New York (BoerseGo.de) - Wie lange geht das noch? Diese Frage bewegte heute die Wall Street. Dass die USA in die Rezession geschlittert ist, weiß man seit Montag. Das zuständige Gremium nannte auch den Starttermin dafür: Den Dezember 2007. Die Frage ist jetzt, wie lange hält diese Rezession noch an.
18 Monate?
Die Optimisten glauben, dass die Krise etwa Mitte nächsten Jahres zu Ende ist. Als Faustformel wird eine durchschnittliche Rezessionsdauer von 18 Monaten genannt (die milden Rezessionen nach dem 2. Weltkrieg waren sogar deutlich kürzer). Da die Börse schon Monate vor dem konjunkturellen Aufschwung wendet, statisch betrachtet etwa sechs Monate vorher, wäre jetzt dafür der Zeitpunkt gekommen. Die Rallye der vergangen Woche sei das Startzeichen gewesen, sagt die Gruppe derer, die das Glas halb voll sieht.
Die Pessimisten, vor allem die Leerverkäufer, glauben dagegen, dass alles noch viel Schlimmer kommt und die Rezession sich bis 2010 (oder vielleicht noch länger) hinzieht. Als Gründe für eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise nennen sie die Überschuldung der Amerikaner, die noch abgebaut werden müsste, die immer noch platzende Immobilienblase, das Misstrauen der Banken untereinander und gegen den Rest der Wirtschaft (Finanzkrise) und der daher schrumpfende Arbeitsmarkt, der wiederum den Konsum schädigt.
Keine Entwarnung
Die heutigen Konjunkturdaten waren wenig zur Entwarnung geeignet, sie widerlegen weder die eine noch die andere Position. Die heutigen Zinssenkungen der EZB und der Bank of England (beides positiv) garnierten die Notenbankchefs mit sehr skeptischen Prognosen für die kommenden Monate (negativ).
Die - wie jeden Donnerstag gemeldeten - wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen fielen durchwachsen aus. In der vergangenen Woche ging die Zahl der Jobverluste zwar auf 509.000 zurück (Vorwoche 530.000, Konsenserwartung: 540.000). Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld stieg dagegen auf 4,09 Millionen, die höchste Zahl seit Dezember 1982.
Schlechtes Omen
Das ist ein schlechtes Omen für die morgen fälligen Jobdaten. Der Konsens befürchtet, dass im November 330.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Diese Zahl dürfte allerdings bereits in den wieder gedrückten Börsenkursen eingepreist sein.
Der schrumpfende Jobmarkt verdirbt den sonst so kauffreudigen Amerikanern die Konsumlust, was die heute gemeldeten Einzelhandelsumsätze signalisierten (in Läden, die schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen). Das Gros der Kaufhäuser und Supermärkte meldete für den November schrumpfende Verkäufe, oft zweistellige prozentuale Rückgänge gegenüber Vorjahr. Allerdings machen die neuesten Meldungen zum Start des Weihnachtsgeschäfts (seit Thanksgiving) bereits wieder Hoffnung. Auffällig ist, dass sich derDiscount-King Wal-Mart (mit plus Porzent) recht deutlich vom Rest der Branche absetzen konnte. „The Winner Takes All“?
Die Auftragseingänge der US-Industrie sanken noch tiefer in den Rezessionskeller. Die Bestellungen schrumpften im Oktober um 5,1 Prozent, der größte Rückgang seit Juli 2000. (Konsens: Rückgang um 4,5 Prozent,Vormonat: minus 3,1 Prozent). Die Ordereingänge für dauerhafte Güter (die länger als 3 Jahre halten sollen, wie Autos) sanken um 6,9 Prozent. Die Bestellungen für nicht dauerhafte Güter schrumpften um 3,4 Prozent.
Gekippte Balance
Eine Zeitlang schien es so, als finde die Wall Street die Balance zwischen Optimisten und Pessimisten, wenn auch mit deftigen Schwingungen. Zum Schluss kippte aber die Situation wieder einmal zu Gunsten der „Das-Glas-ist halb-leer-Fraktion“, zu denen natürlich auch die Leerverkäufer zählen. Der Dow Jones Industrial Average verlor 2,5 Prozent auf 8.376 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 sank 2,9 Prozent auf 845 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index rutschte 3,1 Prozent auf 1.445 Punkte.
Dow Jones Average: Fast Food gegen Rezessionsfrust?
Bei den 30 Blue Chips des Dow gab es heute nur 5 Gewinner.
Tops:
Zum Schluss hatte JP Morgan die Nase vorne und gewann 2,7% auf 31,08 Dollar. Vielleicht half die Meldung, dass eine Klage gegen die Übernahme der untergegangenen Investmentbank Bear Stearns vom Frühjahr vom zuständigen Gericht abgelehnt wurde. Die Kläger wollten wegen angeblicher Schäden Geld haben.
Platz 2 belegte McDonald`s mit plus 2,2% auf 60,84 Dollar. Anscheinend half der optimistische Ausblick des Rivalen Yum Brands (KFC, Pizza Hut, Taco Bell). Vermutlich bekämpfen die Amerikaner den Rezessions-Frust mit Fast Food
Die Baumarktkette Home Depot kam mit einem Tagesgewinne von 2% auf Dollar ebenfalls noch aufs Siegertreppchen - nachrichtenlos.
