New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street fand heute auf den Weg der Genesung zurück, wenn auch noch etwas zittrig. Zu den Zugmaschinen zählt jetzt wohl auch der künftige Präsident Barack Obama, der am 20. Januar das Zepter übernimmt. Der baldige US-Regierungschef arbeitet gemeinsam mit den Kongressmitgliedern „seiner“ „Demokratischen Partei an einem weiteren Stimmulierungs-Programm im Volumen von bis zu 775 Milliarden Dollar. Dazu sollen auch Steuersenkungen im Gesamtwert von 300 Milliarden Dollar gehören. Damit sollen die Unternehmen angeregt werden, wieder mehr Leute einzustellen und zu investieren. Außerdem soll die schlaffe Nachfrage der Verbraucher wieder in Schwung gebracht werden.
Die Fantasie auf die zahlreichen neuen Konjunkturpakete trösteten heute wieder über die aktuell noch sehr schwache Wirtschaftslage hinweg. Daher ließ sich der Aktienmarkt nur vorübergehend von Konjunkturnachrichten des Tages irritieren, die wie gewohnt sehr durchwachsen ausfielen:
Silberstreif in der Service-Economy
Der US-Dienstleistungsbereich, der gut 80 Prozent der amerikanischen Wirtschaft ausmacht, erholte sich im Dezember vom im November erreichten Tiefstand von 37,7 Punkten auf 40,6 Punkte. Die pessimistischen Volkswirten hatten dagegen einen Rückgang auf 36,5 Punkte in Aussicht gestellt.
Werte unter der 50-Prozent-Marke bedeuten zwar, dass der Dienstleistungssektor schrumpft. Die jetzt signalisierte relative Verbesserung ist aber genau das Zeichen, auf das die Wall Street momentan hofft: Es wir nicht mehr schlimmer (jedenfalls in der dominierenden Service-Economy).
Weniger Hoffnung machten allerdings die restlichen Meldungen des Tages. Im November schmolzen die Auftragseingänge der US-Industrie um 4,6 Prozent (Konsenserwartung: Rückgang 2,3 Prozent).
Die noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe schrumpften im November gegenüber dem Vormonat um 4,0 Prozent (Konsenserwartung: minus 1,0 Prozent).
Die Einzelhandelsumsätze (in Läden, die bereits schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen) sanken in der vergangenen Woche im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent, im Vergleich zur Vorwoche verbesserten sie sich allerdings um 1,4 Prozent.
Trost von der Fed
Um 14:00 Uhr US-Ostküstenzeit (20.00 Uhr MEZ) veröffentlichte die Fed das Protokoll zu ihrem Zinssenkungs-Beschluss vom 16. Dezember. Sie sieht erhebliche Risiken für die Wirtschaft und befürchtet, dass die Arbeitslosigkeit bis in das Jahr 2010 hinein ansteigt, andererseits rechnet sie mit abnehmendem Inflationsdruck.
Ein Quantum Trost spendete aber ihre Bereitschaft, das Fächer ihrer geldpolitischen Instrumente gehörig auszuweiten, um den Abschwung aggressiv zu bekämpfen. Dazu gehört der Ankauf von Anleihen, die durch Hypotheken besichert sind und möglicherweise auch von langfristigen US-Regierungsanleihen, um den Zins auch im langfristigen Bereich zu drücken.
Normalerweise beschränkt sich die Zinspolitik der Notenbank auf den kurzfristigen Geldmarktsatz, der jetzt aber schon die Null-Prozent-Grenze erreicht hat. Jetzt will sie auch Unternehmens- und Konsumenten-Darlehen gezielt verbilligen. Die Zinsen für hypotheken-gesicherte Wertpapiere des staatlich kontrollierten Immobilienfinanzierers Fannie Mae sanken bereits schon auf eine Rekordtief.
Boden bereits im vergangenen Quartal gefunden?
