DJ EZB/Stark: Geldpolitisch relevante Informationen erst Feb/März
TÜBINGEN/FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) wird mögliche weitere Zinssenkungen nach Aussage von EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark nicht vor Februar oder März vornehmen. "Neue relevante Informationen für den Euroraum, die eine seriöse Neubeurteilung der Aussichten für die Preisstabilität ermöglichen, werden sehr wahrscheinlich nicht vor Februar oder März 2009 verfügbar sein", sagte Stark am Mittwochabend bei einer Rede in Tübingen.
Zudem dämpfte das EZB-Direktoriumsmitglied Hoffnungen auf eine weitere bedeutende geldpolitische Lockerung. Nach den jüngsten substanziellen Zinssenkungen sei der verbleibende Spielraum begrenzt und erlaube nur noch kleine Schritte, sagte Stark.
Zugleich trat der als geldpolitischer "Falke" geltende Stark Befürchtungen entgegen, der Euroraum stehe vor einer Deflation. Man müsse mit diesem Begriff sehr vorsichtig umgehen, warnte er. Es zu unterscheiden zwischen Disinflation - dem Rückgang der Inflationsraten -, einer "vorübergehenden, milden Deflation" und einer echten "deflationären Dynamik", die hartnäckig sei und sich selbst verstärke.
Stark beurteilte das Risiko einer echten Deflation im Euroraum angesichts verankerter Inflationserwartungen als "sehr gering". Mehr Anlass zur Sorge böten mittel- und langfristig die derzeit wenig beachteten Inflationsrisiken.
Ausweislich ihrer jüngsten Projektionen rechnet die EZB für 2009 mit einem jahresdurchschnittlichen Verbraucherpreisanstieg von 1,1% bis 1,7% (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) und einer um 0,5% rückläufigen Wirtschaftsleistung. Besonders die Prognose zur Wirtschaftsentwicklung wird von Bankvolkswirten als zu optimistisch betrachtet.
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December 11, 2008 02:41 ET (07:41 GMT)
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