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UPDATE: Weber hält EZB-Leitzins unter 2% für denkbar

DJ UPDATE: Weber hält EZB-Leitzins unter 2% für denkbar

(NEU: Stimmen von Bankvolkswirten, Hintergrund) 
 

FRANKFURT (Dow Jones)--Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel Weber zum möglichen Zinskurs der Europäischen Zentralbank (EZB) haben aus Sicht von Bankvolkswirten die Aussichten für eine baldige Zinssenkung im Euroraum erhöht. Weber hatte in einem am Montag mit Dow Jones Newswires geführten Interview gesagt, er wäre nicht alarmiert, wenn der nominale Zins bei sehr niedriger Inflation und positivem Realzins für kurze Zeit unter 2% fiele.

Nick Matthews von Barclays Capital macht in einer Stellungnahme darauf aufmerksam, dass der als geldpolitischer "Falke" bekannte Bundesbankpräsident noch in einem am vergangenen Freitag veröffentlichten Interview mit der "Börsen-Zeitung" gesagt hatte, eine Situation, in der der Leitzins bei Inflationserwartungen von knapp unter 2% unter die Marke von 2% sinkt, würde er gerne vermeiden.

Für UniCredit-Chefvolkswirt Marco Annunziata bedeutet Webers "Zwei-Prozent-Äußerung" sogar einen Tabubruch. Angesichts jüngster Anzeichen für eine Spaltung des EZB-Rats über den weiteren Zinskurs seien Webers Wort sehr wichtig gewesen, sagte er. Als Grund des Sinneswandels sieht er die gegenüber den erst Anfang Dezember veröffentlichten EZB-Stabsprojektionen weiter eingetrübten Wachstumsaussichten für Deutschland und den Euroraum.

Weber hatte in dem Interview mit Dow Jones Newswires gesagt, dass für die jüngsten Wachstumsprojektionen von Europäischer Zentralbank (EZB) und Bundesbank Abwärtsrisiken bestünden bzw. dass sich diese zum Teil schon "materialisiert" hätten. So dürfte etwa aus deutscher Sicht das Schlussquartal dieses Jahres schlechter ausgefallen sein, "als wir das mit einem BIP-Rückgang um 1/2% auf Quartalssicht unterstellt haben".

Nach Ansicht Annunziatas wird die EZB nach den Fed-Aktionen vom Dienstag auch von der seither eingetretenen Entwicklung des Euro-Kurses in Richtung einer stärkeren geldpolitischen Lockerung gedrängt. Der Euro hatte nach der US-Zinsentscheidung gegenüber dem Dollar um drei Cent zugelegt und war im Tagesverlauf um weitere drei Cent in der Spitze auf über 1,44 USD gestiegen. Devisenhändler begründeten die Entwicklung mit einem "Zusammenbruch der Dollar-Nachfrage".

Annunziata sagte weiter, insgesamt sei es von großer Bedeutung für den EZB-Rat, dass ein ausgewiesener "Falke" wie Weber offenkundig eine pragmatische Haltung einnehme, nachdem sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bis zuletzt gegen Forderungen nach einer Leitzinssenkung im Januar gestemmt habe. Die Royal Bank of Scotland (RBS) stellte in einer Research-Note fest, nach dem Weber-Interview könnten die Märkte auf einen EZB-Leitzins von 1,5% und noch niedriger handeln.

Trichet hatte am Montag seine Aussage bekräftigt, Priorität müssten zunächst Bemühungen haben, die in den vergangenen zwei Monaten beschlossenen Leitzinssenkungen um 175 Basispunkte für die Wirtschaft wirksam zu machen. Hierzu werde auch eine reduzierte Verzinsung der EZB-Einlagenfazilität geprüft, in der die Banken ihre überschüssige Liquidität parken, anstatt sie anderen Banken zu leihen.

Dieser Idee trat Ratsmitglied Weber in dem Interview entgegen. Mit einem solchen Schritt "würden wir die Kontrolle über die kurzfristigen Geldmarktzinsen verlieren, ohne zusätzliche Feinsteuerungsmaßnahmen würden die Sätze dann unter den Hauptrefinanzierungssatz fallen", sagte er.

DJG/hab/kth 
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(END) Dow Jones Newswires

December 17, 2008 13:34 ET (18:34 GMT)

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© 2008 Dow Jones News
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