New York (BoerseGo.de) - Ob es wohl an den Hexen lag? Der heutige Hexensabbat - so genannt weil heute wieder zahlreiche Optionen und Futures ausliefen - wirbelte jedenfalls die Wall Street durcheinander. Nur so, lässt sich wohl erklären, dass die Anfangs-Rallye schnell verpuffte, obwohl die Börse ihren Willen bekam, nämlich die erhoffte Rettung der US-Autoindustrie, jedenfalls fürs erste.
Kurz vor Börsenstart bestätigte der noch amtierende US-Präsident Bush, dass General Motors & Co. insgesamt 17,4 Milliarden Dollar aus dem 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Fass bekommen. Kein Wunder also, dass die Futures zunächst deutlich anzogen und auch der Börsenstart in die Höhe ging.
„Unheilschwestern"
Da aber Hexentag war, wirkten nicht nur zahlreiche große Optionen- und Kontrakt-Besitzer (Hedgefonds?) mit ihren hektischen Transaktionen dagegen, sondern auch noch andere Kräfte. Dazu zählten heute auch wieder die Analysten, vor allem die Kreditanalysten der mächtigen Rating-Agenturen. Sie hielten sich wohl an das Hexen-Motto aus Macbeth (William Shakespeare): „Unheilschwestern, Hand in Hand, ziehen wir über Meer und Land“.
Besonders tat sich heute wieder die Ratingagentur Standard & Poor`s (S&P) hervor. Bereits gestern senkte sie den Kreditausblick des Dow-Riesens General Electric auf „Negativ“ und schickte damit die gesamte Wall Street auf Talfahrt. Heute degradierte S&P gleich fast ein Dutzend globaler Banken. Zu den 11 negativ beschworenen gehörten Bank of America, Citigroup, JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Auch der Rest der Analysten-Zunft arbeitete in diesem Sinne . Zu deren Opfern zählten heute illustre Namen wie Microsoft, Google, Oracle, Research in Motion, Amazon.com, Ebay und viele mehr.
Wer zu spät kommt .......
In vielen Fällen setzte sich die Wall Street aber die negativen Urteile hinweg und gönnte den Betroffenen dennoch Kursgewinne, teilweise sogar beträchtliche. Kein Wunder, immerhin kommen die Downgrades reichlich spät und zu einem Zeitpunkt an dem Wirtschaftspolitik massiv und aggressiv gegen die Rezession vorgeht.
Die Zunft folgt dem Herdentrieb und reagiert recht kurzsichtig. Weil die Gegenwart schlecht ist, wird auch die Zukunft negativ eingeschätzt, zumal das (fast) alle tun. Daher gibt es derzeit - für die Mehrheit der an der Wall Street gehandelten Papiere - nur Herabstufungen (Downgrades) - trotz massiver und aggressiver Zinssenkungen und Rettungspakete.
Vor allem die Rating-Agenturen dürften ihren Glaubwürdigkeits-Kredit längst verspielt haben. Immerhin haben sie die Kreditkrise lange Zeit verschlafen und reagieren erst jetzt, wo Hoffnung in Sicht ist, immerhin fallen wichtige Zinssätze, etwa am Hypothekenmarkt oder im Interbankenbereich (Libor). Der positive Effekt fallender Benzins- und sonstiger Rohstoffpreise auf die Kaufkraft (Realeinkommen) der Verbraucher wird ohnehin ignoriert.
Fazit: Der Dow Jones Industrial Average bröckelte 0,30 Prozent auf 8.579 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 gewann 0,29 Prozent auf 887 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index stieg 0,77 Prozent auf 1.564 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche
Dow minus 0.7 Prozent
,S&P 500 plus 0.8 Prozent
Nasdaq plus 1.5 Prozent.
Dow Jones Average: Glückliche 13
13 ist vielleicht keine Glückszahlen, aber heute die Zahl der Glücklichen, die im grünen Bereich des Dow schlossen
Tops:
Der Top des Tages war selbstverständlich General Motors mit einem Tagesgewinn von 22,7% auf 4,49 Dollar. Dort beflügelte natürlich der vom Weißen Haus genehmigten Schluck aus Finanzpulle TARP. Das stärkt die Hoffnungen auf ein Überleben. Daher wurde eine eher negative betriebliche Meldung überspielt. Der COO (zuständig für das operative Geschäft des Noch-Autobauers) verkündet, die Autoverkäufe im laufenden ersten Quartal des Geschäftsjahres würden voraussichtlich das „ Worst-Case Scenario“ treffen.
General Electric gewann 3,4% auf 16,50 Dollar. Der Mischkonzern gehörte gestern noch zu Flops des Dow, S&P sei es geklagt. Anscheinend kamen die Investoren zu der Erkenntnis, dass die gestrige Reaktion überzogen war. Immerhin hinken Rating-Firmen wie S&P schon lange hinter der Marktentwicklung hinterher.
Der Pharma-Titel Merck, gestern der Top des Dow, wurde 3. mit plus 2,96% auf 28,56 Dollar. Gesundheits-Titel sind derzeit an der Wall Street schwer angesagt, vielleicht Hoffnungen auf die Gesundheitspolitik Obamas.
Flops:
Der Flop des Dow, die Citigroup zählt zu den 11 Opfern von S&P. Das brachte einen Tagesverlust von 5,5% auf 7,02 Dollar.
