18. Dezember 2008. Die Märkte reagieren erratisch und wie gehabt. Während die US-Zinssenkung verpufft und Anleger sich angesichts der schlechten Konjunkturdaten immer noch zurück halten, legen Goldman Sachs und Morgan Stanley schlechte Zahlen vor und gewinnen. BNP Paribas macht es nach, verliert aber.
Die USA senkte den Leitzins auf ein Zielband zwischen 0,25 und 0 Prozent. Das hat den US-Markt erstmal beflügelt. Der Dow Jones kletterte um 3 Prozent in der Spitze. In Tokio jedoch währte die Euphorie nur kurz und in Europa und Deutschland hält sich die Begeisterung ebenfalls in Grenzen. Marktteilnehmer hatten mehr erwartet.
"Wie bei den vorangegangenen Zinssenkungen haben wir zunächst Kursaufschläge gesehen, aber sie sind ebenso schnell wieder verpufft", sagt Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler Bank AG. Die rückläufigen Konjunkturdaten und die Unsicherheiten bei den Banken sorgten nach wie vor für eine Verunsicherung bei den Anlegern. "Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar einen größeren Schub bekommen", berichtet Vorhauser. Doch würden die Marktteilnehmer um die Stabilität der US-Währung fürchten. "Man fragt sich, inwieweit die USA noch weitere Mittel zur Verfügung hat, um diese für Wachstumsschübe einzusetzen. Das stimmt mich bedenklich. Der Markt ist verharrt in einer Seitwärtsbewegung." Die Liquiditätszuflüsse und Maßnahmen zum Ankurbeln der Wirtschaft hätten noch nicht gegriffen. Die abwartende Haltung der Investoren sei deutlich zu spüren, meint der Skontroführer für Auslandsaktien. "Für 2009 jedenfalls können wir ein spannendes Jahr erwarten.
Im kurzzeitig auf Erholungstrip befindlichen US-Markt bracht Goldman Sachs (WKN 920332) seine Ergebnisse für das vierte Quartal. Die Bank muss wegen der nötigen Abschreibungen aus der Kreditkrise einen Verlust von 2,12 Milliarden US-Dollar melden. "Zum ersten Mal seit ihrem Börsengang vor zehn Jahren ist die Bank in den roten Zahlen. Im Vorjahresquartal konnte Goldman Sachs noch einen Gewinn von 3,2 Milliarden ausweisen", berichtet Vorhauser. Aufs Gesamtjahr gerechnet sei der Gewinn um 80 Prozent eingebrochen. Und der Verlust wäre noch höher ausgefallen, wenn Goldman Sachs nicht die Bonuszahlungen um die Hälfte gekürzt und 2.500 Stellen abgebaut hätte. Einen leichten Gewinn aus der Vermögensverwaltung und dem Privatkundengeschäft von 2,12 Milliarden US-Dollar für das Gesamtjahr kann die Bank aber ankündigen.
Mitte September hatte sich Goldman Sachs von einer Investmentbank in eine Geschäftsbank umgewandelt und daher Zugang zu dem Rettungspaket der US-Regierung für Banken bekommen, aus dem sie 10 Milliarden US-Dollar erhalten haben.
Trotz des schlechten Quartalsergebnisses ist die Aktie am Dienstag um 14 Prozent gestiegen und notiert nun in Frankfurt bei knapp 54 Euro. "Von dem Kursanstieg waren viele überrascht, da die Verluste höher lagen als erwartet", meint Vorhauser. "Goldman Sachs hatte die Bilanzsumme verringert, dadurch sind die Vermögenswerte anteilig angestiegen und der Kurs liegt ein Viertel unter dem Buchwert. Darin könnte der Grund für den Kursanstieg liegen." Stanley Morgan (WKN 885836), Konkurrent und Leidensgefährte in der Bankenkrise, legte ebenfalls Zahlen vor - und gewinnt. Die Quartalsergebnisse seien katastrophal ausgefallen, berichtet Jan Vrbsky von der Baader Bank. "Man hatte bei den schlimmsten Flüsterschätzungen mit einem Dollar pro Aktie gerechnet, aber nicht mit den nun gemeldeten 2,24 US-Dollar." Im Vorfeld zu den Quartalsergebnissen war die Aktie um 15 Prozent gestiegen und nach der Veröffentlichung noch mal um 2,5 Prozent. "Für die Kursanstiege gibt es keine normale Erklärung. Das zeigt doch, wie verfahren der Markt ist", kommentiert Vrbsky.