Da die Wall Street stets versucht, die Zukunft vorauszunehmen, preist sie bereits jetzt den Erfolg der wirtschaftspolitischen Gegensteuerung ein. Vermutlich teilen viele Investoren die Vermutung von Byron Wien: „Die Wall Street hat bereits im vergangenen Quartal den Boden gefunden“. Der Stratege, früher für Morgan Stanley, heute beim Hedgefonds Pequot Capital, glaubt jedenfalls, der S&P 500 sollte in diesem Jahr 33 Prozent gewinnen. Einen Schritt in diese Richtung gab es bereits heute:
Der Dow Jones Industrial Average gewann 0,69 Prozent auf 9.015 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 stieg 0,78 Prozent auf 934 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte 1,5 Prozent auf 1.652 Punkte.
Dow Jones Average: Mut zum Risiko
Tops:
Der Top des Dow war Hewlett-Packard mit plus 8,2 Prozent auf 39,31 Dollar. Die globalen Konjunkturprogramme lassen anscheinend auch die Zukunftsaussichten der Weltmarktführers bei PCs und Druckern in einem rosigern Licht erscheinen. Außerdem war heute wieder Technologie gefragt, weil die Anleger mehr Risiko wagen.
General Motors gewann 6,2 Prozent auf 3,94 Dollar. Der bereits gestern gebeichtete Absatzrückgang im Dezember verlief glimpflicher als befürchtet.
American Express, gestern bereits der Top, kletterte auf den 3. Platz mit einem Tagesgewinn von 5,6 Prozent auf 21,07 Dollar. Die Konjunkturprogramme, vor allem die erwarteten Steuersenkungen, mindern die Furcht vor zahlungsunfähigen Kreditkartenschuldnern.
Flops:
Heute wurden viele (defensive) Gewinner von 2008 verkauft, weil die Gelder jetzt in riskantere Papiere gesteckt werden.
Das traf heute besonders McDonald´s mit minus 2,2 Prozent auf 62,14 Dollar. Im vergangenen Jahr zählte der Hamburger-King noch zu den Darlings der Wall Street wegen seiner robust wachsenden globalen Umsätze.
Coca Cola verlor 1,6 Prozent auf 44,71 Dollar.
Auch die als defensiv geltende Pharma-Titel hatten 2008 von der Risikoabneigung der Anleger profitiert. Jetzt werden sie anscheinend in riskantere Anlagen umgetaucht, die mehr Chancen versprechen. Konsequenz:
Merck minus 1,8 Prozent auf 29,97 Dollar und Pfizer minus 2 Prozent auf 17,80 Dollar.
S&P 500: Hoffnung auf den Konsumschub
Tops:
Ford gewann 7 Prozent auf 2,76 Dollar. Der bereits gestern gebeichtete Einbruch bei den Dezember-Verkaufszahlen fiel glimpflicher aus als befürchtet.
Dow Chemical kletterte 6 Prozent auf 16,05 Dollar. Der Chemiekonzern will den Ölstaat Kuweit wegen eines kürzlich geplatzten Deals verklagen. Man erhofft sich dafür mehr als 2 Milliarden Dollar Schadensersatz. Früher wurde in Deutschland wegen geplatzter Verlobungen geklagt, die Entschädigung dafür hieß Kranzgeld.
Zahlreiche Einzelhandels-Titel lebten von der Hoffnung auf den Konsumschub durch die Obama-Steuergeschenke. Der Wal-Mart Rivale Target gewann 5,5 Prozent auf 38,11 Dollar, der Kaufhausbetreiber JC Penney stieg 4,6 Prozent auf 22,50 Dollar, der Fashionhändler Nordstrom verteuerte sich 4,7 Prozent auf 15,91 Dollar.
Best Buy verbesserte sich 4,6 Prozent auf 22,50 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus lobte die Marktanteilsgewinne des Eletronik-Discounters, bleibt aber der Empfehlung „Halten“.