Schuld an der relativen Schwäche des Dow waren allerdings die dort sehr hochgewichteten Energieriesen Chevron (minus 2,99% auf 70,85 Dollar ) und Exxon Mobil (minus 2,57% auf 75,02 Dollar). Beide litten unter der Schwäche des Öls, obwohl der ab morgen geltende Februar-Kontrakt für Crude leicht anzog.
S&P 500: Finales Wochenende
Auch hier wirbelten die Hexen kräftig. Der Banken ETF Financial Spider bröckelte 0,16 Prozent, den Ratingagenturen sei es geklagt.
Tops:
Darden Restaurant kletterte 19% auf 28,55 Dollar. Der Gastronomiekonzern verdiente wesentlich mehr als erwartet - Trinkgeld nicht mitgerechnet.
Quiksilver sprang 13% auf 1,91 Dollar. Der Spezialist für sportliche Bekleidung (Händler & Hersteller) meldete bereits gestern nachBörsenschluss mehr Gewinn als erwartet. Rzession hin, Konsumkrise her, der Umsatz war in Nordamerika um zehn Prozent gestiegen.
Accenture gewann 5,9% auf 32,21 Dollar. Die Consulting- und Outsourcingfirma meldte einen Gewinnanstieg um 26 Prozent, anscheinend mehr als erwartet
Ford avancierte 3,9% auf 2,95 Dollar mit den besten Wünschen vom Weißen Haus.
Sprint sprintete 7,8% auf 1,94 Dollar. Der beinahe Pennystock des Telefondienstleisters taucht fast regelmäßig bei den Tops oder Flops auf - so auch heute. Vielleicht irgendwelche Übernahemspekulationen?
Flops:
Weyerhaeuser rutschte 9,5% auf 33,59 Dollar. Der Holzverarbeiter und Papierhersteller dampft seine Quartalsdividende von 60 Cents je Aktie auf 25 Cents ein. Gleichzeitig warnte der Wald-Verarbeiter, dass sein Gewinn im laufenden Quartal beträchtlich unter den Erwartungen liegen wird. Die Immobilienkrise dämpfe die Nachfrage nach Bauholz.
Nordstrom sank 5% auf 12,75 Dollar. Das Weihnachtsgeschäft 2008 geht auch bei dem Fashionhändler in sein finales Wochenende. Da nahm wohl der eine oder andere Spieler Geld vom Tisch. Der Vorwand dafür war wohl ein Blizzard im Nordwesten der USA, der dem Ladenbetreiber möglicherweise den Schluss-Spurt vermasselt.
Das schien auch den JC Penney zu treffen. Der Kaufhausbetreiber machte einen Tagesverlust von 4% und schloss auf 19,92 Dollar.
Fluor verbilligte sich 5,8% auf 45,26 Dollar. Der Ingenieurdienstleister wurde in den vergangenen Tagen als Gewinner der von Obama angekündigten massiven Infrastruktur-Investitionen gefeiert. Heute wurden die Texaner aber bei der Citigroup von „Neutral“ auf „Verkaufen“ degradiert. Gleichzeitig wurde das Kursziel auf 37 Dollar eingestampft (vorher: 41 Dollar). Die Aktie sei seit Mitte November ungefähr 60 Prozent gestiegen, das sei zu viel, hieß es. Außerdem bestünde das Risiko, dass ein Raffinerie-Bauauftrag in Kuweit storniert wird, behauptet die Bank.
Morgan Stanley verlor 4,8% auf 15,45 Dollar. Eines der 11 S&P-Opfer.
Potash gab 2,6% auf 72,26 Dollar ab. Im Sommer zählte der Düngemittelhersteller (Pottasche) - wegen dem heiß gelaufenen Argrarboom - noch zu den Shooting Stars an der Wall Street. Heute kürzte der Agrarzulieferer seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr weil die Bauern -wegen der geplatzten Rohstoffblase - weniger Düngemittel kaufen.
Nasdaq: Bei Kursschwäche kaufen?
Die technologielastige Computerbörse profitierte heute von Quartalszahlen, die von den Investoren wohlwollend aufgenommen wurden. Damit konnte auch der Druck der notorischen Broker-Downgrades überspielt werden.
Beispiel: Research in Motion. Der BlackBerry-Hersteller gewann 11,4% auf 42,83 Dollar. Der gestern nach Börsenschluss gemeldete Gewinn der Kanadier bewegte sich zwar nur im Rahmen der - kürzlich durch eine Gewinnwarnung gesenkten - Erwartungen, der Ausblick lag aber deutlich über den Vorstellungen der Wall Street. Das wurde heute honoriert, jedenfalls von den Investoren. Die Analysten-Gilde konnte sich nicht einigen. Während Barclays Capital den Rat „Übergewichten“ und Kursziel 56 Dollar bestätigte, bekräftigte die Deutsche Bank ihre Verkaufsempfehlung und Kursziel 30 Dollar. Die UBS hilet an „neutral“ fest und senkte das Kursziel von 50 Dollar auf 42 Dollar. Der Broker Cowen degradierte die Kanadier von „Neutral“ auf „Underperform“.
Der Smartphone-Rivale Apple - selbst in den vergangenen Tagen in Ungnade gefallen - wurde anscheinend mit in die Höhe gezogen und avancierte 0,6% auf 90,00 Dollar.
Beispiel Oracle. Der SAP-Rivale stieg 7% auf 17,78 Dollar. Der Softwareriese traf nur die die Gewinnerwartungen und schwächelte beim Umsatz. Die operative Gewinnmarge, eine wichtige Zielgröße der Wall Street, lag allerdings über den Erwartungen.