Wal-Mart, der eigentliche König der Tages, schaffte immerhin den 4. Platz mit plus 1,3% auf 55,11 Dollar. Der Discount-Riese hatte seine November-Umsätze (in Läden, die schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen) um 3,4 Prozent gesteigert - und damit über die gesamte Branche triumphiert.
Der Spezialchemiewert DuPont vollendete das Quintett mit plus 0,3% auf 23,69 Dollar.
Flops:
Der Flop war der Dauerabonnent für diesen Platz: General Motors rutschte % auf Dollar. Der US-Kongress debattiert gerade darüber, ob und wie die Politik helfend eingreifen soll. Ergebnisse sind nicht in Soicht. Die Credit Suisse zeigt sich skeptisch und senkte heute ihr Kursziel von 5 Dollar auf 2 Dollar. Es gäbe keinen Grund, die Aktie zu kaufen. Sollte der Autokonzern tatsächlich bankrott gehen, sei der kollaterale Schaden für die US-Wirtschaft noch schlimmer als viele Politiker im Kongress glauben. Die Kreditbewertungsagentur Moody´s senkte außerdem heute das Rating für die Anleihen der Detroiter. Das wiederum erschwert die dringende notwendige Restrukturierung.
Alcoa taumelte 13% auf 8,06 Dollar. Der freie Fall der Metallpreise lässt die Einnahmen abschmelzen. Darauf reagierte der Aluminium-Riese mit einer Produktionskürzung und einer Suspension des kostspieligen Aktienrückkaufsprogramms. Das sei aber nicht genug, glaubt Analyst Michael F. Gambardella von JPMorgan. Der Experte rät, auch die Dividende zu streichen, um Geld zu sparen. Gambardella bewertet das Rohstoffpapier mit „Neutral“ und hat ein Kursziel von von 11,50 Dollar.
Exxon Mobil hielt sich mit einem Tagesverlust von 3,4 % auf 76,27 Dollar noch im Mittelfeld. Hier drückte nicht nur der anhaltende Verfall des Ölpreises (derzeit platzt eben nicht nur die Immobilienblase, sondern auch die Rohstoffblase gleich mit. Beides für die Beteilgten rechtg schmerzhaft). Merrill Lynch verlängerte heute (gedanklich) den aktuellen Abwärtstrend und prognostizierte einen Ölpreis von 25 Dollar.
S&P 500: Schlechte Zahlen, gute Kurse
Mehr Lichtblicke zeigte der breit gefasste S&P.
Tops:
Obwohl die Banken vorwiegend im Minus schlossen (der Finanz-ETF Financial SEL Spider verlor 1%), gewann Morgan Stanley 7,9% auf 14,94 Dollar. Goldman Sachs gab dagegen 2% auf 67,53 Dollar ab. Dort drückt die Angst vor weiteren bizarren Verlusten.
Schlechte Zahlen, gute Kurse. Das Kunststück brachten heute einige US-Einzelhändler an der Wall Street fertig. Der Grund: Die Messlatte (Erwartungen) lag so niedrig, dass sich leicht übertroffen wurde. Der Fashionhändler Nordstrom meldete für den November einen Umsatzrückgang von 15,9% (in Läden, die länger als ein Jahr geöffnet sind). Die Analysten hatten aber einen Einbruch um 17,9% in Aussicht gestellt. Konsequenz: Nordstrom gewann 10,2% auf 12,01 Dollar. Die Kaufhauskette Macy`s legte 6% auf 7,83 Dollar zu und die Fashionkette Abercrambie & Fitch sprang 7,8% auf 17,87 Dollar.
Der Fashionhändler Gap Inc. avancierte 2,3% auf 13,17 Dollar. Der Broker Jefferies & Co beförderte den Konsum-Titel heute von „Halten“ auf „Kaufen“ und das Kursziel von 10 Dollar auf 15 Dollar. Die Kalifornier könnten sich deutlich von der Konkurrenz absetzen, hieß es dort. Dabei wurde auf die rationell geführten Läden, die strenge Kostenkontrolle und die „schlanke“ Lagerhaltung verwiesen. Das Management „navigiere“ gekonnt durch ein schwieriges Umfeld.
Die Eigenheimbauer wurden von den sinkenden Hypothekenzisnen beschwingt, die die Baunachfrage wiederbeleben sollen,: Lennar gewann 10% auf 8,50 Dollar, Pulte Homes kletterte 4,1% auf 11,60 Dollar.
Die Airline-Titel wurden natürlich vom Öl beflügelt: US Airways plus 7,8% auf 6,65 Dollar und AMR, die Mutter der American Airline, stieg 3,8% auf 8,79 Dollar.
Flops:
Ford verlor 6,7% auf 2,66 Dollar. Auch dem General Motors-Rivalen verrinnt die Zeit.
Haliburton sank 8,8% auf 13,78 Dollar. Fallende Ölpreise sind nicht gut für Ölexplorateure.
