. Eine Restrukturierung unter Gläubigerschutz würde zu lange dauern. Wagoner, Mullaly und Nardelli werden am Donnerstag und Freitag persönlich vor dem Kongress Rede und Antwort über die Geschäfts- und Restrukturierungspläne stehen.

Die US-Automobilhersteller sehen sich als Opfer der Kreditkrise, die die Nachfrage nach Neuwagen in den USA einbrechen ließ. Eigene Fehler, etwa die Konzentration auf große Fahrzeuge mit hohem Verbrauch und die Versäumnisse in der Entwicklung neuer Motoren, räumten sie bislang öffentlich nicht ein. Beobachter verweisen darauf, dass der Hinweis auf die Wirtschaftskrise als Erklärung für die Schwierigkeiten der drei Konzerne nicht ausreiche. Sie sehen den maßgeblichen Grund in dem Festhalten an alten Modellen mit vielen PS und hohem Benzinverbrauch.

Webseiten: http://www.gm.com

http://www.ford.com 
              http://www.chrysler.com 
 
   Von Christine Benders-Rüger, Dow Jones Newswires, ++49 (0) 69 297 25 108, 
   unternehmen.de@dowjones.com 
   DJG/cbr/jhe 
 

(END) Dow Jones Newswires

December 03, 2008 02:28 ET (07:28 GMT)

Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.

© 2008 Dow Jones News
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