Sogar Palm gewann heute 13% auf 2,49 Dollar, obwohl es für den Smartphone-Pionier noch schlimmer kam als befürchtet . Die Kalifornier - die gegen iPhone und BlackBerry ins Hintertreffen geraten waren - meldeten je Aktie einen Verlust von 73 Cents, das waren gleich 35 Cents mehr als der von First Call ermittelte Konsens in Aussicht gestellt hatte. Die Umsätze implodierten gegenüber Vorjahr 35% auf 191,6 Millionen Dollar (Konsens: 207,3 Millionen Dollar).
Der Broker Needham hob das Papier von „Underperform“ auf „Halten“ und Pacific Crest bestätigte „Outperform“. Beide loben die neue Smartphone-Plattform „Nova“.
Der Dow-Titel Microsoft gab 0,9% auf 19,12 Dollar ab. Die Redmonter stehen schon seit Wochen unter dem Beschuss der Analysten. In den vergangenen Tagen hatten bereits die UBS und Morgan Stanley den Verdacht ausgesprochen, dass der Software-Riese bald für das laufende Geschäftsquartal eine Gewinnwarnung ausspricht. Das wäre dann die erste seit Dezember 2000. Sollte der Software-Goliath wider Erwartungen keine Gewinnwarnung abgeben, verpasse er die Konsenserwartung der Wall Street, hieß es.
Heute schloss sich Analyst Brent Thill von der Citigroup dem negativen Chor an. Auch der Citi-Analyst glaubt, dass die Redmonter die Konsenserwartung verfehlen. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass CEO Steve Ballmer seinen Gewinn- und Umsatzausblick für das Geschäftsjahr 2009 kappt. Die Geschäftsabkühlung, also bei der PC- und der daraus abgeleiteten Software-Nachfrage, habe sich im November verschlimmert und halte bis in den laufenden Monat an. Thill schraubte daher sein Kursziel von 31 Dollar auf 24 Dollar herunter, bleibt aber noch bei der Empfehlung „Kaufen“.
Die gestern arg zerzausten Chipwerte - wegen einer Flut von Herabstufungen - bekamen heute Rückdeckung, ausgerechnet von der Citigroup. Anscheinend hat der dort zuständige Chip-Analyst einen längeren Zeithorizont als die kurzsichtigen Berufskollegen und blickt über das aktuelle Konjunkturloch hinaus. „Wir weichen nicht von unserer positiven Meinung zum Halbleiter-Sektor ab“, hieß es dort., Daher raten wir weiterhin den Chip-Bereich „Übergewichten“. Wir empfehlen, bei Kurschwäche zu „Kaufen“ (“buy the dips”). Gewinnmitnahmen (“sell the rallies”) halten wir verfrüht.
Explizit zum Kauf empfohlen wurden folgende Titel: Nvidia, Qualcomm, Intel, Altera oder Texas Instruments.
Der Branchenführer Intel avnacierte 1,3% auf 14,44 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verbesserte sich 1,4% auf 2211,84 Punkte.
Internet: In der Zange der Broker
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets konnten ebenfalls an Boden gewinnen, sofern sie nicht von den Analysten unter Beschuss genommen wurden.
Amazon.com verlor 1% auf 51,56 Dollar. Der Online-Pionier hat anscheinend eine Gruppe natürlicher Feinde: Die Analysten. Seit dem Börsengang des Onlinehändlers vor gut zehn Jahren kommentiert das Gros der Bilanzbeschauer die Aktie negativ. Die Mehrheit der Excell-Jongleure versteht das Geschäftsmodell des Internet-Pioniers, ein Zwitter aus Technologie/Softwareunternehmen und Discounthändler, einfach nicht.
Häufig kommt Ignoranz hinzu. Kürzlich wurden die Gewinnschätzungen der Reihe nach gekappt, weil der damalige Höhenflug des Dollars, die Auslandsumsätze (knapp die Hälfte der Konzernumsatzes) in US-Währung umgerechnet, drastisch verringerte. Inzwischen hat der Dollar gedreht und das Gros seiner Gewinne an den Devisenmärkten wieder abgegeben. Im Vergleich zum Euro fiel der Greenback binnen Monatsfrist um etwa 11 Prozent und steht damit lediglich rund 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau - und das zum Höhepunkt der Weihnachtssaison, der Geschäftsspitze bei allen Einzelhändlern. Bislang hörte man dazu kein Wort eines Analysten.
Heute degradierte Analyst Jeffrey Lindsay vom Broker Bernstein die Amazon-Aktie von „Outperform“ auf „Perform“ (etwa: „Neutral“), bleibt aber bei dem Kursziel 50 Dollar. Wegen der Rezession - vor allem wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und den Zwangsversteigerungen von Eigenheimen (in den USA) - dürfte weniger Geld für Online-Käufe ausgegeben werden, hieß es. Außerdem unterstellt der Bilanzauswerter ein geringeres Wachstum im Ausland (Amazon ist in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und China jeweils mit eigenen Webseiten vertreten). Beides schmälere die Gewinnmargen. Daher wachse der Amazon-Umsatz im kommenden Jahr nur 12 Prozent und der Gewinn nur um 11 Prozent, orakelt Lindsay (Im 3. Quartal 2008 wuchs der Amazon-Umsatz um 31 Prozent - trotz Rezession, bereinigt um den damaligen Effekt der Dollarschwäche blieben 28 Prozent Wachstum).