Nasdaq: Doppelter Nackenschlag
Die technologielastige Computerbörse musste wieder einen doppelten Nackenschlag verkraften: Eine Umsatzwarnung von Nokia (die 2. in einem Monat), die den gesamten Handybereich samt Zulieferer (auch Chips) in den Keller schickte und eine Umsatzwarnung von Advanced Micro Devices (AMD). Der (kleinere) Rivale von Intel verlor 5,5% auf 2,08 Dollar. Danach fallen im laufenden 4. Quartal die Umsätze der Kalifornier gegenüber dem Vorquartal gleich um 25 Prozent. Zuvor war der Technologiehersteller nur von Stagnation ausgegangen. Schwäche sieht AMD in allen Bereichen und Regionen, vor allem aber im Geschäft mit den Verbrauchern.Intel gab 6,5% auf 12,77 Dollar ab.
Applied Materials gewann dagegen 2,3% auf 9,52 Dollar. Bei dem Zulieferer für die Chipindustrie konnten sich die Analysten nicht einigen. Die Citigroup hob den Halbleiter-Ausrüster von „Halten“ auf „Kaufen“ an und das Kursziel von 11 Dollar auf 14 Dollar. Der Broker Friedman Billings (Anlageurteil: „Outperform“) senkte dagegen von 13 Dollar auf 11 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verlor 5,8% auf 186,64 Punkte.
Betroffen war auch der Softwarebereich: Microsoft minus 3,8% auf 19,11 Dollar. Oracle sank 4,3% auf 15,44 Dollar. Der Broker Jefferies & Co. kürzte das Kursziel für den SAP-Rivalen von 22 Dollar auf 20 Dollar.
Adobe brach 9,3% auf 20,44 Dollar ein . Der Konsum-Softwarekonzern (Photoshop, Flash) senkte beretis gestern anch Börsenschluss seinen Umsatz-Ausblick
Der Broker Robert W. Baird senkte sein Urteil von „Outperform“ auf „Neutral“ und das Kursziel von 33 Dollar auf 27 Dollar. Friedman Billings (Market Perform) von 33 Dollar auf 17 Dollar,
Jefferies & Co (Halten) von 27 Dollar auf 24 Dollar und Kaufman Brothers (Halten) von 19 Dollar auf 17 Dollar.
Red Hat stieg dagegen von 4,5% auf 10,93 Dollar. Der Broker Jefferies & Co beförderte den Linux-Spezialisten von „Halten“ auf „Kaufen“. Das Kursziel bleibt bei 16 Dollar.
Apple sank 4,7% auf 91,41 Dollar. Seit Wochen kämpft die Aktie an der Wall Street gegen den konjunkturellen Gegenwind, verschärft durch negative Analystenkommentar. Die heutige kalte Brise kam - neben der Handymarkt-Warnung von Nokia - ausgerechnet von Gene Munster, einem Analysten beim Broker Piper Jaffray. Der Analyst gilt - wegen seiner optimistischen Einschätzungen - als Apple-Super-Bulle. Munster senkte heute sein Kursziel von 250 Dollar (!) auf 235 Dollar. Das liegt allerdings immer noch mehr als 100 Prozent über der aktuellen Notiz. Außerdem hält der Bilanzauswerter an seiner Kaufempfehlung fest.
Munster glaubt zwar, dass die Apple-Rechner weiterhin Marktanteile gewinnen, weil sich aber das Wachstum des PC-Marktes voraussichtlich deutlich abkühlt, kürzte der Analyst sein geschätztes Umsatzwachstum bei den Macs von 16 Prozent auf 10 Prozent in 2009. Skeptischer ist Munster auch für das Wachstum bei den iPods. Sowohl Rechner-Verkäufe als auch der Absatz der MP3-Player leide darunter, dass die Amerikaner verstärkt sparen. Für 2009 erwartet der Analyst je Aktie einen Gewinn von 5,46 Dollar (vorher: 5,67 Dollar) und für 2010 7,73 Dollar (vorher: 7,98 Dollar).
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, verlor 4,5% auf 37,20 Dollar.
Internet: Beständigkeit zahlt sich aus
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets gerieten ebenfalls in den Abwärtssog der Rezessionsängste. Einer der wenigen Lichtblicke war Amazon.com mit plus 4,7% auf 47,32 Dollar. Beständigkeit zahlt sich aus. Seit Jahren arbeitet Amazon.com an seinem Geschäftsmodell, also Top-Service, Bequemlichkeit und niedrige Preise. Das wird jetzt an der Wall Street gewürdigt. Die Aktie konnte sich daher gegen den schwachen Gesamtmarkt behaupten und die gestrige Rallye fortsetzen. Gestern beflügelten ermunternden Berichte zum Weihnachtsgeschäft, heute helfen auch Analystenkommentare. Analyst Doug Anmuth von Barclays Capital hob den E-Commerce-Pionier heute von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ an und das Kursziel von 46 Dollar auf 54 Dollar. „Wir glauben, dass das Geschäftsmodell von Amzon strategisch gesund ist. Daher kann der Onlinehändler seinen Rivalen Marktanteile abnehmen“, erklärte Anmuth in einer Notiz an seiner Klienten. Weil viele konkurrierende Einzelhändler in der Rezession Schwierigkeiten haben, sollte der E-Commerce-Pionier gestärkt aus der Krise hervorgehen und dann zu zweitstelligen Wachstumsraten zurückkehren.
