New York (BoerseGo.de) – Trotz überwiegend schlechter Nachrichten setzten die US-Indizes in den letzten beiden Handelsstunden zu einem Endspurt an und verbuchten zu Handelsschluss jeweils Gewinne von über zwei Prozent. Chef-Ökonom Peter Cardillo vom Investmenthaus Avalon Partners erklärt sich die Kursgewinne damit, dass die negativen Nachrichten bereits in den Aktienkursen eingepreist seien und sich der Verkaufsdruck immer mehr abschwächt.
Die heute veröffentlichten Konjunkturdaten sorgten zu Beginn des Börsenhandels für Kursverluste an den US-Märkten. Gemäß einer von der privaten Arbeitsagentur ADP erstellten monatlichen Umfrage zum US-Arbeitsmarkt wurden im November von privaten Unternehmen 250.000 Jobs gestrichen, was dem stärksten Stellenabbau seit sieben Jahren entspricht. Der verarbeitende Sektor sieht sich mit dem Verlust von 158.000 Stellen konfrontiert, im Dienstleistungssektor gingen 92.000 Jobs verloren. Die durchschnittlichen Erwartungen der Volkswirte rechnen für den am kommenden Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktbericht des Arbeitsministeriums mit dem stärksten Stellenrückgang seit mehr als 25 Jahren.
Der US-Dienstleistungsbereich, der gut 80% der amerikanischen Wirtschaft ausmacht, fällt im Monat November von 44,4 Punkten im Vormonat Oktober auf 37,3 Punkte. Damit fällt der Index für den US-Dienstleistungsbereich auf ein Allzeittief und rutscht damit immer mehr unter die magische Grenze von 50 Zählern. Ein Indexstand von über 50 Punkten weist auf Wachstum im nicht verarbeitenden Gewerbe hin, ein Indexstand von unter 50 indiziert eine schrumpfende Entwicklung.
Laut der Mortgage Bankers Association of America (MBA) ist in den USA der Index zu den Hypothekenanträgen in der abgelaufenen Woche gegenüber der vorangegangenen Woche wegen der stark gesunkenen Hypothekenzinsen um saisonbereinigt angepasst 112,1 Prozent enorm gestiegen. Auf Jahressicht ergibt sich jedoch noch immer ein Rückgang von 21,9 Prozent. Die Notenbank kündigte in der Vorwoche den Ankauf von Anleihen der Hypothekenfinanzierungsriesen Fannie Mae und Freddie Mac im Volumen von 100 Milliarden Dollar und die Stützung des Hypothekenmarktes mit 500 Millionen Dollar an. Diese Maßnahmen hätten die Hypothekenzinsen zu Fall gebracht. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge arbeitet das US-Finanzministerium aktuell an einem Plan, die Hypothekenzinsen bis auf 4,5 Prozent zu drücken.
Wenig Überraschungen kamen vom dem von der US-Notenbank Fed veröffentlichten Konjunkturbericht „Beige Book“. Der Konjunkturbericht der Federal Reserve signalisiert eine weitere Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivitäten in allen zwölf Fed-Distrikten. Alle Distrikte beklagen einen Rückgang im Einzelhandel und einen Einbruch bei den Auto-Absätzen. Sowohl im Dienstleistungs- wie auch im verarbeitenden Gewerbe zeigt sich eine Abschwächung der Geschäfte. In fast allen Fed-Distrikten hält die Krise am Häusermarkt an, die Immobilienpreise gehen weiter in den Keller und die Zahl der Hausverkäufe lahmt. Die meisten Fed-Distrikte klagen über die zögerlichen und restriktiven Kreditvergabepraktiken der Banken, nur in vereinzelten Fällen sei hier eine Entspannung zu beobachten. Aus der Landwirtschaft kommen gemischte Signale, die Nachricht über gute Ernten wird von den unsicheren Gewinnaussichten in der Branche überschattet. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich fast überall verschlechtert, Druck auf Lohnsteigerungen sei aktuell kaum vorhanden. Die Inflationstendenzen haben sich infolge der stark gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise und auch aufgrund der Preisrückgänge im Einzelhandel deutlich abgemildert. Auch das Verbraucherverhalten der US-Konsumenten hat sich weiter abgeschwächt, in einigen Bezirken ist es sogar deutlich eingebrochen. Der Konjunkturbericht Beige Book dient dem Offenmarktausschuss der US-Notenbank, der für die Geldpolitik verantwortlich ist, als eine wichtige Grundlage für die Zinsentscheidung.