Der Rivale Ebay wurde gleich von 2 negativ gestimmtenBrokern in die Zange genommen und sank 1,1% auf 14,45 Dollar.
Der Broker Bernstein wertete den virtuellen Auktionator von „Outperform“ auf „Market Perform“ (etwa: „Neutral“) und dampfte das Kursziel auf 16 Dollar ein. Nach der jüngsten klitzekleinen Kursverbesserung sei der Aktienkurs bereits schon wieder ausgereizt, hieß es dort. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit (in Deutschland geht sie zurück, aber das interessiert einen US-Broker wenig) kauften die Leute auch Online weniger ein. Außerdem sei es den Kaliforniern nicht gelungen, ihre strukturelle Wachstumschwäche (etwa im Wettbewerb mit Amazon) zu beheben. Negativ sieht der Broker den kürzlich erfolgten Ankauf des Zahlungsdienstleisters „Bill Me Later“. Den Verbrauchern darüber Kredite anzubieten, sei ein riskanter Weg, um das Wachstum zu stimulieren, hieß es. Daneben leide der Online-Gebrachtwagen-Markt, ein wichtiger Geschäftszweig der Internetfirma, unter der bekannten Autokrise.
Der Broker Jefferies kürzte sein Gewinnschätzung für Ebay für 2009 auf 1.48 Dollar je Aktie (vorher: 1.53 Dollar, Konsens: 1.65 Dollar). Jefferies verwies auch auf das schwache Auto-Geschäft. Außerdem habe die Beobachtungsfirma eine Abschwächung des Besucherstroms (Traffic Trend) registriert.
Etwas besser kam der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content davon. Google bröckelte homöpathische 0,04% auf 310,17 Dollar. Die Beobachtungsfirma ComScore meldete, dass sich das Suchmaschinengeschäft in den USA im November wieder beschleunigte. Danach wuchsen die Anfragen um 22,3 Prozent gegenüber Vorjahr auf 12,3 Milliarden (Oktober: plus 20.1%, 3. Quartal: plus 21.0%). Dabei habe Google auch noch Marktanteile hinzugewonnen und konnte sein Wachstum bei den Suchanzeigen auf eine Zuwachsrate von 32.3% beschleunigen. Die Wachstumsrate liegt damit deutlich über dem Oktoberwert von 29.6% (3. Quartal: plus 35.0%).
Der Broker Friedman Billings Ramsey senkte trotzdem seine Gewinnschätzungen für das laufende Quartal und das Jahr 2009. Er behauptete, dass das beschleunigte Wachstum an Zugriffen (Klicks) nicht zu einer entsprechenden Beschleunigung der Werbeeinnahmen führt. Friedman Billings Ramsey kürzte seine Gewinnschätzung für das laufende Quartal auf 5.04 Dollar je Aktie (vorher: 5.19 Dollar, Konsens: 5.02). Für 2009 unterstellt er jetzt 21.64 Dollar (vorher: 23.50 Dollar, Konsens: 21.68 Dollar). Der Broker Canaccord Adams äußerte sich ebenfalls skeptisch zur Online-Werbung und startete Google heute mit „Neutral“ und Kursziel 300 Dollar.
Positiver äußerte sich dagegen die Citigroup. Die Bank erklärte heute, aus ihrer Sicht sind die Novemberzahlen sehr positiv für das erwartete Ergebnis des laufenden Quartals.
Yahoo gewann 2,4% auf 13,03 Dollar.
Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, avancierte 0,3% auf 131,07 Dollar. Dort ebbte die Strafkampagne der chinesischen Regierung wegen angeblicher Bevorzugung von Medizin-Pantschern anscheinend wieder ab.
Öl: Kleine Wachablösung, großer Preiseffekt
Beim Öl gab es heute eine kleine Wachablösung. Der bislang maßgebliche Januar-Kontrakt lief aus, jetzt regiert der Februar-Kontrakt. Das hatte beträchtliche Preiseffekte zur Folge. Der auslaufende Januar-Kontrakt für Crude fiel an der New York Mercantile Exchange um 2,36 Dollar und schloss auf 33,87 Dollar, meldet MarketWatch. Sein Nachfolger, der Februar-Kontrakt stieg dagegen um 69 Cents und schloss auf 42,36 Dollar.
Gold: Edelmetall schlägt Haken wie der Dollar
Der Dollar schlägt Haken und mit ihm das Gold. Weil sich der Greenback plötzlich wieder in die Höhe bewegt, fiel das Edelmetall, das sich wie gewohnt spiegelverkehrt zur US-Valuta bewegte, in die Tiefe. Die Konsequenz: Der Gold-Kontrakt für Februar verbilligte sich heute an der New York Mercantile Exchange um 23,10 Dollar und schloss auf 837,40 Dollar, berichtet Market Watch. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 83,8,65 Dollar.
Ausblick:
Montag:
Quartalszahlen: Red Hat (Software Linux), Walgreen (Drogerie-Kette)
Dienstag:
14:30 Uhr Wachstum 3. Quartal (2. Revision), Verkauf bestehender und neuer Häuser vom November
Quartalszahlen: Micron Technology (Halbleiter)
Mittwoch: Christmas Eve, Börsenschluss: 20:00 Uhr
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche (wegen Weihnachten vorgezogen) plus Einkommen sowie Ausgaben der privaten Haushalte vom November, gleichzeitig Auftragseingänge für dauerhafte Güter ebenfalls vom November; 16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
Feiertag, Märkte geschlossen
Freitag:
Börsenschluss: 20:00 Uhr
Kurz vor Börsenstart bestätigte der noch amtierende US-Präsident Bush, dass General Motors & Co. insgesamt 17,4 Milliarden Dollar aus dem 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Fass bekommen. Kein Wunder also, dass die Futures zunächst deutlich anzogen und auch der Börsenstart in die Höhe ging.
