DJ UPDATE: Commerzbank wird teilverstaatlicht
(NEU: Weitere Details, Aktienkurs) Von Rüdiger Schoß und Madeleine Winkler DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Commerzbank AG erhält eine weitere Finanzspritze vom Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) im Umfang von 10 Mrd EUR und wird infolgedessen zu gut einem Viertel verstaatlicht. Damit nimmt das Frankfurter Institut erneut die Hilfen des Staates in Anspruch, der den DAX-Konzern jetzt insgesamt mit 18,2 Mrd EUR unterstützt.
Wie die Commerzbank am Donnerstag mitteilte, gibt sie nun rund 295 Mio neue Stammaktien für je 6 EUR aus. Nach der Transaktion hält der Bund 25% plus eine Aktie an der Commerzbank. Zusätzlich bekommt das Institut vom SoFFin eine stille Einlage über rund 8,2 Mrd EUR - eine solche Hilfe hatte die Bank bereits schon einmal erhalten. Die Kernkapitalquote der Bank soll durch die Schritte rund 10% erreichen.
Die bevorstehende Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz sieht die Commerzbank nun kurz vor ihrem Abschluss stehen. Den Verkauf ihrer Bankentochter hatte die Allianz vergangenes Jahr vereinbart. Der Anteil der Allianz an der neuen Commerzbank wird wegen der SoFFin-Kapitalspritze aber auf 14% verwässert. Ursprünglich hatte der Münchener Versicherungskonzern mit einem Anteil von 18% an der Commerzbank nach dem Verkauf der Dresdner Bank gerechnet.
Die Allianz unterstützt ihre Tochter nun noch einmal vor dem Abschluss der Verkaufs. So leistet der Versicherer bei der Dresdner Bank eine stille Einlage von 750 Mio EUR. Darüber hinaus übernimmt die Allianz von der Dresdner Bank für rund 1,1 Mrd EUR verbriefte Wertpapiere, sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDOs), im Nominalwert von 2,0 Mrd EUR, was zu einer Entlastung der Eigenkapitalanforderungen bei der Dresdner Bank um 700 Mio EUR führt.
Das Bundesfinanzministerium (BMF) teilte mit, die Transaktion werde als Hilfe für eine künftig erfolgreiche Arbeit der zweitgrößten Bank Deutschlands verstanden. "Damit ist das Feld bereitet für eine erfolgreiche Zukunft der künftigen neuen und größeren Commerzbank", erklärte Torsten Albig, Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Der Bund verstehe seine Beteiligung nicht als "Teilverstaatlichung, sondern als Wahrnehmung unserer Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt".
Die Commerzbank werde nun mit einer Kernkapitalquote von etwa 10% in der Lage sein, sich auch in der Finanzmarktkrise erfolgreich und wettbewerbsfähig aufzustellen. Wirtschaftsminister Michael Glos sagte dem "Handelsblatt", der Einstieg des Bundes müsse kein Verlustgeschäft sein. "Der Bund kann seine Beteiligung wieder verkaufen und damit Gewinn machen", sagte Glos.
Am Aktienmarkt wurde die Teilverstaatlichung dagegen klar negativ aufgenommen. Commerzbank-Aktien reagierten mit Verlusten von zeitweise mehr als 20%. Den Handel beendete die Aktie mit minus 13,8% bei 5,25 EUR.
LBBW-Analyst Olaf Kayser sagte mit Blick auf die Verwässerung der Aktien, die Ereignisse seien für die Aktionäre durchweg negativ. "Das Ganze zeigt, wie extrem die Situation bei der Dresdner Bank und auch bei der Commerzbank ist." Die Maßnahmen sollten zunächst ausreichen, aber niemand wisse, wie der Markt sich weiter entwickelt.
Analyst Konrad Becker von Merck Finck sagte, dass die Bank alle erdenklichen Risiken abdecken wollte, um sich in den kommenden Monaten ganz auf die Integration der Dresdner Bank konzentrieren zu können.
Webseiten: http://www.commerzbank.de
http://www.allianz.de
http://www.dresdner-bank.de
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