Rückenwind gab heute auch Analyst Jeff Lindsay vom Broker Sanford Bernstein, der auf die gestrigen positiven Comscore-Zahlen verwies. Die Researchfirma hatte berichtet, dass am vergangenen „Cyber-Monday“ die Online-Verkäufe um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. „Die Weihnachtssaison scheint - nach einem flauen Start - doch noch in Schwung zu kommen“, kommentierte Lindsay in seiner Notiz.
Mit dem heutigen Kursaufschwung setzt sich der Markt über die negativen Kommentare einiger Analysten hinweg, die die über Jahre hinweg erarbeitete Sonderstellung von Amazon schlichtweg ignorieren und stattdessen den Onlinehändler nur aus konjunkturellen Gesichtspunkten bewerten. Bereits gestern hatte die Citigroup ihre Kursziel von 60 Dollar auf 53 Dollar gekappt. Die Bank rät nur „Halten“ und verweist darauf, dass Comscore - wegen der Rezession - der Branche für das gesamte Weihnachtsgeschäft (November bis Dezember) nur eine Stagnation voraussagt.
Der Broker Piper Jaffray - der heute den gesamten Internetbereich kappte - kürzte heute sein Amazon-Kursziel sogar von 45 Dollar auf 35 Dollar. Begründung: In den kommenden Jahren sparen die Amerikaner mehr.
Der Rivale Ebay verlor 1,7% auf 13,40 Dollar. Dort dampfte Piper Jaffray das Kursziel auf 12 Dollar ein (vorher: 17 Dollar).
Blue Nile bröckelte 0,2% auf 24,52 Dollar. Der Online-Juwelier wurde ebenfalls bei Barclays Capital von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ verbessert. Der Internethändler würde zwar sehr stark von der Rezession getroffen, könne sich aber wesentlich besser behaupten als traditionelle Juewlenhändler.
Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content stand dagegen unter Druck. Google gab 1,8% auf 274,34 Dollar ab. Seit Wochen kürzt die Zunft der Bilanzauswerter die Gewinnschätzungen für den König der Suchmaschinen. Ursache: Die Rezession, in die viele Länder gerutscht sind. Heute dampfte Analyst Gene Munster vom Broker Piper Jaffray sein Kursziel gleich von 600 Dollar auf 416 Dollar ein, bleibt aber bei der Empfehlung „Kaufen“. Der Bilanzexperte befürchtet, dass die Werbetreibenden ihre Budgets deutlich einschränken, weil das Ausgabenwachstum der Verbraucher zurückgeht. In 2009 verlangsame sich daher das Wachstum der Werbeausgaben im weltweiten Netz auf nur noch 3 Prozent. Wegen der konjunkturellen Schwäche würde weniger für Zugriffe (Clicks) bezahlt. Munster geht daher für Google nur noch von einem Umsatzwachstum von 6 Prozent in 2009 aus (vorher: plus 23 Prozent). Gleichzeitig kürzte der Analyst seine Gewinnschätzung für 2009 je Aktie auf 20,78 Dollar (vorher: 23,03 Dollar).
Munsters Berufskollege Rob Sanderson von American Technology Research scheint ähnliches zu befürchten. Sanderson kappte sein Kursziel von 480 Dollar auf 410 Dollar, hält aber ebenfalls an seiner Kaufempfehlung fest. Der Analyst verweist auch noch auf die Dollar-Stärke, die die Auslandseinnahmen der Kalifornier in US-Währung umgerechnet mindert. Der negative Effekt auf den Gewinn würde aber durch eine zurückhaltende Einstellungspolitik (Job-Kosten wachsen langsamer) gedämpft, schränkt Sanderson ein.
Rückendeckung erhielt Google allerdings durch die Citigroup, die den Nasdaq-Titel heute in ihre Empfehlungsliste aufnahm. Gerade in dem schwierigen Umfeld konzentriere sich die Wall Street zunehmend auf Qualitätsaktien und dazu gehöre eben auch Google.
Yahoo sank 3,9% auf 11,05 Dollar. Dort blieb die Gerüchteküche heute anscheinend kalt. Zum Wochenanfang gab es noch Spekulationen über angeblich Kaufinteressenten
Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, avancierte 0,8% auf 114,53 Dollar.
Öl: Rezessionsangst drückt Energie-Preis
Das Öl litte heute - ebenso wie der Aktienmarkt - unter der Angst vor einer lang anhaltenden Rezession. Sorgen um die fallende Nachfrage führten heute zum fünften Kursrutsch in Folge, berichtet MarketWatch. Heute schloss der Januar-Kontrakt an der New York Mercantile Exchange auf 43,67 Dollar, das sind 6,7% weniger als gestern und zugleich der niedrigste Schluss seit Januar 2005.
Gold: Rezession verdirbt auch die Stimmung für das Edelmetall
Das Gold schien heute ebenfalls unter den Konjunktursorgen zu leiden. Zumindest die Schmucknachfrage dürfte von der Rezession gebremst werden. Der Gold-Kontrakt für Dezember verlor heute an der New York Mercantile Exchange 4,80 Dollar auf 765,70 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall auf 766,15 Dollar.
