Bremen (ots) - Populistisch statt patriotisch von Joerg Helge Wagner Gegen wen oder was richtet sich eigentlich der Parteitagsbeschluss der CDU, die deutsche Sprache durch unsere Verfassung schützen zu lassen? Gegen niemanden, betont eilig die christdemokratische Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer. Oh doch, gegen "Sprachpanscher", widerspricht Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff. Wo aber treiben die ihr Unwesen? Auf Neuköllner und Gröpelinger Schulhöfen? "Isch mach disch Krankenhaus, isch schwör!" Oder in Personalabteilungen großer Unternehmen, die "Release Manager im eCommerce Bereich" suchen, "Projektstart: asap"? Schlimm, schlimm! Aber Sprachmüll lässt sich noch schwerer bekämpfen als Giftmüll. Wenn sich das Grundgesetz etwa zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen bekennt, wird das durch eine entsprechende Umwelt- und Strafgesetzgebung untermauert. Bei der Sprache hingegen ist das in einer offenen Gesellschaft nicht möglich. Jeder Versuch einer gesetzlichen Reglementierung läuft auf das "Neusprech" totalitärer Staaten hinaus, wie es George Orwell in "1984" beschrieben hat: "doppel-plus-ungut"! Natürlich darf man solche Absichten der Mehrheit der CDU-Delegierten nicht unterstellen. Deren Problem ist viel mehr, dass sie bei aller Präzision der deutschen Sprache gar nicht so genau sagen können, was sie eigentlich meinen. "Sich klar dazu bekennen, was den Staat ausmacht", fordert ihr Wortführer, Saarlands Ministerpräsident Peter Müller. Deutsch als Amtssprache also? Eine Selbstverständlichkeit, die wirklich niemand bestreitet. Oder die Pflege des Deutschen als Staatsangelegenheit? Das aber gehört in die Lehrpläne, nicht in die Verfassung. Hier wird einfach nur politisch Wind gemacht: Man verkauft dem Publikum als patriotisch, was bloß populistisch ist. Dabei hätte die CDU das gar nicht nötig. Sie könnte lässig darauf verweisen, welch dicke Bretter sie 2007 bei der Reform des Ausländerrechts gebohrt hat: Integrationskurse, Deutschkenntnisse beim Familiennachzug etc. Das wäre souveräner, seriöser Wahlkampf - also das Gegenteil dessen, was Müller & Co. jetzt bieten.
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