DJ UPDATE: Rezession trifft deutsche Bauindustrie wohl erst 2010
(NEU: Weitere Details) Von Beate Preuschoff Dow Jones Newswires
BERLIN (Dow Jones)--Die deutsche Bauindustrie erwartet für ihre Branche die "volle Wucht" der Rezession erst im Jahr 2010. "Ein Auftragsbestand von 23,5 Mrd EUR zu Beginn des vierten Quartals 2008 - der höchste Wert seit 2001 - wird dafür sorgen, dass die Produktion bis weit in das erste Halbjahr 2009 hinein vergleichsweise stabil verläuft", sagte Herbert Bodner, der neue Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), am Donnerstag in Berlin.
Erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 dürften Kapitalmarktkrise und fortschreitende gesamtwirtschaftliche Rezession den Bau erreichen. Dabei werde die Baurezession zunächst die kleineren Unternehmen mit vergleichsweise niedrigen Auftragsbeständen, spätestens in der zweiten Jahreshälfte dann auch den Baumittelstand und die größeren Unternehmen erfassen. "Der Hauptverband erwartet deshalb, dass sich die volle Wucht der gesamtwirtschaftlichen Rezession erst im Jahr 2010 in der deutschen Bauwirtschaft niederschlagen wird", sagte Bodner. Eine konkrete Prognose für das Jahr 2010 machte Bodner nicht.
Auch ein florierender öffentlicher Bau werde 2009 die Einbrüche im Wohnungsbau und vor allem im Wirtschaftsbau real nicht ausgleichen können. Dazu sei der öffentliche Bauanteil mit 30% zu niedrig. Die Impulse im öffentlichen Sektor dürften 2009 deutschlandweit bestenfalls für eine Stagnation der nominalen Umsätze ausreichen. "Auch bei nur moderat steigenden Baupreisen dürfte das reale Produktionsniveau deshalb 2009 um etwa 2% sinken", sagte der HDB-Präsident.
Mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise sei zudem damit zu rechnen, dass die Zahl der Stornierungen steigen werde. Etwa 14% aller Unternehmen des Bauhauptgewerbes hätten bereits im September 2008 Stornierungen zu verkraften gehabt. Ein Jahr zuvor waren es nur 7% der Unternehmen.
Es sei zudem festzustellen, dass die Banken für größere Projekte zurzeit nur sehr zögerlich Kredite zur Verfügung stellten. Ein Teil der Banken ziehe sich sogar aus diesem Markt zurück. "Die verbleibenden Banken begrenzen die Höhe der bereitgestellten Kredite oder schrauben die Hürden so hoch, dass die Rentabilität der Projekte gefährdet ist", sagte Bodner.
Trotz des sich abzeichnenden Abschwungs in der Bauwirtschaft müssten die Beschäftigten nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten. Der Hauptverband geht davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten 2009 nur um etwa 5.000 Personen auf etwa 700.000 Personen sinken wird.
Impulse für die Bauwirtschaft erwartet die Branche aus dem ersten und dem geplanten zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung. Mit den Maßnahmen aus dem ersten Paket werde die Regierung 2009 voraussichtlich Bauinvestitionen in einem Umfang von 3 Mrd EUR anstoßen. Den Schwerpunkt des zweiten Konjunkturprogrammes sieht der HDB im Bereich der kommunalen Infrastruktur sowie im Bereich der Verkehrswege.
Bodner forderte den Bund auf, die "Durchfinanzierung der Projekte" über die Laufzeit des Konjunkturprogrammes hinaus sicherzustellen. Außerdem sprach er sich für eine rasche Ausschreibung öffentlicher Aufträge schon zu Beginn des Jahres aus. Zudem sollten in dieser Krisensituation nicht allein kurzfristig wirksame Maßnahmen, sondern auch mittelfristige Projekte ins Auge gefasst werden. Skepsis äußerte Bodner gegenüber den Vorschlägen zu einer generellen Lockerung des Vergaberechts. Diese dürfe keinesfalls zu Lasten des Rechtsschutzes, der Transparenz der Verfahren und Wirtschaftlichkeit gehen.
Eine positive Bilanz konnte Bodner für das Jahr 2008 ziehen. Die deutsche Bauwirtschaft habe sich gegen Kapitalmarktkrise und gesamtwirtschaftliche Rezession gut behaupten können. "Die Unternehmen des deutschen Bauhauptgewerbes haben nach Schätzung des Hauptverbandes 2008 ihre Umsätze noch einmal um nominal 6% gesteigert", sagte Bodner. Dies übertreffe deutlich die bisherige Umsatzerwartung des Verbandes von nominal plus 4%. Wegen des Baupreisanstieges von etwa 4% blieb am Ende ein reales Umsatzplus von 2% übrig.
Das erfreuliche Jahresergebnis weise jedoch große Unterschied nach Bausparten, Unternehmensgrößen und Regionen auf. Motor des Bauaufschwungs 2008 war der Wirtschaftsbau mit einem nominalen Umsatzplus von 10%. Beim Öffentlichen Bau lag es bei 6%, beim Wohnungsbau bei nominal plus 1%. Die Umsätze in den westdeutschen Bauunternehmen konnten 2008 um nominal 7% gesteigert werden, in den ostdeutschen Baufirmen um nominal 3%.
Webseite: http://www.bauindustrie.de -Von Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4122, beate.preuschoff@dowjones.com DJG/bep/apo Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de
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January 08, 2009 10:57 ET (15:57 GMT)
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