DJ UPDATE: Euroraum-Wirtschaftsstimmung deutet auf BIP-Einbruch hin
(NEU: Details, Stimmen von Bankvolkswirten)
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunkturabkühlung im Dezember 2008 erneut drastisch eingetrübt. Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung sank auf 67,1 Punkte von 74,9 im Vormonat, wie Eurostat am Donnerstag mitteilte. Damit lag der Index zur Wirtschaftsstimmung zum Jahresende auf einem historischen Tiefststand: Seit dem Start der Erhebungen im Januar 1985 hatte der "Economic Sentiment Indicator" (ESI) stets höher gelegen.
Volkswirte hatten für die Eurozone mit einem Indexstand von 71,3 gerechnet. Im Januar 2008 hatte der Index noch über der Marke von 100 Punkten gelegen. Für die gesamte Europäische Union (EU) wurde für den Indikator im Dezember ein Rückgang auf 63,5 Punkte von 70,5 ausgewiesen. Auch dies stellte ein Allzeittief dar.
Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil rechnet angesichts derart schwacher Zahlen damit, dass die Wirtschaft im Euroraum im Schlussquartal um 1,6% (Quartalsrate) geschrumpft ist und geht davon aus, dass das BIP in der ersten Hälfte 2009 weiter sinken wird. Angesichts der Perspektive eines BIP-Rückgangs um 2% bis 3% im vollen Jahr 2009 werde die EZB ihren Leitzins in den kommenden Monaten auf 1,00% reduzieren, prognostizierte der Commerzbank-Volkswirt.
Im dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums nach aktuellen Eurostat-Berechnungen um 0,2% gesunken, wobei Wachstumbeiträge allein von den Lagerveränderungen und vom Staatskonsum kamen. Der für den Euroraum entscheidende Außenhandel kostete das BIP dagegen 0,6 Prozentpunkte.
Der Sammelindex zur Wirtschaftsstimmung umfasst die Einschätzung von Industrie, Bauwirtschaft und Dienstleistungsgewerbe sowie das Verbrauchervertrauen und die Entwicklung des Einzelhandels in der EU. Für Deutschland fiel der Index im Dezember auf 77,0 Punkte von 82,3 im November. Für Frankreich wurde eine Abnahme auf 75,4 von 83,6 verzeichnet. In Italien verringerte sich der Index zur Wirtschaftsstimmung auf 71,0 von zuvor 80,9; in Spanien auf 57,0 von zuletzt 63,3. Den größten Einbruch musste die Niederlande mit einem Minus von 13,2 Punkten auf 65,2 hinnehmen.
Die beiden am meisten beachteten ESI-Komponenten - das Industrie- und das Verbrauchervertrauen - verzeichneten dabei im Dezember ebenfalls nie da gewesene Tiefstände. Die Zuversicht der Industrie in der Eurozone verschlechterte sich gegenüber dem Vormonat um 8 Punkte auf minus 33, für die gesamte Union wurde ein Rückgang um 7 Punkte auf minus 32 ausgewiesen. Beim Verbrauchervertrauen für den gemeinsamen Währungsraum wurde ein Indexstand von minus 30 (Vormonat: minus 25) gemeldet. Für die gesamte EU belief sich dieser Index auf minus 28 (minus 24).
UniCredit-Volkswirt Aurelio Maccario verwies darauf, dass sich die Eintrübung des Verbrauchervertrauens scheinbar unbeeindruckt vom deutlichen Rückgang der Inflation und der Inflationserwartungen vollziehe. Die Verbraucherpreise im Euroraum waren im Dezember nur noch mit einer Jahresrate von 1,6% (Vormonat: 2,1%) gestiegen. Der Index der im Rahmen der ESI-Umfrage erhobenen Inflationserwartungen der Konsumenten sank im Dezember um vier Punkte auf plus 7. Im Juni hatte er bei plus 31 notiert.
Eine Zinssenkung um 50 Basispunkte am 15. Januar ist für Maccario mit den aktuellen Daten wahrscheinlicher geworden. Gleichwohl sei angesichts der Stimmung im EZB-Rat und der Haltung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine Senkung um nur 25 Basispunkte wohl realistischer.
Schwach fiel in der Eurozone auch der Stimmungsindex für den Einzelhandel aus (minus 19 nach minus 13), während der Stimmungsindex für den Dienstleistungssektor bei minus 17 (minus 12) notierte. Der Index für die Bauwirtschaft fiel auf minus 27 von minus 24.
Beim Verbrauchervertrauen wurde auch für Deutschland eine erneute Verschlechterung um 7 Punkte auf minus 22 ausgewiesen. Für Frankreich stellte sich der entsprechende Index auf minus 34 (minus 29). Während sich das Industrievertrauen in Deutschland um 6 Punkte auf minus 34 eintrübte, verschlechterte es sich in Frankreich sogar noch stärker auf minus 39 (minus 29).
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January 08, 2009 06:32 ET (11:32 GMT)
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