„Unheilschwestern"
Da aber Hexentag war, wirkten nicht nur zahlreiche große Optionen- und Kontrakt-Besitzer (Hedgefonds?) mit ihren hektischen Transaktionen dagegen, sondern auch noch andere Kräfte. Dazu zählten heute auch wieder die Analysten, vor allem die Kreditanalysten der mächtigen Rating-Agenturen. Sie hielten sich wohl an das Hexen-Motto aus Macbeth (William Shakespeare): „Unheilschwestern, Hand in Hand, ziehen wir über Meer und Land“.
Besonders tat sich heute wieder die Ratingagentur Standard & Poor`s (S&P) hervor. Bereits gestern senkte sie den Kreditausblick des Dow-Riesens General Electric auf „Negativ“ und schickte damit die gesamte Wall Street auf Talfahrt. Heute degradierte S&P gleich fast ein Dutzend globaler Banken. Zu den 11 negativ beschworenen gehörten Bank of America, Citigroup, JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Auch der Rest der Analysten-Zunft arbeitete in diesem Sinne . Zu deren Opfern zählten heute illustre Namen wie Microsoft, Google, Oracle, Research in Motion, Amazon.com, Ebay und viele mehr.
Wer zu spät kommt .......
In vielen Fällen setzte sich die Wall Street aber die negativen Urteile hinweg und gönnte den Betroffenen dennoch Kursgewinne, teilweise sogar beträchtliche. Kein Wunder, immerhin kommen die Downgrades reichlich spät und zu einem Zeitpunkt an dem Wirtschaftspolitik massiv und aggressiv gegen die Rezession vorgeht.
Die Zunft folgt dem Herdentrieb und reagiert recht kurzsichtig. Weil die Gegenwart schlecht ist, wird auch die Zukunft negativ eingeschätzt, zumal das (fast) alle tun. Daher gibt es derzeit - für die Mehrheit der an der Wall Street gehandelten Papiere - nur Herabstufungen (Downgrades) - trotz massiver und aggressiver Zinssenkungen und Rettungspakete.
Vor allem die Rating-Agenturen dürften ihren Glaubwürdigkeits-Kredit längst verspielt haben. Immerhin haben sie die Kreditkrise lange Zeit verschlafen und reagieren erst jetzt, wo Hoffnung in Sicht ist, immerhin fallen wichtige Zinssätze, etwa am Hypothekenmarkt oder im Interbankenbereich (Libor). Der positive Effekt fallender Benzins- und sonstiger Rohstoffpreise auf die Kaufkraft (Realeinkommen) der Verbraucher wird ohnehin ignoriert.
Fazit: Der Dow Jones Industrial Average bröckelte 0,30 Prozent auf 8.579 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 gewann 0,29 Prozent auf 887 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index stieg 0,77 Prozent auf 1.564 Punkte.
Vergleich zur Vorwoche
Dow minus 0.7 Prozent
,S&P 500 plus 0.8 Prozent
Nasdaq plus 1.5 Prozent.
Dow Jones Average: Glückliche 13
13 ist vielleicht keine Glückszahlen, aber heute die Zahl der Glücklichen, die im grünen Bereich des Dow schlossen
Tops:
Der Top des Tages war selbstverständlich General Motors mit einem Tagesgewinn von 22,7% auf 4,49 Dollar. Dort beflügelte natürlich der vom Weißen Haus genehmigten Schluck aus Finanzpulle TARP. Das stärkt die Hoffnungen auf ein Überleben. Daher wurde eine eher negative betriebliche Meldung überspielt. Der COO (zuständig für das operative Geschäft des Noch-Autobauers) verkündet, die Autoverkäufe im laufenden ersten Quartal des Geschäftsjahres würden voraussichtlich das „ Worst-Case Scenario“ treffen.
General Electric gewann 3,4% auf 16,50 Dollar. Der Mischkonzern gehörte gestern noch zu Flops des Dow, S&P sei es geklagt. Anscheinend kamen die Investoren zu der Erkenntnis, dass die gestrige Reaktion überzogen war. Immerhin hinken Rating-Firmen wie S&P schon lange hinter der Marktentwicklung hinterher.
Der Pharma-Titel Merck, gestern der Top des Dow, wurde 3. mit plus 2,96% auf 28,56 Dollar. Gesundheits-Titel sind derzeit an der Wall Street schwer angesagt, vielleicht Hoffnungen auf die Gesundheitspolitik Obamas.
Flops:
Der Flop des Dow, die Citigroup zählt zu den 11 Opfern von S&P. Das brachte einen Tagesverlust von 5,5% auf 7,02 Dollar.
Schuld an der relativen Schwäche des Dow waren allerdings die dort sehr hochgewichteten Energieriesen Chevron (minus 2,99% auf 70,85 Dollar ) und Exxon Mobil (minus 2,57% auf 75,02 Dollar). Beide litten unter der Schwäche des Öls, obwohl der ab morgen geltende Februar-Kontrakt für Crude leicht anzog.