Gefragt waren auch die Airlines. Dort beflügelte das überraschend gute Passagieraufkommen vom Dezember. UAL meldete einen „Passenger Load Factor“ von 79,9 Prozent, die Aktie sprang 5,3 Prozent auf 12,06 Dollar. Continental erreichte 79,9 Prozent., die Aktie kletterte 6,1 Prozent auf 20,74 Dollar, die US Airways Group sprang 8,8 Prozent auf 9,06 Dollar.
Flops:
Intercontinental Exchange Inc. implodierte 14,3 Prozent auf 62,59 Dollar. Die größte US-Plattform für Futures wurde sowohl von UBS als auch von Goldman Sachs von „Kaufen“ auf “Neutral” degradiert. Anlass: Die Derviate-Umsätze fielen im vierten Quartal schwächer als erwartet aus.
Nucor verlor 3,7 Prozent auf 45,57 Dollar. Der größte Stahlkocher der USA wurde bei der UBS von „Kaufen“ auf „Neutral“ abgewertet. Die Schweizer rechnen weiterhin mit fallenden Stahlpreise und sinkender Nachfrage.
Nasdaq: Dreiste Gesundheit
„Die Investoren erwärmen sich wieder für das Risiko“ titelte das Wall Street Journal und erklärt damit auch die Nachfrage für den plötzlich wieder gefragten Technologiesektor und damit auch für die technologielastige Computerbörse.
Appetit zeigten die Anleger vor allem für Chips. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, kletterte 5 Prozent auf 234,56 Punkte.
Ciena explodierte 18,6 Prozent auf 8,40 Dollar. Der Netzwerkausrüster wurde bei Barclays von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ befördert mit einem Kursziel von 10 Dollar.
Apple verpasste die Technologie-Party und gab 1,7 Prozent auf 93,02 Dollar ab. Dort heulen die Leerverkäufer vor Wut. Seit Wochen tanzten sie schon auf Steve Jobs Grab. Gestern verkündete der Apple-CEO, dass sein Gewichtsverlust, der die Gerüchte seines baldigen Ablebens genährt hatte, von einem Hormonproblem verursacht wurde, das bei Frühling kuriert sein sollte. Der Broker Oppenheimer nahm die Gesundungs-Bekundung zum Anlass und hob die Apfel-Aktie von „Perform“ auf „Outperform“, senkte allerdings das Kursziel um 10 Dollar auf 135 Dollar, also näher an den aktuellen Börsenkurs heran. Jobs Statement beseitige die Sorgen über einen ungeplanten Führungswechsel bei den Kaliforniern, hieß es.
Die Oppenheimer-Kollegen von BMO Capital schraubten ihr Apple-Kursziel auf 108 Dollar herunter (von: 120 Dollar). Als Vorwand nannten sie die allgemeine Schwäche von den Verbraucher- und Ausbildungsausgaben. Mac-Rechner werden häufig im Schulwesen eingesetzt.
Das Spektakel um Steve überschattet Apples-Auftritt bei dem Publicity-Event MacWorld. Das dort präsentierte Angebot von Apple-Neuerungen war eher asketisch (MacBook mit 17 Inch Screen, iTunes ohne Kopierschutz) und daher anscheinend für viele Investoren enttäuschend.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, sprang dagegen 7,5 Prozent auf 46,56 Dollar. Vielleicht waren die Aktionäre erleichtert, dass während der spartanischen MacWorld-Veranstaltung kein BlackBerry-Killer gezeigt wurde.
Garmin verlor 4 Prozent auf 21,09 Dollar. Der größte US-Navigationsgeräte-Hersteller wurde bei Goldman Sachs auf die „Überzeugungs-Verkaufsliste“ gesetzt.
Internet: Zensur in China
Die wachsende Risikobereitschaft weckte anscheinend auch wieder den Appetit auf die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets.