18 Monate?
Die Optimisten glauben, dass die Krise etwa Mitte nächsten Jahres zu Ende ist. Als Faustformel wird eine durchschnittliche Rezessionsdauer von 18 Monaten genannt (die milden Rezessionen nach dem 2. Weltkrieg waren sogar deutlich kürzer). Da die Börse schon Monate vor dem konjunkturellen Aufschwung wendet, statisch betrachtet etwa sechs Monate vorher, wäre jetzt dafür der Zeitpunkt gekommen. Die Rallye der vergangen Woche sei das Startzeichen gewesen, sagt die Gruppe derer, die das Glas halb voll sieht.
Die Pessimisten, vor allem die Leerverkäufer, glauben dagegen, dass alles noch viel Schlimmer kommt und die Rezession sich bis 2010 (oder vielleicht noch länger) hinzieht. Als Gründe für eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise nennen sie die Überschuldung der Amerikaner, die noch abgebaut werden müsste, die immer noch platzende Immobilienblase, das Misstrauen der Banken untereinander und gegen den Rest der Wirtschaft (Finanzkrise) und der daher schrumpfende Arbeitsmarkt, der wiederum den Konsum schädigt.
Keine Entwarnung
Die heutigen Konjunkturdaten waren wenig zur Entwarnung geeignet, sie widerlegen weder die eine noch die andere Position. Die heutigen Zinssenkungen der EZB und der Bank of England (beides positiv) garnierten die Notenbankchefs mit sehr skeptischen Prognosen für die kommenden Monate (negativ).
Die - wie jeden Donnerstag gemeldeten - wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen fielen durchwachsen aus. In der vergangenen Woche ging die Zahl der Jobverluste zwar auf 509.000 zurück (Vorwoche 530.000, Konsenserwartung: 540.000). Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld stieg dagegen auf 4,09 Millionen, die höchste Zahl seit Dezember 1982.
Schlechtes Omen
Das ist ein schlechtes Omen für die morgen fälligen Jobdaten. Der Konsens befürchtet, dass im November 330.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Diese Zahl dürfte allerdings bereits in den wieder gedrückten Börsenkursen eingepreist sein.
Der schrumpfende Jobmarkt verdirbt den sonst so kauffreudigen Amerikanern die Konsumlust, was die heute gemeldeten Einzelhandelsumsätze signalisierten (in Läden, die schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen). Das Gros der Kaufhäuser und Supermärkte meldete für den November schrumpfende Verkäufe, oft zweistellige prozentuale Rückgänge gegenüber Vorjahr. Allerdings machen die neuesten Meldungen zum Start des Weihnachtsgeschäfts (seit Thanksgiving) bereits wieder Hoffnung. Auffällig ist, dass sich derDiscount-King Wal-Mart (mit plus Porzent) recht deutlich vom Rest der Branche absetzen konnte. „The Winner Takes All“?
Die Auftragseingänge der US-Industrie sanken noch tiefer in den Rezessionskeller. Die Bestellungen schrumpften im Oktober um 5,1 Prozent, der größte Rückgang seit Juli 2000. (Konsens: Rückgang um 4,5 Prozent,Vormonat: minus 3,1 Prozent). Die Ordereingänge für dauerhafte Güter (die länger als 3 Jahre halten sollen, wie Autos) sanken um 6,9 Prozent. Die Bestellungen für nicht dauerhafte Güter schrumpften um 3,4 Prozent.
Gekippte Balance
Eine Zeitlang schien es so, als finde die Wall Street die Balance zwischen Optimisten und Pessimisten, wenn auch mit deftigen Schwingungen. Zum Schluss kippte aber die Situation wieder einmal zu Gunsten der „Das-Glas-ist halb-leer-Fraktion“, zu denen natürlich auch die Leerverkäufer zählen. Der Dow Jones Industrial Average verlor 2,5 Prozent auf 8.376 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 sank 2,9 Prozent auf 845 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index rutschte 3,1 Prozent auf 1.445 Punkte.
Dow Jones Average: Fast Food gegen Rezessionsfrust?
Bei den 30 Blue Chips des Dow gab es heute nur 5 Gewinner.
Tops:
Zum Schluss hatte JP Morgan die Nase vorne und gewann 2,7% auf 31,08 Dollar. Vielleicht half die Meldung, dass eine Klage gegen die Übernahme der untergegangenen Investmentbank Bear Stearns vom Frühjahr vom zuständigen Gericht abgelehnt wurde. Die Kläger wollten wegen angeblicher Schäden Geld haben.
Platz 2 belegte McDonald`s mit plus 2,2% auf 60,84 Dollar. Anscheinend half der optimistische Ausblick des Rivalen Yum Brands (KFC, Pizza Hut, Taco Bell). Vermutlich bekämpfen die Amerikaner den Rezessions-Frust mit Fast Food
Die Baumarktkette Home Depot kam mit einem Tagesgewinne von 2% auf Dollar ebenfalls noch aufs Siegertreppchen - nachrichtenlos.
