Der krisengeschüttelte
Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate
Nach einer Razzia der Staatsanwaltschaft München trennt sich die Bank außerdem von mehreren Vorstandsmitgliedern. Betroffen sind von den zuletzt noch amtierenden Spitzenmanagern Finanzvorstand Markus Fell und sein Vorstandskollege Frank Lamby. Außerdem werden die Dienstverhältnisse des früheren Konzernchefs Georg Funke und von Ex- Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen mit sofortiger Wirkung beendet. Beide hatten angesichts der Krise der Bank bereits ihre Vorstandsposten geräumt. Zu den Hintergründen der Personalien äußerte sich Wieandt nicht.
RAZZIA BEI HRE
Die Staatsanwaltschaft München hatte vor einigen Tagen wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen und falsche Darstellungen nach dem Aktiengesetz die Bank sowie Privaträume von Vorstandsmitgliedern durchsuchen lassen. Durch den Kurssturz der Aktie von 37 auf 3 Euro in diesem Jahr haben Aktionäre der HRE zum Teil sehr viel Geld verloren. Seinen Platz im Deutschen Aktienindex DAX muss der Konzern an diesem Montag (22. Dezember) wegen des Kursrutsches räumen.
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) sind in Ermittlungsunterlagen schwere Vorwürfe gegen Fell laut geworden. So habe er als Finanzvorstand noch am 25. September bei einer Bankenkonferenz in München die Lage bei der irischen Tochter Depfa als stabil bezeichnet, obwohl er zuvor zusammen mit Funke wegen der Refinanzierungsprobleme der Bank bereits bei der Deutschen Bank vorgesprochen habe.
VOR DEM KOLLAPS GERETTET
Ende September stand die Hypo Real Estate wegen der Probleme der Depfa kurz vor dem Kollaps und musste von Banken und Bund mit 50 Milliarden Euro gerettet werden. Diese Summe reicht allerdings langfristig nicht aus. Derzeit verhandelt der Konzern nach eigenen Angaben mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) über weitere Unterstützungsmaßnahmen. Eine Größenordnung nannte der Konzern aber nicht.
Im Gegenzug für die staatliche Unterstützung musste die Hypo Real Estate ein neues Geschäftsmodell ausarbeiten, um ihre Zukunft zu sichern. Wieandt kündigte an, dass sich der Konzern künftig vor allem auf Deutschland und Europa konzentrieren und von anderen Teilen des Geschäfts trennen wird. "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit diesem Restrukturierungsprogramm auf dem richtigen Weg sind", sagte er. Mit Hilfe des Umbaus will die Bank die jährlichen Kosten bis 2011 um rund 200 Millionen Euro und bis 2013 um rund 250 Millionen Euro senken.
EINIGE GESCHÄFTE WERDEN EINGESTELLT
Unter anderem will die Hypo Real Estate die nicht zum künftigen Geschäftsmodell passenden Kapitalmarkt- und Handelsgeschäfte einstellen. Außerdem zieht sie den Verkauf von nichtstrategischen Aktivitäten in Betracht. Der bisher eher lose Unternehmensverbund soll stärker integriert werden. Dafür plant der Immobilienfinanzierer die Verschmelzung der Hypo Real Estate Bank International sowie der DEPFA Deutsche Pfandbriefbank AG auf die Hypo Real Estate Bank AG.
Die Kosten für den Konzernumbau in Höhe von rund 400 Millionen Euro werden das Jahresergebnis der Hypo Real Estate in diesem Jahr noch weiter belasten, da sie voraussichtlich zu einem Großteil ins Ergebnis des vierten Quartals eingestellt werden. Auch im operativen Geschäft ist keine Besserung eingetreten. "Die Bedingungen an den internationalen Kredit- und Immobilienmärkten haben sich im laufenden Quartal weiter eingetrübt", erklärte die Bank. Im dritten Quartal hatte der Konzern einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro gemacht./dw/cs/DP/das
ISIN DE0008027707
AXC0007 2008-12-21/13:46