Gefragt war vor allem der E-Commerce. Sollten Obamas Steuersenkungen tatsächlich den Konsum wider ankurbeln,. dürfte davon auch der Onlinehandel profitieren. Die Konsequenz: Amazon.com gewann 6,1 Prozent auf 57,36 Dollar.
Der Rivale Ebay kletterte 2,8 Prozent auf 15,18 Dollar.
Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content hielt sich etwas im Windschatten. Google avancierte 1,8 Prozent auf 334,06 Dollar. Laut Nielsen baute der Suchmaschinen-King seine US-Marktführung weiter aus.
Gestern schickte Bernstein die Telefonriesen Verizon und AT&T in den Keller, heute knöpfte sich der Broker den Internet-Giganten hervor. Dessen Bilanzbeschauer senkten die Umsatzschätzungen. Angeblich erhält Google für seine Kern-Suchbegriffe (Keywords) weniger Werbe-Dollar. Bernstein bleibt aber bei dem Urteil „Outperform“. Der Broker Meriman hob dagegen die Internetaktie von „Verkaufen“ auf „Neutral“.
Yahoo verbesserte sich um 1,1 Prozent auf 13,00 Dollar. Das Jahr hat begonnen, aber noch ist keion Nchfolger für CEO Jerry Yang in Sicht.
Baidu.com, verlor 1,5 Prozent auf 135,73 Dollar. Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen leidet unter der Zensur im kommunistisch kotrollierten Land. Unter dem Vorwand der Pornographie-Bekämpfung hat die Regierung in Peking eine neue Kampagne gestartet, um die Internet-Informationsvermittler stärker an die Kandare zu nehmen.
Öl: Pause im Bullenmarkt?
Das Öl bewegt sich schon längst wieder in einem Bullenmarkt (plus 44 Prozent seit dem Schlusstief 33,87 Dollar vom 19. Dezember, berichtet Bespoke), heute legte der strategische Energieträger eine Pause ein. Der Februar-Kontrakt für Crude an der New York Mercantile Exchange bröckelte um 4 Cents auf einen Schlusstand von 48,85 Dollar.
Gold: Eingrenzung des gestrigen Verlusts
Gestern fiel der Goldpreis, heute stieg er wieder. Der Gold-Kontrakt für Februar gewann heute an der New York Mercantile Exchange 7,81 Dollar auf schloss auf 865,60 Dollar,
Die Fantasie auf die zahlreichen neuen Konjunkturpakete trösteten heute wieder über die aktuell noch sehr schwache Wirtschaftslage hinweg. Daher ließ sich der Aktienmarkt nur vorübergehend von Konjunkturnachrichten des Tages irritieren, die wie gewohnt sehr durchwachsen ausfielen:
Silberstreif in der Service-Economy
Der US-Dienstleistungsbereich, der gut 80 Prozent der amerikanischen Wirtschaft ausmacht, erholte sich im Dezember vom im November erreichten Tiefstand von 37,7 Punkten auf 40,6 Punkte. Die pessimistischen Volkswirten hatten dagegen einen Rückgang auf 36,5 Punkte in Aussicht gestellt.
Werte unter der 50-Prozent-Marke bedeuten zwar, dass der Dienstleistungssektor schrumpft. Die jetzt signalisierte relative Verbesserung ist aber genau das Zeichen, auf das die Wall Street momentan hofft: Es wir nicht mehr schlimmer (jedenfalls in der dominierenden Service-Economy).
Weniger Hoffnung machten allerdings die restlichen Meldungen des Tages. Im November schmolzen die Auftragseingänge der US-Industrie um 4,6 Prozent (Konsenserwartung: Rückgang 2,3 Prozent).
Die noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe schrumpften im November gegenüber dem Vormonat um 4,0 Prozent (Konsenserwartung: minus 1,0 Prozent).
Die Einzelhandelsumsätze (in Läden, die bereits schon länger als ein Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen) sanken in der vergangenen Woche im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent, im Vergleich zur Vorwoche verbesserten sie sich allerdings um 1,4 Prozent.