Weitaus besser als von vielen Experten erwartet fällt der Start für das Weihnachtsgeschäft im Online-Einzelhandel aus. Am Cyber Monday, wie in den USA der Montag nach Thanksgiving genannt wird, verbuchte der Online-Einzelhandel gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzanstieg von 15 Prozent auf 846 Millionen Dollar. In der Zeit vom Black Friday (Freitag nach Thanksgiving) bis zum Cyber Monday haben die Online-Umsätze um 13 Prozent zugelegt. „Die Zahlen belegen eindeutig, dass die Befürchtungen um einen Einbruch beim Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft überzogen waren“, so der comScore-Chef Gian Fulgoni. Laut Fulgoni schlagen die US-Konsumenten besonders bei den vielen Soderangeboten und –aktionen zu. Die Aktie von Amazon.com gewinnt 9,75 Prozent auf 45,21 Dollar.
In den kommenden beiden Tagen wird mit großer Spannung die Entscheidung des US-Kongress über die Zukunft der US-Automobilindustrie erwartet. Gemäß einem Bericht im Wall Street Journal zeigen sich im Rahmen eines Krisengipfels in Washington die Führer der größten Gewerkschaft „United Auto Workers“ zu Zugeständnissen und zu Modifizierungen der im Jahre 2007 ausgehandelten Tarifbedingungen für die US-Autobauer bereit. Die Änderungsvorschläge beinhalten eine Auflockerung bei Arbeitsplatzgarantien und eine Aufschiebung der Gesundheitsvorsorgemaßnahmen. Diesen Donnerstag und Freitag werden sich die Firmenchefs von General Motors, Ford Motors und Chrysler vor dem Kongress zu Fragen zu den Geschäfts- und Restrukturierungspläne stellen und auf die Zusage der benötigten Finanzspritze in Höhe von 34 Milliarden Dollar hoffen. General Motors gewinnt 1,03 Prozent auf 4,90 Dollar, Ford Motors legt um 5,56 Prozent auf 2,85 Dollar zu.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 46 Cents auf einen Schlusstand von 46,50 Dollar. Trotz des überrachenden Rückgangs der Öllagerbestände fällt der Ölpreis auf das niedrigste Niveau seit über drei Jahren, nachdem die Sorgen einer sinkenden Nachfrage infolge der Eintrübung der Weltwirtschaft überwiegen. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 12,80 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 770,50 Dollar. Händler führen den Preisrückgang des Edelmetalls auf die heutige Dollarstärke gegenüber dem Euro zurück, nachdem Investoren am morgigen Donnerstag eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank erwarten.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Plus von 2,05 Prozent auf 8591 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewinnt 2,58 Prozent auf 1380 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legt um 2,94 Prozent auf 1492 Punkte zu. Sieger im Dow ist die Aktie der Citigroup mit einem Plus von 8,31 Prozent auf 25,72 Dollar. Bei den Techs überzeugt Marvell Technologies mit einem Plus von 19,72 Prozent auf 6,09 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,55 Milliarden Aktien den Besitzer. 2084 Werte legten zu, 1048 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 2,28 Milliarden Aktien 1669 Gewinner und 1075 Verlierer.
