6. Januar 2010. Erst hoch, dann runter, dann wieder hoch - so oder so ähnlich könnte sich der deutsche Aktienmarkt 2010 aus technischer Sicht entwickeln. Bislang steuert das deutsche Börsenbarometer noch gerade aus.
Der deutsche Aktienmarkt tritt auf der Stelle. Nach einem positiven Start in die Woche verharrt der DAX wie bereits am Dienstag auch zur Wochenmitte in einer Seitwärtsspanne und notiert zur Mittagszeit 0,03 Prozent im Plus bei rund 6.033 Zählern. Wie Händler berichten, ist der Handel am Dreikönigstag vor allem von niedrigen Umsätzen geprägt. "Ein Richtungseinschlag am Markt ist erst ab der kommenden Woche zu erwarten. Dann zeigt sich, ob sich die Erholung vom Jahresschluss fortsetzt oder doch ein neuer Rückschlag folgt", kommentiert ein Börsianer. Aus technischer Sicht scheint ein versöhnlicher Jahresauftakt derzeit durchaus möglich.
An der Schwelle zur Verschnaufpause
Nach Einschätzung von Jörg Scherer, technischer Analyst der HSBC Trinkaus, stehen die Chancen für einen freundlichen Jahresstart am deutschen Aktienmarkt gut. Dann sollte der DAX aber noch einmal korrigieren: "Wenn man die Kursentwicklung in vergangenen Rezessionsphasen analysiert, fällt auf, dass die anschließende erste Erholungsphase von schnellen, dynamischen Gewinnen gekennzeichnet war. Im Anschluss kommt es in der Regel zu einer deutlichen Verschnaufpause an den Aktienmärkten, in deren Verlauf die Bewertungen zunächst in das erreichte Erholungsniveau hineinwachsen müssen. Exakt an dieser Schwelle dürften die internationalen Aktienmärkte derzeit stehen", meint Scherer. Analog zu 2004 sei daher ein freundlicher Jahresauftakt möglich. Dabei sollte der DAX bis in eine Widerstandszone vorstoßen, die beim Tief vom Juli 2008 bei 5.999 Punkten ihren Ursprung habe und sich über verschiedene Hoch- und Tiefpunkte bis knapp 6.200 Punkten erstrecke. "Dieses Widerstandsbündel dürfte das Aktienbarometer dann zum Anlass nehmen, um eine ruhigere Gangart anzuschlagen und in eine Konsolidierungsphase überzugehen." Die Anleger sollten aus Sicht von Scherer in diesem Zusammenhang vor allem auf die Ausbildung einer Konsolidierungsformation - insbesondere einer Flagge - achten. "Dieses Kursmuster nutzte der DAX auch 2004 zum Kräftesammeln."
Übersee deutet auf Zwischenkonsolidierung
Auf eine Verschnaufpause deuteten derzeit auch die langfristigen Charts des S&P500 sowie des Dow Jones Transportation hin. "Beide US-Indizes notieren im Dunstkreis noch gültiger langfristiger Baissetrends, in deren Umfeld die dynamische Erholung seit den Märztiefs eine Unterbrechung erfahren sollte. In der Folge können wir uns beim DAX durchaus einen Backtest der alten Ausbruchsmarken zwischen 5.311 und 5.111 Punkten vorstellen", argumentiert Scherer. Letztlich dürften diese Schlüsselmarken nach Einschätzung des Technikers aber verteidigt werden. "Ein Abgleiten unter diese Bastion würde die im Jahr 2009 vollzogene Bodenbildung in Frage stellen und die Bären wieder in Stellung bringen. Dieses Level ist daher als Katastrophenstopp für das neue Jahr prädestiniert."
Schlussspurt zum Jahresende
Zum Jahresende erwartet der Analyst dann noch einmal einen starken Schlussspurt am deutschen Aktienmarkt, der für ein versöhnliches Gesamtjahr sorgen sollte. Die überaus starke Entwicklung im vergangenen Jahr sollte nach Ansicht von Scherer aber nicht erreicht werden. Als Kursziel bis Ende 2010 sieht der Techniker aktuell das Hoch vom August 2008 bei 6.627 Punkten.
Anleger unentschieden
Die Anlegerstimmung beim DAX hat sich im Vergleich zum 16. Dezember leicht eingetrübt, das ergibt zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. So gewinnt das Bärenlager bei den Bluechips drei Prozent, wovon ein Prozent zuvor noch long positioniert war. Beim TecDAX überwiegen unterdessen die Optimisten.
Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter oder schicken Sie uns eine Email an redaktion@deutsche-boerse.com.
© 6. Januar 2010 / Karoline Koch
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
AXC0076 2010-01-06/15:01