Trost von der Fed
Um 14:00 Uhr US-Ostküstenzeit (20.00 Uhr MEZ) veröffentlichte die Fed das Protokoll zu ihrem Zinssenkungs-Beschluss vom 16. Dezember. Sie sieht erhebliche Risiken für die Wirtschaft und befürchtet, dass die Arbeitslosigkeit bis in das Jahr 2010 hinein ansteigt, andererseits rechnet sie mit abnehmendem Inflationsdruck.
Ein Quantum Trost spendete aber ihre Bereitschaft, das Fächer ihrer geldpolitischen Instrumente gehörig auszuweiten, um den Abschwung aggressiv zu bekämpfen. Dazu gehört der Ankauf von Anleihen, die durch Hypotheken besichert sind und möglicherweise auch von langfristigen US-Regierungsanleihen, um den Zins auch im langfristigen Bereich zu drücken.
Normalerweise beschränkt sich die Zinspolitik der Notenbank auf den kurzfristigen Geldmarktsatz, der jetzt aber schon die Null-Prozent-Grenze erreicht hat. Jetzt will sie auch Unternehmens- und Konsumenten-Darlehen gezielt verbilligen. Die Zinsen für hypotheken-gesicherte Wertpapiere des staatlich kontrollierten Immobilienfinanzierers Fannie Mae sanken bereits schon auf eine Rekordtief.
Boden bereits im vergangenen Quartal gefunden?
Da die Wall Street stets versucht, die Zukunft vorauszunehmen, preist sie bereits jetzt den Erfolg der wirtschaftspolitischen Gegensteuerung ein. Vermutlich teilen viele Investoren die Vermutung von Byron Wien: „Die Wall Street hat bereits im vergangenen Quartal den Boden gefunden“. Der Stratege, früher für Morgan Stanley, heute beim Hedgefonds Pequot Capital, glaubt jedenfalls, der S&P 500 sollte in diesem Jahr 33 Prozent gewinnen. Einen Schritt in diese Richtung gab es bereits heute:
Der Dow Jones Industrial Average gewann 0,69 Prozent auf 9.015 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 stieg 0,78 Prozent auf 934 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte 1,5 Prozent auf 1.652 Punkte.
Dow Jones Average: Mut zum Risiko
Tops:
Der Top des Dow war Hewlett-Packard mit plus 8,2 Prozent auf 39,31 Dollar. Die globalen Konjunkturprogramme lassen anscheinend auch die Zukunftsaussichten der Weltmarktführers bei PCs und Druckern in einem rosigern Licht erscheinen. Außerdem war heute wieder Technologie gefragt, weil die Anleger mehr Risiko wagen.
General Motors gewann 6,2 Prozent auf 3,94 Dollar. Der bereits gestern gebeichtete Absatzrückgang im Dezember verlief glimpflicher als befürchtet.
American Express, gestern bereits der Top, kletterte auf den 3. Platz mit einem Tagesgewinn von 5,6 Prozent auf 21,07 Dollar. Die Konjunkturprogramme, vor allem die erwarteten Steuersenkungen, mindern die Furcht vor zahlungsunfähigen Kreditkartenschuldnern.
Flops:
Heute wurden viele (defensive) Gewinner von 2008 verkauft, weil die Gelder jetzt in riskantere Papiere gesteckt werden.
Das traf heute besonders McDonald´s mit minus 2,2 Prozent auf 62,14 Dollar. Im vergangenen Jahr zählte der Hamburger-King noch zu den Darlings der Wall Street wegen seiner robust wachsenden globalen Umsätze.
Coca Cola verlor 1,6 Prozent auf 44,71 Dollar.
Auch die als defensiv geltende Pharma-Titel hatten 2008 von der Risikoabneigung der Anleger profitiert. Jetzt werden sie anscheinend in riskantere Anlagen umgetaucht, die mehr Chancen versprechen. Konsequenz:
Merck minus 1,8 Prozent auf 29,97 Dollar und Pfizer minus 2 Prozent auf 17,80 Dollar.