Wal-Mart, der eigentliche König der Tages, schaffte immerhin den 4. Platz mit plus 1,3% auf 55,11 Dollar. Der Discount-Riese hatte seine November-Umsätze (in Läden, die schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen) um 3,4 Prozent gesteigert - und damit über die gesamte Branche triumphiert.
Der Spezialchemiewert DuPont vollendete das Quintett mit plus 0,3% auf 23,69 Dollar.
Flops:
Der Flop war der Dauerabonnent für diesen Platz: General Motors rutschte % auf Dollar. Der US-Kongress debattiert gerade darüber, ob und wie die Politik helfend eingreifen soll. Ergebnisse sind nicht in Soicht. Die Credit Suisse zeigt sich skeptisch und senkte heute ihr Kursziel von 5 Dollar auf 2 Dollar. Es gäbe keinen Grund, die Aktie zu kaufen. Sollte der Autokonzern tatsächlich bankrott gehen, sei der kollaterale Schaden für die US-Wirtschaft noch schlimmer als viele Politiker im Kongress glauben. Die Kreditbewertungsagentur Moody´s senkte außerdem heute das Rating für die Anleihen der Detroiter. Das wiederum erschwert die dringende notwendige Restrukturierung.
Alcoa taumelte 13% auf 8,06 Dollar. Der freie Fall der Metallpreise lässt die Einnahmen abschmelzen. Darauf reagierte der Aluminium-Riese mit einer Produktionskürzung und einer Suspension des kostspieligen Aktienrückkaufsprogramms. Das sei aber nicht genug, glaubt Analyst Michael F. Gambardella von JPMorgan. Der Experte rät, auch die Dividende zu streichen, um Geld zu sparen. Gambardella bewertet das Rohstoffpapier mit „Neutral“ und hat ein Kursziel von von 11,50 Dollar.
Exxon Mobil hielt sich mit einem Tagesverlust von 3,4 % auf 76,27 Dollar noch im Mittelfeld. Hier drückte nicht nur der anhaltende Verfall des Ölpreises (derzeit platzt eben nicht nur die Immobilienblase, sondern auch die Rohstoffblase gleich mit. Beides für die Beteilgten rechtg schmerzhaft). Merrill Lynch verlängerte heute (gedanklich) den aktuellen Abwärtstrend und prognostizierte einen Ölpreis von 25 Dollar.
S&P 500: Schlechte Zahlen, gute Kurse
Mehr Lichtblicke zeigte der breit gefasste S&P.
Tops:
Obwohl die Banken vorwiegend im Minus schlossen (der Finanz-ETF Financial SEL Spider verlor 1%), gewann Morgan Stanley 7,9% auf 14,94 Dollar. Goldman Sachs gab dagegen 2% auf 67,53 Dollar ab. Dort drückt die Angst vor weiteren bizarren Verlusten.
Schlechte Zahlen, gute Kurse. Das Kunststück brachten heute einige US-Einzelhändler an der Wall Street fertig. Der Grund: Die Messlatte (Erwartungen) lag so niedrig, dass sich leicht übertroffen wurde. Der Fashionhändler Nordstrom meldete für den November einen Umsatzrückgang von 15,9% (in Läden, die länger als ein Jahr geöffnet sind). Die Analysten hatten aber einen Einbruch um 17,9% in Aussicht gestellt. Konsequenz: Nordstrom gewann 10,2% auf 12,01 Dollar. Die Kaufhauskette Macy`s legte 6% auf 7,83 Dollar zu und die Fashionkette Abercrambie & Fitch sprang 7,8% auf 17,87 Dollar.
Der Fashionhändler Gap Inc. avancierte 2,3% auf 13,17 Dollar. Der Broker Jefferies & Co beförderte den Konsum-Titel heute von „Halten“ auf „Kaufen“ und das Kursziel von 10 Dollar auf 15 Dollar. Die Kalifornier könnten sich deutlich von der Konkurrenz absetzen, hieß es dort. Dabei wurde auf die rationell geführten Läden, die strenge Kostenkontrolle und die „schlanke“ Lagerhaltung verwiesen. Das Management „navigiere“ gekonnt durch ein schwieriges Umfeld.
Die Eigenheimbauer wurden von den sinkenden Hypothekenzisnen beschwingt, die die Baunachfrage wiederbeleben sollen,: Lennar gewann 10% auf 8,50 Dollar, Pulte Homes kletterte 4,1% auf 11,60 Dollar.
Die Airline-Titel wurden natürlich vom Öl beflügelt: US Airways plus 7,8% auf 6,65 Dollar und AMR, die Mutter der American Airline, stieg 3,8% auf 8,79 Dollar.
Flops:
Ford verlor 6,7% auf 2,66 Dollar. Auch dem General Motors-Rivalen verrinnt die Zeit.
Haliburton sank 8,8% auf 13,78 Dollar. Fallende Ölpreise sind nicht gut für Ölexplorateure.
