DJ HWWI erwartet für 2009 deutschen BIP-Rückgang um 1,2%
BERLIN (Dow Jones)--Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) rechnet im Jahr 2009 mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,2%. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten aktuellen HWWI-Konjunkturbericht hervor. Die konjunkturelle Talfahrt, die 2008 begonnen habe, werde sich Anfang 2009 fortsetzen. Der starke Nachfragerückgang aus dem Ausland werde die Exporte spürbar dämpfen. Das HWWI geht von einem Rückgang der Exporte um 2,5% im Jahr 2009 aus.
Erst in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich der Export wieder beleben, da von einer allmählichen Stabilisierung der Weltwirtschaft auszugehen sei. Auf das gesamte Jahr 2009 gesehen jedoch werde vom Außenbeitrag ein negativer Beitrag kommen.
Der private Konsum wird laut HWWI wegen der Kaufzurückhaltung als Folge der "ausgeprägten Verunsicherung" leicht um 0,5% zurückgehen. Ein stärkerer Rückgang dürfte nach HWWI-Einschätzung durch die günstigere Entwicklung der Preise verhindert werden. Den Verbraucherpreisanstieg sieht das Hamburger Institut im Jahr 2009 bei 1,2%.
Die Unternehmen werden aus HWWI-Sicht ihre Investitionen mit Blick auf die verschlechterten Absatz- und Ertragsperspektiven, aber auch der eingeschränkteren Finanzierungsmöglichkeiten, deutlich verringern. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften dementsprechend 2009 um 4,6% zurückgehen. Auch die Bauinvestitionen werden 2009 um 2,9% sinken. Lediglich der Staat wird laut HWWI Konsum und Investitionen ausweiten. Das HWWI sieht die Konsumausgaben des Staates bei plus 1,6%.
Die Zahl der Arbeitslosen wird im Jahresverlauf 2009 deutlich zunehmen und auf im Jahresschnitt 3,450 Millionen Personen steigen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird 2009 auf 40,047 Millionen zurückgehen.
Das HWWI verweist darauf, dass es auch konjunkturstützende Faktoren gebe. Der Rückgang der Ölpreise werde bei einem Verharren auf dem gegenwärtigen Niveau die deutsche Wirtschaft aufs Jahr hoch gerechnet um etwas mehr als 20 Mrd EUR entlasten, schreiben die Hamburger Konjunkturexperten. Die geringeren Einfuhrrechnungen für andere Energieträger belaufen sich laut HWWI noch einmal auf annähernd 5 Mrd EUR. Zusammen entspräche das etwas mehr als 1% des BIP.
Das HWWI geht davon aus, dass sich der Ölpreis in absehbarer Zeit zwischen 40 USD und 50 USD je Barrel bewegen wird. Die Abwertung des Euro werde sich fortsetzen. Im Prognosezeitraum dürfte der Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar um 1,25 USD pendeln.
Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die geldpolitischen Zügel im Frühjahr 2009 noch einmal lockern. Erst wenn sich die konjunkturelle Situation wieder zunehmend erhole, voraussichtlich 2010, dürften die Leitzinsen allmählich wieder angehoben werden.
Die Finanzpolitik werde im Jahr 2009 angesichts der bislang beschlossenen Konjunkturmaßnahmen expansiv wirken. Das Gesamtdefizit der öffentlichen Haushalte werde wieder zunehmen. Das Finanzierungssaldo des Staates sieht das HWWI im Jahr 2009 bei minus 0,8%.
Alles in allem zeichne sich für 2009 nach einem weiteren Rückgang der Konjunktur in den ersten Monaten im späteren Jahresverlauf eine "gewisse Wiederbelebung ab". Allerdings berge dieses Konjunkturszenario "mehr Risiken für eine noch ungünstigere Entwicklung" als Chancen für eine günstigere Entwicklung als prognostiziert. Weitere Negativentwicklungen im Finanzsektor würden die Gefahr einer Kreditklemme erhöhen.
Aber auch in der Realwirtschaft gebe es Fehlentwicklungen. Die US-Autoindustrie etwa stehe am Abgrund, da sie technisch wie wirtschaftlich neue Entwicklungen "verschlafen" habe. Eine Ausweitung des Pessimismus bei privaten Haushalten und Unternehmen könnte zu einer Abwärtsspirale von nachlassender Nachfrage sowie sinkender Beschäftigung und Einkommen führen.
Webseite: http://www.hwwi.org -Von Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4122, beate.preuschoff@dowjones.com DJG/bep/apo Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de
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January 07, 2009 09:25 ET (14:25 GMT)
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