S&P 500: Hoffnung auf den Konsumschub
Tops:
Ford gewann 7 Prozent auf 2,76 Dollar. Der bereits gestern gebeichtete Einbruch bei den Dezember-Verkaufszahlen fiel glimpflicher aus als befürchtet.
Dow Chemical kletterte 6 Prozent auf 16,05 Dollar. Der Chemiekonzern will den Ölstaat Kuweit wegen eines kürzlich geplatzten Deals verklagen. Man erhofft sich dafür mehr als 2 Milliarden Dollar Schadensersatz. Früher wurde in Deutschland wegen geplatzter Verlobungen geklagt, die Entschädigung dafür hieß Kranzgeld.
Zahlreiche Einzelhandels-Titel lebten von der Hoffnung auf den Konsumschub durch die Obama-Steuergeschenke. Der Wal-Mart Rivale Target gewann 5,5 Prozent auf 38,11 Dollar, der Kaufhausbetreiber JC Penney stieg 4,6 Prozent auf 22,50 Dollar, der Fashionhändler Nordstrom verteuerte sich 4,7 Prozent auf 15,91 Dollar.
Best Buy verbesserte sich 4,6 Prozent auf 22,50 Dollar. Der Broker Stifel Nicolaus lobte die Marktanteilsgewinne des Eletronik-Discounters, bleibt aber der Empfehlung „Halten“.
Gefragt waren auch die Airlines. Dort beflügelte das überraschend gute Passagieraufkommen vom Dezember. UAL meldete einen „Passenger Load Factor“ von 79,9 Prozent, die Aktie sprang 5,3 Prozent auf 12,06 Dollar. Continental erreichte 79,9 Prozent., die Aktie kletterte 6,1 Prozent auf 20,74 Dollar, die US Airways Group sprang 8,8 Prozent auf 9,06 Dollar.
Flops:
Intercontinental Exchange Inc. implodierte 14,3 Prozent auf 62,59 Dollar. Die größte US-Plattform für Futures wurde sowohl von UBS als auch von Goldman Sachs von „Kaufen“ auf “Neutral” degradiert. Anlass: Die Derviate-Umsätze fielen im vierten Quartal schwächer als erwartet aus.
Nucor verlor 3,7 Prozent auf 45,57 Dollar. Der größte Stahlkocher der USA wurde bei der UBS von „Kaufen“ auf „Neutral“ abgewertet. Die Schweizer rechnen weiterhin mit fallenden Stahlpreise und sinkender Nachfrage.
Nasdaq: Dreiste Gesundheit
„Die Investoren erwärmen sich wieder für das Risiko“ titelte das Wall Street Journal und erklärt damit auch die Nachfrage für den plötzlich wieder gefragten Technologiesektor und damit auch für die technologielastige Computerbörse.
Appetit zeigten die Anleger vor allem für Chips. Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, kletterte 5 Prozent auf 234,56 Punkte.
Ciena explodierte 18,6 Prozent auf 8,40 Dollar. Der Netzwerkausrüster wurde bei Barclays von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ befördert mit einem Kursziel von 10 Dollar.
Apple verpasste die Technologie-Party und gab 1,7 Prozent auf 93,02 Dollar ab. Dort heulen die Leerverkäufer vor Wut. Seit Wochen tanzten sie schon auf Steve Jobs Grab. Gestern verkündete der Apple-CEO, dass sein Gewichtsverlust, der die Gerüchte seines baldigen Ablebens genährt hatte, von einem Hormonproblem verursacht wurde, das bei Frühling kuriert sein sollte. Der Broker Oppenheimer nahm die Gesundungs-Bekundung zum Anlass und hob die Apfel-Aktie von „Perform“ auf „Outperform“, senkte allerdings das Kursziel um 10 Dollar auf 135 Dollar, also näher an den aktuellen Börsenkurs heran. Jobs Statement beseitige die Sorgen über einen ungeplanten Führungswechsel bei den Kaliforniern, hieß es.