Nasdaq: Doppelter Nackenschlag
Die technologielastige Computerbörse musste wieder einen doppelten Nackenschlag verkraften: Eine Umsatzwarnung von Nokia (die 2. in einem Monat), die den gesamten Handybereich samt Zulieferer (auch Chips) in den Keller schickte und eine Umsatzwarnung von Advanced Micro Devices (AMD). Der (kleinere) Rivale von Intel verlor 5,5% auf 2,08 Dollar. Danach fallen im laufenden 4. Quartal die Umsätze der Kalifornier gegenüber dem Vorquartal gleich um 25 Prozent. Zuvor war der Technologiehersteller nur von Stagnation ausgegangen. Schwäche sieht AMD in allen Bereichen und Regionen, vor allem aber im Geschäft mit den Verbrauchern.Intel gab 6,5% auf 12,77 Dollar ab.
Applied Materials gewann dagegen 2,3% auf 9,52 Dollar. Bei dem Zulieferer für die Chipindustrie konnten sich die Analysten nicht einigen. Die Citigroup hob den Halbleiter-Ausrüster von „Halten“ auf „Kaufen“ an und das Kursziel von 11 Dollar auf 14 Dollar. Der Broker Friedman Billings (Anlageurteil: „Outperform“) senkte dagegen von 13 Dollar auf 11 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verlor 5,8% auf 186,64 Punkte.
Betroffen war auch der Softwarebereich: Microsoft minus 3,8% auf 19,11 Dollar. Oracle sank 4,3% auf 15,44 Dollar. Der Broker Jefferies & Co. kürzte das Kursziel für den SAP-Rivalen von 22 Dollar auf 20 Dollar.
Adobe brach 9,3% auf 20,44 Dollar ein . Der Konsum-Softwarekonzern (Photoshop, Flash) senkte beretis gestern anch Börsenschluss seinen Umsatz-Ausblick
Der Broker Robert W. Baird senkte sein Urteil von „Outperform“ auf „Neutral“ und das Kursziel von 33 Dollar auf 27 Dollar. Friedman Billings (Market Perform) von 33 Dollar auf 17 Dollar,
Jefferies & Co (Halten) von 27 Dollar auf 24 Dollar und Kaufman Brothers (Halten) von 19 Dollar auf 17 Dollar.
Red Hat stieg dagegen von 4,5% auf 10,93 Dollar. Der Broker Jefferies & Co beförderte den Linux-Spezialisten von „Halten“ auf „Kaufen“. Das Kursziel bleibt bei 16 Dollar.
Apple sank 4,7% auf 91,41 Dollar. Seit Wochen kämpft die Aktie an der Wall Street gegen den konjunkturellen Gegenwind, verschärft durch negative Analystenkommentar. Die heutige kalte Brise kam - neben der Handymarkt-Warnung von Nokia - ausgerechnet von Gene Munster, einem Analysten beim Broker Piper Jaffray. Der Analyst gilt - wegen seiner optimistischen Einschätzungen - als Apple-Super-Bulle. Munster senkte heute sein Kursziel von 250 Dollar (!) auf 235 Dollar. Das liegt allerdings immer noch mehr als 100 Prozent über der aktuellen Notiz. Außerdem hält der Bilanzauswerter an seiner Kaufempfehlung fest.
Munster glaubt zwar, dass die Apple-Rechner weiterhin Marktanteile gewinnen, weil sich aber das Wachstum des PC-Marktes voraussichtlich deutlich abkühlt, kürzte der Analyst sein geschätztes Umsatzwachstum bei den Macs von 16 Prozent auf 10 Prozent in 2009. Skeptischer ist Munster auch für das Wachstum bei den iPods. Sowohl Rechner-Verkäufe als auch der Absatz der MP3-Player leide darunter, dass die Amerikaner verstärkt sparen. Für 2009 erwartet der Analyst je Aktie einen Gewinn von 5,46 Dollar (vorher: 5,67 Dollar) und für 2010 7,73 Dollar (vorher: 7,98 Dollar).
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, verlor 4,5% auf 37,20 Dollar.
Internet: Beständigkeit zahlt sich aus
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets gerieten ebenfalls in den Abwärtssog der Rezessionsängste. Einer der wenigen Lichtblicke war Amazon.com mit plus 4,7% auf 47,32 Dollar. Beständigkeit zahlt sich aus. Seit Jahren arbeitet Amazon.com an seinem Geschäftsmodell, also Top-Service, Bequemlichkeit und niedrige Preise. Das wird jetzt an der Wall Street gewürdigt. Die Aktie konnte sich daher gegen den schwachen Gesamtmarkt behaupten und die gestrige Rallye fortsetzen. Gestern beflügelten ermunternden Berichte zum Weihnachtsgeschäft, heute helfen auch Analystenkommentare. Analyst Doug Anmuth von Barclays Capital hob den E-Commerce-Pionier heute von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ an und das Kursziel von 46 Dollar auf 54 Dollar. „Wir glauben, dass das Geschäftsmodell von Amzon strategisch gesund ist. Daher kann der Onlinehändler seinen Rivalen Marktanteile abnehmen“, erklärte Anmuth in einer Notiz an seiner Klienten. Weil viele konkurrierende Einzelhändler in der Rezession Schwierigkeiten haben, sollte der E-Commerce-Pionier gestärkt aus der Krise hervorgehen und dann zu zweitstelligen Wachstumsraten zurückkehren.