S&P 500: Finales Wochenende
Auch hier wirbelten die Hexen kräftig. Der Banken ETF Financial Spider bröckelte 0,16 Prozent, den Ratingagenturen sei es geklagt.
Tops:
Darden Restaurant kletterte 19% auf 28,55 Dollar. Der Gastronomiekonzern verdiente wesentlich mehr als erwartet - Trinkgeld nicht mitgerechnet.
Quiksilver sprang 13% auf 1,91 Dollar. Der Spezialist für sportliche Bekleidung (Händler & Hersteller) meldete bereits gestern nachBörsenschluss mehr Gewinn als erwartet. Rzession hin, Konsumkrise her, der Umsatz war in Nordamerika um zehn Prozent gestiegen.
Accenture gewann 5,9% auf 32,21 Dollar. Die Consulting- und Outsourcingfirma meldte einen Gewinnanstieg um 26 Prozent, anscheinend mehr als erwartet
Ford avancierte 3,9% auf 2,95 Dollar mit den besten Wünschen vom Weißen Haus.
Sprint sprintete 7,8% auf 1,94 Dollar. Der beinahe Pennystock des Telefondienstleisters taucht fast regelmäßig bei den Tops oder Flops auf - so auch heute. Vielleicht irgendwelche Übernahemspekulationen?
Flops:
Weyerhaeuser rutschte 9,5% auf 33,59 Dollar. Der Holzverarbeiter und Papierhersteller dampft seine Quartalsdividende von 60 Cents je Aktie auf 25 Cents ein. Gleichzeitig warnte der Wald-Verarbeiter, dass sein Gewinn im laufenden Quartal beträchtlich unter den Erwartungen liegen wird. Die Immobilienkrise dämpfe die Nachfrage nach Bauholz.
Nordstrom sank 5% auf 12,75 Dollar. Das Weihnachtsgeschäft 2008 geht auch bei dem Fashionhändler in sein finales Wochenende. Da nahm wohl der eine oder andere Spieler Geld vom Tisch. Der Vorwand dafür war wohl ein Blizzard im Nordwesten der USA, der dem Ladenbetreiber möglicherweise den Schluss-Spurt vermasselt.
Das schien auch den JC Penney zu treffen. Der Kaufhausbetreiber machte einen Tagesverlust von 4% und schloss auf 19,92 Dollar.
Fluor verbilligte sich 5,8% auf 45,26 Dollar. Der Ingenieurdienstleister wurde in den vergangenen Tagen als Gewinner der von Obama angekündigten massiven Infrastruktur-Investitionen gefeiert. Heute wurden die Texaner aber bei der Citigroup von „Neutral“ auf „Verkaufen“ degradiert. Gleichzeitig wurde das Kursziel auf 37 Dollar eingestampft (vorher: 41 Dollar). Die Aktie sei seit Mitte November ungefähr 60 Prozent gestiegen, das sei zu viel, hieß es. Außerdem bestünde das Risiko, dass ein Raffinerie-Bauauftrag in Kuweit storniert wird, behauptet die Bank.
Morgan Stanley verlor 4,8% auf 15,45 Dollar. Eines der 11 S&P-Opfer.
Potash gab 2,6% auf 72,26 Dollar ab. Im Sommer zählte der Düngemittelhersteller (Pottasche) - wegen dem heiß gelaufenen Argrarboom - noch zu den Shooting Stars an der Wall Street. Heute kürzte der Agrarzulieferer seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr weil die Bauern -wegen der geplatzten Rohstoffblase - weniger Düngemittel kaufen.
Nasdaq: Bei Kursschwäche kaufen?
Die technologielastige Computerbörse profitierte heute von Quartalszahlen, die von den Investoren wohlwollend aufgenommen wurden. Damit konnte auch der Druck der notorischen Broker-Downgrades überspielt werden.
Beispiel: Research in Motion. Der BlackBerry-Hersteller gewann 11,4% auf 42,83 Dollar. Der gestern nach Börsenschluss gemeldete Gewinn der Kanadier bewegte sich zwar nur im Rahmen der - kürzlich durch eine Gewinnwarnung gesenkten - Erwartungen, der Ausblick lag aber deutlich über den Vorstellungen der Wall Street. Das wurde heute honoriert, jedenfalls von den Investoren. Die Analysten-Gilde konnte sich nicht einigen. Während Barclays Capital den Rat „Übergewichten“ und Kursziel 56 Dollar bestätigte, bekräftigte die Deutsche Bank ihre Verkaufsempfehlung und Kursziel 30 Dollar. Die UBS hilet an „neutral“ fest und senkte das Kursziel von 50 Dollar auf 42 Dollar. Der Broker Cowen degradierte die Kanadier von „Neutral“ auf „Underperform“.
Der Smartphone-Rivale Apple - selbst in den vergangenen Tagen in Ungnade gefallen - wurde anscheinend mit in die Höhe gezogen und avancierte 0,6% auf 90,00 Dollar.
Beispiel Oracle. Der SAP-Rivale stieg 7% auf 17,78 Dollar. Der Softwareriese traf nur die die Gewinnerwartungen und schwächelte beim Umsatz. Die operative Gewinnmarge, eine wichtige Zielgröße der Wall Street, lag allerdings über den Erwartungen.