Auf schlechte Zahlen folgt die bei BNP die Strafe
Mit einem schlechten Bankenergebnis kann auch Europa aufwarten. Das Ergebnis der französischen Bank BNP Paribas (WKN 887771) fiel mit einem Verlust von mehr als 700 Millionen Euro aus den Bereichen Corporate und Investment Banking schlechter aus als erwartet. "Zudem ist die Bank auch noch von dem Skandal um den mutmaßlichen Anlagebetrüger Madoff betroffen. Das führte zu einem Kursrutsch von etwa 20 Prozent in den vergangenen zwei Tagen."
Geplatzte Träume in Australien
Der australische Marktführer in der Telkommunikationssparte Telstra Corp. (WKN 909947) hat sich disqualifiziert - bei der Ausschreibung um den Ausbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzwerkes in Australien. "Der ehemalige Staatskonzern hat gegen die Ausschreibungsauflagen verstoßen, kleinere australische Unternehmen in das Paket einzubinden", erklärt Vorhauser. Das Projekt ist in einem Umfang von 10 Milliarden australischen Dollar angelegt, die Regierung steuert dazu einen Anteil von 4,7 Milliarden bei. Der Kurs der Aktie hat mehr als 15 Prozent verloren und notiert in Frankfurt nun bei 1,90 Euro.
"Als der wahrscheinliche Gewinner wird Singapur Telecom gehandelt, aber das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Telstra will dagegen Einspruch einlegen", sagt Vorhauser. Wenn Telstra den Auftrag nicht bekäme, müsste das Unternehmen mit Umsatzeinbußen von etwa 3 Milliarden Australischen Dollar rechnen.
Den Fuß in der Tür Südchinas
China Unicom (WKN A0RBTQ), eine Tochter der China United Networks Communications, strukturiert sich um und wird von der Mutter Vermögenswerte in der Höhe von 940 Millionen US-Dollar übernehmen. Sie erwarten damit im dicht bevölkerten Südchina Fuß zu fassen. Außerdem plant das Unternehmen Investitionen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar. "Die Maßnahmen sind Teil der von der chinesischen Regierung geplanten Umstrukturierung des Telekommunikationsmarktes mit dem Ziel, durch die Erhöhung des Wettbewerbs die Dienstleistung im Telekommunikationssektor weiter zu erhöhen", erklärt Vorhauser. Ein Part dieses Programms war auch die Fusion von China Unicom mit dem Hongkonger Telekom Unternehmen China Netcom Group im Sommer diesen Jahres.
Die Aktie entwickelt sich seit Beginn des Jahres stetig von ihrem Hoch bei 1,73 Euro stetig nach unten, konnte sich jedoch vom Jahrestief bei 82 Euro-Cent wieder wegbewegen und notiert derzeit bei knapp 91 Euro-Cent.
Bei GE ist alles im Fluss
General Electric (WKN 851144) notiert 6 Prozent im Plus bei 12 Euro, wie Jan Vrbsky berichtet. Der Konzern hat im Gegensatz zu vielen anderen weltweit tätigen Unternehmen seine Quartals- und Jahresziele und den Ausblick bestätigt. Zudem erhält GE einen Auftrag aus dem Iran zum Bau von Kraftwerken in einem Volumen von 3 Milliarden US-Dollar.
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© 18. Dezember 2008 / Dorothee Liebing
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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