Rückenwind gab heute auch Analyst Jeff Lindsay vom Broker Sanford Bernstein, der auf die gestrigen positiven Comscore-Zahlen verwies. Die Researchfirma hatte berichtet, dass am vergangenen „Cyber-Monday“ die Online-Verkäufe um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. „Die Weihnachtssaison scheint - nach einem flauen Start - doch noch in Schwung zu kommen“, kommentierte Lindsay in seiner Notiz.
Mit dem heutigen Kursaufschwung setzt sich der Markt über die negativen Kommentare einiger Analysten hinweg, die die über Jahre hinweg erarbeitete Sonderstellung von Amazon schlichtweg ignorieren und stattdessen den Onlinehändler nur aus konjunkturellen Gesichtspunkten bewerten. Bereits gestern hatte die Citigroup ihre Kursziel von 60 Dollar auf 53 Dollar gekappt. Die Bank rät nur „Halten“ und verweist darauf, dass Comscore - wegen der Rezession - der Branche für das gesamte Weihnachtsgeschäft (November bis Dezember) nur eine Stagnation voraussagt.
Der Broker Piper Jaffray - der heute den gesamten Internetbereich kappte - kürzte heute sein Amazon-Kursziel sogar von 45 Dollar auf 35 Dollar. Begründung: In den kommenden Jahren sparen die Amerikaner mehr.
Der Rivale Ebay verlor 1,7% auf 13,40 Dollar. Dort dampfte Piper Jaffray das Kursziel auf 12 Dollar ein (vorher: 17 Dollar).
Blue Nile bröckelte 0,2% auf 24,52 Dollar. Der Online-Juwelier wurde ebenfalls bei Barclays Capital von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ verbessert. Der Internethändler würde zwar sehr stark von der Rezession getroffen, könne sich aber wesentlich besser behaupten als traditionelle Juewlenhändler.
Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content stand dagegen unter Druck. Google gab 1,8% auf 274,34 Dollar ab. Seit Wochen kürzt die Zunft der Bilanzauswerter die Gewinnschätzungen für den König der Suchmaschinen. Ursache: Die Rezession, in die viele Länder gerutscht sind. Heute dampfte Analyst Gene Munster vom Broker Piper Jaffray sein Kursziel gleich von 600 Dollar auf 416 Dollar ein, bleibt aber bei der Empfehlung „Kaufen“. Der Bilanzexperte befürchtet, dass die Werbetreibenden ihre Budgets deutlich einschränken, weil das Ausgabenwachstum der Verbraucher zurückgeht. In 2009 verlangsame sich daher das Wachstum der Werbeausgaben im weltweiten Netz auf nur noch 3 Prozent. Wegen der konjunkturellen Schwäche würde weniger für Zugriffe (Clicks) bezahlt. Munster geht daher für Google nur noch von einem Umsatzwachstum von 6 Prozent in 2009 aus (vorher: plus 23 Prozent). Gleichzeitig kürzte der Analyst seine Gewinnschätzung für 2009 je Aktie auf 20,78 Dollar (vorher: 23,03 Dollar).
Munsters Berufskollege Rob Sanderson von American Technology Research scheint ähnliches zu befürchten. Sanderson kappte sein Kursziel von 480 Dollar auf 410 Dollar, hält aber ebenfalls an seiner Kaufempfehlung fest. Der Analyst verweist auch noch auf die Dollar-Stärke, die die Auslandseinnahmen der Kalifornier in US-Währung umgerechnet mindert. Der negative Effekt auf den Gewinn würde aber durch eine zurückhaltende Einstellungspolitik (Job-Kosten wachsen langsamer) gedämpft, schränkt Sanderson ein.
Rückendeckung erhielt Google allerdings durch die Citigroup, die den Nasdaq-Titel heute in ihre Empfehlungsliste aufnahm. Gerade in dem schwierigen Umfeld konzentriere sich die Wall Street zunehmend auf Qualitätsaktien und dazu gehöre eben auch Google.
Yahoo sank 3,9% auf 11,05 Dollar. Dort blieb die Gerüchteküche heute anscheinend kalt. Zum Wochenanfang gab es noch Spekulationen über angeblich Kaufinteressenten
Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, avancierte 0,8% auf 114,53 Dollar.
Öl: Rezessionsangst drückt Energie-Preis
Das Öl litte heute - ebenso wie der Aktienmarkt - unter der Angst vor einer lang anhaltenden Rezession. Sorgen um die fallende Nachfrage führten heute zum fünften Kursrutsch in Folge, berichtet MarketWatch. Heute schloss der Januar-Kontrakt an der New York Mercantile Exchange auf 43,67 Dollar, das sind 6,7% weniger als gestern und zugleich der niedrigste Schluss seit Januar 2005.
Gold: Rezession verdirbt auch die Stimmung für das Edelmetall
Das Gold schien heute ebenfalls unter den Konjunktursorgen zu leiden. Zumindest die Schmucknachfrage dürfte von der Rezession gebremst werden. Der Gold-Kontrakt für Dezember verlor heute an der New York Mercantile Exchange 4,80 Dollar auf 765,70 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall auf 766,15 Dollar.
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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