Sogar Palm gewann heute 13% auf 2,49 Dollar, obwohl es für den Smartphone-Pionier noch schlimmer kam als befürchtet . Die Kalifornier - die gegen iPhone und BlackBerry ins Hintertreffen geraten waren - meldeten je Aktie einen Verlust von 73 Cents, das waren gleich 35 Cents mehr als der von First Call ermittelte Konsens in Aussicht gestellt hatte. Die Umsätze implodierten gegenüber Vorjahr 35% auf 191,6 Millionen Dollar (Konsens: 207,3 Millionen Dollar).
Der Broker Needham hob das Papier von „Underperform“ auf „Halten“ und Pacific Crest bestätigte „Outperform“. Beide loben die neue Smartphone-Plattform „Nova“.
Der Dow-Titel Microsoft gab 0,9% auf 19,12 Dollar ab. Die Redmonter stehen schon seit Wochen unter dem Beschuss der Analysten. In den vergangenen Tagen hatten bereits die UBS und Morgan Stanley den Verdacht ausgesprochen, dass der Software-Riese bald für das laufende Geschäftsquartal eine Gewinnwarnung ausspricht. Das wäre dann die erste seit Dezember 2000. Sollte der Software-Goliath wider Erwartungen keine Gewinnwarnung abgeben, verpasse er die Konsenserwartung der Wall Street, hieß es.
Heute schloss sich Analyst Brent Thill von der Citigroup dem negativen Chor an. Auch der Citi-Analyst glaubt, dass die Redmonter die Konsenserwartung verfehlen. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass CEO Steve Ballmer seinen Gewinn- und Umsatzausblick für das Geschäftsjahr 2009 kappt. Die Geschäftsabkühlung, also bei der PC- und der daraus abgeleiteten Software-Nachfrage, habe sich im November verschlimmert und halte bis in den laufenden Monat an. Thill schraubte daher sein Kursziel von 31 Dollar auf 24 Dollar herunter, bleibt aber noch bei der Empfehlung „Kaufen“.
Die gestern arg zerzausten Chipwerte - wegen einer Flut von Herabstufungen - bekamen heute Rückdeckung, ausgerechnet von der Citigroup. Anscheinend hat der dort zuständige Chip-Analyst einen längeren Zeithorizont als die kurzsichtigen Berufskollegen und blickt über das aktuelle Konjunkturloch hinaus. „Wir weichen nicht von unserer positiven Meinung zum Halbleiter-Sektor ab“, hieß es dort., Daher raten wir weiterhin den Chip-Bereich „Übergewichten“. Wir empfehlen, bei Kurschwäche zu „Kaufen“ (“buy the dips”). Gewinnmitnahmen (“sell the rallies”) halten wir verfrüht.
Explizit zum Kauf empfohlen wurden folgende Titel: Nvidia, Qualcomm, Intel, Altera oder Texas Instruments.
Der Branchenführer Intel avnacierte 1,3% auf 14,44 Dollar.
Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, verbesserte sich 1,4% auf 2211,84 Punkte.
Internet: In der Zange der Broker
Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets konnten ebenfalls an Boden gewinnen, sofern sie nicht von den Analysten unter Beschuss genommen wurden.
Amazon.com verlor 1% auf 51,56 Dollar. Der Online-Pionier hat anscheinend eine Gruppe natürlicher Feinde: Die Analysten. Seit dem Börsengang des Onlinehändlers vor gut zehn Jahren kommentiert das Gros der Bilanzbeschauer die Aktie negativ. Die Mehrheit der Excell-Jongleure versteht das Geschäftsmodell des Internet-Pioniers, ein Zwitter aus Technologie/Softwareunternehmen und Discounthändler, einfach nicht.
Häufig kommt Ignoranz hinzu. Kürzlich wurden die Gewinnschätzungen der Reihe nach gekappt, weil der damalige Höhenflug des Dollars, die Auslandsumsätze (knapp die Hälfte der Konzernumsatzes) in US-Währung umgerechnet, drastisch verringerte. Inzwischen hat der Dollar gedreht und das Gros seiner Gewinne an den Devisenmärkten wieder abgegeben. Im Vergleich zum Euro fiel der Greenback binnen Monatsfrist um etwa 11 Prozent und steht damit lediglich rund 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau - und das zum Höhepunkt der Weihnachtssaison, der Geschäftsspitze bei allen Einzelhändlern. Bislang hörte man dazu kein Wort eines Analysten.
Heute degradierte Analyst Jeffrey Lindsay vom Broker Bernstein die Amazon-Aktie von „Outperform“ auf „Perform“ (etwa: „Neutral“), bleibt aber bei dem Kursziel 50 Dollar. Wegen der Rezession - vor allem wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und den Zwangsversteigerungen von Eigenheimen (in den USA) - dürfte weniger Geld für Online-Käufe ausgegeben werden, hieß es. Außerdem unterstellt der Bilanzauswerter ein geringeres Wachstum im Ausland (Amazon ist in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und China jeweils mit eigenen Webseiten vertreten). Beides schmälere die Gewinnmargen. Daher wachse der Amazon-Umsatz im kommenden Jahr nur 12 Prozent und der Gewinn nur um 11 Prozent, orakelt Lindsay (Im 3. Quartal 2008 wuchs der Amazon-Umsatz um 31 Prozent - trotz Rezession, bereinigt um den damaligen Effekt der Dollarschwäche blieben 28 Prozent Wachstum).
Der Rivale Ebay wurde gleich von 2 negativ gestimmtenBrokern in die Zange genommen und sank 1,1% auf 14,45 Dollar.