Analysten zu Research In Motion
Nachdem der kanadische BlackBerry-Hersteller Research in Motion heute seine Gewinn- und Umsatzprognose für das dritte nach unten korrigiert hat, gibt es aktuell unterschiedliche Reaktionen der Analysten. Deutsche Securities stufen die Aktie mit Sell Rating ein und reduzieren ihr Kursziel von 40 Dollar auf 30 Dollar. Die Kollegen von JMP Securities bekräftigen dagegen ihr Outperform Rating, senken jedoch ihr Kursziel von 80 Dollar auf 55 Dollar. Das Management führt den reduzierten Ausblick auf Wechselkursverluste, die schwachen konjunkturellen Rahmenbedingungen und verzögerte Produkteinführungen zurück. Die Aktie gewinnt 4,39 Prozent auf 38,96 Dollar.
Google mit neuem Kursziel
Die Analysten von Bank of America reduzieren ihr Kursziel für die Aktie des Suchmaschinengiganten Google von 650 Dollar auf 500 Dollar. Zusätzlich senken die Finanzexperten ihre Gewinnprognose für Google für das vierte Quartal von 5,25 Dollar auf 4,74 Dollar pro Aktie und für das Geschäftsjahr 2009 von 22,79 Dollar auf 21,45 Dollar pro Aktie. Die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten gehen für das vierte Quartal von einem Gewinn von 5,08 Dollar pro Aktie und für 2009 von einem Gewinn von 22,04 Dollar pro Aktie. Die Analysten begründen ihre Neueinschätzung mit dem sich verschlechternden Ausblick für den Werbemarkt. Gerade im Online-Einzelhandel und Online-Reisemarkt wird mit geringeren Einnahmen aus den bezahlten Klicks gerechnet. Die Aktie gewinnt 1,57 Prozent auf 279,43 Dollar.
Gewinne im S&P 500 sollen in 2008 zweistellig sinken
Die Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 dürften in 2008 gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 11 Prozent sinken. Dies geht aus den von Bloomberg erhobenen durchschnittlichen Analystenschätzungen hervor. Zu Beginn des Jahres rechneten die Experten noch mit einem Gewinnwachstum von 11 Prozent. Im dritten Quartal brachen die Gewinne um durchschnittlich 17 Prozent ein.
Marvell erreicht Gewinnzone - Aktie hebt ab
Der Anbieter von Halbleitern für die Breitband-Kommunikation und für Speicherlösungen, Marvell Technology Group, führt aktuell die Gewinnerliste im Nasdaq 100-Index an, nachdem das Unternehmen im dritten Quartal infolge eines strikten Kosteneinsparungsprogramms mit einem Gewinn von 0,23 Dollar pro Aktie die Profitabilität erreicht hat und zugleich die Erwartungen von Wall Street um 2 Cents übertroffen hat. Das Investmenthaus Kaufman Brothers bestätigt aktuell sein Hold Rating, das Kursziel wird von 8 auf 6 Dollar gesenkt. Die Kollegen von Needham empfehlen die Aktie zum Kauf, reduzieren jedoch ihr Kursziel von 11 Dollar auf 8,25 Dollar. Die Analysten von Global Crown Capital halten an ihrem Overweight Rating fest und erhöhen ihr Kursziel von 10 Dollar auf 11 Dollar. Die Aktie gewinnt 19,72 Prozent auf 6,09 Dollar.
UBS sieht bei Aktien deutliche Erholung
Die Aktienmärkte in den USA und Europa werden einer ausgewachsenen globalen Rezession im nächsten Jahr widerstehen. Diese Ansicht vertritt der New Yorker UBS-Stratege David Bianco. Demnach könnte der S&P 500 vom derzeitigen Niveau bis Ende 2009 um 53 Prozent auf 1.300 Punkte klettern. Der allgemeine Ausblick für 2009 gestalte sich düster. “Wir glauben aber, dass im nächsten Jahr früher erste Signale für eine Rückkehr des Investorenvertrauens erfolgen als viele dies erwarten”, heißt es weiter von Bianco.