Die Oppenheimer-Kollegen von BMO Capital schraubten ihr Apple-Kursziel auf 108 Dollar herunter (von: 120 Dollar). Als Vorwand nannten sie die allgemeine Schwäche von den Verbraucher- und Ausbildungsausgaben. Mac-Rechner werden häufig im Schulwesen eingesetzt.
Das Spektakel um Steve überschattet Apples-Auftritt bei dem Publicity-Event MacWorld. Das dort präsentierte Angebot von Apple-Neuerungen war eher asketisch (MacBook mit 17 Inch Screen, iTunes ohne Kopierschutz) und daher anscheinend für viele Investoren enttäuschend.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des BlackBerry, sprang dagegen 7,5 Prozent auf 46,56 Dollar. Vielleicht waren die Aktionäre erleichtert, dass während der spartanischen MacWorld-Veranstaltung kein BlackBerry-Killer gezeigt wurde.
Garmin verlor 4 Prozent auf 21,09 Dollar. Der größte US-Navigationsgeräte-Hersteller wurde bei Goldman Sachs auf die „Überzeugungs-Verkaufsliste“ gesetzt.
Internet: Zensur in China
Die wachsende Risikobereitschaft weckte anscheinend auch wieder den Appetit auf die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets.
Gefragt war vor allem der E-Commerce. Sollten Obamas Steuersenkungen tatsächlich den Konsum wider ankurbeln,. dürfte davon auch der Onlinehandel profitieren. Die Konsequenz: Amazon.com gewann 6,1 Prozent auf 57,36 Dollar.
Der Rivale Ebay kletterte 2,8 Prozent auf 15,18 Dollar.
Der Bereich Portale/Suchmaschinen und Content hielt sich etwas im Windschatten. Google avancierte 1,8 Prozent auf 334,06 Dollar. Laut Nielsen baute der Suchmaschinen-King seine US-Marktführung weiter aus.
Gestern schickte Bernstein die Telefonriesen Verizon und AT&T in den Keller, heute knöpfte sich der Broker den Internet-Giganten hervor. Dessen Bilanzbeschauer senkten die Umsatzschätzungen. Angeblich erhält Google für seine Kern-Suchbegriffe (Keywords) weniger Werbe-Dollar. Bernstein bleibt aber bei dem Urteil „Outperform“. Der Broker Meriman hob dagegen die Internetaktie von „Verkaufen“ auf „Neutral“.
Yahoo verbesserte sich um 1,1 Prozent auf 13,00 Dollar. Das Jahr hat begonnen, aber noch ist keion Nchfolger für CEO Jerry Yang in Sicht.
Baidu.com, verlor 1,5 Prozent auf 135,73 Dollar. Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen leidet unter der Zensur im kommunistisch kotrollierten Land. Unter dem Vorwand der Pornographie-Bekämpfung hat die Regierung in Peking eine neue Kampagne gestartet, um die Internet-Informationsvermittler stärker an die Kandare zu nehmen.
Öl: Pause im Bullenmarkt?
Das Öl bewegt sich schon längst wieder in einem Bullenmarkt (plus 44 Prozent seit dem Schlusstief 33,87 Dollar vom 19. Dezember, berichtet Bespoke), heute legte der strategische Energieträger eine Pause ein. Der Februar-Kontrakt für Crude an der New York Mercantile Exchange bröckelte um 4 Cents auf einen Schlusstand von 48,85 Dollar.
Gold: Eingrenzung des gestrigen Verlusts
Gestern fiel der Goldpreis, heute stieg er wieder. Der Gold-Kontrakt für Februar gewann heute an der New York Mercantile Exchange 7,81 Dollar auf schloss auf 865,60 Dollar,
(© BörseGo AG 2007 - http://www.boerse-go.de, Autor: Maier Gerhard, Redakteur)
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