Der Broker Bernstein wertete den virtuellen Auktionator von „Outperform“ auf „Market Perform“ (etwa: „Neutral“) und dampfte das Kursziel auf 16 Dollar ein. Nach der jüngsten klitzekleinen Kursverbesserung sei der Aktienkurs bereits schon wieder ausgereizt, hieß es dort. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit (in Deutschland geht sie zurück, aber das interessiert einen US-Broker wenig) kauften die Leute auch Online weniger ein. Außerdem sei es den Kaliforniern nicht gelungen, ihre strukturelle Wachstumschwäche (etwa im Wettbewerb mit Amazon) zu beheben. Negativ sieht der Broker den kürzlich erfolgten Ankauf des Zahlungsdienstleisters „Bill Me Later“. Den Verbrauchern darüber Kredite anzubieten, sei ein riskanter Weg, um das Wachstum zu stimulieren, hieß es. Daneben leide der Online-Gebrachtwagen-Markt, ein wichtiger Geschäftszweig der Internetfirma, unter der bekannten Autokrise.
Der Broker Jefferies kürzte sein Gewinnschätzung für Ebay für 2009 auf 1.48 Dollar je Aktie (vorher: 1.53 Dollar, Konsens: 1.65 Dollar). Jefferies verwies auch auf das schwache Auto-Geschäft. Außerdem habe die Beobachtungsfirma eine Abschwächung des Besucherstroms (Traffic Trend) registriert.
Etwas besser kam der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content davon. Google bröckelte homöpathische 0,04% auf 310,17 Dollar. Die Beobachtungsfirma ComScore meldete, dass sich das Suchmaschinengeschäft in den USA im November wieder beschleunigte. Danach wuchsen die Anfragen um 22,3 Prozent gegenüber Vorjahr auf 12,3 Milliarden (Oktober: plus 20.1%, 3. Quartal: plus 21.0%). Dabei habe Google auch noch Marktanteile hinzugewonnen und konnte sein Wachstum bei den Suchanzeigen auf eine Zuwachsrate von 32.3% beschleunigen. Die Wachstumsrate liegt damit deutlich über dem Oktoberwert von 29.6% (3. Quartal: plus 35.0%).
Der Broker Friedman Billings Ramsey senkte trotzdem seine Gewinnschätzungen für das laufende Quartal und das Jahr 2009. Er behauptete, dass das beschleunigte Wachstum an Zugriffen (Klicks) nicht zu einer entsprechenden Beschleunigung der Werbeeinnahmen führt. Friedman Billings Ramsey kürzte seine Gewinnschätzung für das laufende Quartal auf 5.04 Dollar je Aktie (vorher: 5.19 Dollar, Konsens: 5.02). Für 2009 unterstellt er jetzt 21.64 Dollar (vorher: 23.50 Dollar, Konsens: 21.68 Dollar). Der Broker Canaccord Adams äußerte sich ebenfalls skeptisch zur Online-Werbung und startete Google heute mit „Neutral“ und Kursziel 300 Dollar.
Positiver äußerte sich dagegen die Citigroup. Die Bank erklärte heute, aus ihrer Sicht sind die Novemberzahlen sehr positiv für das erwartete Ergebnis des laufenden Quartals.
Yahoo gewann 2,4% auf 13,03 Dollar.
Baidu.com, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, avancierte 0,3% auf 131,07 Dollar. Dort ebbte die Strafkampagne der chinesischen Regierung wegen angeblicher Bevorzugung von Medizin-Pantschern anscheinend wieder ab.
Öl: Kleine Wachablösung, großer Preiseffekt
Beim Öl gab es heute eine kleine Wachablösung. Der bislang maßgebliche Januar-Kontrakt lief aus, jetzt regiert der Februar-Kontrakt. Das hatte beträchtliche Preiseffekte zur Folge. Der auslaufende Januar-Kontrakt für Crude fiel an der New York Mercantile Exchange um 2,36 Dollar und schloss auf 33,87 Dollar, meldet MarketWatch. Sein Nachfolger, der Februar-Kontrakt stieg dagegen um 69 Cents und schloss auf 42,36 Dollar.
Gold: Edelmetall schlägt Haken wie der Dollar
Der Dollar schlägt Haken und mit ihm das Gold. Weil sich der Greenback plötzlich wieder in die Höhe bewegt, fiel das Edelmetall, das sich wie gewohnt spiegelverkehrt zur US-Valuta bewegte, in die Tiefe. Die Konsequenz: Der Gold-Kontrakt für Februar verbilligte sich heute an der New York Mercantile Exchange um 23,10 Dollar und schloss auf 837,40 Dollar, berichtet Market Watch. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 83,8,65 Dollar.
Ausblick:
Montag:
Quartalszahlen: Red Hat (Software Linux), Walgreen (Drogerie-Kette)
Dienstag:
14:30 Uhr Wachstum 3. Quartal (2. Revision), Verkauf bestehender und neuer Häuser vom November
Quartalszahlen: Micron Technology (Halbleiter)
Mittwoch: Christmas Eve, Börsenschluss: 20:00 Uhr
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche (wegen Weihnachten vorgezogen) plus Einkommen sowie Ausgaben der privaten Haushalte vom November, gleichzeitig Auftragseingänge für dauerhafte Güter ebenfalls vom November; 16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Donnerstag:
Feiertag, Märkte geschlossen
Freitag:
Börsenschluss: 20:00 Uhr
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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